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Olafs Blog - Glenorchy, 05. Februar 2007

Begegnungen

Eigentlich wollte ich meine letzten Einsichten zum Thema Australien schon vor einer ganzen Weile niederschreiben, aber unser aktueller Aufenthaltsort Neuseeland hält uns momentan ausserordentlich auf Trab. Hier kann man wirklich alles tun, was man schon immer mal tun wollte. Für mich heisst das Drachenfliegen und Reiten lernen, evtl. auch Freeclimbing. Aber auch für noch abenteuerlustigere Naturen wird hier jede Menge geboten, von Falschirmspringen über Bungy Jumping bis hin zu Rafting. Aber darüber werde ich in meinem nächsten Blog ausführlich berichten.
Jetzt erstmal zurück nach Australien und zu dem eigentlichen Thema meines Blogs: Begegnungen. Wir haben auf unserer Website die Rubrik Menschen, die leider lange nicht so gut und ausführlich gepflegt ist, ich mir das vorstelle. Dies liegt allerdings nicht daran, dass wir auf unserer Reise niemanden kennengelernt hätten, sondern hängt eher damit zusammen, dass wir gar nicht soviel Zeit haben, jede unserer Begegnungen ausführlich zu beschreiben. Hinzu kommt, dass es von seinem Gegenüber manchmal auch einfach ein bisschen viel verlangt wäre, wenn man über jeden interessanten Menschen ein Porträt machen und es veröffentlichen würde.

Neben der grossartigen Natur waren es aber vor allem unsere Begegnungen, die das Land für uns so interessant gemacht hat. Der grosse Vorteil hier ist, dass man anders als in den anderen von uns besuchten (Ausnahme Russland, da wir ein wenig Russisch sprechen) sich wieder ausführlich mit den Menschen in einer gemeinsamen Sprache (Englisch, bei Touris auch Deutsch) unterhalten kann. Im folgenden will ich nun ohne Anspruch auf Vollständigkeit in chronologischer Reihenfolge die Menschen vorstellen, denen wir während unseres siebenwöchigen Aufenthaltes in Australien begegnet sind.

Kieran und Lisa, unsere Surflehrer in Lancelin. Kieran ist fast 365 Tage im Jahr am Strand und bringt mehr oder weniger begabten Touris das Surfen bei. Er ist Anfang 30 und wenn er keine Schüler hat geht er selber surfen. Sein Lieblingsspruch ist das überall in Australien verbreitete "No worries". Bei Kieran kann man im Gegensatz zu den anderen Australien davon ausgehen, dass diese Bemerkung ernst gemeint ist und man sich wirklich keine Sorgen machen braucht. Seine Frau Lisa hat den vergleichsweise stressigeren Job abgefasst. Sie muss mehrmals in der Woche morgens schon um 4 Uhr aufstehen, um die Surfschüler aus dem ca. 70 km entfernten Perth an den Strand von Lancelin zu holen.

Jürgen Preuss, der Deutsche, der den australischen Eingeborenen das Boomerang Werfen beibringt. Jürgen hatten wir kennengelernt als wir schon relativ spät am Abend eine Unterkunft auf einem Campingplatz in der Nähe von Perth suchten. Zunächst hatte Chris, der Ranger des Parks, in dem sich der Campingplatz befindet, ein Herz mit uns und ließ uns trotzdem er eigentlich ausgebucht war, auf dem Platz übernachten. Chris verwies uns an Jürgen, der schon länger dort war und als Gegenleistung für kostenlose Unterkunft ein bisschen das Mädchen für alles auf dem Platz war. Jürgen konnte superspannende Geschichten über seine Reisen und Beschäftigungen während seines bereits seit Anfang der 70er dauernden Aufenthaltes in Australien erzählen. Insbesondere brachte er uns die Geschichte des Boomerangs bei und erzählte ein wenig über die Aborigines, die er während seiner Tätigkeit besucht hatte. Leider haben die australischen Eingeborenen viele ihrer ursprünglichen Traditionen selbst verlernt, so dass ein Deutscher sie bei ihnen wieder in Erinnerung rufen musste. Jürgen hatte eine grosse Sammlung mit Zeitungsausschnitten dabei, in denen er mit 70er Hippie Outfit zu sehen war und wo über seine Tätigkeit in Australien berichtet wurde. Ausserdem lernten wir, dass viele Australier ihr Bier selber brauen und dass man die dazu benötigten Zutaten als Fertigmischung für wenige Dollar in jedem Supermarkt zu kaufen gibt. Das war für besonders deshalb erstaunlich, da in Australien Alkohol eigentlich nur in streng reglementierten "Bottleshops" erhältlich ist. Leider hatte Jürgen keine gekühlte Probe seines Eigengebräus vorrätig, so dass wir uns von der Qualität nicht selbst überzeugen konnten.

Für unsere Tour auf Kangaroo Island haben unsere Fahrräder bei Ray gemietet. Ray hat die meiste Zeit seines Lebens in Fahrradläden gearbeitet und ist auch in seinen geschätzten 50ern noch ein begeisterter Fahrradfahrer. Jeden Tag fährt er ein knappe Stunde (one way) zwischen seinem Haus und seiner Arbeitstelle, der Jugendherberge in Penneshaw, mit seinem Fahrrad. Ray hat immer gute Laune und hat uns mit kostenloser Übernachtung (unter der Hand versteht sich) in der Jugendherberge geholfen, unser Budget nicht zu sehr zu strapazieren. Wenn die Herberge voll ist, lässt er Reisende auch schon mal bei sich und seiner Frau in seinem Haus übernachten. Ray konnte uns jede Menge über das Inselleben berichten, womit die Leute hier Geld verdienen, über die Grundstückspreise bis hin zu den Müllgebühren.

In Melbourne sind wir sehr herzlich bei Ursula und Günter aufgenommen wurden. Wir kannten die Beiden bis dahin gar nicht. Sabines Vater hatte Günter bei einem Krankenhausaufenthalt in Deutschland kennengelernt. Für uns war es eine weitere Gelegenheit, ein wenig mehr Einblick das Alltagsleben in Australien zu bekommen. Günter und Ursula sind beide Deutsche, die schon sehr früh in den 60ern nach Australien ausgewandert sind. Besonders Günters Auswanderergeschichte war ungewöhnlich. Er fuhr seinerzeit für eine deutsche Reederei zur See und hatte auf der Fahrt eine Meinungsverschiedenheit mit dem Kapitän. Dieser reagierte ziemlich krass und setzte Günter in Sydney kurzerhand an Land, allerdings ohne ihm seinen Lohn für die letzten 8 Monate Arbeit an Bord auszuzahlen. Günter stand dann plötzlich mit gerademal 5 australischen Pfund in Sydney. Er fand aber schnell eine Beschäftigung und hatte bald genug Geld, um sich Australien auf eine einjährigen Autotour ausführlich anzuschauen. Er lernte das Land schätzen und traf irgendwann Ursula. Ursula war in den 60ern mit einem Anwerbeprogramm der australischen Regierung ins Land gekommen. Sie musste sich für zwei Jahre in ihrem Job als Sekretärin verpflichten und bekam dafür eine günstige Überfahrt nach Downunder gesponsort. Nach einem Zwischenspiel in Deutschland gefällt es den beiden in Australien so gut, dass sie von dort auch nicht mehr wegziehen wollen.

Auf unserem Weg nach Sydney haben wir Leigh und Marilyn in der Kleinstadt Albury besucht. Den beiden sind wir in Tibet immer wieder über den Weg gelaufen und sie waren uns gleich auf dem ersten Blick sympatisch. Als wir ihnen schrieben, dass wir gerade durch Australien reisen, haben uns die beiden gleich zu sich nach Hause eingeladen. Leigh ist knapp über 60 und arbeitet als Ingenieur im Stadtplanungsbüro von Albury. Leigh hat uns von einer besonders angenehmen Seite des australischen Arbeitslebens berichtet. Nach 10 Jahren Beschäftigung für denselben Arbeitgeber bekommt man hier 12 Wochen bezahlten Urlaub, einen sogenannten "Long service leave". Dies gilt auch für die freie Wirtschaft und ist wie wir finden eine sehr kompfortable Einrichtung. Leigh und Marilyn hatten diese Gelegenheit genutzt, um drei Monate lang China zu bereisen, wo wir sie dann getroffen hatten. In Albury hatten wir uns dann gegenseitig auch jede Menge über unseren jeweiligen Reiseerlebnisse zu erzählen. Wir gingen gemeinsam auf eine Weintour in der Region und probierten die extrem leckeren Oliven, die ein ausgewanderter Holländer in den dortigen Bergen züchtet. Trotz der gut 25 Jahre Altersunterschied entdeckten wir neben der gemeinsamen Vorliebe für gutes Essen und gute Weine noch jede Menge weitere Gemeinsamkeiten. Die Geschichte, wie die Beiden sich kennengelernt hatten, ähnelte der unsrigen in Einigem. Die beiden interessieren sich sehr für Kunst und Marilyn malt selbst ziemlich gut, wie wir uns an Hand der ausgestellten Werken in ihrem Haus überzeugen konnten. Mit Leigh konnte ich am späteren Abend nach leckerem Portwein jede Menge zutiefst philosophischer Ansichten über den Gang der Welt austauschen. So lernte ich zum Beispiel, dass ein Handy durch den Provider im Auftrag entsprechender staatlicher Dienste auch als eine Wanze zum Abhören privater Informationen genutzt werden kann. Ich bin mir allerdings nicht so ganz sicher, ob diese These einer nüchteren Betrachtung wirklich standhält. Auch diskutierten wir die Vor- und Nachteile australischer Stubby Holder. Wir hoffen sehr mit den Beiden in Kontakt zu bleiben und sie vielleicht einmal in Deutschland begrüssen zu können.

Kurz bevor wir Australien in Richtung Neuseeland verlassen mussten, haben wir in Brisbane Station bei Vince gemacht. Vince haben wir über den Hospitality Club (www.hospitalityclub.org) kennengelernt. Die Idee dieser Internetplattform ist es, dass man Reisende aus anderen Länder kostenlos bei sich zu Hause übernachten lässt und im Gegenzug selbst bei Menschen in anderen Ländern übernachten kann. Das ist aus unserer Sicht eine geniale Idee und Vince war der Erste, bei dem wir eine Übernachtungsmöglichkeit wahrgenommen haben. Vince ist Lehrer an einer Grundschule in der Nähe von Brisbane, hat zwei Söhne im Alter von 10 und 16 Jahren, mit denen er zusammen in seinem Haus wohnt. Er ist geschieden von seiner Frau und die drei schmeissen einen echten Männerhaushalt. Vince ist selbst schon ganz gut in der Welt herumgekommen und hat den Hospitalityclub dabei gut genutzt. Im Gegenzug hat er bereits jede Menge Reisende bei sich aufgenommen. Für war es ein besonderes Erlebnis, mit Vince und seiner Familie das Volksfest zum Australia Day (dem australischen Nationalfeiertag) auf der South Bank in Brisbane zu besuchen. Wir konnten jede Menge darüber erfahren, wie der durchschnittliche Australier lebt und haben auch eine kurze Lektion über Cricketregeln bekommen. Abends gabs dann noch ein typisch australisches Barbecue, was der perfekte Ausklang für unseren 7wöchigen Australienaufenthalt war. Wir hoffen auch Vince und seine Familie bald bei uns in Deutschland wiederzusehen.

Neben den oben ausführlicher beschriebenen Begegnungen treffen wir natürlich jeden Tag immer wieder neue Leute. Da ist z. B. der Elektriker, der uns und unsere defekten Fahrräder auf seinem Pick Up mitgenommen hat, als wir relativ hilflos am Strassenrand auf Kangaroo Island langgetrottet sind. Da sind auch jede Menge Reisende, die wir auf den australischen Zeltplätzen kennengelernt haben und mit denen wir unsere Erlebnisse gegnseitig ausgetauscht haben. Und schließlich sind da jede Menge Australier, die uns einfach freundlich auf eine Frage geantwortet oder in einer anderen Art geholfen haben.



Sabines Blog - Glenorchy 5. Februar 2007

Outdoorheaven - oder
How to ride a Movie Star?

Gestern vor einer Woche sind wir in Christchurch gelandet. Es war wesentlich kühler als zuletzt in Brisbane, und das habe ich richtig genossen. Der Sommer hier soll bis jetzt ziemlich schlecht gewesen sein: kalt und viel Regen.

Neuseeland ist das Land, das von Deutschland ungefähr am weitesten entfernt liegt. Die Zeitverschiebung beträgt 12 Stunden. Gerade deswegen sind wir überrascht, wie ähnlich die Natur, die Pflanzen und Tiere, der in Deutschland ist. Nur die Landschaft erinnert etwas mehr an Schottland mit einem Schuβ Alpen.

Neuseeland ist DAS Land für Outdooraktivitäten, egal was einem so einfällt, man kann es hier machen. Daher hat Olaf bereits in Australien festgelegt: "In Neuseeland, da machen wir Outdoor. Nicht nur Autofahren, wie hier." (Zu diesem Zeitpunkt schien er unsere Radtour schon vergessen zu haben.) Ich finde es aber trotzdem eine gute Idee, solange ich nicht wieder Fahrrad fahren muβ. Auf dem Plan stehen auf jeden Fall Hiken (was sich viel cooler anhört als "wandern gehen", hier in Neuseeland aber Trampen heiβt) und Kajak fahren, sowie alles andere, was sich für uns spannend anhört.

Die ersten zwei Tage haben wir es aber noch entspannt angehen lassen und haben uns die Stadt Christchurch angesehen, eine sehr englisch wirkende, kleine Stadt. Hier haben wir auch die beiden Schweizer Caroline und Christoph kennengelernt, die gerade am Ende ihrer zwei Monate Reise in Neuseeland sind und jetzt nach Australien fliegen wollen. Da wir gerade aus Australien kamen, hatten wir eine Menge zu erzählen und Erfahrungen auszutauschen, so dass es am zweiten Abend plötzlich 1.30 Uhr nachts war.

Am nächsten Morgen haben wir unseren Mietwagen abgeholt, der wesentlich kleiner ist, als unser letzter in Australien. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger hat er auch wieder eine Handschaltung (auf der falschen) Seite), was das anfängliche Fahren etwas erschwert hat.

Unsere erste Station war die Banks Peninsula, eine Halbinsel, die dicht bei Christchurch liegt. Die Landschaft ist einfach schön und bei strahlender Sonne machten wir einen Zwischenstopp in dem Top Hill Café, dass auf einem Hügel kurz vor Akaroa, dem Hauptort der Insel, liegt. Zusätzlich zu dem tollen Blick gab es hier auch sehr leckeres Essen - eine gute Kombination.

Im Hauptort angekommen, entschieden wir uns, hier für eine Nacht zu bleiben, da es uns hier gut gefiel. Wir mieteten uns auf dem Campingplatz ein, was allerdings im Vergleich zu Australien ein viel kälteres Vergnügen war. Der Campingplatz lag auf einem kleinen Berg, so dass uns auf unserem Rückweg von unserem Ausflug in den Ort ordentlich warm wurde, was aber eine gute Ausgangsbasis für die Nacht war.

Am nächsten Morgen mussten wir leider schon weiter, denn seit Australien habe ich ständig da Gefühl, dass uns die Zeit davon rennt und wir nicht alles sehen/ machen können, was wir noch vorhaben. Ein langer Fahrtag lag vor uns, denn wir wollten am Abend in Queenstown ankommen. Um uns zu stärken, machten wir einen kurzen Halt in dem schönen Café. Dann ging es richtig los, fahren, fahren, fahren. Aber darin haben wir ja schon in Australien ausreichend Erfahrung gesammelt.

Am frühen Nachmittag machten wir einen Halt am Lake Takapo, der mit Gletscherwasser gespeist wird. Es war sehr, sehr windig, und die armen Fahrradfahrer, die wir kurz vorher gesehen hatten taten mir etwas leid. Wir spazierten am See entlang und kamen zu einer kleinen Kirche.*  Diese Kirche hatte den schönsten Ausblick, den ich jemals in einer Kirche gesehen habe. (Unbedingt die Fotogalerie "Lake Takapo" ansehen.) Hier kann ich mir vorstellen, dass man wirklich gern zum Gottesdienst geht.

Als wir aus der Kirche kamen hielten zwei gerade zwei groβe Reisebusse davor, aus denen die Menschen strömten und den Platz in einen Bienennest verwandelten. Wir traten daher den Rückweg an und fuhren weiter bis Queenstown.

Queenstown ist die Stadt für verrückte Aktivitäten. Es gibt kaum etwas, was man hier nicht machen kann und dabei sind Bungysprünge und Skydiven noch die normaleren Varianten. Wir haben am ersten Tag hier etwas gemacht, was eher ungewöhnlich ist, wir sind wandern gegangen und haben den "Stadtberg" Queenstown Hill erklommen. Dabei waren wir über weite Strecken völlig allein unterwegs und haben nur ab und zu mal jemanden getroffen. Dabei lohnt sich diese Wanderung wirklich. Wenn man das dicke Unterholz verlassen hat, eröffnet sich ein toller Blick über Oueenstown und oben hat man einen schönen Rundblick über das Land.

Am zweiten Tag sind wir morgens nach Glenorchy gefahren, einem kleinen, 45 km entfernten Dorf. Hier haben wir uns einen Reiterhof angesehen, auf dem wir die nächsten drei Tage reiten lernen wollten. Ich hätte am liebsten sofort losgelegt, aber leider waren an diesem Tag schon alle Pferde ausgebucht. So haben wir das folgende Reitprogramm abgesprochen:
Tag 1: morgens: eine Privatstunde für uns beide, um die Grundregeln des Reitens zu erlernen; nachmittags: 2-stündiger Ausritt in einer Gruppe
Tag 2: 3-stündiger Ausritt in einer Gruppe
Tag 3: voller Tag Reiten

Danach sind wir noch zum Campingplatz gefahren und haben für die nächsten Nächte eine kostengünstige "Cabin" gemietet, in der ich gerade auf dem Bett liege und Blog schreibe. Die Ausstattung erinnert mich sehr stark an unsere Unterkunft am Baikalsee: Bretterbude mit zwei Betten, Licht und zwei Haken. Als zusätzlichen Komfort gibt es hier aber noch einen Heizkörper, der über die einzige Steckdose betrieben wird. Wenn wir mit dem PC arbeiten, oder etwas aufladen wollen, haben wir die schwere Entscheidung zu treffen: Wärme oder Strom? Auβerdem gibt es eine kleine Tischplatte, ein mit Farbe bespritzen Plastikstuhl und ein Regal. Nach einer Weile hier drinnen kommt aber trotzdem so etwas wie Gemütlichkeit auf, was aber auch daran liegen kann, dass wir uns zur Zeit gerade für die Option Wärme entschieden haben. (Ich stelle fest, dass ich etwas abschweife.)

Zurück in Queenstown haben wir überlegt, was wir mit dem angebrochenen Tag so anfangen können und beschlossen, das vielfältige Angebot hier zu nutzen: Olaf hat einen Drachenflug gebucht und ich einen Fallschirmsprung. Leider wurde mein Sprung wegen des Wetters abgesagt. So fragte ich, ob ich bei Olafs Flug zusehen dürfe - kein Problem. Minuten später hatte ich deswegen allerdings ein schlechtes Gewissen, da einer der Piloten im Van auf dem Fuβboden sitzen muβte.

Mit Olaf zusammen waren insgesamt  7 "Flieger" am Start. Auf dem Berg und Abflugpunkt angekommen wurden aber zunächst nur vier flugfertig gemacht. Innerhalb von wenigen Minuten hatten die Piloten die Drachen aufgebaut, alle waren richtig angezogen und es wurde einmal kurz der Abflugvorgang durchgesprochen und geübt. Ehe ich mich versah rannte Olaf schon den Berg runter und flog in das Tal hinein, bis ich ihn nicht mehr sehen konnte. Die "Übriggeblieben" sprangen schnell wieder in den Van (es war ganz schön kalt und windig drauβen) und fuhren den Berg wieder hinunter, wo wir die anderen wieder einsammelten.

Olaf stand unten am Berg mit leuchtenden Augen und sagte, dass das genau das sei, was er schon immer machen wollte und dass es genauso gewesen sei, wie er es sich immer vorgestellt hatte und dass er beim Flug sogar selber lenken durfte. Da entschied ich mich schnell nachzufragen, ob ich bei der zweiten Gruppe nicht mitfliegen könne, da sowieso vier Drachen, aber nur noch drei "Flieger" am Start waren. Auch dass war kein Problem und genauso schnell wie Olaf war ich eingekleidet und lief den Berg runter bis wir zu fliegen anfingen.

Ich schaute zuerst den schönen Blick ins Tal hinunter und fand das gleitende Gefühl wunderbar, insbesondere die Windbewegungen so spüren zu können. Dann sah ich aber direkt nach unten in die Baumwipfel und bekam etwas Bedenken, der Gedanke, da einfach hineinzufallen war nicht besonders berauschend, aber in dem Moment auch nicht besonders abwegig, da man bei kleineren Luftlöchern immer etwas absackt. Also schaute ich doch lieber in die Landschaft. Als ich das "Ruder" in die Hand bekam hielt ich mich mehr daran fest, das damit zu lenken. Mein "Flugbegleiter" schien aber Spaβ zu haben und ins Tal runter legten wir eine wahre Rallye hin und ich war ziemlich froh, als ich einige Minuten später etwas unsanft auf meinem Bauch am Boden landete. Olaf hat mittlerweile schon Erkundigungen eingezogen, wie lange man braucht um selbst fliegen zu erlernen. Ich volontiere hiermit aber freiwillig zum Fahrer, der die Drachenflieger wieder einsammelt.

Am nächsten Morgen hieβ es mal wieder früh aufstehen und Sachen packen, denn unsere Reitstunde began um 10 Uhr. Wir bekamen unsere Pferde, Olaf Tom und ich Rees. Die beiden waren ganz schön groβ. Es ging auf eine kleine Koppel, wo wir loslaufen, lenken und anhalten übten. Ich muβte feststellen, dass Autofahren einfacher ist, da die Pferde manchmal einen ganz schönen Dickkopf haben können und gerade bei Anfängern überall hin laufen nur nicht dahin, wo man gerade möchte.

Danach übten wir Traben, wobei ich anfangs allerdings echt Angst hatte von Pferd zu fallen und mich mehr im Sattel hoch und runter geworfen fühlte, als dass eine eigene Bewegung von mir vorhanden war. Aber am Ende der Stunde meinte die Reitlehrerin, ich sei schon kurzzeitig im Rhythmus drin gewesen und dass ich das Gefühl dafür heute beim Ausreiten schon bekommen werde.

Zweieinhalb Stunden später begann der Ausritt. Auβer uns waren noch drei andere mit dabei, ein blutiger Anfänger und zwei mit Reiterfahrung. Ich ritt wieder auf Rees und Olaf bekam Murry, da Tom "einen Schuh" verloren hatte. Das Pferd zu beherrschen war wesentlich einfacher, da diese es gewöhnt sind hintereinander her zu laufen. Durch die Landschaft zu reiten war herrlich, wir hatten tolles Wetter, ritten durch das Fluβbett und durch Wiesen umgeben von hohen, schneebedeckten Bergen. Hier wurden auch einige Szenen für "Herr der Ringe" gedreht. Was aber das Traben anging, fühlte ich mich immer noch nicht so sicher, merkte aber, dass ich ab und zu den richtigen Takt fand. Als wir abends vom Pferd abstiegen, meinte Olaf: "Du läufst wie John Wayne!" Danke für das Kompliment, gibt es etwas Schöneres, was man seiner Frau sagen kann? Am Ungerechtesten war, dass Olaf mal wieder keinerlei Schmerzen hatte.

Bis zum nächsten Morgen fühlte sich aber auch bei mir alles wieder etwas besser an. Wir bekamen heute jeder ein anderes Pferd - ich Monty, das sehr gut ritt. Ich wurde aber gewarnt, weil er ab und zu beiβt, weswegen ich mich ihm nur vorsichtig näherte. Olaf bekam Nigel, den Filmstar, weil er in "Herr der Ringe, Teil 3" mitgespielt hat und der auch sonst ein super Leitpferd war. Heute ging es in die andere Richtung auf einen Berg. Den durften wir beide allein vorweg hinauf reiten, wobei wir die Pferde ordentlich antrieben. Das war richtig schön, weil ich das erste Mal das Gefühl hatte, das Pferd selbst unter Kontrolle zu haben. Oben wurden wir auch noch mit einem phantastischen Ausblick belohnt.

Nach der Reitstunde hatte ich wieder den sexy John-Wayne-Gang, weswegen ich beschloss am Nachmittag einen Wanderung durch die Lagune von Glenorchy zu unternehmen, um die Muskeln in Bewegung zu halten. Olaf der wieder keinerlei Probleme hatte, kümmerte sich inzwischen um unsere Fotos.

Heute war unser letzter Tag auf den Pferden. Olaf hatte wieder Nigel, den er stolz ritt. Ich ritt auf Rees, das Pferd vom ersten Tag. Leider war Rees heute etwas schlecht gelaunt und bockig. Trotzdem hatten wir bei unseren 8 Stunden Ausritt, der nur durch eine kurze Lunchpause unterbrochen wurde, wieder viel Spaβ. Das Wetter war wieder traumhaft und ab und zu ritten wir auch länger Strecken im langsamen Galopp (Canter). Unsere Reitlehrerin war hinterher sehr mit uns zufrieden. Wir hatten uns die letzten Tage gut geschlagen. Wir haben eine neue Sportart gefunden, die uns Spaβ macht und hoffen, dass wir spätestens in Südamerika die Gelegenheit haben, wieder zu reiten.

Jetzt liege ich in unsere Cabin auf dem Bett. Mir tut alles ziemlich weh. Morgen geht es mit den Auto weiter nach Te Anau. Dort sind wir ab übermorgen zwei Tage mit den Kajak auf dem Doubtful Sound unterwegs. Hierbei sind dann mal zur Abwechslung die Armmuskeln gefragt. Hierüber werde ich dann ausführlich in meinem nächsten Blog berichten.

* Olaf hatte sie vorher versehentlich für ein öffentliches Klo gehalten.


 
Olafs Blog - Haast, 09. Februar 2007

Der Freak im Fliegennetz

Ja, ich gebe es zu, ich habe die Parole ausgegeben: "In Neuseeland wird Outdoor gemacht!". Alles hätte so schön sein können, denn es fing wirklich gut an.

Zunächst haben wir Drachenfliegen ausprobiert, was in Wirklichkeit genauso phantastisch war, wie ich mir das immer vorgestellt hatte. Man gleitet lautlos von einem hohen Berg in ein malerisches Tal hinunter. Man fliegt durch die Luft und kann die Erde aus der Vogelperspektive geniessen. Ich war zusammen mit einem erfahrenen Piloten auf einem Drachen und habe mit Erstaunen gelernt, dass es nur 9 Tage Ausbildung bedarf, bis man selbst ohne fremde Hilfe einen solchen Drachen fliegen kann. Aus dem Traum Weltreise ist also schon wieder ein weiterer Traum geboren worden.

Ein anderer Traum wurde in der Mongolei geboren. Dieses wunderbare Land mit seiner unendlichen Weite hat es mir so angetan, dass ich es gern einmal im Sommer auf einem Pferd durchreiten möchte. Pferde gibt es in der Mongolei wirklich genug, leider aber keine westlichen Sattel (dort wird entweder ganz ohne Sattel oder auf einem Holzsattel geritten) und auch keine ausgebildeten Reitlehrer. Hier im neuseeländischen Glenorchy gibt es hingegen alles, was man zum Reiten lernen braucht: gute Pferde, ordentliche Ausrüstung, leckere Reitlehrerinnen und eine wahrlich phantastische Landschaft, die bereits der Herr der Ringe Trilogie als Kulisse gedient hat. Auch mein Hengst Nigel war ein echter Movie Star, der im dritten Teil von Herr der Ringe mehrfach auf dem Schlachtfeld in Erscheinung tritt. Nach ein paar Anfangsschwierigkeiten (Pferd wollte nicht sofort anerkennen, dass ich der Boss bin...), hatten wir drei großartige Tage bei strahlendem Sonnenschein. Am letzten Tag konnten wir sogar im langsamen Galopp blendend Haltung bewahren.

So hätte es bleiben können, wäre da nicht meine Idee mit dem Kayak gewesen. Da so viele Reisende ganz begeistert von Kayakfahren sind, wollte auch ich gern dahinter kommen, was das Tolle an dieser Sache ist. In Christchurch hatten wir dann die Schweizer Carolyn und Christoph getroffen, die uns ganz begeistert von ihrer zweitägigen Kayaktour im Doubtful Sound berichtet hatten. Allein die Tatsache, dass die Beiden Schweizer sind, hätte uns misstrauisch stimmen sollen, ich erinnere nur an die Schweizer Schwestern in Tibet (für unsere regelmässigen Leser: das waren die sprachlosen Gletscherkundlerinnen).

Sabine war aber von der ganzen Sache so angetan, dass wir uns schliesslich zu der gleichen Tour entschieden haben. Ich wollte diesmal nicht meinen Ruf als der Reisende auf der "road less travelled" riskieren und weicheinmässig für eine wesentlich bequemere overnight cruise auf einer Motorjacht mit nur gelegentlichen stundenweisen Kayakfahren optieren. Obwohl sich das von vornhinein deutlich verfüherischer angehört hatte.

Schon die Anreise nach Te Anau, dem Ausgangsort der Tour, lieβ nichts Gutes ahnen. Wir begegneten einem ziemlich merkwürdigen Exemplar der sich selbst als Kiwis bezeichnenden Einwohnern unseres aktuellen Reiselandes. Ich hatte auf dem Weg ein paar Camper und andere langsamfahrende Objekte überholt, wobei ich mich natürlich strengstens an das hier herrschende Tempolimit von 100 km/h und auch sonst an alle Vorschriften gehalten hatte. Auf der Fahrt wunderte ich mich dann, als ich auf einer kurzen Strecke schon den zweiten Polizeiwagen seitlich im Busch stehen sah. Der setzte sich dann auch prompt in Bewegung als ich an ihm vorbeifuhr, setzte sich hinter mich und schaltete Sirene und Blaulicht ein. Nachdem ich selbstverständlich völlig kooperativ gehalten hatte, wurde mir mitgeteilt, dass ein Kiwi der Meinung sei, ich hätte bei einer durchgezogenen Linie überholt und er hatte daraufhin vom Handy aus die Polizei alarmiert. Die Strafe für das mir vorgeworfene Vergehen betrüge 150 NZ$ (ca. 85 EUR) und die hätte jetzt mal gleich zu zahlen. Ich versuchte daraufhin dem an für sich recht sympatischen Officer klarzumachen, dass nach meinem Verständnis in einem westlichen Rechtstaat keine Strafen verhängt würden, weil irgendwer unzufrieden ist und jemanden anderen für etwas beschuldigt, das er nicht getan hat. Schliesslich bräuchte es doch einen Beweis. Nach langem Palaver einigten wir uns darauf, dass ich ein Ticket bekomme, es aber nicht sofort bezahlen müsse sondern dagegen schriftlich Widerspruch einlegen kann. Das werde ich tun!

Übrigens haben wir später herausgefunden, dass es hier tatsächlich standardmäβig eine Hotline zum Denunzieren ungeliebter Verkehrsteilnehmer gibt. Man wähle von seinem Mobiltelefon einfach "*555" und schon macht die Polizei dem Objekt der Denunziation Unannehmlichkeiten. Ich dachte eigentlich immer, die Kiwis wären cool. Das ist doch nicht cool, oder? Andererseits, man stelle sich mal eine solche Hotline Deutschland vor. Ich erinnere nun an die ruhmreiche Dokumenntation "Krieg auf deutschen Autobahnen". Aber ich schweife hier ganz schön ab, also zurück zum Thema.

Nach der begeisternden Anfahrt begann vorgestern um 6.00 Uhr morgens die eigentliche Aktion. Zusammen mit sechs weiteren Tourteilnehmern und unserer Führerin Fiona ging es über einen See und eine Buschpiste zum entlegenen Doubtful Sound, der eigentlich ein ca. 40 km langes Fjord am südwestlichen Ende der neuseeländischen Südinsel ist. Unsere Mitfahrer hatten im Gegensatz zu uns allesamt bereits Kayakerfahrung. Im Einzelnen handelte es sich dabei um Dave, den amerikanischen Ranger, Tim, den englischen Forellenzüchter, Jan, den deutschen IT Berater, Alicia, der amerikanischen reisenden Studentin und um das neuseeländische Unternehmensberaterpärchen Marc und Trina.

Zunächst mussten wir erstmal alle notwendigen Utensilien für die Übernachtung in unser 2er Kayak stopfen und uns dann hinter einem Busch inmitten des ersten Schwarms Sandfliegen in unsere Neoprenanzüge zwängen und von einer wachsenden Sandfliegengemeinde begleitet unser Kayaks aufs Wasser setzten. Als wir dann auf dem Wasser waren, konnten wir tatsächlich das für die Gegend eher ungewöhnliche sonnige Wetter auf dem ruhigen Wasser geniessen. Nach kurzer Zeit stellten wir jedoch fest, dass unsere mit Kayakerfahrung ausgestatteten Mitfahrer am Horizont zu verschwinden drohten, da unsere Schlagzahl wohl doch ein wenig zu gering war. Nachdem sie auf uns gewartet hatten, teilte uns unsere Führerin Fiona mit, das wir das Bananenboot wären und somit das Unglück anziehen würden. Sabine hatte ein paar Bananen als Snacks auf dem Kayak befestigt. In der Seefahrertradition sind Bananen nicht besonders beliebt, da sie angeblich Ungeziefer an Bord holen und anderen Proviant zum Verderben bringen. Super, nicht nur langsamstes sondern auch gleich noch Unglücksboot!

Obwohl sich der Doubtful Sound von seiner sonnigsten Seite zeigte, fand ich die Landschaft nicht besonders aufregend. Das Wasser war ganz glatt und ziemlich dunkel. Zusammen mit den dunstigen, mit Regenwald bewachsenen hochaufragenden Granitwänden hatte das ganze etwas ziemlich Unheilvolles. Der Hinweis auf die eine mehrere hundert Meter hohe Granitwand durchtrennende Bruchstelle zwei hier aufeinander treffender tektonischer Platten trug nicht dazu bei, den Ort kuscheliger erscheinen zu lassen.

Ein positiver Aspekt war, dass unsere Führerin Fiona nach einiger Zeit Nachsicht mit unserer mangelhaften Paddelvorstellung hatte ("Heute Nachmittag bekommt Ihr einen Motor." - Ha, ha, sehr witzisch) und die Schlagzahl drosselte, um uns alle mit tollen Geschichten rund um den Doubtful Sound zu beglücken. So lernten wir, dass das Fjord seinen Namen von James Cook bekommen hatte, weil er sich nicht sicher war, ob der starke Wind in das Fjord hinein auch einmal in die Gegenrichtung wehen würde, um sein Schiff auch wieder aus den Doubtful Sound hinaus aufs Meer zu tragen. In den Doubtful Sound trauten sich einige Jahre später erst die Spanier, die aber tatsächlich ihr Schiff aus dem Fjord wieder hinausrudern mussten.

Nach einem tollen Lunch am Strand einer idyllischen Bucht ("Passt auf, dass ihr keine Sandfliegen mit Eurem Sandwich verspeist!") erging es uns wie James Cook und den Spaniern. Ein frischer Wind kam auf, und wir lernten, wie man im Tandem zweier Kayaks tatsächlich mit einfachen Mitteln ein Segel setzten kann. Die Brise trug uns dann bis ans Ende eines Seitenarms des Fjords. Für den Rückweg zu unserem Camp für die Nacht hieβ es dann kräftig gegen den Wind und die damit einhergehenden Wellen zu paddeln. Unnötig zu erwähnen, dass Sabine und ich dort natürlich wieder als letzter eintrafen, und dass obwohl wir in unserem 2er Kayak Plätze getauscht hatten und ich nun vorne eine deutlich höhere Schlagzahl vorgeben konnte. Als krönenden Abschluß legte ich mich bei Ausstieg zur Freude aller auch noch ins Wasser.

Als erstes konnten wir das uns im Premeeting als wundervoll geräumige "insect shelter" in Augenschein nehmen. Man stelle sich das kleinste in Deutschland erhältliche Partyzelt vor und drittele seine Grösse, dann bekommt man eine Vorstellung von des uns zugedachten Raums, der von einem Fliegenetz eingeschlossen war. Es passten genau 9 Plastik-Stapelstühle hinein, deren Beine aber aufgrund mangelnder Kopffreiheit auf halbe Länge abgesägt waren. Nachdem wir unsere Zelte für die Nacht eigenhändig aufgebaut und eingeräumt hatten, stellten wir bei der weiteren Objektbegehung fest, dass wir von Myriaden von Sandfliegen umzingelt waren und dass es hier im Küstenregenwald ohnehin keinerlei begehbaren Wege für einen Abendspaziergang gab. Also fanden sich alle nach kurzer Zeit auf ihren auf halbe Höhe abgesägten Plastikstühlen ein. Das ergab eine wunderbare Runde in einer Atmosphäre aus Managementseminar und Kinderdisco (Wer fordert mich jetzt zum Tanz auf...) mit einem Schuss Anonymer Alkoholiker, wie man es aus schlechten B Movies kennt. Um das Eis zu brechen, war jetzt erstmal vorkochen auf dem im Raum stehenden Campingkocher angesagt. Es konnten immer nur 1-2 gleichzeitig kochen, da es nur zwei Flammen gab. Trina und Marc, das Unternehmungsberatungspärchen, machten den Anfang und präsentierten stolz ihr Dreigangmenü, bestehend aus Crackern mit Lachscremedipp als Vorspeise, Gemüsepfanne aus der Tüte mit beigemischten frisch gewürfelten Zuchini als Hauptgang und tollen selbstgebackenen Bananenkuchen als Nachspeise. Toll! 

Nachdem alle anderen ebenfalls ihr Kochkünste vorgeführt hatten, ließ Fiona den bereits lange vorweg angekündigten Wein springen, um die Stimmung zum sieden zu bringen. Der Rotwein (proudly grown in New Zealand and proudly bottled and distributed by a 100% proudly owned and operated New Zealand company!!! - nein, Kiwis sind nicht nationalistisch) kam in einem 3 l Plastiksack mit Schraubverschluβ und schmeckte dementsprechend. Bis auf Trina ("Ich trinke nie Alkohol.") gaben auch alle ganz gut Gas und so erfuhren wir die unterschiedlichsten Dinge, z.B.:

  • von Forellenzüchter Tim dass den Forellen im Produktionsprozeβ tatsächlich jede Menge Antibiotika verabreicht werden (lecker!)
  • von Parkranger Dave, dass George W. Bush sein Chef ist (Glückwunsch!)
  • von Studentin Alica, dass sie Montana als Reitlehrerin gearbeitet hat (he,he)
  • von Unternehmensberaterin Trina, dass ihr Mann Marc am morgigen zweiten Tag unserer Kayaktour 40 Jahre alt werden wird (Da kommen wir gleich zu.)
  • von Marc, dass er im Gegensatz zu seiner Frau Trina Rotwein trinkt (Prost!)
  • von unserer Führerin Fiona, dass sie an Telefonnummern von reichen Männern interessiert ist (Hatten wir etwas anderes erwartet?)
  • wir erzählten etwas von unserer Weltreise (Gähn)

Wer gut aufgepasst hat, hat festgestellt, das wir von einem noch nichts wissen. Richtig, IT Freak Jan hat zu allen obigen Themen eine ganz bestimmte und unumstössliche Meinung, die er der Gruppe in mit zunehmenden Rotweinkonsum immer monologisierender mitteilte. Als schlieβlich kein Gespräch mehr möglich war, verabschiedeten sich alle nacheinander ins Bett. Gute Nacht!

Die beiden Highlights unseres zweiten und glücklicherweise letzten Paddeltages waren, dass wir morgens Delfine ganz in unserer Nähen haben schwimmen sehen und dass wir zum Mittag Marcs 40. Geburtstag feierten. Delfine hatten wir schon auf den Philippinen und in Australien gesehen, doch im Doubful Sound erschienen sie ganz besonders mystisch. Wahrscheinlich, weil man in einem wolkenvehangenen Fjord mit dunklem Wasser keine Delfine erwarten würde. Während auf den Philippinen Fischer den Delfinen hinterherfuhren, da in der Nähe von Delfinen meistens auch Thunfisch zu finden ist. Hier in Neuseeland fährt hinter den Delfinen immer ein kleines Forschungsboot, den ganzen Tag, jeden Tag. Das verdirbt ein wenig die Natürlichkeit des Augenblicks.

Trina hatte für Marc eine echte Überraschungsparty organisiert. An unserem Lunch Spot versammelten sich 8 wildfremde Leute in sexy Neoprenanzügen und geschätzte 100.000 Sandfliegen, um Marc eine ganz besondere Freude zu machen. Worüber sich Marc wahrscheinlich besonders gefreut hat, war die Idee vier Streichölzer in seinen Geburtstagskuchen (die Reste vom Bananenkuchen vom Vorabend) zu stecken und sie anzuzünden. Aufgrund des Windes brauchte Marc sie auch gar nicht auszublasen. Die geschah quasi von Geisterhand. Nicht zu vergessen natürlich, unser Geburtstagsständchen. Happy Birthday Marc!

Sollte jemand sich überlegen, was man mir zu meinem gluecklicherweise noch etwas entfernt liegenden 40. Geburtstag schenken kann: Bitte keine Kayak Tour.



Sabines Blog - Haast, 09. Februar 2007

The Capital of Sandflies

Nach den schönen Tagen in Glenorchy war die Zeit reif für einen Ortswechsel.

Unser neues Ziel war Te Anau, im Süden der Südinsel. Der Weg hierher wurde uns erschwert. Wir wurden das erste Mal von der Polizei angehalten, weil wir angeblich
bei einer gelben durchgezogenen Linie überholt hatten. Der Fahrer des Fahrzeug das wir überholt hatten, hatte angerufen und sich beschwert. Man muß dazu sagen, dass wir mit 40 km hinter einem Traktor herfuhren, hinter dem sich eine riesige Schlange gebildete hatte. Jedenfalls wollte das überholte Fahrzeug wohl nicht wieder Letzter sein oder uns deswegen den Tag versauen. Letzteres ist ihm auch teilweise gelungen.

In Te Anau angekommen, war ich ziemlich froh, dass wir eine Reservierung in einem Hostel gemacht hatten, denn dieser Ort war so ziemlich ausgebucht. Um 5 Uhr hatten wir unsere Vorbesprechung für unsere zweitägige Kanutour, die am nächsten Morgen starten sollte. Hier trafen wir auch zum ersten Mal unsere Mitstreiter, eine bunte Truppe unterschiedlicher Menschen. Wir sprachen den Ablauf der Tour durch und vor allen Dingen, was wir auf die Tor mitnehmen müssen und was geliefert wird. Dann kam die Sprache auf die Sandfliegen.

Ich muß hier kurz einfügen, dass ich schon im Reiseführer gelesen hatte, das es ein gut gehütetes Geheimnis ist, dass es in Neuseeland Sandfliegen gibt. Ich hatte davon vorher auch noch nie etwas gehört, selbst Freunde die uns von Neuseeland vorschwärmten, hatten uns dieses kleine Detail verschwiegen.

Folgendes haben wir in der Vorbesprechung über diese interessanten Tiere gelernt: Im Doubtful Sound gibt es davon viele, sehr viele. Die Fliegen sind sehr klein und stechen. Wenn einer anfängt zu mit den Händen zu wedeln, ist das gut für die anderen, denn sie gehen auf den der wedelt, da dieser dann Hitze produziert, was sie anzieht. Dann fragte ich nach, ob es am Abel Tasman, wo wir später noch wandern wollen, auch so schlimm ist mit den Sandfliegen. Die Antwort war: "If you survived Doubtful Sound Abel Tasman is easy. You know, Doubtful Sound is the capital of the sandflies."

Das waren ja schon mal schöne Aussichten. Wir marschierten direkt in den nächsten Laden und ich ließ mir alle Kopfbedeckungen zeigen, die ein Netz hatten, dass man über den Kopf ziehen konnte. Als ich ein Model davon aufsetzte, schaute mich die Verkäuferin erstaunt an und sagte: "Oh, that is interesting. Actually I never saw somebody wearing those hats." Das war überzeugend genug, das Insektenmittel mußte es irgendwie richten. Der Hut blieb im Laden.

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker mal wieder sehr früh. Pünktlich um 6 Uhr saßen wir im (ersten) Bus in Richtung Doubtful Sound und sammelten die restlichen Leute ein. Dann kam die erste Übung in Umpacken, die ganze Ausrüstung und das Gepäck mußte auf ein Boot verladen werden, dass uns über einen See brachte. Nach weiteren 30 Minuten wurde alles wieder in einen Bus verladen, der uns über ein Berg zu der Stelle brachte, ab der wir mit dem Kanu weiterfuhren. Vorher musste aber alles in die Kanus verstaut werden und wir zwängten uns hinter einem Busch in unseren Neoprenanzug. Hier hatten wir die erste Begegnung mit den Horden von Sandfliegen, die fast so aussehen, wie Eintagsfliegen und auch einen ähnlichen Flugstiel haben.

Am Strand hatten wir dann unsere erste kurze Einführung wie man richtig zu paddeln hat und dann ging es schon ab aufs Wasser. Nach den ersten 10 Zügen dachte ich - Oh je, den die Armbewegung war völlig ungewohnt für mich. Schnell stellten wir auch fest, dass wir offensichtlich die einzigen Beginner in der Gruppe waren, da die anderen Boote wesentlich schneller waren, so dass wir ziemlich hinterher paddelten. Nach einer Weile fing es mir trotzdem an Spaß zu machen, da das Wasser über das wir gleiten, sehr viel Ruhe ausstrahlte.

Olaf schien weniger Freude am Kajaken zu haben. Selbst die schöne Landschaft konnte ihn nicht aufmuntern. Sehnlich schaute er auf die großen Schiffe, auf denen man sich den Sound hätte etwas einfacher bereisen können.

Mittags hatten wir das zweite Mal Kontakt mit den Sandfliegen. Die  Anzahl hielt sich aber zum Glück noch in Grenzen. Nach dem Mittag frischte der Wind auf und wir konnten sogar Segeln, was richtig Spaß gemacht hat. Ohne viel Mühe kamen wir ziemlich schnell voran. Dann hatten wir eine Stunde "freies" Paddeln, in der jeder machen konnte, was er wollte. Das war die beste Zeit, da wir uns alles in Ruhe ansehen konnten. Mittlerweile hatten Olaf und ich die Plätze getauscht und ich war die "Steuerfrau" während Olaf die Taktschläge vorgab.

Dann mußten wir leider fast den ganzen Weg den wir Mittags so schön gesegelt waren, zurück paddeln - gegen den Wind und gegen die Wellen. Aber die eigentliche Überraschung kam erst, als wir am Strand angelegt hatten. Tausende von Sandfliegen warteten auf uns und begleiteten und freudig stechend, während wir die Zelte für unser Camp aufbauten, uns umzogen und das Camp einrichteten. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, der Vorteil von Sandfliegen ist, das die Stiche nicht jucken. Das war leider eine Fehleinschätzung.

Also wir fertig waren trafen wir uns alle am einzigen Ort der (fast) Sandfliegenfrei war, dem Insectshelter, wo wir sitzend gerade alle reinpassten. Dort machten aßen wir Abendbrot, dass jeder für sich mitgebracht hatte und unterhielten uns über alles Mögliche. Das aber Beste war, als die Sonne untergegangen war und ich ins Freie trat - plötzlich alle Sandfliegen weg! Wow, so war es gleich viel besser und meine Stimmung stieg etwas. Übrigens hatte ich zu diesen Zeitpunkt extremen Muskelkater in meinen Armen. Olaf gar nicht, langsam ist mir das nicht mehr geheuer!

Am nächsten Morgen hatte Olaf gute Laune: "Nur noch bis 14.30 Uhr, dann haben wir es geschafft." Das war der vereinbarte Zeitpunkt für den Busshuttle, der uns wieder über den Berg bringen sollte. Davor mußten wir aber im wieder erwachten Sandfliegenansturm unser Camp abbauen, uns umziehen und Kanus packen.

Marc, der heute seinen 40 Geburtstag feierte, bekam im Insectshelter von seiner Frau ein den Möglichkeiten angepasstet "leckeres" Frühstück serviert: verbrannter Toast, Rührei und Backed Beans. Der Arme tat mir schon etwas leid.

Dann ging es wieder auf Wasser und das war für mich wirklich wieder der beste Teil unserer Tour. Das entspannte Fahren und Natur genießen. Dabei konnte man sich auch gut unterhalten. So fanden wir z.B. raus, dass Trina und Marc auch schon eine Weltreise gemacht hatten, die 18 Monate lang war, aber eine ganz andere Route hatte als wir.

Mittags machten wir wieder einen Stopp an einem Strand. Da war allerdings der absolute Sandfliegenoverkill - Millionen, alle vor unseren Gesichtern! Allein beim Zuklappen der Insektenabwehrmittelflasche hatte ich schon einige von den Viehchern erlegt. Das hat sogar mich aus der Ruhe gebracht und ich marschierte mit meinem Brot tapfer am Strand auf und ab. Olaf hatte eine tolle Idee: "Mach einfach die Augen zu, dann siehst Du sie nicht." Das half für eine Minute und auch nicht gegen dass Stechen.

Marc bekam hier sein Geburtstagsständchen und Geburtstagskuchen überreicht, was Trina alles filmend festhielt. Als wir wieder im Boot, saßen sagte Olaf bestimmt schon wiederholten Male zu mir: "Komm bloß nicht auf die Idee mir zu meinem 40zigsten eine Kajaktour zu schenken!!!" - "JA, ich habe es ja verstanden!" und dachte, und Du mir keine Fahrradtour.

Dann hatten wir es geschafft! Noch ein paar Umpackaktionen, aber daran waren wir ja schon gewöhnt, dann waren wir wieder in Te Anau. Hier belohnten wir uns mit zwei riesigen Pizzen für die überstandene Tour.

Bei Olaf fingen abends die Stiche zu jucken an, während ich mich noch freute, dass ich gar nichts merkte. Mit einem Tag Verspätung ging es dann auch bei mir los. Allein an meiner rechten Hand habe ich um die 30 Stiche, die immer schlimmer anfangen zu jucken. Ein Glück, dass wir fast die ganze Zeit mit dem Neo fast vollständig bekleidet waren, keine Ahnung wie wir sonst jetzt aussehen würden.

Heute haben wir dann einen "entspannten" Fahrtag gemacht und sind in dem kleinem Dorf Haast gelandet. Morgen geht es weiter zu den Gletschern und am 12.2. startet unsere Wanderung am Abel Tasman. Alles wichtige über Sandfliegen haben wir jetzt ja gelernt.


Sabines Blog - Wellington  16. Februar 2007

Gletscher zum Frühstück & Ebbe zum Mittag

Nach unserem Sandfliegenabenteuer sind wir in drei Tagen von Te Anau die ganze Westküste entlang bis nach Marahau gefahren. Die Fahrt war landschaftlich einzigartig, ob dichter Dschungel, hohe Berge mit vielen Wasserfällen oder schroffe Küstenlandschaft. Hier wird alles geboten. Highlight auf der Tour sind aber auf jeden Fall die beiden Gletscher "Fox" und "Franz Joseph".

Wir waren diesen morgen mal wieder früh aufgestanden und mal wieder unglaubliches Glück mit dem Wetter, strahlende Sonne. Als wir losfuhren hingen noch dicke Nebel in den Bergen und Wäldern, so dass alles sehr mystisch wirkte, fast wie ein Märchenwald. Als erstes lag der Fox Gletscher auf unserem Weg, der kleinere von beiden, der nichts desto trotz schon von Weitem sehr beeindruckend aussah. Wir entschlossen uns spontan, bis zur Gletscherzunge zu laufen - Frühstück konnte noch ein biβchen warten. Kurz davor war allerdings Schluβ, alles abgesperrt und viele Warnschilder aufgestellt. Wir dachten an unsere Gletscherbesteigung in Tibet, wo wir ganz allein auf der Gletscherzunge waren, ohne das das irgend jemanden interessiert hat. Hier gibt schriftliche Warnungen und noch drei verschiedene gelbe Schilder mit Männchen drauf, die wahlweise vom Eis erschlagen werden, oder im Wasser ertrinken! Also Vorsicht! Uns stand heute sowieso nicht der Sinn nach groβen Klettertouren und so erfreuten wir und einfach nur an der Aussicht.

Danach hatten wir uns ein Frühstück verdient. Dann wartete schon der zweite Gletscher auf uns, der Franz Josef. Besonders schön war hier der Blick vom Peters Pool, in dem sich der Gletscher spiegelte. Anschlieβen liefen wir hier ebenfalls soweit wie möglich zum Gletscher heran. Hier war der Punkt noch weiter entfernt als beim Fox Gletscher. Dafür gab es aber den identischen Schilderwald. Sehr interessant war die Schautafel mit den Bildern des Gletschers aus den unterschiedlichen Jahren ab 1870, wo er noch das ganze Tal ausfüllte, aber auch aus den 70ziger Jahren, wo er wesentlich kleiner war, als jetzt.

Dann fuhren wir weiter. Die Straβen von Neuseeland sind zwar sehr landschaftlich sehr schön, aber sie ziehen sich auch unheimlich. Die Höchstgeschwindigkeit ist 100 km/h. Leider kann man selbst die nur selten uneingeschränkt fahren. Davon halten einen die vielen enge Kurven, einspurige Brücken oder dicke Campervans vor einem meistens ab. Am nächsten Abend erreichten wir aber unser Ziel  Marahau, der Eingang zum Abel Tasman Nationalpark. Hier befindet sich einer der beliebtesten der Great Walks. Da er nicht so schwierig zu laufen ist, ist es hier immer sehr voll, zumal auch Tagestouren einfach zu machen sind. Will im Nationalpark übernachten, muβ man sich das vorher überlegen und am besten schon einige Wochen vorher buchen. Ich hatte das bereits in Glenorchy getan, wo ich schon Berechnungen über Wanderzeiten und Zeitfenster bei den Gezeiten angestellt hatte, den das Highlight beim Abel Tasman sind die Tidal Crossings. Da bei uns die Ebbe zur Mittagszeit eintrat, war Ergebnis war eine zweitägige Tour mit Übernachtung in der Bark Bay, einer von drei Hütten auf der Route.

Da wir auf unserer Autofahrt beschlossen hatten, es nach den ganzen Outdooraktivitäten insbesondere aber der Kajaktour entspannt angehen zu lassen, fuhren wir die erste Strecke mit dem Wassertaxi bis zur ersten Hütte. Ab dort ging unsere Wanderung los, ich beladen mit dem kleinen Rucksack voll mit Wasser und Essen, Olaf mit dem groβen Rucksack, in dem unsere Schlafsäcke und Wechselkleidung war. Wir liefen die High Tide Route entlang an den Bergen und machten zwei Abstecher, Sidetracks, die uns zum Clepoatra Pool und den Cascade Waterfalls führten. Beides waren zwar keine groβen Ziele, aber wir stellten schnell fest, dass diese Wege etwas anspruchsvoller waren und "road less tramped", weil wir in den insgesamt zwei Stunden nur zwei andere Wanderer trafen. Die Hauptwege waren dagegen richtige Autobahnen. Gegen 4 Uhr hatten wir unser Ziel erreicht und waren fast die ersten, so dass wir uns unser Bett noch aussuchen konnten. Es gab zwei Räume auf denen auf jeweils zwei Ebenen jeweils 7 Matratzen nebeneinander lagen. Wir entschieden uns für eine Ecke unten. Irgendwie ist es schon sehr komisch mit 14 Leuten in einem Raum zu schlafen, die man vorher noch nie gesehen hat und es erinnerte mich fast ein biβchen an Platzkartny in Rußland.

Am nächsten Morgen um 8.30 Uhr waren wir schon wieder unterwegs. Ich hatte mich bei den Zeiten für die Crossings nicht verrechnet und so lief alles problemlos. Beim zweiten Crossing gingen wir zwar etwas eher rüber, als ausgeschildert (wir hatten vorher jemanden gesehen, der dort ebenfalls rübergegangen war) und wateten bis zu den Oberschenkeln durchs Wasser. Das hat aber wirklich Spaβ gemacht und auf der anderen Seite hatten wir uns unsere Pause auch verdient.

Eine Stunde eher, als das gebuchte Wassertaxi, erreichten wir unser Ziel und hatten damit die 17 km Tagesstrecke hinter uns gebracht. Ich nutzte die Zeit um baden zu gehen in dem Meer, das ich seit zwei Tagen nur vom Weg aus gesehen hatte. Das war wirklich sehr erfrischend! Dann ging es zurück nach Marahau. Dank einiger Kurven, die das Wassertaxi fuhr, bekam ich noch einige zusätzliche Salzduschen.

Das war die letzte groβe Aktivität auf der Südinsel. Gestern sind mit der Fähre nach Wellington gefahren, wo wir noch eine ganze Woche haben, bevor es weitergeht nach Tahiti und Easter Island.



Sabines Blog - Turangi 18. Februar 2007

Ameisenstraβe

Heute stand die zweite groβe Wanderung auf dem Programm, die Tongariro Crossing. Eine Tagestour die es in sich hat: "an extending trek over steep volcanic terrain", stand in der Einführung zu dem Trail. Auf den insgesamt 17 km Strecke steigt man zunächst 800 m Höhenunterschied hinauf, bevor man den höchsten Punkt, den Red Crater erreicht, der auf 1886 Metern Höhe liegt. Danach steigt man bis auf 750 Meter wieder herab. Die veranschlagte Zeit hierfür beträgt 7 bis 8 Stunden.

Wir haben uns in Turangi in dem Hostel mit dem Namen "Extreme Backpacker" eingemietet. Ein wirklich netter Platz, die ebenfalls den Transport organisieren, denn die Wanderung beginnt und endet an unterschiedlichen Orten. Punkt 7.30 Uhr wurden wir abgeholt. Diesmal hatten wir beide nur unsere Tagesrucksäcke dabei mit ausreichend Wasser, Verpflegung und warmen Sachen. Das Wetter sah aber perfekt aus: strahlend blauer Himmel ohne eine Wolke.

Um 8.45 Uhr waren wir startklar am Ausgangspunkt, dem Mangatepopo Parkplatz. Wie schon so oft fragte ich mich, warum immer alle Shuttlebusse zur selben Zeit ankommen müssen, den wir waren nicht allein. Mindestens 100 andere Leute waren gerade dabei, die letzten Vorbereitungen für die Wanderung zu treffen. Auf dem Weg selbst zog sich dass aber ganz gut auseinander. Die erste Strecke bis zu den Soda Springs war einfach zu laufen über gut ausgebaute Wege mit nur wenig Höhenunterschied. Dann kam die erste richtige Steigung bis zum South Crater. Hier muβte man viel über Felsebrocken unterschiedlicher Gröβe klettern und sich den besten Weg selber suchen. Ich stand unten staunend davor. Von hier aus sahen die vielen Menschen aus wie eine Ameisenstraβe, die sich den Weg hinaufbahnte. Also reihten wir uns ein.

Je steiler es wurde, desto schneller wurde Olaf. Unter der gnadenlos brennenden Sonne, lief mir der Schweiß in Strömen runter und da ich trotz Sonnencreme immer röter wurde, holte ich schnell auch den Sonnenhut aus meinem Rucksack. Die Landschaft, alles vulkanischen Ursprungs, sah sehr trostlost, aber trotzdem fazinierend aus. Nach fast einer Stunde hatten wir den steilen Teil hinter uns und durchquerten den South Crater mit Blick auf den Mt. Ngauruhoe (2.287 m). Ganz enthusastische Wanderer können auch diesen Gipel noch besteigen. Der Side Track dauert hin und zurück ca. 3 Stunden. Wir benügten uns heute mit einem Blick von unten auf diesen Vulkankegel.

Dann kam für uns der letzte und steilste Anstieg hoch zum Red Crater. Das war gar nicht so einfach, da es hier nur noch kleines, feines Geröll gab, in dem man leicht ausrutschen konnte und dank der strahlenden Sonne wurde es immer wärmer. Aber das Ziel war nah und bald darauf hatten wir es erreicht. Der Ausblick war nach allen Seiten einfach genial. Zwei Vulkankegel,    die blauen Emerald Lakes und den gröβeren Blue Lake.  Wir waren uns einig, die Anstrengung hatte sich geloht. Um den Ausblick noch etwas länger genieβen zu können machten wir hier oben Mittagspause.

Dann ging es an den Abstieg. Wenn man im feinen Geröll einen Berg hochläuft, dann ist die Chance, dass man beim Abstieg ebenfalls feines Geröll hat sehr hoch! Die Ausrutschgefahr ist noch viel höher, als beim Aufstieg, zumal es sehr steil runterging. Obwohl der Vergleich ungewöhnlich ist, kam mir dennoch eine schwarze Piste beim Skifahren in den Sinn. Immer aufpassen, dass man nicht hinfällt oder rechts und links runterfällt. Trotzdem haben wir uns beide jeweils einmal lang gemacht, aber das gehört irgendwie auch mit dazu. Wenig später konnten wir die Seen von Nahem betrachten und wir machten uns an den letzten Teil des Trails. Dieser war zwar nicht mehr besonders anstrengend, da es kontinuierlich berg runter ging, aber er zog sich ungeheuer.

Wir machten noch eine letzte Pause an der Ketetahi Hütte, bevor wir ins Grasland und dann in den Dschungel kamen. Genau 7 Stunden nach dem wir losgelaufen waren kamen wir um 15.45 Uhr am Ziel, dem Ketetahi Parkplatz an. Ziemlich kaputt, aber sehr zufrieden über den tollen Tag. Und übrigens, Olaf meinte, er hätte Muselkater in Oberschenkeln ...!



Sabines Blog - Taupo 19. Februar 2007

I die another day

Heute war der Tag X. Irgendwann hatte ich mal gesagt, dass ich Fallschirmspringen will. In Queenstown hatte schon einen Versuch gestartet, das in die Tat umzusetzten. Leider wurde der Sprung dann wegen schlechten Wetters storniert. Mittlerweile war ich
mir gar nicht mehr so sicher, ob ich wirklich springen sollte. Ganz anders Olaf! "Heute musst Du springen. Reserviere schon mal für heute nachmittag." Das Wetter sah tatsächlich perfekt aus, der Himmel war blau und wolkenlos! Auch Taupo, der Ort, zu dem wir heute fahren wollten, hörte sich nach der richtigen Location an: Es gibt kaum einen Ort in der Welt, wo man günstiger springen kann und das Setting ist ebenfalls genial - groβer See und Berge vulkanischen Ursprungs.

Zum Frühstück gratulierte mir schon eine Frau zu meinem Mut. Ich sah Olaf an. Ich konnte es nicht fassen, dass er schon allen erzählte, dass ich heute springe, obwohl ich die Entscheidung selbst noch gar nicht getroffen hatte. Nach dem Frühstück hatte er mich soweit. Ich machte eine Reservierung für 14 Uhr.

Als wir uns Taupo näherten sah ich die Fallschirmspringer schon von Weitem. Allerdings sah das nach extrem schnellen Fall mit Trudeln aus und ich war mir plötzlich nicht mehr so sicher, ob ich springen sollte. "Vielleicht sollte ich doch nicht zu einem Unternehmen gehen, dass "Feefall" heiβt." meinte ich zu Olaf, der grade zum Airport abbog, wo alle Skydiver sitzen. Trotzdem betrat ich wenige Minuten später den Laden und fragte, ob ich auch schon gleich springen könnte, da wir über zwei Stunden zu früh waren. "Yes!" war die Antwort und die Entscheidung endgültig gefallen.

Zum Glück sah ich vorher einige andere Springer runterkommen und stellte fest, dass die Kamikazespringer die Fotografen waren und die Tandems wesentlich langsamer den Himmel runter kamen. Das beruhigte mich zumindest etwas.

Dann ging es los. Wir wurden umgezogen und saβen auch schon kurze Zeit später im Flugzeug. Die Norwegerin, die neben mir saβ, drehte sich zu ihrem Mitspringer um und fragte, ob er sie da wieder sicher runter bringt. Er sagte: "This is an extreme sport. There is no security." Ich drehte mich fragen zu meinem Tandem um, der bestätigte: "You never know ... !" Das waren ja tolle Aussichten. Plötzlich hatte ich aber die Titelmelodie von Madonna für den James Bond Film "Another Day" im Kopf. "Yes, I die another day, its not my time to go", dachte ich, schaute aus dem Flugzeugfenster und entspannte mich.

Folgendes habe ich in der verbleibenden Flugzeit noch rausbekommen können:
- Um meine Springhöhe von 12.000 Fuß zu erreichen braucht man mit dem Flugzeug ungefähr 15 Minuten.
- Der Fallschirm wird bei ca. 5.000 Fuβ geöffnet.
- Der gesamte Sprung dauert ungefähr 5 Minuten. Davon sind 45 Sekunden freier Fall.

Schneller als gefühlte 15 Minuten war es soweit. Ich hing bereits aus dem Flugzeug in der Luft, während mein Begleiter sich noch festhielt. Beine nach hinten und Kopf nach hinten, wie eine Banane, hatte er mir eingebläut. Dann lieβ er los ...! Freier Fall!

Im ersten Moment habe ich geschrien, weil dass Gefühl so komisch ist. Auβerdem bleibt einem etwas die Luft weg. Dann sah ich aber auch schon meine Fotografin. Lächeln und alles nachmachen, was ich mache, hatte sie mir am Boden gesagt. Das war einfach und lenkte mich auch etwas ab.

Obwohl man extrem schnell zu Boden fällt, kommt der Boden gar nicht so schnell näher, als ich vorher gedacht hatte. Das muβ an der Höhe liegen und ist der Unterschied, als wenn man z.B. von einer Brücke springt, wie bei Bungy. Wir hatten einen weiten Blick über das Land, und trotzdem hatte ich keine Angst gleich in das nächste Feld zu fallen. Das Gefühl was ich beim Springen hatte, kann ich nicht beschreiben, aber total cool, extrem geil, super genial, trifft es ungefähr. 

Dann fasste ich noch kurz die Fotografin bei der Hand an. Wahnsinn, dass das so einfach geht. Dann öffnete sich unser Schirm. Man hat das Gefühl extrem nach oben gezogen zu werden, aber wahrscheinlich ist das nur die Abbremsung. Nach unten sah ich die Fotografin weiter fallen. Innerhalb einer Sekunde wurde sie zu einem kleinen Punkt. Danach hatte ich Zeit die Landschaft um mich herum zu genieβen und alles anzusehen, den See, die Stadt Taupo, den Berg, den wir gestern erst überquert hatten, und die anderen Vulkane. Das war fast noch besser als der freie Fall. Viel zu schnell landeten wir schon wieder unten. Olaf warte dort auf mich und hielt alles filmend fest. Ich war total glücklich, weil alles so gut gelaufen war und "Yes, I die another day!"



Olafs Blog - Auckland Airport, 23. Februar 2007

Die weltreisende Kamera

 In ziemlich genau 8 Stunden geht unserer Air New Zealand Flug nach Tahiti. Wir fliegen heute am 23. Februar um 23.59 Uhr ab und werden heute morgen am 23. Februar um 06.20 Uhr auf dem Papeete International Airport landen. Das ist möglich, weil
wir auf unserem Flug gen Osten nach Ozeanien (in 5-6 Flugstunden Umkreis von Tahiti gibt es nur Wasser) die Datumsgrenze überqueren und so einen ganzen Tag Reisezeit gewinnen werden. Das ist umso schöner, als der Tag unserer Rückkehr allmählich näher rückt und wir eigentlich noch gar keine Lust auf deutschen Alltag haben.

Da wir unseren Mietwagen schon frühzeitig an der Flughafenstation abgeben mussten, sitzen wir schon seit zwei Stunden fertig eingecheckt und abflugbereit hier auf dem Flughafen. Langweilig ist uns aber garnicht, da sich unsere Website zunehmend zu einem Gesamtkunstwerk entwickelt. Mit Laptop und PDA bewaffnet nutzen wir die Zeit, um unserer Website dank WiFi Infrastruktur auf den neuesten Stand zu bringen.

Die letzten Tage in Taupo und Auckland waren mal wieder ziemlich anstrengend, da jede Menge organisatorische Dinge zu erledigen waren. Hier ein kurzer weitaus nicht erschöpfender Auszug aus unserer To-Do-Liste der letzten Tage:

  • Transportmöglichkeiten und Preise für unseren Aufenthalt in Tahiti prüfen. Aufgrund unverschämter Taxipreise und wackeligen Bussystem ist es schließlich auf eine Mietwagenbuchung bei Avis hinausgelaufen
  • Organisation einer Lagunentour für Bora Bora
  • Backups unserer Fotos, unserer Website und anderer wichtiger Daten von unserem Laptop kopieren und auf DVDs brennen.
  • Sachen sortieren und Überflüssiges nach Deutschland schicken. Studium der Preis-Laufzeit-Tracking Matrix verschiedener Anbieter, um die günstigste Option herauszufinden.
  • Ruckbestätigung unserer Zeltplatzbuchung für die Osterinsel
  • Reiseroute für Südamerika planen und aufgrund neuer Reglementierungen bereits jetzt unsere Tour für den Incatrail buchen.
  • Optionen für Spanischkurse an verschiedenen Orten in Chile und Argentinien prüfen und vergleichen.
  • Reiseführer für Ecuador und neue Speicherkarte als Ersatz für zwei inzwischen defekte peisgünstigst einkaufen.
  • Einspruch gegen mein Bußgeld in Höhe von 150 NZ$ für angebliches Überholen bei durchgezogener Linie formulieren, in einem Internetcafe ausdrucken und an die neuseeländische Polizei schicken.
  • Herausfinden, auf welches Konto wir die erhaltene Kaution für die von uns vermietete Hamburger Wohnung zurückerstatten müssen und per Internetbanking anweisen.
  • Neue Blogs schreiben, unsere Reisetipps für Neuseeland und Australien zusamenfassen und beides zusammen mit neuen Fotogalerien auf unsere Website hochladen.

Das mit Abstand wichtigste Projekt der letzten Tage und Wochen war es jedoch, Ersatz für meine Video- und Photokamera SANYO Xacti HD 1 (Produktbeschreibung in unserem Ausrüstungskapitel siehe hier) zu organisieren. Alle von uns gemachten und auf dieser Seite veröffentlichten Photos wurden mit dieser Kamera gemacht und wir sind mit dem Ergebnis höchstzufrieden. Leider hat nun schon seit ein paar Wochen der 10fach optische Zoom der Kamera immer weniger Lust verspürt, ordnungsgemäß zu funktionieren. Wer selbst photographiert wird wissen, dass ohne Zoom keine anständige Photographie möglich ist. An dieser Stelle möchte ich der Firma SANYO und ganz besonders meinem Ansprechpartner Herrn Lackovic ganz herzlich danken! SANYO ist sehr kulant und stellt mir bis zu unserer Rückkehr kostenlos ein Leihgerät zur Verfügung, da die eine Reparatur des gerätes entlang unserer Reiseroute nicht möglich ist. Ein weiterer Dank geht an Sabines Eltern, die den Versand organisiert haben und an unsere Mit-AIESECerin Friederike aus früheren Studientagen, die heute in Santiago de Chile wohnt, und die Ersatzkamera nach ihrer Reise um die halbe Welt hoffentlich wohlbehalten in Empfang nehmen wird. Aus dieser Aktion ergab sich ein weiteres To-Do, welches in der oben stehenden Liste noch nicht erwähnt wurde:

  • Studium der Zollbestimmngen in Chile

Wen dieses Thema brennend interessiert, kann hier selbst nachlesen: www.aduana.cl

Wer allerdings mehr interessiert ist, was wir von Neuseeland als Reiseland halten und welche Tipps wir bereit halten, der sollte in unser Kapitel Reisetipps unterwegs schauen.



Sabines Blog - Tahiti 24. Februar 2007

Murmeltiertag - oder der 23. Februar zweimal

Gestern morgen haben wir die Datumsgrenze überschritten, so dass wir den 23. Februar zweimal erlebt haben. Murmeltiertag (aus dem Film "Täglich grüβt das Murmeltier") stimmt eigentlich nicht so ganz, da die beiden Tage ziemlich unterschiedlich waren. Für unsere weitere Zählung der Weltreisetage habe ich entschlossen, den zusätzlichen Tag ab jetzt immer extra zu zählen.

Hier der 23. Februar 2007 Nummer 1 und der 23. Februar 2007 Nummer 2 im Zeitraffer:

23. Februar 2007 Nummer 1

00:30 Uhr: Wir sitzen in Auckland in unserem B&B. Durch einen Buchungsfehler unserer indischen Gastgeber haben wir den kostenlosen "Upgrade" vom Hostel ins B&B bekommen, mit der Auflage niemanden zu erzählen, was wir hier bezahlen. Jetzt nutzen wir das kostenlose Internet und WIFI intensiv - ich am PC und Olaf am Laptop. Wie auch schon in der letzten Nacht (ich bis 3 Uhr, Olaf bis 5 Uhr) haben wir an unserer Webseite gearbeitet und Buchungen für Südamerika gemacht.

01:00 Uhr: Wir beschlieβen ins Bett zu gehen, morgen müssen wir früh aufstehen.

06:00 Uhr: Der Wecker klingelt. Ich schaue ins Zimmer, der ganze Boden ist voll mit Plastiktüten in denen sich der Inhalt unserer Rucksäcke befindet, den wir in den letzten Wochen im Kofferraum unseres Autos transportiert haben. Ich schaue mir das Chaos an und denke, dass kriegen wir nie wieder alles verpackt und gehe erstmal duschen.

07:00 Uhr: Olaf kommt vom Duschen zurück. Ich habe in der Zwischenzeit die Sachen vorsortiert und auf die beiden Betten verteilte. Der Fußboden ist jetzt leer, dafür stapelt sich alles auf unseren Betten.

08:45 Uhr: Wir haben es tatsächlich mal wieder geschafft. Alle Sachen sind in den Rucksäcken verstaut und wir haben auβerdem ein Paket gepackt, mit Sachen die wir nach Hause schicken. Jetzt haben wir uns erstmal das Frühstück für 5 € verdient, dass von dem B&B angeboten wird.

09:45 Uhr: Olaf räumt das Zimmer aus, denn um 10 Uhr ist spätestens Check-out. Ich mache mich mit dem Paket auf zur Poststation. Wir haben leider nur eine Filiale in der Innenstadt gesehen und da dort Parkplätze rar und teuer sind, beschlieβe ich zu Fuβ zu gehen.

10:30 Uhr: Ich bin in der Post und habe alle erforderlichen Unterlagen ausgefüllt, einschlieβlich aller Gegenstände sowie Gewicht und Wertangaben. Die Angestellte staunt nicht schlecht, dass das kleine Paket 3,7 kg wiegt, aber es sind hauptsächlich unsere beiden letzten Reiseführer drin, sowie anderer Papierkram, den wir als Erinnerungsstücke behalten wollen. Ich staune nicht schlecht, als ich den Preis höre - über 40 Euro, aber was tut man nicht alles für die Erinnerung.

11:15 Uhr: Ich komme zurück zum B&B. Dort schreibe ich noch eine letzte Email an meine Eltern, dass ich das Paket losgeschickt habe.

12:00 Uhr: Unser Auto(chen) ist gepackt. Wir fahren los zum Flughafen, da wir das Auto dort um 13:00 Uhr abgeben müssen, obwohl unser Flieger erst 23:59 Uhr geht. Aber wir wollten deswegen keinen Extratag bezahlen und mit Flughäfen kennen wir uns mittlerweile schon ziemlich gut aus.

13:00 Uhr: Trotz kleineren Stau haben wir das Auto rechtzeitig voll aufgetankt abgegeben. Ob wir irgendwelche Probleme hatten? Nein, wir schütteln beide den Kopf und ich denke flüchtig an den Moment, als uns ein Auto überholt hat und eine Ladung Rollsplitt auf die Motorhaube und die Frontscheibe gespritzt hat. Aber zum Glück hatten wir ja eine Versicherung mit 0 Selbstbeteiligung inkl. Reifen und Windschutzscheibe. Auβerdem lieβen die Rostflecken auf der Motorhaube darauf schlieβen, dass auch schon vorherige Mieter gleiche Erlebnisse hatten. Nach einem kurzen Check ist auch die Dame von der Autovermietung zufrieden und wir werden mit einem Shuttle zum Flughafen gebracht.

14:00 Uhr: Wir haben problemlos bei Air New Zealand eingecheckt und haben noch fast 10 Stunden Zeit bis zum Abflug. Die Departure Tax von 25 NZ-Dollar pro Person haben wir auch schon bezahlt. Wir essen erstmal etwas zum Mittag.

15:00 Uhr: So richtig gemütlich ist der Flughafen nicht. Aber wir haben einen Tisch in der Nähe einer Steckdose gefunden. Olaf schreibt Blog und ich erkunde den Flughafen. Nachdem ich alle Läden mir angesehen habe, schreibe ich Tagebuch.

17:30 Uhr: Auf dem Flughafen gibt es WIFI. 4 Stunden kosten ungefähr 10 Euro, aber was sollen wir sonst machen. Olaf logt sich ein und arbeitet an der Webseite und stellt alles Online, während ich noch an den letzten Reisetipps für Neuseeland arbeite. Die Zeit vergeht jetzt erstaunlich schnell.

21:30 Uhr: Die Online-Zeit ist abgelaufen. Wir packen unsere Sachen zusammen und beschlieβen durch die Sicherheitskontrolle zu gehen. Meine Lieblingsdurchsage in den letzten Stunden war übrigens: "Mr. X, please board imidiately. The airplane is ready for take off and the other passangers are waiting for you." Nicht nur dass die anderen Passagiere alle fünf Minuten auf jemanden anderes gewartet haben, Mr. X bekommt so auch gleich ein richtig schlechtes Gewissen, da der ganze Flughafen Bescheid weiß, dass alle wegen ihm warten müssen.

22:00 Uhr: Wir stehen an der Immigration an. Es gibt zwei lange Schlange und nur zwei Kontrolleure, aber eins wird schnell klar, wir stehen an der langsameren Schlange an. Irgendwie sind wir genervt.

22:30 Uhr: Wir haben es geschafft. Leider gab es noch nicht mal einen Ausreisestempel nach der ganzen Warterei. Dafür ging die Sicherheitskontrolle schnell. Olaf brauchte noch nicht mal das Laptop auszupacken.

23:00 Uhr: Die Wartezone hinter der Sicherheitskontrolle ist mehr als ungemütlich. Wir beschlieβen die letzten NZ-Dollar bei Burger King zu investieren. Die Burger sind nicht besonders gut, wir aber satt. Von den allerletzten Dollar bekomme ich ein Kakuroheft und bin ab jetzt schwer am Zahlenrätsel lösen.

23:40 Uhr: Der Air New Zealandtyp erklärt gleich zweimal hintereinander, wie der Check-in gleich abläuft. Es ist schon ziemlich schwierig ein Flugzeug zu befüllen.

23:50 Uhr: Wir werden geboardet. Als wir ins Flugzeug kommen sind wir erstaunt. Das ist seit langem das älteste Flugzeug, mit dem wir geflogen sind.

00:01 Uhr: Wir fliegen später los, da wir noch auf Passagiere aus Sydney warten.

00:15 Uhr: Die fehlenden Passagiere kommen ins Flugzeug werden hier aber nicht namentlich vorgestellt.

00:20 Uhr: Wir starten. Tschüss Neuseeland! Wir hatten eine gute Zeit hier!

01:30 Uhr: Es dauert ziemlich lange bis wir unser Essen bekommen, direkt vor unserer Reihe ist es erstmal alle und es dauert noch mal 5 Minuten bis Nachschub kommt. Ich habe es gar nicht gemerkt, da ich in mein "Killersudoku" vertieft war. Auβerdem hatten wir ja zum Glück noch den Burger auf dem Flughafen gegessen.

01:45 Uhr: Der Weinausschank ist sehr groβzügig und wir bekommen gut Laune. Mit dem knallbunten Plastikgeschirr machen wir lustige Fotos.

02:00 Uhr: Ich werde müde. Die Flugzeugdecken von Air New Zealand sind die besten, die ich jemals hatte: weiches, kuscheliges Fleece, sehr warm. Kurzzeitig kommt mir der Gedanke, mir eine bis zum Ende der Reise auszuleihen, da es ja in Südamerika nachts so kalt sein soll. Noch vor dem Einschlafen verwerfe ich den Gedanken wieder. Es passt sowieso nichts mehr in unser Gepäck.

23. Februar 2007 Nummer 2

Irgendwann während des Fluges überfliegen wir die Datumsgrenze, und alles dreht sich um einen Tag zurück.

04:30 Uhr: Ich wache auf, weil Olaf neben mir Licht anmacht und liest. Ich schlafe auch gleich wieder ein.

05:30 Uhr: Ich wache auf, weil Olaf Sonnenaufgangsfotos macht und da ich am Fenster sitze, er mir ständig mit der Kamera vor der Nase rumfuchtelt. Nach dem dritten Mal habe ich die Nase voll. Ich wechsle mit Olaf den Platz.

05:45 Uhr: Frühstück! Mit dem Schlafen ist es jetzt endgültig vorbei.

06:30 Uhr: Wir landen. Es gibt wieder zwei lange Schlangen bei der Immigration und wir stehen offensichtlich wieder an der falschen an. Die Einweiserin hat übersehen, dass wir einen EU-Pass haben. Da Tahiti offiziell zu Frankreich gehört, brauchen wir kein Visa und bekommen auch kein Stempel. Wir sind quasi in Europa.

07:15 Uhr: Wir stehen am AVIS Schalter. Wir hatten uns kurzfristig überlegt, ein Auto zu mieten nachdem wir mit dem Taxipreisen konfrontiert wurden. Jetzt sind wir ganz froh das wir im Internet vorgebucht hatten, denn es gibt keine Autos zu mieten. Leider stellte sich heraus, das auch unser Auto nicht mehr da ist. Kleiner Fehler im System, aber kein Problem, wir kriegen ein Upgrade.

07:45 Uhr: Nachdem die AVIS Angestellte mehrfach verschwunden war, stehen wir endlich vor unserem Auto. Als ich den abgeschrabbelten Ford Fiesta sehe, denke ich noch mal über das Wort Upgrade nach. Auf dem Formular, wo man die Macken im Auto einträgt ist überall ein groβes Kreuz.

08:00 Uhr: Wir stecken im Stau auf dem Weg nach Papeete. Hier wollen wir bei Lan Chile unsere Flugtickets für den weiteren Flug einsammeln. Wenigstens fahren wir jetzt schon mal in die in die richtige Richtung, nach ein paar Navigationsproblemen meinerseits.

08:15 Uhr: Wir sind in Papeete. Leider ist kein Parkplatz zu finden. Also ab ins Parkhaus. Noch vor der Schranke fällt uns auf, dass wir vergessen haben Geld am Flughafen zu tauschen. Also doch noch mal weitersuchen.

08:30 Uhr: Wir parken auf dem McDonalds Parkplatz. Olaf wartet dort, während ich zum Lan Chile Büro gehe. Dort angekommen, wird mir erklärt, dass die Systeme down sind, keiner weiβ wie lange das dauert und solange keine Tickets ausgestellt werden können. Ich soll mir aber keine Sorgen machen, die Tickets werden auf dem Flughafen für uns hinterlegt. Ich mache mir aber trotzdem Sorgen, da wir erst nachts fliegen und wir ein echtes Problem bekommen, wenn dann die Tickets dann nicht am Flughafen sind.

08:45 Uhr: Ich bin bei der Bank und tausche Geld. Als ich wieder zurück zu Auto komme, erklärt mit Olaf, dass ich wohl die niedrigste Tauschrate auf der ganzen Insel bekommen habe. Langsam bin ich frustriert. Auβerdem darf ich gleich wieder meiner Lieblingsaufgabe nachgehen und navigieren. Wenige Minuten später habe ich keine Ahnung mehr, wo wir sind.

09:45 Uhr: Aufgrund meiner hervorragenden Leitfähigkeit, haben wir den Weg aus Papeete gefunden.  Der Rest ist einfach, da es mehr oder weniger nur eine groβe Straβe um die Insel gibt. Wir fahren auf den Parkplatz des Museums. Der Eintritt ist erstaunlicherweise geringer, als im Reiseführer angegeben. Einige Minuten später wissen wir auch warum: Fast die ganze Ausstellung ist geschlossen, wegen Renovierung. Als wir uns den verbleibenden Teil der Ausstellung ansehen, wissen wir auch warum. Alles hat 60ziger Jahre Charme und die meisten Ausstellungsstücke funktionieren auch nicht mehr. Dafür gab es eine Fotoausstellung mit nackten Inselschönheiten. Sehr künstlerisch.

10:45 Uhr: Wir haben das Museum verlassen und halten vor einem Supermarkt um Wasser zu kaufen. Nach Neuseeland werden wir hier per Schock darauf vorbereitet, dass wir uns wieder an ein niedrigeres Niveau einrichten müssen.

11:15 Uhr: Wir sind noch 30 km vom Ziel entfernt und Olaf wird sehr müde. Um Geld zu sparen, haben wir nur einen Fahrer angegeben. Wir fahren für 10 Minuten an den Strassenrand.

12:00 Uhr: Nachdem wir einmal vorbeigefahren sind, finden wir die Auffahrt zur "Vanira Lodge". Als ich den schmalen, steilen Weg hoch sehe, bin ich sehr froh dass ich nicht Fahren muβ und hoffe, dass wir keinen Gegenverkehr haben.

12:15 Uhr: Oben! Es ist aber niemand auβer uns hier. An der Rezeption steht ein Schild mit unseren Namen und daneben liegt ein Schlüssel. Den nehmen wir und machen uns auf den Weg zu dem Bungalow. Dieser ist an einen Hang gelegen, so dass wir einen tollen Blick über die Bucht haben. Es ist alles sehr offen und es gibt eine Küche, ein Essbereich, einen Schreibtisch mit Ausblick und das Beste ist einen voll verglaster Ausblick mit einer langen Sitzecke. Es gibt allerdings auch Mücken, die man wegen der offenen Konstruktion nicht aussperren kann. Wir sind auf den ersten Blick nicht allzu sehr begeistert. Das liegt hauptsächlich daran, dass wir beide extrem müde sind. Trotzdem studiere ich noch schnell in den ausgelegten Informationen, wo wir heute abend Essen her bekommen. Wir finden Supermarkt und selber kochen ist die beste Option, allerdings sind alle gerade geschlossen. Ich lege mich in den Ausguck und bin gleich danach eingeschlafen.

17:00: Ich wache auf und bin immer noch sehr müde. Wenn wir etwas zu essen haben wollen, sollten wir jetzt aber doch besser aufstehen.

17:30: Wir betreten den Supermarkt, der mich von Geruch und Ausstattung her sehr an China erinnert. Kein Wunder, fast alle Supermärkte auf Tahiti werden von Chinesen betrieben. Wir werden aber fündig und haben bald alle Zutaten für Pasta zusammen. Danach fahren wir noch ein biβchen herum und schauen uns die Insel an.

18:30: Olaf hat die Horrorauffahrt wieder gut gemeistert. Wir schauen uns den romantischen Sonnenuntergang an. Nach Einbruch der Dunkelheit beginne ich mit dem Kochen. Auch unsere Mitbewohner lassen sich blicken, 20-30 kleine Geckos.

20:30: Wir haben gegessen und sitzen jetzt in der Sitzecke, die auch ohne Ausblick sehr gemütlich ist. Seit langer Zeit lesen wir mal wieder, ich ein Buch und Olaf Reiseführer.

23:00: Ab ins Bett!

Den nächsten Tag hatten wir übrigens Dauerregen, im Inselparadies. Ich fand das gar nicht so schlimm. Wir hatten den perfekten Platz gefunden um ins Land zu gucken und einfach mal gar nichts zu machen.

Zurueck zur Neuseeland-Uebersicht

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