Papeete Flughafen, 28. Februar 2007
Dicke Hose im Südseeparadies
Heute nun geht unser insgesamt sechstägiger Aufenthalt in Französich Polynesien und damit unser Urlaub von der Weltreise zu Ende. Also mache ich mich sofort an die Arbeit und schreibe einen frischen Blog, bevor uns der Weltreisealltag auf dem Campingplatz der Osterinsel wieder einholt.
Dicke Hose im Südseeparadies
Heute nun geht unser insgesamt sechstägiger Aufenthalt in Französich Polynesien und damit unser Urlaub von der Weltreise zu Ende. Also mache ich mich sofort an die Arbeit und schreibe einen frischen Blog, bevor uns der Weltreisealltag auf dem Campingplatz der Osterinsel wieder einholt.
Nachdem ein Engländer, ein Franzose, ein Spanier und
schliesslich der Übervater aller Südseeentdecker James Cook Polynesien für die westliche Welt auf der Weltkarte eingetragen hat, ist hier in den letzten ca. 250 Jahren einiges passiert. Der wohl berühmteste europäische Langzeitreisende in dieser Gegend war Paul Gauguin. Er suchte nach seinen indianischen Wurzeln und nach der in Europa durch die ihm verlogen erscheinende Zivilisation zerstörten Ursprünglichkeit. Gefunden hat er hier wohl vor allem willige Südseemädels, die in ihren älteren Semestern zunehmend rubenshafte Formen annehmen. Dies wurde von Gauguin dann auch ziemlich realistisch in seinen zahlreichen Gemälden festgehalten. Die Bilder sind heute in jeder einigermassen auf sich haltenden Impressionistensammlung in Paris, London, Chicago, New York, St. Petersburg und Moskau vertreten. Im Gauguin Museum auf Tahiti sucht man allerdings vergebens nach einem Originalbild. Hier kann man für 6 EUR Eintritt einige alte Möbelstücke, ein verstaubtes Modell seines Hauses auf der polynesischen Inselgruppe Marquesas und einige zwar recht informative Schautafeln mit Informationen finden, die allerdings auch in jedem Taschen Kunstband nachzulesen sind. Neben Paul Gauguin hat auch der Schatzinsel Autor Robert Louis Stephenson in Polynesien die Abgelegenheit gesucht und sich hier zu seinem Buch "In der Südsee" inspirieren lassen, welches bei Interesse hier erhältlich ist. Im Gegensatz zu Gauguin hat Stephenson Frau und Kinder nicht in Europa zurückgelassen sondern mit in die Südsee gebracht. Ob er deshalb den eingeborenen Mädels weniger zugetan war als Gauguin, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.
Die Zeiten ändern sich, aber französisch ist Polynesien noch heute. Es gehört damit sogar zur EU und der Polynesische Franc ist fest an den Euro gebunden. Wie an der noch eigenen Währung zu ersehen ist, gehört Polynesien zu Frankreich, aber doch nicht ganz zur EU. Dem Zufluss europäischer Fördergelder tut dies jedoch keinen Abruch, so dass das pro Kopf Einkommen heute auf dem Niveau von Australien liegt. Die Franzosen wissen halt, wie mans macht. Nur sie dürfen sich hier ohne Beschränkung ansiedeln und arbeiten, andere EU Bürger können dies zumindest laut Reiseführer nicht. Die Einheimischen scheinen sich arrangiert zu haben (EU Geldern sei Dank) und eine baldige Unabhängigkeit ist wohl nicht auf dem Plan.
Leben lässt es sich hier in der Mitte Ozeaniens ganz gut. Zu verdanken ist dies vor allem den deutlich betuchteren Nachfolgern von Gauguin. Sie heissen Pierce Brosnan, Sharon Stone, Eddie Murphy oder Jim Carrey. Sie kommen im Private Jet und logieren auf Bora Bora. Diejenigen, die es ihnen gleichtun wollen, buchen sich auf dem Regent Kreuzfahrtschiff namens "Paul Gauguin". Selbiges haben wir auf unserer Bootstour in der Lagune von Bora Bora gesichtet, wobei die Passagiere allerdings wohlhabender aussahen als der Namensgeber ihres Kreuzfahrtschiffes es je war. Die modernen Touristen suchen in Polynesien allenfalls die Ursprünglichkeit der Natur. Bei Zimmerpreisen, die in der "Budget" Kategorie bei 100 EUR pro Nacht starten, sucht man wohl vor allem das Gefühl unter sich und ungestört von der trivialen Aussenwelt zu sein. Dies gelingt aufgrund der Mentalität der Einheimischen allerdings nur bedingt. Da wir noch nicht in der Kategorie Private Jet angekommen sind und auch eine Kreuzfahrt jenseits unserer Budgetvorstellungen liegt, haben wir uns mit einem Linienflug von Air Tahiti zu einen Tagesausflug von der Hauptinsel Tahiti zum Promi-Atoll Bora Bora aufgemacht. Man landet dort auf einem Motu, einer Insel auf dem Atollrand. Unsere Mitpassagiere (die schätzungsweise durchschnittliche Zimmerpreise um die 500 EUR bezahlt haben) mussten genau wie wir eine knappe Stunde auf die verspätete Air Tahiti Fähre warten, die die Passagiere von der Flughafeninsel auf die Hauptinsel Bora Bora bringen sollte. Dank fehlender Klimaanlage konnte man während der Wartezeit ordentlich schwitzen und rätseln, wie es wohl weitergehen würde. Informationen oder Präsenz eines Flughafenangestellten waren Fehlanzeige. Ob unsere Mitpassagiere von ihrem teuer bezahlten Hotel mehr begeistert waren, konnten wir nicht nachprüfen. Wir hatten uns gegen Übernachtung und für eine Bootstour durch die Lagune von Bora Bora entschieden. Dies war Dank Sonnenschein, türkisem Meer und einem nur für uns beide privat gemietenen Boot mit Skipper tatsächlich ein echtes Urlaubserlebnis.
Wahrscheinlich nicht ganz im Einklang mit den Verhaltensrichtlinien des Word Wildlife Fonds hat unser Skipper mittels Fütterung Stachelrochen angelockt, die im brusthohen Wasser der Lagune direkt an mich herangeschwommen sind, so dass sie mich berührt haben und auch ich sie berühren konnte. Sabine hat die Grösse und die Anzahl der Tiere verängstigt, dass sie sich nach kurzem Kontakt wieder ins Boot zurückgezogen hat. So konnte sie allerdings einige gute Photos machen, die Ihr in unserer Fotogalerie besichtigen könnt. Bei der nächsten Station ausserhalb der Lagune am äusseren Rand des Riffs wurden keine Rochen sondern Haifische gefüttert. Hierbei bin ich dann allerdings im Boot geblieben. Üblicherweise schwimmen die Touristen auch mit den Haifischen, ohne dass es bislang zu Angriffen seitens der Haie gekommen wäre. Ich wollte dennoch nicht die erste Ausnahme sein und habe mich aufs Fotografieren und Filmen der direkt an das Boot heranschwimmenden Raubtiere beschränkt.
Danach gings zurück in die Lagune, wo wir in der Nähe einiger inzwischen durch den Touristenauflauf leider schon sehr beschädigten Korallenbänke geschnorchelt sind und uns kleinere Fische angesehen haben, die uns weniger durch ihre Grösse und Gefährlichkeit als vielmehr durch ihre Farbenpracht beeindruckten. Weiter gings dann an den Überwasserbungalows (aktuell in der Regenzeit zum Schnäppchenpreis ab 900 EUR pro Nacht zu haben) von Le Meridien, St. Regis, Intercontinental & Co vorbei zur Rückseite der Lagune. Hier haben wir schwimmend den wirklich traumhaften Blick auf den Krater der Hauptinsel Bora Bora genossen. Sabine meinte zwar, der Fels sehe ein wenig aus wie ein Riesenpenis, aber vielleicht ist das ja der Grund, warum alle hierher wollen.
Nach unserem Rückflug nach Papeete waren wir zwar begeistert von unserem Ausflug, aber leider uns auch wieder dessen bewusst, dass wir gerade den teuersten Tag unserer bisherigen (und wahrscheinlich auch weiteren) Weltreise erlebt hatten. Daher entschieden wir uns gegen Abendessen und für Drinks und Knapperzeug an der Hotelbar, bevor wir unser Haupt wahrscheinlich für den Rest der Reise das letzte Mal auf ein 5 Sterne Bett zur Ruhe legten. Auf der heute per Nachtflug (spart Übernachtungskosten!) angeflogenen Osterinsel wartet dann wieder der Campingplatz auf uns und unser Zelt.
Auckland Airport, 23. Februar 2007
Die weltreisende Kamera
In ziemlich genau 8 Stunden geht unserer Air New Zealand Flug nach Tahiti. Wir fliegen heute am 23. Februar um 23.59 Uhr ab und werden heute morgen am 23. Februar um 06.20 Uhr auf dem Papeete International Airport landen. Das ist möglich, weil wir auf unserem Flug gen Osten nach Ozeanien (in 5-6 Flugstunden Umkreis von Tahiti gibt es nur Wasser) die Datumsgrenze überqueren und so einen ganzen Tag Reisezeit gewinnen werden. Das ist umso schöner, als der Tag unserer Rückkehr allmählich näher rückt und wir eigentlich noch gar keine Lust auf deutschen Alltag haben.
Da wir unseren Mietwagen schon frühzeitig an der Flughafenstation abgeben mussten, sitzen wir schon seit zwei Stunden fertig eingecheckt und abflugbereit hier auf dem Flughafen. Langweilig ist uns aber garnicht, da sich unsere Website zunehmend zu einem Gesamtkunstwerk entwickelt. Mit Laptop und PDA bewaffnet nutzen wir die Zeit, um unserer Website dank WiFi Infrastruktur auf den neuesten Stand zu bringen.
Die letzten Tage in Taupo und Auckland waren mal wieder ziemlich anstrengend, da jede Menge organisatorische Dinge zu erledigen waren. Hier ein kurzer weitaus nicht erschöpfender Auszug aus unserer To-Do-Liste der letzten Tage:
- Transportmöglichkeiten und Preise für unseren Aufenthalt in Tahiti prüfen. Aufgrund unverschämter Taxipreise und wackeligen Bussystem ist es schließlich auf eine Mietwagenbuchung bei Avis hinausgelaufen
- Organisation einer Lagunentour für Bora Bora
- Backups unserer Fotos, unserer Website und anderer wichtiger Daten von unserem Laptop kopieren und auf DVDs brennen.
- Sachen sortieren und Überflüssiges nach Deutschland schicken. Studium der Preis-Laufzeit-Tracking Matrix verschiedener Anbieter, um die günstigste Option herauszufinden.
- Ruckbestätigung unserer Zeltplatzbuchung für die Osterinsel
- Reiseroute für Südamerika planen und aufgrund neuer Reglementierungen bereits jetzt unsere Tour für den Incatrail buchen.
- Optionen für Spanischkurse an verschiedenen Orten in Chile und Argentinien prüfen und vergleichen.
- Reiseführer für Ecuador und neue Speicherkarte als Ersatz für zwei inzwischen defekte peisgünstigst einkaufen.
- Einspruch gegen mein Bußgeld in Höhe von 150 NZ$ für angebliches Überholen bei durchgezogener Linie formulieren, in einem Internetcafe ausdrucken und an die neuseeländische Polizei schicken.
- Herausfinden, auf welches Konto wir die erhaltene Kaution für die von uns vermietete Hamburger Wohnung zurückerstatten müssen und per Internetbanking anweisen.
- Neue Blogs schreiben, unsere Reisetipps für Neuseeland und Australien zusamenfassen und beides zusammen mit neuen Fotogalerien auf unsere Website hochladen.
Das mit Abstand wichtigste Projekt der letzten Tage und Wochen war es jedoch, Ersatz für meine Video- und Photokamera SANYO Xacti HD 1 (Produktbeschreibung in unserem Ausrüstungskapitel siehe hier) zu organisieren. Alle von uns gemachten und auf dieser Seite veröffentlichten Photos wurden mit dieser Kamera gemacht und wir sind mit dem Ergebnis höchstzufrieden. Leider hat nun schon seit ein paar Wochen der 10fach optische Zoom der Kamera immer weniger Lust verspürt, ordnungsgemäß zu funktionieren. Wer selbst photographiert wird wissen, dass ohne Zoom keine anständige Photographie möglich ist. An dieser Stelle möchte ich der Firma SANYO und ganz besonders meinem Ansprechpartner Herrn Lackovic ganz herzlich danken! SANYO ist sehr kulant und stellt mir bis zu unserer Rückkehr kostenlos ein Leihgerät zur Verfügung, da die eine Reparatur des gerätes entlang unserer Reiseroute nicht möglich ist. Ein weiterer Dank geht an Sabines Eltern, die den Versand organisiert haben und an unsere Mit-AIESECerin Friederike aus früheren Studientagen, die heute in Santiago de Chile wohnt, und die Ersatzkamera nach ihrer Reise um die halbe Welt hoffentlich wohlbehalten in Empfang nehmen wird. Aus dieser Aktion ergab sich ein weiteres To-Do, welches in der oben stehenden Liste noch nicht erwähnt wurde:
- Studium der Zollbestimmngen in Chile
Wen dieses Thema brennend interessiert, kann hier selbst nachlesen: www.aduana.cl
Wer allerdings mehr interessiert ist, was wir von Neuseeland als Reiseland halten und welche Tipps wir bereit halten, der sollte in unser Kapitel Reisetipps unterwegs schauen.
Haast, 09. Februar 2007
Der Freak im Fliegennetz
Ja, ich gebe es zu, ich habe die Parole ausgegeben: "In Neuseeland wird Outdoor gemacht!". Alles hätte so schön sein können, denn es fing wirklich gut an.
Zunächst haben wir Drachenfliegen ausprobiert, was in Wirklichkeit genauso phantastisch war, wie ich mir das immer vorgestellt hatte. Man gleitet lautlos von einem hohen Berg in ein malerisches Tal hinunter. Man fliegt durch die Luft und kann die Erde aus der Vogelperspektive geniessen. Ich war zusammen mit einem erfahrenen Piloten auf einem Drachen und habe mit Erstaunen gelernt, dass es nur 9 Tage Ausbildung bedarf, bis man selbst ohne fremde Hilfe einen solchen Drachen fliegen kann. Aus dem Traum Weltreise ist also schon wieder ein weiterer Traum geboren worden.
Ein anderer Traum wurde in der Mongolei geboren. Dieses wunderbare Land mit seiner unendlichen Weite hat es mir so angetan, dass ich es gern einmal im Sommer auf einem Pferd durchreiten möchte. Pferde gibt es in der Mongolei wirklich genug, leider aber keine westlichen Sattel (dort wird entweder ganz ohne Sattel oder auf einem Holzsattel geritten) und auch keine ausgebildeten Reitlehrer. Hier im neuseeländischen Glenorchy gibt es hingegen alles, was man zum Reiten lernen braucht: gute Pferde, ordentliche Ausrüstung, leckere Reitlehrerinnen und eine wahrlich phantastische Landschaft, die bereits der Herr der Ringe Trilogie als Kulisse gedient hat. Auch mein Hengst Nigel war ein echter Movie Star, der im dritten Teil von Herr der Ringe mehrfach auf dem Schlachtfeld in Erscheinung tritt. Nach ein paar Anfangsschwierigkeiten (Pferd wollte nicht sofort anerkennen, dass ich der Boss bin...), hatten wir drei großartige Tage bei strahlendem Sonnenschein. Am letzten Tag konnten wir sogar im langsamen Galopp blendend Haltung bewahren.
So hätte es bleiben können, wäre da nicht meine Idee mit dem Kayak gewesen. Da so viele Reisende ganz begeistert von Kayakfahren sind, wollte auch ich gern dahinter kommen, was das Tolle an dieser Sache ist. In Christchurch hatten wir dann die Schweizer Carolyn und Christoph getroffen, die uns ganz begeistert von ihrer zweitägigen Kayaktour im Doubtful Sound berichtet hatten. Allein die Tatsache, dass die Beiden Schweizer sind, hätte uns misstrauisch stimmen sollen, ich erinnere nur an die Schweizer Schwestern in Tibet (für unsere regelmässigen Leser: das waren die sprachlosen Gletscherkundlerinnen).
Sabine war aber von der ganzen Sache so angetan, dass wir uns schliesslich zu der gleichen Tour entschieden haben. Ich wollte diesmal nicht meinen Ruf als der Reisende auf der "road less travelled" riskieren und weicheinmässig für eine wesentlich bequemere overnight cruise auf einer Motorjacht mit nur gelegentlichen stundenweisen Kayakfahren optieren. Obwohl sich das von vornhinein deutlich verfüherischer angehört hatte.
Schon die Anreise nach Te Anau, dem Ausgangsort der Tour, lieβ nichts Gutes ahnen. Wir begegneten einem ziemlich merkwürdigen Exemplar der sich selbst als Kiwis bezeichnenden Einwohnern unseres aktuellen Reiselandes. Ich hatte auf dem Weg ein paar Camper und andere langsamfahrende Objekte überholt, wobei ich mich natürlich strengstens an das hier herrschende Tempolimit von 100 km/h und auch sonst an alle Vorschriften gehalten hatte. Auf der Fahrt wunderte ich mich dann, als ich auf einer kurzen Strecke schon den zweiten Polizeiwagen seitlich im Busch stehen sah. Der setzte sich dann auch prompt in Bewegung als ich an ihm vorbeifuhr, setzte sich hinter mich und schaltete Sirene und Blaulicht ein. Nachdem ich selbstverständlich völlig kooperativ gehalten hatte, wurde mir mitgeteilt, dass ein Kiwi der Meinung sei, ich hätte bei einer durchgezogenen Linie überholt und er hatte daraufhin vom Handy aus die Polizei alarmiert. Die Strafe für das mir vorgeworfene Vergehen betrüge 150 NZ$ (ca. 85 EUR) und die hätte jetzt mal gleich zu zahlen. Ich versuchte daraufhin dem an für sich recht sympatischen Officer klarzumachen, dass nach meinem Verständnis in einem westlichen Rechtstaat keine Strafen verhängt würden, weil irgendwer unzufrieden ist und jemanden anderen für etwas beschuldigt, das er nicht getan hat. Schliesslich bräuchte es doch einen Beweis. Nach langem Palaver einigten wir uns darauf, dass ich ein Ticket bekomme, es aber nicht sofort bezahlen müsse sondern dagegen schriftlich Widerspruch einlegen kann. Das werde ich tun!
Übrigens haben wir später herausgefunden, dass es hier tatsächlich standardmäβig eine Hotline zum Denunzieren ungeliebter Verkehrsteilnehmer gibt. Man wähle von seinem Mobiltelefon einfach "*555" und schon macht die Polizei dem Objekt der Denunziation Unannehmlichkeiten. Ich dachte eigentlich immer, die Kiwis wären cool. Das ist doch nicht cool, oder? Andererseits, man stelle sich mal eine solche Hotline Deutschland vor. Ich erinnere nun an die ruhmreiche Dokumenntation "Krieg auf deutschen Autobahnen". Aber ich schweife hier ganz schön ab, also zurück zum Thema.
Nach der begeisternden Anfahrt begann vorgestern um 6.00 Uhr morgens die eigentliche Aktion. Zusammen mit sechs weiteren Tourteilnehmern und unserer Führerin Fiona ging es über einen See und eine Buschpiste zum entlegenen Doubtful Sound, der eigentlich ein ca. 40 km langes Fjord am südwestlichen Ende der neuseeländischen Südinsel ist. Unsere Mitfahrer hatten im Gegensatz zu uns allesamt bereits Kayakerfahrung. Im Einzelnen handelte es sich dabei um Dave, den amerikanischen Ranger, Tim, den englischen Forellenzüchter, Jan, den deutschen IT Berater, Alicia, der amerikanischen reisenden Studentin und um das neuseeländische Unternehmensberaterpärchen Marc und Trina.
Zunächst mussten wir erstmal alle notwendigen Utensilien für die Übernachtung in unser 2er Kayak stopfen und uns dann hinter einem Busch inmitten des ersten Schwarms Sandfliegen in unsere Neoprenanzüge zwängen und von einer wachsenden Sandfliegengemeinde begleitet unser Kayaks aufs Wasser setzten. Als wir dann auf dem Wasser waren, konnten wir tatsächlich das für die Gegend eher ungewöhnliche sonnige Wetter auf dem ruhigen Wasser geniessen. Nach kurzer Zeit stellten wir jedoch fest, dass unsere mit Kayakerfahrung ausgestatteten Mitfahrer am Horizont zu verschwinden drohten, da unsere Schlagzahl wohl doch ein wenig zu gering war. Nachdem sie auf uns gewartet hatten, teilte uns unsere Führerin Fiona mit, das wir das Bananenboot wären und somit das Unglück anziehen würden. Sabine hatte ein paar Bananen als Snacks auf dem Kayak befestigt. In der Seefahrertradition sind Bananen nicht besonders beliebt, da sie angeblich Ungeziefer an Bord holen und anderen Proviant zum Verderben bringen. Super, nicht nur langsamstes sondern auch gleich noch Unglücksboot!
Obwohl sich der Doubtful Sound von seiner sonnigsten Seite zeigte, fand ich die Landschaft nicht besonders aufregend. Das Wasser war ganz glatt und ziemlich dunkel. Zusammen mit den dunstigen, mit Regenwald bewachsenen hochaufragenden Granitwänden hatte das ganze etwas ziemlich Unheilvolles. Der Hinweis auf die eine mehrere hundert Meter hohe Granitwand durchtrennende Bruchstelle zwei hier aufeinander treffender tektonischer Platten trug nicht dazu bei, den Ort kuscheliger erscheinen zu lassen.
Ein positiver Aspekt war, dass unsere Führerin Fiona nach einiger Zeit Nachsicht mit unserer mangelhaften Paddelvorstellung hatte ("Heute Nachmittag bekommt Ihr einen Motor." - Ha, ha, sehr witzisch) und die Schlagzahl drosselte, um uns alle mit tollen Geschichten rund um den Doubtful Sound zu beglücken. So lernten wir, dass das Fjord seinen Namen von James Cook bekommen hatte, weil er sich nicht sicher war, ob der starke Wind in das Fjord hinein auch einmal in die Gegenrichtung wehen würde, um sein Schiff auch wieder aus den Doubtful Sound hinaus aufs Meer zu tragen. In den Doubtful Sound trauten sich einige Jahre später erst die Spanier, die aber tatsächlich ihr Schiff aus dem Fjord wieder hinausrudern mussten.
Nach einem tollen Lunch am Strand einer idyllischen Bucht ("Passt auf, dass ihr keine Sandfliegen mit Eurem Sandwich verspeist!") erging es uns wie James Cook und den Spaniern. Ein frischer Wind kam auf, und wir lernten, wie man im Tandem zweier Kayaks tatsächlich mit einfachen Mitteln ein Segel setzten kann. Die Brise trug uns dann bis ans Ende eines Seitenarms des Fjords. Für den Rückweg zu unserem Camp für die Nacht hieβ es dann kräftig gegen den Wind und die damit einhergehenden Wellen zu paddeln. Unnötig zu erwähnen, dass Sabine und ich dort natürlich wieder als letzter eintrafen, und dass obwohl wir in unserem 2er Kayak Plätze getauscht hatten und ich nun vorne eine deutlich höhere Schlagzahl vorgeben konnte. Als krönenden Abschluß legte ich mich bei Ausstieg zur Freude aller auch noch ins Wasser.
Als erstes konnten wir das uns im Premeeting als wundervoll geräumige "insect shelter" in Augenschein nehmen. Man stelle sich das kleinste in Deutschland erhältliche Partyzelt vor und drittele seine Grösse, dann bekommt man eine Vorstellung von des uns zugedachten Raums, der von einem Fliegenetz eingeschlossen war. Es passten genau 9 Plastik-Stapelstühle hinein, deren Beine aber aufgrund mangelnder Kopffreiheit auf halbe Länge abgesägt waren. Nachdem wir unsere Zelte für die Nacht eigenhändig aufgebaut und eingeräumt hatten, stellten wir bei der weiteren Objektbegehung fest, dass wir von Myriaden von Sandfliegen umzingelt waren und dass es hier im Küstenregenwald ohnehin keinerlei begehbaren Wege für einen Abendspaziergang gab. Also fanden sich alle nach kurzer Zeit auf ihren auf halbe Höhe abgesägten Plastikstühlen ein. Das ergab eine wunderbare Runde in einer Atmosphäre aus Managementseminar und Kinderdisco (Wer fordert mich jetzt zum Tanz auf...) mit einem Schuss Anonymer Alkoholiker, wie man es aus schlechten B Movies kennt. Um das Eis zu brechen, war jetzt erstmal vorkochen auf dem im Raum stehenden Campingkocher angesagt. Es konnten immer nur 1-2 gleichzeitig kochen, da es nur zwei Flammen gab. Trina und Marc, das Unternehmungsberatungspärchen, machten den Anfang und präsentierten stolz ihr Dreigangmenü, bestehend aus Crackern mit Lachscremedipp als Vorspeise, Gemüsepfanne aus der Tüte mit beigemischten frisch gewürfelten Zuchini als Hauptgang und tollen selbstgebackenen Bananenkuchen als Nachspeise. Toll!
Nachdem alle anderen ebenfalls ihr Kochkünste vorgeführt hatten, ließ Fiona den bereits lange vorweg angekündigten Wein springen, um die Stimmung zum sieden zu bringen. Der Rotwein (proudly grown in New Zealand and proudly bottled and distributed by a 100% proudly owned and operated New Zealand company!!! - nein, Kiwis sind nicht nationalistisch) kam in einem 3 l Plastiksack mit Schraubverschluβ und schmeckte dementsprechend. Bis auf Trina ("Ich trinke nie Alkohol.") gaben auch alle ganz gut Gas und so erfuhren wir die unterschiedlichsten Dinge, z.B.:
- von Forellenzüchter Tim dass den Forellen im Produktionsprozeβ tatsächlich jede Menge Antibiotika verabreicht werden (lecker!)
- von Parkranger Dave, dass George W. Bush sein Chef ist (Glückwunsch!)
- von Studentin Alica, dass sie Montana als Reitlehrerin gearbeitet hat (he,he)
- von Unternehmensberaterin Trina, dass ihr Mann Marc am morgigen zweiten Tag unserer Kayaktour 40 Jahre alt werden wird (Da kommen wir gleich zu.)
- von Marc, dass er im Gegensatz zu seiner Frau Trina Rotwein trinkt (Prost!)
- von unserer Führerin Fiona, dass sie an Telefonnummern von reichen Männern interessiert ist (Hatten wir etwas anderes erwartet?)
- wir erzählten etwas von unserer Weltreise (Gähn)
Wer gut aufgepasst hat, hat festgestellt, das wir von einem noch nichts wissen. Richtig, IT Freak Jan hat zu allen obigen Themen eine ganz bestimmte und unumstössliche Meinung, die er der Gruppe in mit zunehmenden Rotweinkonsum immer monologisierender mitteilte. Als schlieβlich kein Gespräch mehr möglich war, verabschiedeten sich alle nacheinander ins Bett. Gute Nacht!
Die beiden Highlights unseres zweiten und glücklicherweise letzten Paddeltages waren, dass wir morgens Delfine ganz in unserer Nähen haben schwimmen sehen und dass wir zum Mittag Marcs 40. Geburtstag feierten. Delfine hatten wir schon auf den Philippinen und in Australien gesehen, doch im Doubful Sound erschienen sie ganz besonders mystisch. Wahrscheinlich, weil man in einem wolkenvehangenen Fjord mit dunklem Wasser keine Delfine erwarten würde. Während auf den Philippinen Fischer den Delfinen hinterherfuhren, da in der Nähe von Delfinen meistens auch Thunfisch zu finden ist. Hier in Neuseeland fährt hinter den Delfinen immer ein kleines Forschungsboot, den ganzen Tag, jeden Tag. Das verdirbt ein wenig die Natürlichkeit des Augenblicks.
Trina hatte für Marc eine echte Überraschungsparty organisiert. An unserem Lunch Spot versammelten sich 8 wildfremde Leute in sexy Neoprenanzügen und geschätzte 100.000 Sandfliegen, um Marc eine ganz besondere Freude zu machen. Worüber sich Marc wahrscheinlich besonders gefreut hat, war die Idee vier Streichölzer in seinen Geburtstagskuchen (die Reste vom Bananenkuchen vom Vorabend) zu stecken und sie anzuzünden. Aufgrund des Windes brauchte Marc sie auch gar nicht auszublasen. Die geschah quasi von Geisterhand. Nicht zu vergessen natürlich, unser Geburtstagsständchen. Happy Birthday Marc!
Sollte jemand sich überlegen, was man mir zu meinem glucklicherweise noch etwas entfernt liegenden 40. Geburtstag schenken kann: Bitte keine Kayak Tour.
Glenorchy, 05. Februar 2007
Begegnungen
Eigentlich wollte ich meine letzten Einsichten zum Thema Australien schon vor einer ganzen Weile niederschreiben, aber unser aktueller Aufenthaltsort Neuseeland hält uns momentan ausserordentlich auf Trab. Hier kann man wirklich alles tun, was man schon immer mal tun wollte. Für mich heisst das Drachenfliegen und
Jetzt erstmal zurück nach Australien und zu dem eigentlichen Thema meines Blogs: Begegnungen. Wir haben auf unserer Website die Rubrik Menschen, die leider lange nicht so gut und ausführlich gepflegt ist, ich mir das vorstelle. Dies liegt allerdings nicht daran, dass wir auf unserer Reise niemanden kennengelernt hätten, sondern hängt eher damit zusammen, dass wir gar nicht soviel Zeit haben, jede unserer Begegnungen ausführlich zu beschreiben. Hinzu kommt, dass es von seinem Gegenüber manchmal auch einfach ein bisschen viel verlangt wäre, wenn man über jeden interessanten Menschen ein Porträt machen und es veröffentlichen würde.
Neben der grossartigen Natur waren es aber vor allem unsere Begegnungen, die das Land für uns so interessant gemacht hat. Der grosse Vorteil hier ist, dass man anders als in den anderen von uns besuchten (Ausnahme Russland, da wir ein wenig Russisch sprechen) sich wieder ausführlich mit den Menschen in einer gemeinsamen Sprache (Englisch, bei Touris auch Deutsch) unterhalten kann. Im folgenden will ich nun ohne Anspruch auf Vollständigkeit in chronologischer Reihenfolge die Menschen vorstellen, denen wir während unseres siebenwöchigen Aufenthaltes in Australien begegnet sind.
Kieran und Lisa, unsere Surflehrer in Lancelin. Kieran ist fast 365 Tage im Jahr am Strand und bringt mehr oder weniger begabten Touris das Surfen bei. Er ist Anfang 30 und wenn er keine Schüler hat geht er selber surfen. Sein Lieblingsspruch ist das überall in Australien verbreitete "No worries". Bei Kieran kann man im Gegensatz zu den anderen Australien davon ausgehen, dass diese Bemerkung ernst gemeint ist und man sich wirklich keine Sorgen machen braucht. Seine Frau Lisa hat den vergleichsweise stressigeren Job abgefasst. Sie muss mehrmals in der Woche morgens schon um 4 Uhr aufstehen, um die Surfschüler aus dem ca. 70 km entfernten Perth an den Strand von Lancelin zu holen.
Jürgen Preuss, der Deutsche, der den australischen Eingeborenen das Boomerang Werfen beibringt. Jürgen hatten wir kennengelernt als wir schon relativ spät am Abend eine Unterkunft auf einem Campingplatz in der Nähe von Perth suchten. Zunächst hatte Chris, der Ranger des Parks, in dem sich der Campingplatz befindet, ein Herz mit uns und ließ uns trotzdem er eigentlich ausgebucht war, auf dem Platz übernachten. Chris verwies uns an Jürgen, der schon länger dort war und als Gegenleistung für kostenlose Unterkunft ein bisschen das Mädchen für alles auf dem Platz war. Jürgen konnte superspannende Geschichten über seine Reisen und Beschäftigungen während seines bereits seit Anfang der 70er dauernden Aufenthaltes in Australien erzählen. Insbesondere brachte er uns die Geschichte des Boomerangs bei und erzählte ein wenig über die Aborigines, die er während seiner Tätigkeit besucht hatte. Leider haben die australischen Eingeborenen viele ihrer ursprünglichen Traditionen selbst verlernt, so dass ein Deutscher sie bei ihnen wieder in Erinnerung rufen musste. Jürgen hatte eine grosse Sammlung mit Zeitungsausschnitten dabei, in denen er mit 70er Hippie Outfit zu sehen war und wo über seine Tätigkeit in Australien berichtet wurde. Ausserdem lernten wir, dass viele Australier ihr Bier selber brauen und dass man die dazu benötigten Zutaten als Fertigmischung für wenige Dollar in jedem Supermarkt zu kaufen gibt. Das war für besonders deshalb erstaunlich, da in Australien Alkohol eigentlich nur in streng reglementierten "Bottleshops" erhältlich ist. Leider hatte Jürgen keine gekühlte Probe seines Eigengebräus vorrätig, so dass wir uns von der Qualität nicht selbst überzeugen konnten.
Für unsere Tour auf Kangaroo Island haben unsere Fahrräder bei Ray gemietet. Ray hat die meiste Zeit seines Lebens in Fahrradläden gearbeitet und ist auch in seinen geschätzten 50ern noch ein begeisterter Fahrradfahrer. Jeden Tag fährt er ein knappe Stunde (one way) zwischen seinem Haus und seiner Arbeitstelle, der Jugendherberge in Penneshaw, mit seinem Fahrrad. Ray hat immer gute Laune und hat uns mit kostenloser Übernachtung (unter der Hand versteht sich) in der Jugendherberge geholfen, unser Budget nicht zu sehr zu strapazieren. Wenn die Herberge voll ist, lässt er Reisende auch schon mal bei sich und seiner Frau in seinem Haus übernachten. Ray konnte uns jede Menge über das Inselleben berichten, womit die Leute hier Geld verdienen, über die Grundstückspreise bis hin zu den Müllgebühren.
In Melbourne sind wir sehr herzlich bei Ursula und Günter aufgenommen wurden. Wir kannten die Beiden bis dahin gar nicht. Sabines Vater hatte Günter bei einem Krankenhausaufenthalt in Deutschland kennengelernt. Für uns war es eine weitere Gelegenheit, ein wenig mehr Einblick das Alltagsleben in Australien zu bekommen. Günter und Ursula sind beide Deutsche, die schon sehr früh in den 60ern nach Australien ausgewandert sind. Besonders Günters Auswanderergeschichte war ungewöhnlich. Er fuhr seinerzeit für eine deutsche Reederei zur See und hatte auf der Fahrt eine Meinungsverschiedenheit mit dem Kapitän. Dieser reagierte ziemlich krass und setzte Günter in Sydney kurzerhand an Land, allerdings ohne ihm seinen Lohn für die letzten 8 Monate Arbeit an Bord auszuzahlen. Günter stand dann plötzlich mit gerademal 5 australischen Pfund in Sydney. Er fand aber schnell eine Beschäftigung und hatte bald genug Geld, um sich Australien auf eine einjährigen Autotour ausführlich anzuschauen. Er lernte das Land schätzen und traf irgendwann Ursula. Ursula war in den 60ern mit einem Anwerbeprogramm der australischen Regierung ins Land gekommen. Sie musste sich für zwei Jahre in ihrem Job als Sekretärin verpflichten und bekam dafür eine günstige Überfahrt nach Downunder gesponsort. Nach einem Zwischenspiel in Deutschland gefällt es den beiden in Australien so gut, dass sie von dort auch nicht mehr wegziehen wollen.
Auf unserem Weg nach Sydney haben wir Leigh und Marilyn in der Kleinstadt Albury besucht. Den beiden sind wir in Tibet immer wieder über den Weg gelaufen und sie waren uns gleich auf dem ersten Blick sympatisch. Als wir ihnen schrieben, dass wir gerade durch Australien reisen, haben uns die beiden gleich zu sich nach Hause eingeladen. Leigh ist knapp über 60 und arbeitet als Ingenieur im Stadtplanungsbüro von Albury. Leigh hat uns von einer besonders angenehmen Seite des australischen Arbeitslebens berichtet. Nach 10 Jahren Beschäftigung für denselben Arbeitgeber bekommt man hier 12 Wochen bezahlten Urlaub, einen sogenannten "Long service leave". Dies gilt auch für die freie Wirtschaft und ist wie wir finden eine sehr kompfortable Einrichtung. Leigh und Marilyn hatten diese Gelegenheit genutzt, um drei Monate lang China zu bereisen, wo wir sie dann getroffen hatten. In Albury hatten wir uns dann gegenseitig auch jede Menge über unseren jeweiligen Reiseerlebnisse zu erzählen. Wir gingen gemeinsam auf eine Weintour in der Region und probierten die extrem leckeren Oliven, die ein ausgewanderter Holländer in den dortigen Bergen züchtet. Trotz der gut 25 Jahre Altersunterschied entdeckten wir neben der gemeinsamen Vorliebe für gutes Essen und gute Weine noch jede Menge weitere Gemeinsamkeiten. Die Geschichte, wie die Beiden sich kennengelernt hatten, ähnelte der unsrigen in Einigem. Die beiden interessieren sich sehr für Kunst und Marilyn malt selbst ziemlich gut, wie wir uns an Hand der ausgestellten Werken in ihrem Haus überzeugen konnten. Mit Leigh konnte ich am späteren Abend nach leckerem Portwein jede Menge zutiefst philosophischer Ansichten über den Gang der Welt austauschen. So lernte ich zum Beispiel, dass ein Handy durch den Provider im Auftrag entsprechender staatlicher Dienste auch als eine Wanze zum Abhören privater Informationen genutzt werden kann. Ich bin mir allerdings nicht so ganz sicher, ob diese These einer nüchteren Betrachtung wirklich standhält. Auch diskutierten wir die Vor- und Nachteile australischer Stubby Holder. Wir hoffen sehr mit den Beiden in Kontakt zu bleiben und sie vielleicht einmal in Deutschland begrüssen zu können.
Kurz bevor wir Australien in Richtung Neuseeland verlassen mussten, haben wir in Brisbane Station bei Vince gemacht. Vince haben wir über den Hospitality Club (www.hospitalityclub.org) kennengelernt. Die Idee dieser Internetplattform ist es, dass man Reisende aus anderen Länder kostenlos bei sich zu Hause übernachten lässt und im Gegenzug selbst bei Menschen in anderen Ländern übernachten kann. Das ist aus unserer Sicht eine geniale Idee und Vince war der Erste, bei dem wir eine Übernachtungsmöglichkeit wahrgenommen haben. Vince ist Lehrer an einer Grundschule in der Nähe von Brisbane, hat zwei Söhne im Alter von 10 und 16 Jahren, mit denen er zusammen in seinem Haus wohnt. Er ist geschieden von seiner Frau und die drei schmeissen einen echten Männerhaushalt. Vince ist selbst schon ganz gut in der Welt herumgekommen und hat den Hospitalityclub dabei gut genutzt. Im Gegenzug hat er bereits jede Menge Reisende bei sich aufgenommen. Für war es ein besonderes Erlebnis, mit Vince und seiner Familie das Volksfest zum Australia Day (dem australischen Nationalfeiertag) auf der South Bank in Brisbane zu besuchen. Wir konnten jede Menge darüber erfahren, wie der durchschnittliche Australier lebt und haben auch eine kurze Lektion über Cricketregeln bekommen. Abends gabs dann noch ein typisch australisches Barbecue, was der perfekte Ausklang für unseren 7wöchigen Australienaufenthalt war. Wir hoffen auch Vince und seine Familie bald bei uns in Deutschland wiederzusehen.
Neben den oben ausführlicher beschriebenen Begegnungen treffen wir natürlich jeden Tag immer wieder neue Leute. Da ist z. B. der Elektriker, der uns und unsere defekten Fahrräder auf seinem Pick Up mitgenommen hat, als wir relativ hilflos am Strassenrand auf Kangaroo Island langgetrottet sind. Da sind auch jede Menge Reisende, die wir auf den australischen Zeltplätzen kennengelernt haben und mit denen wir unsere Erlebnisse gegnseitig ausgetauscht haben. Und schließlich sind da jede Menge Australier, die uns einfach freundlich auf eine Frage geantwortet oder in einer anderen Art geholfen haben.

