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Reiseroute / Australien

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Sabines Blog - Perth, 12. Dezember 2006

Australien - erster Eindruck

Nach einem Nachtflug haben wir gestern morgen um 7 Uhr einen neuen Kontinent erreicht. Die Immigration war problemlos. Wir hatten sicherheitshalber einige Tage vorher online ein Visum beantragt.
Beim Zoll ist das schon anders, hier hat man leicht das Gefühl, dass jeder als potenzieller Verbrecher eingestuft wird. Jeder muss eine Erklärung ausfüllen, dass er nichts Verbotenes einführt, dazu gehören auch Lebensmittel, Muscheln, Mutterboden usw.

Um sicherzustellen, dass jeder die richtigen Angaben macht, laufen mehrere niedliche Hunde rum, und schnüffeln, ob man nicht doch noch irgendwo etwas versteckt hält. Nach einer erneuten Befragung, wurde dann unser gesamtes Gepäck noch einmal durchleuchtet. Hierbei erregte unser Zelt Aufmerksamkeit. Wir sollten die Heringe vorzeigen, ob noch Bodenreste vorhanden sind. Zum Glück hatte ich im Mount Evererest Basecamp ein guten Job gemacht, die Zöllnerin lächelte zufrieden, als sie unsere sauberen Heringe sah.

Danach kamen zwei Herausforderungen auf uns zu. Die erste war eine australische Prepaidkarte fürs Handy in einem automatisierten Callcenter anzumelden. Nachdem Olaf dass erfolgreich bewältigt hatte, war ich dran, ein Zimmer zu besorgen. Als wir unseren Flug gebucht hatten, wuβten wir nicht, dass in Perth ein fünftägiges Cricketspiel gegen England ausgetragen wird und die Stadt schon Tage vorher ausgebucht ist. Eigentlich wollten wir ja einige Tage in der Stadt bleiben ... 

Nach 22 Telefonanrufen hatte ich drei Zimmer für eine Nacht, zwei Zimmer für zwei Nächte und ein Zimmer für drei Nächte. Wir entschieden uns für das letztere und wurden sogar kostenlos am Airport abgeholt. Die Leute waren sehr nett, als wir allerdings das Zimmer für 60 AUD sahen, wurde uns klar, dass wir hier auch wieder ein anderes Preisniveau haben. Bei Peter hätten wir hierfür drei Nächte in einem mit Bad ausgestatteten groβen Beachbungalow übernachten können, hier war das der Preis für eine Nacht in einem dunklem, kleinen Zimmer (Fenster=Tür) mit Gemeinschaftsbad. Nachdem wir uns solange auf den "Westen" gefreut hatten, waren wir ziemlich enttäuscht.

Heute morgen haben wir uns aufgemacht, Perth zu Fuβ zu erkunden. Dabei haben wir festgestellt, dass hier alles sehr sauber, ordentlich, gepflegt und modern ist, aber irgendwie auch ganz schön langweilig (zu sauber, zu ordentlich ...).

Das müssen wir ändern! Daher waren wir heute bei Simon, der zahlreiche Touren anbietet. Morgen früh geht es zur Insel Rottnest, Fahrrad fahren, und ab übermorgen wir gesurft - und damit meine ich nicht das Internet!


Sabines Blog - Perth 13. Dezember 2006

Ich hasse Fahrrad fahren!

Ich bin fix und fertig! Heute sind wir mal wieder früh aufgestanden und haben einen ordentlichen Fuβmarsch bis zur Fähre zurückgelegt und sind dann auf dem Fluβ zunächst bis Fremantle gefahren. Das war alles noch sehr nett. Dann sind wir auf eine "seetaugliche"
Fähre umgestiegen und weitergefahren. Die Wellen waren ziemlich hoch und das Boot wurde ziemlich durchgeschüttelt, so dass ich nach wenigen Minuten seekrank war. Insofern hat mich die Überfahrt sehr an die Insel Helgoland erinnert, nur dass sie zum Glück wesentlich kürzer war.

Auf der Insel Rottnest angekommen, machten wir uns gleich auf dem Weg zum Fahrradverleih, wo schon eine riesige Schlange wartete. Eine dreiviertel Stunde später waren wir mit Bikes und Helmen (hier herrscht auch für Fahrradfahrer Helmpflicht) ausgestattet mit dem Hinweis, dass wir alles spätestens in knapp 4 Stunden wieder abgeben müssen. Unser erstes Ziel war der auf der Karte nah gelegene Leuchtturm. Also fuhren wir los, zum Glück waren die Steigungen nicht allzu hoch, aber der Wind brachte mich fast zum stehen, insofern erinnerte mich die Insel an Sylt. Die Landschaft war ebenfalls sehr schön, tolle Strände, die aber wegen des Windes nicht sehr badetauglich waren.

Eine Stunde später studierte ich total entnervt den Faltplan, denn es war immer noch kein Leuchtturm in Sicht, wie sollten wir es da jemals um die Insel schaffen. Leider hatte ich keine Ahnung, wo wir waren und als ich auf meinem Fahrrad wieder gegen den Wind ankämpfte, dachte ich, "Ich hasse Fahrrad fahren!". Im "normalen" Leben bin ich tatsächlich keine groβe Fahrradfahrerin, sondern laufe lieber zu Fuβ oder benutze das Auto oder sonstige zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel!

Ungefähr 10 Minuten später kamen wir zu einem Schild, dass uns zeigte, wo wir uns befinden. Welch eine positive Überraschung - wir hatten den Leuchtturm verpasst und waren bereits um die halbe Insel geradelt. Ich konnte es gar nicht fassen! Danach ging Fahrradfahren noch mal so einfach und in weniger als drei Stunden kamen wir im Hauptort wieder an, obwohl wir uns auf der zweiten Hälfte viel mehr Zeit gelassen hatten!

Die Rückfahrt nach Perth war nicht so entspannt. Irgendwie tropfte im stetigen Abstand Salzwasser auf mich herab. Olaf meinte: "Wieso setzt Du Dich nicht um und beschwerst Dich!" - Aber ersteres war gar nicht möglich, da das Boot viel zu voll war und zweitens war mir viel zu schlecht um eine der beiden Sachen in Angriff zu nehmen. Alle anderen Passagieren, auβer Olaf, schien es aber ähnlich wie mir zu gehen. Leider hat auch der Wechsel auf das andere Boot nach Perth nicht allzu viel geholfen. Immerhin hat der Sitz drauβen, den wir ergattert hatten, dazu geführt, dass wir im Hafenbecken von Fremantle einen Seehund gesehen haben und in Perth saβen wir in der ersten Reihe, als zwei Delfine unseren Weg kreuzten.

Jetzt sind wir zurück in unserem Hostel und es geht mir schon viel besser - nur beim Sitzen habe ich noch ein paar Probleme. Morgen früh geht es los zum Surfen. Zum Glück muβ man dabei kaum sitzen!



Olafs Blog - Lancelin Beach - Western Australia, 18. Dezember 2006

Die fetten Zeiten sind vorbei oder im Westen nichts Neues

Nach guten 1,5 Monaten in Südostasien sind wir vor einer Woche im südwestaustralischen Perth gelandet. Lange schon hatte ich mich auf die Rückkehr in die westliche Zivilisation gefreut, da mir Südostasien zwar exotisch und teilweise sehr angenehm vorkam, aber ich irgendwie das Gefühl hatte, in unserer westlichen Gesellschaft würde alles viel effizienter und professioneller ablaufen.

Nach einer Woche Australien denke ich darüber etwas anders. Zwar kann man sich hier die Zähne mit Leitungswasser putzen, ohne krank zu werden (meine neue Definition von Zivilisation), aber im Nachhinein wird mir erst klar, welchen unglaublichen Luxus zu Mini-Preisen wir in Südostasien genossen haben. Dort ist man schon allein deshalb König, weil man aus dem Westen kommt und selbst mit einem geringen Tagesbudget weitaus mehr Geld zur Verfügung hat als 99,9 Prozent der Einheimischen, die in vielen Fällen sich noch nicht einmal sauberes Trinkwasser leisten können.

In Australien bekommt man für umgerechnet 45 EUR gerade mal ein Doppelzimmer ohne Fenster und mit Gemeinschaftsbad in einer Jugendherberge. Darüber hinaus funktioniert auch hier nicht alles so, wie ich das in meiner idealisierten Vorstellung von der westlichen Gesellschaft erwartet hatte. Die Läden machen schon um 18 Uhr zu und am Sonntag gar nicht erst auf, die Internetverbindungen funktionieren unzuverlässig und die Reiseorganisation gestaltet sich trotz exorbitanter Preise mehr als schwierig. Für alle Australienreisenden der ultimative Mietwagentipp: auf jeden Fall aus Deutschland vorbuchen bzw. vor Ort über einen deutschen Veranstalter mieten (sehr gut: www.holidayautos.de). Die hier angebotenen Mietwagen kommen mit bis zu 3.500 EUR Selbstbeteiligung im Schadensfall und jeder Menge Ausschlussregelungen (Schäden am Unterboden und am Dach sind nicht versichert. Man darf nur tagsüber und nur in einem bestimmten Radius vom Anmietort fahren etc.).

Zudem sind wir wieder im Land der Sprachcomputer angelangt, wo es vermeintlich billiger ist, Kunden mit Maschinen sprechen zu lassen anstatt mit Menschen. Bei der Freischaltung unserer Vodafone Mobilfunkkarte habe ich mit einer Maschine telefoniert, wobei folgender Dialog nach ca. 8 Minuten Redezeit stattgefunden hat.
Maschine: "Pls. tell me the post code of your address in Australia."
Olaf: Langes Schweigen, da zwar die Adresse aber nicht die Postleitzahl wusste.
Maschine: "Pls. tell me the post code of your address in Australia. If you dont know it, say: I dont know."
Olaf: "I dont know."
Maschine: "For this process you need to know the post code of your address in Australia. Pls. call again when you have this information at hand."
Nach 10 Gesprächsminuten, in denen ich der Maschine schon alle möglichen Daten angesagt hatte, durfte ich also nochmal anrufen, um von vorn zu beginnen. Nach einem weiteren ca. 10minütigen Telefonat mit der Maschine bin ich dann doch in ein Callcenter durchgeschaltet worden, wo ich dann alle Angaben nochmals machen durfte. Toll diese Errungenschaften westlicher Zivilisation!

Mein erster Eindruck von Australien ist also durchaus sehr zwiespältig. Die ersten Tage haben wir in Perth, der 1,4 Mio Einwohner zählenden Hauptstadt des Staates Western Australia, verbracht. Hier findet man eine Allerweltsskyline am Meer und ansonsten ein ziemlich unspektakuläres Stadtleben vor. Lonely Planet preist dies als eine "entspannte Atmosphäre" an. Eine der Hauptattraktionen für die hier anlässlich der gerade angefangen australischen Schulferien und des Kricket Spiels Australien-England zahlreich vorhandenen Touristen ist ein Ausflug zu der ca. 20 km vor der Küste liegenden Insel Rottnest Island. Auch wir wollten uns das nicht entgehen lassen und haben uns an Bord eines Ausflugsdampfers (eigentlich eines Schnellboots) begeben. Bei der sehr schaukeligen Überfahrt, die uns an einen vor vielen Jahren unternommenen Ausflug nach Helgoland erinnerte, ist erstmal der Hälfte der Passagiere schlecht geworden und die Besatzung hat fleißig Kotztüten ausgeteilt. Endlich auf der Insel angekommen durften wir dann noch einmal ca. 45 Minuten beim Fahrradverleih (Autos sind auf der Insel nicht erlaubt) anstehen. Als wir uns dann aber von den Touristenmassen absetzten konnten, haben wir eine wirklich wunderschöne Insel mit fast unberührter Natur zu sehen bekommen. Die Vegetation mit Sanddünen und Nadelbäumen erinnert ein wenig an Sylt oder Hiddensee (siehe Fotogalerie). Hinzu kommen kilometerlange unberührte Strände. Nach der ganzen Faulenzerei in Südostasien haben wir uns für Australien ordentlich Sport verordnet. Die 20 km Fahrradtour um die Insel bei über 30 Grad und teilweise heftigen Gegenwind war der Auftakt dazu.

Fortgeführt haben wir unser Sportprogramm an meinem Geburtstag. Um 4.45 Uhr klingelte der Wecker. Nachdem wir unsere Rucksäcke gepackt hatten, haben wir die auch gleich mal geschultert und sie gute 30 Minuten quer durch Perth zum Busbahnhof geschleppt. Dort hat uns Lisa um 6.45 Uhr mit einem Kleinbus abgeholt, um uns zum Surfunterricht an den ca. 80 km entfernten Lancelin Beach zu fahren. Um 8.30 Uhr hatten wir unsere Neos an und waren im ca. 20 Grad warmen Wasser. Die folgenden Tage hörten wir von unseren Surf Instructors Kieran und Ben immer wieder den Schlachtruf: "Paddle, Paddle, Paddle!". Dieser Aufforderung sind wir so intensiv gefolgt, dass mir meine Muskeln selbst beim Schreiben dieses Textes weh tun. Allerdings habe ich heute schon wieder ein paar wirklich gute Wellen erwischt und ich merke, dass unser erstes Surfcamp vor 5 Jahren an der französischen Atlantikküste nicht umsonst war.

Surfen, Windsurfen und Kite-Surfen sind die Dinge, die man im 700 Einwohner zählenden Lancelin das ganze Jahr über machen kann. Es gibt jede Menge Surf, endlose Strände und viel Sonnenschein. Wir sind der 4-Sterne Jugendherberge Lancelin Lodge untergebracht. Ja, zur Rechtfertigung  astronomischer Preise vergibt der australische Jugendherbergsverband tatsächlich Sterne für seine Herbergen. Zudem hat diese Herberge im 2005er Ranking den 3. Platz unter allen Herbergen belegt. Alle zwei Wochen veranstalten die Herbergseltern Trish & Travor einen Pizzabend, der gleichzeitig eines der wichtigsten gesellschaftlichen Ereignisse in Lancelin Beach ist. Alles klar?



Sabines Blog - Lancelin, 19. Dezember 2006 
 
Hotel California
 
Nein wir haben nicht den Kontinent gewechselt! Tatsächlich handelt es sich um das Lancelin Lodge YHA, eine Jugendherberge 130 km nördlich von Perth. Trevor der Herbergsvater, meint aber, dass das hier das "Hotel California" sei, die Leute kommen für zwei Tage und bleiben dann ewig - wie wir!
 
Aber von vorn: Als an Olafs Geburtstag morgens um 4.15 Uhr der Wecker in unserem kleinem, ungemütlichen Zimmer klingelte, schaute er mich mit einem Blick an, der besagte "Das hast du mal gründlich versaut". Leider konnte ich zu diesem Zeitpunkt auch nichts daran ändern, auβer mich daran zu machen die Sachen zu packen, denn das hatte ich gestern nach unserem Ausflug nicht mehr geschafft.

Um 6.45 Uhr wurden wir vor dem Bahnhof von Lisa eingesammelt, die uns zu dem Surfcamp fuhr, dass wir erstmal für zwei Tage gebucht haben mit Verlängerung. Um 8 Uhr waren wir in Lancelin, wo wir kurz unsere Badesachen anzogen, bevor es direkt an den Strand ging zum Surfunterricht. Hier wartete schon Kieran, unser Surflehrer auf uns und nach einer Tasse Kaffee und einen Übungen an Land befanden wir uns auch schon im Wasser!

Surfen (Wellenreiten) ist einfach geil, WENN man erstmal auf dem Brett steht und eine Welle abfährt. Ich möchte aber nicht verschweigen, dass der Weg dahin ein sehr anstrengender ist. Mehrere Liter Salzwasser schlucken oder noch besser direkt per Nasenspülung, viele Nosedives (Welle nicht gekriegt, vorn übers Brett gefallen), Waschmaschienen (fühlt sich oft eher wie Schleudergang an) sowie viele blaue Flecken durch leichte Zusammenstöβe mit dem Surfbrett und am nächsten Tag ein ordentlicher Muskelkater gehören dazu, da muβ man schon ziemlich schmerzunempfindlich sein.

Mit Surfen hatten wir vor fünf Jahren in Frankreich begonnen und später noch mal eine Woche auf Fuerteventura. Damals hat es mit dem auf dem Brett stehen bei mir nie so richtig geklappt. Hier lief alles sehr gut, so dass ich am zweiten Tag schon auf dem Brett stand. Bei Olaf lief es noch besser, so dass wir beschlossen unseren Aufenthalt hier zu verlängern, auf insgesamt 6 Tage. Das stellte allerdings Trish, unsere Herbergsmutter vor eine gewisse Herausforderung, denn übers Wochenende war das Hostel ausgebucht! Spontan fragten wir, ob wir nicht in unser Zelt ziehen können, da wir so etwas Geld sparen und trotzdem Küche/Toilette/Dusche des Hostel nutzen konnten. Trish stimmte zu. Nur als Trevor unser Zelt auf seinem schönen Rasen stehen sah, bekam er Bedenken (wegen der Bewässerung) und ab dem nächsten Tag war bis zum Rest unseres Aufenthaltes ein Doppelzimmer für uns frei.

Das beste Erlebnis beim Surfen hatten wir dennoch am ersten Tag, an Olafs Geburtstag, denn es kamen drei wilde Delfine dicht zu uns an den Strand geschwommen, sie waren im Wasser nur einen Meter von uns entfernt und schienen auch die Wellen zu surfen. Echt cool!

Zur Geburtstagsfeier habe ich dann in dem kleinen Ort noch Kuchen, eine Kerze und selbst gepflügte Blumen besorgt (im nächsten Jahr arbeite ich noch mal an der Organisation). Abends haben wir dann bei einem zünftigen Hamburger - the Lot (nicht schaffbar), den Sonnenuntergang auf der Terrasse der "Endeavour Tavern" genossen.

Heute hatten wir unsere letzten Surfstunden und wir sind beide mit Abschürfungen und blauen Flecken gekennzeichtet. Mein linker Fuβ hat auch gerade seinen Geist aufgegeben, seit einer Stunde kann ich nicht mehr gehen und springe auf dem rechten umher. Morgen um kurz vor 5 Uhr morgens werden wir abgeholt und fahren zurück nach Perth. Dort haben wir bis zum 31. Dezember einen Mietwagen gebucht. Ich bin mal gespannt, wie das mit dem Linksfahren so klappt, immerhin bin ich ein halbes Jahr gar kein Auto mehr gefahren.



Olafs Blog - Walpole, 26. Dezember 2006

KNEE DEEP in Western Australia

KNEE DEEP haben wir am 23. Dezember auf unserer Weintour durch die Umgebung von Dunsborough kennengelernt es handelte sich dabei um das vierte von insgesamt fünf Weingütern, die wir auf unserer Tour zwecks Weinverkostung besucht haben. Nach den dreiWeinproben am Vormittag hatten wir auch schon die Biere einer lokalen Privatbrauereie ausgiebig gewürdigt. Bei der Bierverkostung gabs glücklicherweise auch ordentlich was zu essen. Das hatten wir auch gebraucht, um nicht schlapp zu machen.

Wir, das waren neben Sabine und mir die ein wenig jüngeren Peter und Laura aus Perth sowie Grossmutter, Mutter und Tochter einer ebenfalls aus Perth stammenden Familie. Leider konnte ich mir nur den Namen der vor vielen Jahren aus Holland eingewanderten Grossmutter merken. Sie heißt Lucy und erinnerte mich ausserordentlich an die Schwester von March aus der Simpson Familie. Mit ihren schätzungsweise weit über 80 Jahren rauchte sie Kette, wann immer sie aus unserem klimatisierten Van gelassen wurde. Zusätzlich waren Augenform und Stimme mit ihrem um einige Jahre jüngeren Trickfilmdouble fast identisch. Auf jeden Fall war Lucy sehr unterhaltsam um bemühte sich, auch bei der Weinverkostung ordentlich mitzuhalten. Ausserdem war Lucy die schlankeste der Frauen-Dreierbande. Wenn die Gewichtszunahme in allen Familien von Generation zu Generation so voranschreitet, wie in dieser, dann können die Fluglinien aus Zweiersitzen bald einen machen.

Zu dieser Weintour hatten wir uns entschlossen, weil wir gehört hatten, dass die Gegend um den Margaret River eine aufstrebende Weinbauregion ist und wir uns auf diesem Gebiet ein wenig weiterbilden wollten. Die Weinberge, die wir besucht haben, waren dann auch wirklich zumindest landschaftlich denen in der Toskana sehr ähnlich. Traumhafte Ausblicke und teilweise echt leckere Weine. Neben dem für Australien unvermeidlichen mehr oder weniger nach Eichenfass schmeckenden Chardonnay und Shiraz gabs auch andere, interessantere Kombinationen zu probieren. Insbesondere waren wir erstaunt, den in Deutschland lange Zeit gar nicht mehr angesagten Rosé als ein wunderbare Alternative zu einem Rotwein bei den hier herrschenden 30+ Grad wiederzuentdecken. Arrivierte Weinkenner mögen jetzt zwar vor sich hinlächeln, aber für mich war es tatsächlich neu, dass Rosé aus roten Trauben gemacht wird, von denen zuvor die Haut entfernt wurde.
 
Die ganze Weinverkosterei hatte unsere Truppe jedenfalls in ziemlich gute Laune an diesem Tag vor Heiligabend versetzt. Heiligabend wird hier allerdings wie in allen angelsächsischen Ländern nicht gefeiert, sondern erst am 25. Dezember, dem Christmas Day, der hier auch Boxing Day heisst. Ich habe den vor 7 Jahren aus England eingewanderten Peter gefragt, warum der Boxing Day so heisst. Dieser konnte mir darauf leider keine Antwort geben. Da wir uns aber bei anderen eher männerspezifischen Themen wie Oktoberfest und Fussball auf dieser Tour schätzen gelernt hatten, haben wir uns weinseelig auch gleich mal gegenseitig eingeladen. Peter und Laura schmeissen Silvester in Perth eine Party, bei der wir nun mit von der Partie sein dürfen. Wir haben sie nach Hamburg eingeladen, wenn sie in zweiten Jahreshälfte 2007 quer durch Europa reisen werden. Schaun mer mal, wie das so wird.

Auf der Weintour haben wir dann auch einkaufstechnisch ordentlich zugeschlagen und uns für das Weihnachtsfest mit den hier angesagten Margaret River Weinen eingedeckt. Da Australien, wie schon in meinem letzten Blog erwähnt, unser Weltreisebudget vor eine ziemliche Herausforderung stellt, war für Weihnachten auch nicht mehr drin als das Surfpoint Ressort in Margaret River. Ressort ist in diesem Fall eine pure Übertreibung, da es sich vielmehr um eine Jugendherberge handelt, in der sich all diejenigen versammeln, die einem der besten Surfs in Western Australia huldigen wollen. Uns war diesmal aber nicht so sehr nach surfen, sondern nach zwei Tagen Ausruhen von unseren sich auch hier schon wieder turbulent aneinander reihenden Erlebnissen. So sind wir dann am 24. Dezember in den lokalen Supermarkt gefahren, um für unser traditionelles Weihnachtsessen Bratwurst, Sauerkraut und Kartoffeln einzukaufen. Zu unserer Überraschung war die Zutaten tatsächlich vorrätig. Auch gab es die von uns geliebte Lindt-Schokolade. Zur Abrundung und als Kontrapunkt zu den im Ressort vorherrschenden blauglänzenden Kunstofftannenbäumen haben wir uns dann auch noch für einen Lindt Schokoladenweihnachtsmann als Tischdeko entschieden. Sabine hat das dann am Heiligabend zu einer wundervollen Komposition aus hervoragendem Essen, vorzüglichen Weinen und einer sehr schönen mit Kerzen geschmückten Tischdekoration zusammengefügt. So konnten wir dann die Jugendherbergsatmosphäre dann auch in den Hintergrund treten lassen. Neben uns haben noch zwei weitere Pärchen Heiligabend gefeiert. Wie es sich jedoch für Deutsche gehört, hat das mal jeder schön für sich getan.

Zum näheren Kennenlernen war dann erst der von den Herbergseltern Diane und Gary organisierte nach australischem Brauch am nächsten Tag stattfindende Chrismas Lunch notwendig. Hier saßen mit Tischkarten sortiert ca. 40 Gäste der Herberge an zwei langen Tafeln zusammen. Uns haben die Tischkarten in die Nähe von Sebastian und Katja gesetzt, die eines der am Vorabend ebenfalls feiernden Pärchen waren. Die beiden sind schon das dritte Mal in Australien und haben schon alles das gesehen, was wir erst noch sehen werden. Ausserdem saßen bei uns noch der Däne Peter zusammen mit seiner Frau und Tochter. Peter ist Expat in Indonesien und hat dort seine ursprünglich aus Madagaskar stammende Frau kennengelernt. Auch sie hatten viel Interessantes zu erzählen. Insgesamt war das Weihnachtsfest ein recht schönes Erlebnis, wenn ich auch persönlich finde, dass den Australiern wie auch in vielen anderen Bereichen einfach ein wenig Stil fehlt. Na ja, dass wenig weihnachtliche Wetter hier (Sonnenschein bei über 30 Grad) scheint wohl Geschmacksverirrungen wie blauglänzende Kunstofftannenbäume zu begünstigen. Wir freuen uns jedenfalls schon wieder auf Weihnachten zu Hause im nächsten Jahr.

Jetzt sitze ich gerade in unserem Mietwagen der auf dem Rasen des Rest Point Holiday Village (www.restpoint.com.au) steht. Hinter dem hochtrabenden Namen verbirgt sich ein Campingplatz, zugegebenermaßen der bislang schönste, den wir hier gesehen haben. Wir haben unser Zelt direkt am Ufer eines Sees aufgebaut und der Ausblick ist sehr schön. Jetzt gibt’s allerdings gar keinen Ausblick mehr, da es schon 22.30 Uhr damit dunkel ist. Sabine liegt schlafend im Zelt, während ich im Lichte der Innenraumbeleuchtung unseres gemieteten Hyundai Getz diese Zeilen schreibe. Nachdem wir uns heute früh davon überzeugt hatten, dass am berühmten Surfpoint von Margaret River wirklich nicht viel und vor allem keine für uns passende Welle vorhanden war, haben das Surfen bis auf weiteres verschoben und beschlossen, unseren Mietwagen ordentlich zu nutzen und uns den Südwesten Australiens inklusive Outback in den letzten Tagen dieses Jahres ausführlich zu erschliessen, bevor wir in Perth Silvester feiern und Neujahr zum Ayers Rock fliegen. Vorerst haben wir uns jedenfalls wieder auf das budgetschonende Campen verlegt und erleben wie auch viele Australier diesen Kontinent outdoor. Auf unser heutigen Tour haben wir das Cape Leeuwin besichtigt, der südwestlichste Punkt Australiens, wie findige Tourismusmanager herausgefunden haben. Hier treffen der Indische und der Südliche Ozean aufeinander. Für mich sah hier das Meer allerdings wie auch überall anders hier aus: sehr schön türkis und mit wundervollen weissen Stränden. Leider kann man von diesen leider nur surfend oder schwimmend Gebrauch machen, da man sonst Unmassen von gemeinen Stubenfliegen zum Opfer fällt, die einen hier auf Schritt und Tritt in riesigen Schwärmen überfallen, sobald der Wind auch nur ein wenig nachlässt. Bis zum Ende diesen Jahres stecken wir nun aber knietief (knee deep) in diesem Western Australia und wissen noch immer nicht so recht, was wir nun von alldem halten sollen. Ich werde berichten, wie unser Urteil ausfallen wird.



Sabines Blog - Perth, 31. Dezember 2006 

 
2840 km in 11 Tagen
 
Die letzten 11 Tage haben wir uns den Westen und das Outback von Australien angesehen. Den eigentlichen Entschluss, die groβe Runde zu fahren haben wir aber erst am 26. Dezember gefasst, so dass wir rund 2500 km in den letzten fünf Tagen gefahren sind. Wir haben auf unserer Fahrt viel erlebt und gesehen und vor allen Dingen überall interessante Leute kennengelernt. Leider kann ich
nachfolgend unsere Tour nur kurz umreiβen, ansonsten würde der Blog wahrscheinlich zu einem kurzen Roman ausarten.
 
Am 20. Dezember morgens um 5 Uhr standen wir mit gepackten Sachen in Lancelin vor dem Hostel. Lisa sammelte uns ein und brachte uns nach Perth zurück, wo ich in einem Hostel wartete, während Olaf unseren Mietwagen, einen kleinen, weiβen Hyundai Getz abholte.
 
Unsere erste Station war Fremantle, eine kleine Hafenstadt nahe Perth. Hier schlenderten wir durch die Gassen und sahen uns die Häuser an, die in Bäderarchitektur gehalten waren. Allerdings waren hier auch ziemlich seltsame Gestalten unterwegs, so dass wir beschlossen weiterzufahren.


Ungefähr 100 km weiter steuerten wir unseren Campingplatz in Rockingham (Caravan Park) an, der leider bis drei Uhr zu hatte und auch unter der angegeben Telefonnummer war keiner zu erreichen. Da uns der Strand aber nicht so richtig gut gefiel, fuhren wir weiter. Was dann folgte war eine Odyssee der Besichtigung ausgebuchter, ungemütlicher oder schlichtweg überteuerten Caravan Parks. Selbst die besser ausgestatteten haben oft den Charme eines mit Campingwagen vollgestellten Parkplatzes. Mit anderen Worten nach drei Stunden waren wir nur noch frustriert, als wir das Schild zu einem B&B sahen und impulsiv abbogen. Eine nette Frau zeigte uns fünf schöne Zimmer, die sehr englisch eingerichtet waren. Leider war der Preis viel zu hoch für uns, aber sie hatte Mitleid und reduzierte um ein Drittel und wir bekamen sogar die Honeymoonsuite. Am nächsten Morgen gab es auch noch ein sehr leckeres Frühstück mit selbstgemachter Marmelade, Eiern und Speck, Früchten, Kaffee und Orangensaft.
 
So gut gestärkt machten wir uns auf unserem weiteren Weg. Der erste Campingplatz, den wir ansteuerten, sah perfekt aus, gut ausgestattet und dicht am Strand, aber leider war er geschlossen. Also ging es weiter. Der nächste war nicht mehr ganz so perfekt, hatte aber auf und einen Platz, auch der Strand sah schön aus, so dass wir beschlossen zu bleiben. Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten, gingen wir an den Strand. Leider war zwischenzeitlich Wind aufgekommen, der den Sand aufwirbelte. Diesem Sandsturm war selbst in der Düne kein Entkommen, so dass wir 15 Minuten später total eingesandet den Rückweg antraten. So spielten wie vor unserem Zelt Schach, dass bei uns eher in eine "Schlacht" ausartete, da wir beide beim Spielen sehr ehrgeizig sind. Ich muβ leider aber zugeben, dass Olaf der bessere Spieler ist. (Er hat wie immer gewonnen.)
 
Am nächsten Morgen gings weiter nach Busselton, wo wir die 2 km lange Seebrücke abliefen. Trotz der 2,5 AUD Eintritt pro Nase, sah die Brücke an manchen Stellen schon ziemlich marode aus und ich muβ gestehen, wenn wir noch in Südostasien gewesen wären, hätte ich dem Holz nicht mehr vertraut. Die Brücke wurde im weiteren Verlauf immer schmaler es gab nur an einer Seite ein Gelände, so dass man bei entgegen kommenden Menschen immer versuchte, auf der "sicheren Seite" zu sein. Darüber hinaus war Busselton aber unspektakulär und so fuhren wir nach Dunsborough weiter, wo wir nach den Erfahrungen der letzten Tage ein Zimmer in der Jugendherberge vorgebucht hatten. Auch hier bekamen wir die sogenannte "Honeymoon Suite", die hier aber wahrscheinlich so hieβ, weil auβer einem Doppelbett nichts darin stand. Die Lage war aber top, dicht am Strand und cool eingerichtet. Nur sobald wir ins Freie kamen, wurden wir gleich von Fliegen umschwärmt. Das die Anderen ebenfalls wild in der Luft herumfuchtelten zeigte uns, dass es Ihnen genauso ging.
 
Am Abend fuhren wir zum Cape Naturaliste und sahen den Leuchtturm und ein aufgewühltes Meer, dass die Wellen voller Kraft gegen den Sugarloaf, einem Felsen, schlug.
 
Für den nächsten Tag hatten wir eine Weintour gebucht, die Olaf in seinem Blog KNEE DEEP in Western Australia so gut beschreibt, dass ich ausnahmsweise nichts dazuzufügen habe, auβer dass wir viel Spaβ hatten, aber die bisherigen verkosteten Weine uns nicht vom Hocker gerissen haben, aber wir haben ja auch noch einige Weinregionen vor uns.
 
Dann war auch schon plötzlich der 24. Dezember und mir bei einer Auβentemperatur von über 30 Grad gar nicht weihnachtlich zu Mute, trotz künstlicher Tannenbäume und Lichterketten in den Bäumen. Irgendwie fehlten die Adventssonntage mit Stollen, Lebkuchen und natürlich der Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt. Wir hatten schon von Perth aus im Surferspoint Ressort in Margaret River vorgebucht, um wenigsten für Weihnachten nicht unterkunftslos zu sein. (Wir wollten auch nicht Maria und Josef spielen.) Das "Ressort" hatte aber eher Jugendherbergsflair, war aber gut gefüllt.
 
Im örtlichen Supermarkt haben wir aber die Zutaten für unser typisches Weihnachtsessen bekommen, vor allen Dingen aber SAUERKRAUT. Am Heiligabend, den wir mehr oder weniger allein verbrachten, besserte sich aber unsere Stimmung mit der Anzahl der getrunkenen Weinflaschen, die wir am Vortag auf unserer Weintour erstanden hatten. Wir wurden aber am nächsten Morgen mit einem Schädel bestraft, was leider nicht für die Qualität der Weine spricht.
 
Am ersten Weihnachtsfeiertag haben wir beschlossen mal gar nichts zu machen, auβer lesen. Auβerdem war für 13.30 Chrismas Lunch angesetzt, zu dem wir uns angemeldet hatten, um zu sehen, wir die Australier so traditionell feiern. Zwei groβe Tafeln, nett gedeckt für 40 Leute und daneben ein Buffet mit Salaten, Schinken und Shrimps erwartete uns im Essensraum. Diane, die "Herbergsmutter" hatte seit morgens um 4 Uhr in der Küche gestanden, um alles vorzubereiten. Interessant waren die Knallbonbons und kleine Tischknaller, der Tischdekoration, die für eine ordentliche Geräuschkulisse sorgten und allerlei bunte Schnipsel durch die Luft beförderten. Obwohl es eine merkwürdige Art war, Weihnachten zu feiern, hatten wir trotzdem viel Spaß. 
 
Nach der ganzen Faulenzerei am Vortag, entschieden wir uns, am 2. Weihnachtsfeiertag, die groβe Runde zu fahren, einschlieβlich Outback. Das bedeutete viel, viel Auto fahren. Also machten wir uns früh auf dem Weg. Erste und einzige Zwischenstation an diesem Tag war Augusta. Hier am südwestlichsten Punkt Australiens steht ein Leuchtturm und zwei Ozeane, Südlicher und Indischer, vereinigen sich. Das hört sich hier wahrscheinlich imposanter an, als es tatsächlich ist, zumal die überall lauernden Fliegen sehr Besichtigungsverkürzend wirken.
 
Den restlichen Tag haben wir uns die Natur aus dem Inneren des Autos angesehen, bis wir am späten Nachmittag Walpole erreichten. Hier bogen wir gleich am ersten ausgeschilderten Caravan Park ab und bekamen ohne Probleme sofort ein Stellplatz direkt am See. Dies war bisher der schönste Campingplatz, den wir hier gesehen haben. Abends gab es aus unserer Fresskiste (Pappkarton mit den restlichen Lebensmitteln) in der Mikrowelle aufgewärmtes Olivenbrot mit eingelegten, getrockneten Tomaten, Seeblick inklusive.
 
Am nächsten Tag (27.12) gab es viel zu besichtigen. Den Auftakt machte das "Valley of Giants", in dem ca. 400 Jahre alte, riesige Eukalyptusbäume stehen. Hier gibt es den "Top Tree Walk". Das bedeutet nicht, dass es ein Weg zu den Top Bäumen im Valley ist. Vielmehr läuft man auf einer sehr schwankenden Drahtseilkonstuktion durch die Baumkronen der Giants. In der luftigen Höhe von bis zu 40 Meter, fingen die zwischen Plateaus gespannten Brücken heftig an zu schwingen, je mehr Leute darüber gingen. Ich habe mal der Baukunst der Australier vertraut, aber einige Leute mit sichtlicher Höhenangst, schienen da oben nicht ganz so happy zu sein.
 
Als nächstes ging es nach Denmark. Hier gibt es zwei interessante Strände. An dem einem in der Williams Bay gibt es die "Elephant Rocks", die von weiten, wie eine Elefantenherde aussehen und den "Green Pool", der an einen Swimmingpool erinnert, nur dass er von der Natur geformt im Meer ist. Am Ocean Beach gibt es richtig gute Welle zum Surfen am Beach Break. Wir haben aber nur ein biβchen zugeschaut, bevor wir nach Albany weitergefahren sind. Die kleine Stadt am Meer hat nur eine richtige Hauptstraβe, dafür aber sehr nette kleine Häuser. Hier haben wir am frühen Nachmittag uns für die Weiterreise gestärkt und unsere Vorräte aufgefüllt. Danach löst sich die Straβe von der Küste und die Ort wurden seltener. Nach weiteren 200 km Fahrt, haben wir uns auf einem Caravan Park eingemietet, der voll auf den Durchreiseverkehr eingerichtet war, in Mitten der Buschlandschaft. Hier gab es ein niedliches, gezähmtes Känguru, dass mir aber irgendwie Respekt eingeflößt hat. Die Tiere sind ganz schön groβ. Es schien aber unser Zelt zu lieben, den es sprang die ganze Zeit darum herum. Wir zelteten nämlich direkt neben der Futterstelle.
 
Am nächsten Tag (28.12.), nach einem Frühstück mit dem Känguru, lagen 700 km Fahrt vor uns. Wir saβen bereits um 7.30 Uhr in unserem Auto. Gegen Mittag waren wir in Esperance, wieder an der Küste. Hier gibt es wirklich nicht nichts zu sehen, aber wenigstens konnten wir uns bei Subway stärken. Danach ging es nur noch landeinwärts, weitere 400 km. An diesem Tag haben wir sehr unsere Klimaanlage geschätzt, denn die Sonne brannte gnadenlos.
 
Früher, als erwartet, kamen wir in Kalgoorlie-Boulder (wird von den Aussies auch liebevoll Kal genannt) an. Kal ist während des Goldfieberzeiten entstanden und noch heute wird hier Gold abgebaut. Als erstes ging es aber wieder zum Caravan Park, Zelt aufbauen. Danach fuhren wir in die Stadt, die sehr nach wildem Westen aussah. Da zwischen Weihnachten und Neujahr auch fast alle Läden zu hatten, kam sie uns fast wie eine Geisterstadt vor. Hier war wirklich gar nichts los und so beschlossen wir auf jeden Fall am nächsten Tag weiterzufahren. Am Abend lernten wir auf unserem Campingplatz zwei nette Deutsche kennen, mit denen wir uns noch lange unterhalten haben.
 
Vor unserer Weiterfahrt am nächsten Tag (29.12) stand aber noch das Goldbesichtigungsprogramm auf den Programm. Zuerst haben wir uns den SuperPit angesehen, einen riesigen Tagebau, wo auch heute noch Gold abgebaut wird. Hier gab es eine Aussuchtsplattform, von der man alles beobachten konnte. Das Loch in der Erde war so tief, dass wir nicht bis unten sehen konnten und die Fahrzeuge darin aussahen, wie kleine Spielzeugautos!
 
Danach ging es weiter zu einer stillgelegten Goldmine. Zunächst ging es mit einem kleinen Fahrstuhl unter die Erde. Dort zeigte uns ein Führer alle wichtigen Sachen. Er war sehr stolz darauf, dass er fünfmal schneller sprechen konnte, als andere Menschen. Er sagte das in normaler Geschwindigkeit und schon hier hatte er starken Slang und eine ziemlich undeutliche Aussprache. Im Turbogang, wenn er die Augen schloss und die Worte nur so aus ihm herausflossen, war er von uns gar nicht mehr zu verstehen. Nach dem Ausflug in die Unterwelt, versuchte ich mich im Goldschürfen. Ich habe auch einen winzig kleinen Partikel gefunden, bin aber nicht wirklich sicher, ob es sich hierbei um Gold handelt.


Dann wurde es heiβ. Es wurde gezeigt, wie Gold geschmolzen und dann zu einem Barren gegossen wird. Dieser hatte ca. einen Wert von 150.000 AUD und wurde Minuten später rumgereicht. Ich wuβte zwar, das Gold schwer ist, hatte dem kleinen Barren aber nicht ein solches Gewicht zugetraut. Nach dem wir noch ein wenig über die Ausstellungsfläche gebummelt waren, machten wir uns auf die Rückreise nach Perth. Wir schafften an diesem Abend noch 300, der insgesamt 600 km, bevor wir an einem Caravan Park unser Zelt für die Nacht aufbauten. Nur wenig später kamen auch Saskia und Stefan, zwei Schweizer, hier an. Wir waren ihnen in Kal schon ueber den Weg gelaufen und unterhielten uns jetzt über unsere bisherigen Erfahrungen. Die beiden sind 6 Monate nur in Australien unterwegs, 3 Monate mit dem Mietwagen und dann noch 3 Monate zum Sprachkurs in Sydney.
 
Am nächsten Morgen studierten wir noch mal die Karten und den Reiseführer. Wir hatten unseren Mietwagen noch für 24 Stunden und nur noch 300 km Weg bis Perth lag vor uns. Wir beschlossen einen Umweg zu fahren über den "Wave Rock", damit wir an dem Tag noch etwas anzusehen hatten. Kurz nach dem Abzweig wurde die Straβe sehr schmal und frisch hingekippter Rollsplitt machte die Fahrt nicht wirklich angenehm. Als wir ca. 2 Stunden später beim Wave Rock ankamen, war ich überrascht, wieviele Touristen trotz der üblen Straβe hier waren. Der Wave Rock selbst war zwar nett anzusehen, aber keine wirkliche Attraktion. Viel schöner war es, den Fels zu erklimmen und von oben das weite Land zu betrachten.
 
Der weitere Weg führte uns durch den Weizengürtel um Perth. Soweit das Auge reichte, gab es nur abgeerntete Weizenfelder. Einen letzten Zwischenstopp legten wir in der Touristenstadt York ein, die sehr an den wilden Westen erinnert uns aber gut gefallen hat.
 
Als letzten Campingplatz auf unserer Tour fanden wir einen kleinen, sehr versteckten, der zwar auf unserer Karte eingezeichnet war, aber ansonsten überhaupt nicht ausgeschildert. Als wir dort ankamen, war dieser leider ausgebucht, aber der Ranger hatte ein Herz für uns uns ließ uns für eine Nacht hier bleiben. Da wir am nächsten Morgen schon früh weiterfahren wollten (spätester Abgabetermin fürs Auto war 10 Uhr), stellte er uns Jürgen vor, der uns früh rauslassen sollte.  Mit Jürgen einem Deutschen, der bereits vor vielen Jahren nach Australien ausgewandert war, haben wir uns bis tief in die Nacht unterhalten. Was wir dabei alles über ihn erfahren haben hat Olaf in seinem Blog Der Boomerang Mann beschrieben, sehr interessant - unbedingt lesen!
 
Heute, am Silvestermorgen, klingelte schon um 5.30 Uhr der Wecker. Sachen packen und ab nach Perth. Hier hat Olaf mich dann samt der Sachen in unserer Unterkunft abgegeben und den Wagen zurückgebracht, dessen Kilometerstand wir mehr als verdoppelt hatten.
 
Heute wollen wir die Zeit noch ein biβchen nutzen, um die weitere Reise zu planen, insbesondere wann es weiter nach Südamerika geht. Wir haben also im neuen Jahr noch jede Menge vor uns! Also stay tuned!
 
Ich wünschen allen meinen fleiβigen Bloglesern einen guten Rutsch und ein frohes, neues Jahr 2007. Ich freue mich über jeden Gästebucheintrag und jede mail, die ihr uns schreibt und verspreche auch weiterhin allen zurückzuschreiben (manchmal kann es aber auch ein biβchen dauern). 



Olafs Blog - Flug zum Ayers Rock, Neujahr 2007
 
Der Boomerang Mann
 
Der Dortmunder Jürgen Preuss bringt den Aborigines (Australiens  Ureinwohnern) das Boomerang werfen bei. Man könnte dies nur ein weiteres Symptom für den hier derzeit herrschenden Mangel an qualifizierten Angestellten  (heutige Seite 1 Schlagzeile: "500 Balinesen lindern Western Australia's Arbeitskräftemangel") halten. Damit würde man aber nicht ganz richtig liegen.
 
Jürgen ist nämlich schon Anfang der 70er mit Frau und Kind nach Australien ausgewandert. Damals waren die Australier auch schon auf der Suche nach Arbeitskräften und haben Einwanderern sogar verbilligte Flüge nach Downunder spendiert. Der Job als Fernsehmechaniker hat Jürgen hier zwar zu einem Auskommen verholfen, ihn innerlich aber nicht ausgefüllt. So fing er an, sich für Boomerangs zu interessieren und selbst welche zu konstruieren. Er vervollkommnete diese Fähigkeit soweit, dass er seine Boomerangs tatsächlich an interessierte Touris brachte und darüber hinaus sogar den australischen Eingeborenen das Boomerang herstellen und die richtige Art zu werfen in Workshops beibringen konnte.
 
Die Aborigines sollen den Boomerang ursprünglich erfunden haben, was insofern richtig ist, dass sie wie viele andere Naturvölker mit Wurfhölzern gejagt haben. Das Prinzip dabei ist einfach und effektiv: Mann nimmt ein Stück Holz und wirft es auf Tier. Tier bekommt das Ding an den Kopf und fällt tot um. Dass das Wurfgerät dabei zu seinem Besitzer zurückkommt, ist auch für den Fall des Nicht-Treffens (Tier fällt nicht tot um) nicht vorgesehen. Das "fliegende Schwert, dass zurückkommt" ist eine Fiktion der Engländer, die zufällig einen Boomerangwurf bei einem Einheimischen in der frühen Kolonialphase zu sehen bekommen haben. Tatsächlich kannten aber wahrscheinlich nur zwei Stämme der Aborigines den Boomerang, der nicht bei der Jagd sondern wohl eher bei Kulten und Ritualen eingesetzt wurde.


Dieses von mir hier sehr verkürzt aber hoffentlich einigermassen richtig wiedergegebe Wissen vermittelt oder richtiger vermittelte Jürgen in seinen Workshops mit den Aborigines. Heute ist Jürgen im Ruhestand und vertreibt sich seine Zeit mit Abenteuerfahrten kreuz und quer durch den australischen Kontinent. Am liebsten sind ihm und seinem alten Toyota Jeep die Fahrten durchs entlegene Outback, wo es auch keine Schotterpisten gibt und die Zivilisation weit weg ist. Für Weihnachten und Neujahr hat er eine Ausnahme gemacht und ist auf den nur ca. 40 km von Perth entfernten Campingplatz am Lake Leschenaultia gekommen, wo wir ihn gleich bei unserer Ankunft getroffen haben.
 
Am Lake Leschenaultia sind wir einen Tag vor Silvester eingetroffen, nachdem wir bereits ca. 2800 Strassenkilometer nach 10 Tagen durch Südwestaustralien hinter uns hatten. Dabei haben wir jede Menge Buschland im Outback, über 60m hohe Eukalyptus Bäume mit einem Pfad durch die Baumkronen, unberührte Strände, Weingüter, entlegene Campingplätze und Caravan-Parks, ein gezämtes Känguru, mehr oder weniger touristische Küstenorte, bunte Backpacker Hostels mit schrägen Typen, die Grenze zwischen Indischen und Südlichen Ozean am Cape Leeuwin,  Goldgräberstädte, eine Superpit (aktiver Riesen-Tagebau für Gold und andere Metalle), den Wave Rock (steinerne Surfwelle), historische Siedlungen und endloses Farmland im Wheatbelt gesehen. Neben Jürgen hatten wir verschiedene andere interessante Bekanntschaften gemacht und uns nach der ersten Ernüchterung ein wenig mit Australien angefreundet.
 
Silvester haben wir in Perth verbracht. Leider hatte es mit unserer Verabredung mit Peter und Laura zur Silvesterparty nicht geklappt. Peter musste kurzfristig zu seiner Arbeitstelle in Brome fliegen, wo er als Elektriker arbeitet und über den Jahreswechsel gebraucht wurde. Dass Elektriker hier quer durchs Land geflogen werden, ist ein weiteres Symptom für den leergefegten Arbeitsmarkt bei heissgelaufener Konjunktur.
 
Sabine und ich haben dann auf Kneipentour durch Northbridge, den Partybezirk von Perth, begeben. Nach Pizza und Pasta beim Italiener, der sich ebenfalls über Personalmangel beklagte, sind wir dann durch volle Strassen und an zwei Bühnen mit Live-Musik vorbei in ein Weinlokal marschiert. So konnten dann mit französischen Sekt anstossen (zwischenzeitlich hatten wir aus Budgetfrustration erwogen, die eigentlich für unsere Partyeinladung bestimmte Jack Daniels Flasche mit Cola zu mischen) und haben das neue Jahr freudig begrüβt. Ein paar zwiespältige Gefühle schwangen dabei schon mit, da wir im Mai unsere abenteuerliche Weltreise beenden und uns in Deutschland wieder dem Ernst des Lebens zuwenden müssen. Nach Mitternacht gings noch in einen Club wo wir noch ein wenig weitergefeiert hatten.
 
Jetzt sehen wir unter uns den Ayers Rock und die nur wenige Kilometer davon entfernte Landepiste auftauchen. Alle elektronischen Geräte müssen ausgechaltet werden und somit ist dieser Blog für heute beendet.



Olafs Blog - Ayers Rock, 02. Januar 2007
 
Ayers Blog
 
Gerade haben wir ein Blick aufs Thermometer (56 Grad!!) geworfen, da meinte ich hitzeverwirrt, ich könnte ja mal einen Ayers Blog schreiben. Natürlich meine ich damit einen Bericht über unseren Besuch bei dem wohl meistphotographierten Felsen der Welt. Es ist nachmittags 15.30 Uhr an unserem zweiten Tag am Ayers Rock und wir dösen im spärlichen Schatten der wenigen Bäume vor unserem Zelt.
 
Wir hatten sehr mit uns gerungen, ob wir hierher kommen sollten, denn der kurze Abstecher (1.700 km von Perth) in das rote Zentrum von Australien ist nicht gerade ein günstiger Spass. Zudem herrschen hier im Sommer um die 50 Grad und es ist Hochsaison für die in Australien bislang allgegenwärtigen Fliegen, die sofort über einen herfallen, sobald man sein Auto verlässt. Wir haben uns dennoch dafür entschieden, da wir glauben, dass wir sobald nicht wieder ans andere Ende der Welt kommen werden. Dafür ist das hier zu weit weg von Europa und ehrlich gesagt nicht soviel besser als andere näher gelegene, günstigere und gastfreundlichere Reiseziele. Australier stehen sehr auf "100% Australian owned, operated etc." Unternehmen, kaufen mit Vorliebe Produkte "Proudly made, packaged etc. in Australia" und die Angestellten in der Tourismusindustrie tun häufig so, als würde uns eine unglaubliche Gnade zuteil, in diesem wundervollen Land unsere Touri Dollars ausgeben zu dürfen.
 
Gestern Abend waren wir dann zum ersten Mal am Ayers Rock oder Uluru, wie der Felsen in der Sprache der Aborigines heiβt, um uns die wechselnden Farben des Felsens beim Sonnenuntergang anzusehen. Das war tatsächlich ein imposantes Schauspiel. Der Felsen strahlt in verschiedenen Stufen von Orange bis ins Rötliche. Überhaupt sieht dieser Felsen im Busch sehr einzigartig aus, denn um diesen sich 348 m hoch um seine Umgebung erhebenden Block befindet sich endlose nur mit Buschvegetation bedeckte Ebene.
 
Neben dem Ayers Rock befindet sich in ca. 50 km Entfernung eine weitere Felsformation, die sogenannten Olgas oder in Aborigines Sprache Kata Tjuta. Dies haben wir nach dem Sonnenaufgang am Ayers Rock am nächsten Tag besucht. Die Felsformation an sich fand ich lange nicht so beeindruckend. Am besten sieht sie in der Dämmerung und aus der Ferne aus. Aus der Nähe hat mich das ganze eher an das Elbsandsteingebirge nach Hitzeschock durch globale Erwärmung erinnert. Wenn auch Felsen selbst nicht so umwerfend waren, so war es doch die Natur drumherum. Auf dem Weg zu den Olgas ist uns das erste frei lebende Känguru vor das Auto gesprungen. Glücklicherweise in ausreichender Entfernung, denn sonst können solche Begegnungen hier schnell unangenehm enden. Die Strassen im Outback sind quasi gesäumt von den Kadavern umgefahrener Kängurus. Neben dem Känguru haben wir noch eine kleine Herde freilebender Kamele zu Gesicht bekommen, die uns ganz interessiert beäugt hatten. Kamele sind ursprünglich einmal für eine Expedition nach Australien gebracht worden, sind wohl eher zufällig ausgewildert und haben sich inzwischen in Unmengen vermehrt. Auch Hasen, Füchse und andere importierte Tiere haben sich hier breit gemacht, so dass sich die Phobie der Australier gegen importierte Pflanzen, Samen etc. nachvollziehen lässt. Wir jedenfalls fanden die Kamele schön anzusehen. Dies gilt ebenfalls die Schwärme von Wellensittichen und anderen bunten Vögeln, die wir hier zu Gesicht bekommen haben.
 
Heute Abend werden wir uns noch einmal das Sonnenuntergangsspektakel am Ayers Rock ansehen. Morgen früh geht’s dann nach einer letzten Abschiedstour zum Felsen weiter nach Adelaide.



Sabines Blog - Adelaide, 6. Januar 2007
 
Heisse Tage
 
Wenn ich auf das Datum 6. Januar gucke, kann ich es selber kaum fassen, denn normalerweise ist jetzt Winter: die Jahreszeit, in der man morgens Scheiben kratzt, Kerzen aufstellt, viel Tee trinkt, Ski läuft und vor allem ab und zu mal richtig durchfriert. Statt dessen haben wir hier richtig heiβes Wetter. Schon in Perth sind wir Silvester um Mitternacht nur mit T-Shirt rumgelaufen.
 
Leider gab es überhaupt kein einzigen Knaller und keine Rakete, geschweige denn ein Feuerwerk. Normalerweise stehe ich ja nicht so darauf, von allen  Seiten beschossen zu werden, aber irgendwie gehört es trotzdem dazu. Daher hier meine Ankündigung, an diejenigen, die mit uns nächstes Mal feiern: "Silvester wird geknallt!"
 
Leider hatten uns auch noch Laura und Pete kurzfristig abgesagt, so dass wir beide etwas verloren durch die Straβen von Perth streiften. Pünktlich um Mitternacht hatten wir beide aber dann doch ein Glas Sekt in der Hand und hörten das Neujahrslied, das man aus den amerikanischen Filmen kennt.
 
Am nächsten Morgen saβen wir schon um 8 Uhr im Taxi zum Flughafen.
 
Ein für mich unvergessliches Bild ist, die gerümpfte Nase des Sicherheitsbeamten am Flughafen, als er mit der Nase an meiner Siggflasche roch. Hier hatte ich morgens den Whiskey reingefüllt, den wir eingentlich für Pete als Dankeschön für die Silvestereinladung gekauft hatten. Ich meinte entschuldigend, dass das die Reste von gestern sei, das war zum Glück als Erklärung ausreichend. 
 
Das Ziel unseres Fluges war der Ayers Rock. Das Bild zu sehen, das ich automatisch vor Augen hatte, wenn ich früher an Australien dachte. Da der Abstecher ganz schön ins Budget haut, haben wir vorher lange überlegt, überhaupt hierher zu kommen. Wir entschieden uns dafür, denn irgendwie gehört er schon dazu und wer weiβ, wann wir das nächste Mal uns auf den weiten Weg nach Australien machen.
 
Als wir aus dem Flugzeug stiegen schlugen uns Temperaturen von über 40 Grad entgegen. Trotzdem bauten wir mutig unser Zelt auf.
 
Danach machten wir uns auf den Weg zum Ayers Rock. Wir hatten ihn aus dem Flugzeug schon gesehen, aber je näher wir kamen, desto eindrucksvoller sah es aus, er wirkt wirklich riesig! Wahrscheinlich liegt es einfach daran, dass rundherum nichts auβer flaches Land ist. Ich finde, es sieht fast so aus, als wäre er einfach vom Himmel gefallen (was aber nicht der Fall ist.) Am interessantesten ist der Uluru, wie er von den Aborigines genannt wird, aber bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang, wenn durch das Licht ein unvergleichliches Farbspiel hervorgerufen wird. Wir haben das Schauspiel insgesamt viermal betrachtet. Irgendwie wirkt dieser Stein dann wirklich magisch!
 
An unserem zweiten Tag machten wir uns auf dem Weg zu den Kata Tjutas, einer weiteren Steinformation in der Nähe. Viel interessanter, als die Steine selber waren allerdings die Tiere, die wir sahen, ein Känguru hüpfte vor uns über die Straβe, dann stand eine Gruppe wilder Kamele am Straβenrand und schaute interessiert zu uns rüber und mehrere Male kreisten Schwärme grüner Wellensittiche über unser Köpfe.
 
Nachmittags auf dem Zeltplatz wurde es dann sehr heiβ, 56 Grad zeigt mein Outdoorhandy an. Ein Vorteil war, dass die frisch gewaschene Wäsche innerhalb von Minuten trocken war. Wir waren übrigens auf dem Zeltplatz nicht allein. Wir trafen hier u.a. viele Deutsche, wie Tanja und Hartmut, die mit der gleichen Zeltmarke wie wir unterwegs waren. In den Nächten haben wir beide, trotz Hitze, erstaunlich gut geschlafen.
 
Die nächste Station war Adelaide mit 30 Grad etwas kühler, als der Ayers Rock (aber nicht wirklich). Hier holte uns Malcolm, der Besitzer des "Hostels 109" (http://www.hostel109.com/) von Flughafen ab. Neben Lancelin, ist das bisher das beste Hostel, dass wir in Australien hatten. Das allerbeste war aber FREE Unlimited Internet. Das nutzen wir so sehr, das wir bisher nicht viel von Adelaide gesehen haben, aber was wir tun ist auch sehr wichtig, denn wir planen unsere weitere Reise nach Südamerika. Wir werden unsere Weltumrundung schaffen, es bleibt auf jeden Fall spannend.



Olafs Blog - Kalwarra Farm, 11. Januar 2007

Mitnehmen lassen ist uncool

Heute ist der vierte und damit vorletzte Tag unserer Fahrradtour auf Kangaroo Island. Diese Insel liegt ca. 20 km vor der Südküste Australiens nicht weit von unserer Zwischenstation Adelaide. Kangaroo Island ist dafür bekannt, einer der besten Plätze in Australien zur Beobachtung wilder Tiere zu sein. Man kann auf der Insel frei lebende Kängurus, Wallabies, Koalas, Enchidnas (Ameisenigel), Pinguine, Pelikane, Robben und Seelöwen sehen. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und haben in Adelaide die verschiedenen Möglichkeiten zur Erkundung der Insel eruiert. Nachdem Sabine meinem ursprünglichen Vorschlag einer Fahrradtour nicht besonders aufgeschlossen gegenüberstand, hatte ich mich schon zur Mietwagenoption überreden lassen. Diesmal war Holidayautos allerdings nicht sonderlich flexibel und konnte uns keinen Wagen vermitteln, den wir legal auch mit auf die Insel hätten nehmen können. Nachdem wir festgestellt hatten, dass zudem alle organisierte Touren mindestens auf eine Woche hin bereits ausgebucht waren, sind wir schließlich doch wieder bei der Fahrradtour gelandet, was ich natürlich sehr begrüβte.


Am Sonntagabend sind wir nach Bus- und Fährtransfer in unserem Hostel in Penneshaw eingetroffen. Ray, der neben seiner Eigenschaft als Herbergsvater auch Fahrräder verleiht, hatte unser Equipment bereits bestens vorbereitet, so dass wir unsere Räder am nächsten Morgen nur noch mit unseren Sachen beladen brauchten. Montagmorgen hat uns Ray dann noch allerhand gute Tipps gegeben, wie wir am besten zum ca. 150 km entfernten Flinders National Park am anderen Ende der Insel kommen und welche Sehenswürdigkeiten wir uns auf den Weg dahin nicht entgehen lassen sollten. Die gröβte Hilfe war allerdings seine Initiative, uns noch die 3 km auf den Berg ausserhalb von Penneshaw hinaufzufahren, damit wir nicht schon am Anfang unserer Radtour völlig aus der Puste sind.

Oben angekommen sind wir dann auf unsere Räder gestiegen und haben festgestellt, dass der Berg von Penneshaw nur einer von vielen auf unserer Tour ist. Nach ca. 10 km ist Sabines anfängliches "Ich hasse Fahrrad fahren" bereits in "Warum hasst Du mich?" mutiert und mir wurde nach weiteren 5 km bereits mit Scheidung gedroht. Weiterhin wurde mir beschieden, dass mein Tagesplan von gut 100 km Tagestour völlig unrealistisch sei und dass sie es niemals soweit schaffen würde. An der entscheidenden Kreuzung haben wir uns dann auf einen Kompromiss geeinigt, nämlich den Campingplatz an der von Penneshaw nur ca. 70 km entfernten Murray Lagoon anzusteuern. Was wir dabei allerdings nicht richtig beachtet hatten, war Rays Warnung, dass 1 km ungeteerter Schotterpiste locker 2 km auf einer asphaltierten Strasse entsprechen, da man auf dem ruckeligen Schotter deutlich mehr Energie verbraucht.

Ab der Kreuzung, wo wir uns auf die Murray Lagoon festgelegt hatten, waren wir nun allerdings nur noch auf Schotterpisten im Busch unterwegs. Ein Vorteil dieser sehr wenig befahrenen Pisten ist, dass nicht wie auf der Hauptstrasse alle 700 bis 800 m ein Kängurukadaver am Wegesrand liegt. Kangaroo Island scheint tatsächlich eine äußerst hohe Dichte der Tiere aufzuweisen, deren Namen sie trägt. Auf dem Fahrrad hat man nun das sehr zweifelhafte Vergnügen, die Kadaver der totgefahrenen Tiere nicht nur aus nächster Nähe betrachten zu dürfen, sondern sie bereits ca. 50 m zuvor bereits "erschnüffeln" zu können. Wie gesagt war dies im Busch aufgrund geringerer Kadaverdichte nicht ganz so schlimm. Allerdings kam man hier tatsächlich deutlich schwerer voran. Hinzu kamen nach einiger Zeit die überall in Australien so penetranten Fliegen. Diese schienen sich von unserem Schweiβ ganz besonders angezogen zu fühlen. Insbesondere wenn es bergauf ging, waren sie aufgrund mangelnden Fahrtwindes gar nicht mehr abzuschütteln. Ich denke, ich brauche nicht sonderlich zu erwähnen, dass Sabine inzwischen nicht nur die Radtour sondern ganz besonders mich als den Urheber der Idee mit allen erdenklichen Flüchen belegte. Dies war umso mehr der Fall, da ich mich uneinsichtig zeigte und unser Erlebnis als wahrhaftiges Abenteuer pries.

Nachdem zu den restlichen Widernissen sich auch noch ein Sonnenbrand gesellt hatte (Morgens war es bedeckt und nachdem mittags sich die Sonne zeigte, hatte ich übers Fahrrad fahren die Sonnencreme ganz vergessen.), hatten wir anhand unserer Karte wenigstens richtig navigiert und erreichten gegen 18 Uhr endlich die Rangerhütte an der Murray Lagoon. Der Ranger war nicht da, dafür gabs aber einen Schutzraum, eine Toilette, einen Self-Service Campingplatz und ganz wichtig einen Tank mit Regenwasser, da unsere Trinkwasservorräte sich über den Tag ziemlich dezimiert hatten. Wir waren so alle, dass wir nur ganz schnell unser Zelt in Stellung brachten, leckeres Abendbrot bestehend aus Salami und Käse auf glutenfreien Brot (bäh!!, anderes war in Penneshaw ausverkauft) zu uns nahmen und dann sofort in Tiefschlaf fielen.

Am nächsten Morgen wurden wir von dem sich halbminütlich wiederholenden Autotürenschlagen und dem Gezeter des neben uns campenden mittelalterlichen Sachsenpärchen geweckt. Sie hatten sich wahrscheinlich an diesen entlegen Ort verirrt, weil die Übernachtung hier nur 8 AU$ (ca. 5 EUR) kostete. Auch für uns war dies die billigste Übernachtung seitdem wir Südostasien verlassen hatten. Die positive Wirkung auf unser Budget konnte Sabines Stimmung leider nicht wirklich aufhellen. Auch nicht die schönen Ausblicke auf unberührte Natur. Nachdem Sabine wieder im Sattel saβ, wurde mir stattdessen wieder mit Scheidung gedroht.

Nach weiteren 9 km auf Schotterpiste hatten wir dann endlich wieder Asphalt unter den Rädern. Auch die Kängurukadaver konnten unsere Freude nicht trüben, da es sich hier wesentlich einfacher radelte als im Busch. Gegen Mittag erreichten wir mein eigentlich für den Vortag anvisiertes Tagesziel Vivoon Bay und damit den letzten Laden auf der Strecke zum Flinders Chase Nationalpark. Wir stockten noch einmal unsere spärlichen Vorräte mit überteuerter Salami, Käse und Brot auf, lieβen uns einen vorzüglichen Hamburger schmecken und begaben uns wieder auf die Strasse.

Wir hatten uns vorgenommen, bis zum von der Mittagstation noch ca. 35 km entfernten Koala-Walk Campingplatz zu fahren. Nach 5 km kämpften wir in sengender Sonne gerade wieder mit einem ordentlichen Anstieg, als ein Pick-Up Truck neben uns seine Fahrt verlangsamte und uns der Fahrer durchs heruntergekurbelte Fenster eine Mitfahrgelegenheit offerierte. Reflexartig antwortete ich knapp: "No, thanks." und der Mann zuckte mit den Schultern und gab Gas. Das von mir immer wieder gern zitierte Buch "Warum Frauen nicht einparken können und Männer nie zuhören" gibt für solches Verhalten eine äuβerst plausible Erklärung. Für einen Mann gibt es nur wenige grössere Demütigungen als von einem Fremden gleichen Geschlechts Hilfe angeboten bekommen. Das impliziert ja, man würde es selbst nicht gebacken bekommen und der Fremde wäre einem somit überlegen. Das geht natürlich gar nicht, also sagte ich zu Sabine: "Mitnehmen lassen ist uncool." und unterlegte diese Feststellung noch mit dem Argument, dass wir ja wohl keine Fahrräder geliehen hätten, um auf der Ladefläche eines Pick-Ups zu fahren. Für die nächsten 5 km war erstmal Funkstille, nachdem mir als Scheidungsgrund "Schlechte Behandlung der Ehefrau." benannt wurde. Na ja, bei über 30 Grad in ozonlochbedingt extra stark brennender Sonne und geschätzten 8% Steigung blieb ohnehin nicht viel Luft zum Reden.

(Ab jetzt folgt der Fortsetzungsbericht vom 14.1., ich war auf Kalwarra einfach zu müde.)

Gegen 18 Uhr kamen wir dann schließlich beim Campingplatz am Koala-Walk an. Auf dem Weg dahin wurde mir der grosse Vorteil einer Fahrradtour erst wieder richtig bewusst. Man ist dichter an der Natur und nimmt diese viel intensiver wahr als im vollklimatisierten Innenraum eines Autos bei Tempo 110. Mit tiefer stehender Sonne fing es auf einmal links und rechts der Strasse an, im Busch zu rascheln. Unmengen von Wallabies und Kängurus lugten hervor und beäugten uns neugierig. Da inzwischen die Strecke flacher und die Luft kühler geworden war, konnte ich dieses Schauspiel mit grossem Vernügen verfolgen. Ausserdem weiss ich jetzt gleich Bescheid, dass man in der Dämmerung hier das Autofahren sein lassen sollte. Wenn das jeder machen würde, dann müsste man als Fahrradfahrer nicht ständig faulige Känguruleichen erschnüffeln. Ein weiterer Vorteil des Fahrradfahrens ist, dass man sich schon genau überlegt, wie weit man zu strampeln bereit ist, um etwas zu besichtigen. Mit dem Auto sind einem 20 km Umweg egal, kostet ja nur 3 EUR Benzingeld. Ich finde, jeder sollte verpflichtet werden, für jede zehn gefahrenen Autokilometer einen Kilometer auf dem Fahrrad zurückzulegen. Das würde der Spritverbrauch viel stärker verringern als jede Ökosteuer. Zudem würden die Leute nicht so verfetten, wie das hier in Australien in noch deutlich stärkerem Ausmaß der Fall ist als in Deutschland. Gegen Verfettung wäre übrigens auch die von mir entwickelte Dritte-Welt-Diät nicht schlecht. Der Grundgedanke ist einfach: Während der Diät werden alle eingesparten Kalorien direkt in die Dritte Welt geschickt. Okay, das führt ein wenig vom Thema weg. Aber auf dem Fahrradsattel unter der heissen Sonne Australiens kommen einem schon die komischsten Ideen...

Am Koala-Walk sind wir selbigen noch am Abend abgelaufen. Wir sind inzwischen im Zeltaufbau schon so geübt (unter 10 Minuten), dass wir dafür ausgiebig Zeit hatten. Wir hatten Glück und haben tatsächlich einige Koalas sogar ziemlich dicht gesehen. Allerdings hören sich die schwer zu beschreibenden Koala-Laute bei weitem nicht so niedlich an, wie der Anblick dieser eigentlich recht niedlichen Tiere vermuten lässt. Niedlich ist angesichts der bis 40 kg Lebendgewicht der Koalas wohl auch eher das falsche Wort. Nach anschlieβendem Bier und Pasta in der Campingküche waren wir dann auch schnell bettfertig, denn wir hatten für den nächsten Tag Grosses vor.

Am nächsten Morgen machten wir uns früh zu der eigentlichen Hauptattraktion von Kangaroo Island auf, zum Admirals Arch im von unserer Ausgangsstation Penneshaw ca. 150 km (direkter Weg, unser war länger) entfernter Flinders National Park. Trotz brennender Sonne und Temperaturen jenseits der 35 Grad hatte Sabine sich offentsichtlich dafür entschieden, sich in das Unvermeidliche zu fügen. An diesem Tag gab es gar keine Beschipfungen. Statt dessen trat Sabine ordentlich in die Pedale und wir meisterten die 23 km (one way) mit den bislang steilsten Anstiegen (und längsten Abfahrten) wie im Fluge (na ja, fast). Belohnt wurden wir mit einem phantastischen Ausblick auf die ihren Nachwuchs heranziehenden New Zealand Fur Robben. Als besonderen Lohn für die Fahrradfahrt konnten wir gute 1,5 Stunden am Admirals Arch verbringen und dem Treiben der Robben ausführlich zusehen. Die auf Bustouren gebuchten Tagestouristen mussten hingegen wieder nach 20 Minuten ihren vollklimatisierten Bus besteigen und sich zur Shopping-Station in das Visitor Centre begeben. Da hatten wir es besser und haben auch die Rückfahrt trotz bereits erwähnter Steigungen gern auf uns genommen. Am Abend auf dem Campingplatz war uns dann die Bewunderung in der Campingküche sicher.

Die nächsten zwei Tage brauchten wir dann für die Rückfahrt. Diesmal waren es tatsächlich nur ca. 150 km, da wir den Abstecher in den Busch diesmal vermieden haben. Ca. 30 km vor dem Ziel brach dann Sabines dritte Speiche, so dass an eine Weiterfahrt trotz des inzwischen recht flachen Geländes leider nicht mehr zu denken war. Wir hatten aber Glück und schon nach 5 Minuten gab uns ein Elektriker einen Lift samt Fahrrädern auf seinem Pick-Up Truck. Diesmal war mitnehmen lassen völlig okay und gar nicht uncool.



Sabines Blog - Adelaide 13. Januar 2006

Tour der Leiden

Wir sind die letzten fünf Tage Fahrrad gefahren und am ersten Tag habe ich mir vorgenommen nur einen Satz über die Tour zu schreiben: "Stellt Euch vor, ihr müsst das tun, was ihr am meisten hasst, addiert viele Fliegen, vornehmlich im Gesicht, und brennende Sonne, und ihr habt eine Vorstellung, was ich hier gerade mache."

Ich muβ aber auch zugeben, dass der erste Tag der schlimmste war. Das lag hauptsächlich daran, dass Olaf geplant hatte, dass wir an diesem Tag 120 km fahren. Meine bisherige Tageshöchtleistung lag vielleicht bei 40 km. Ich bin eben keine gute Fahrradfahrerin. Ziemlich am Anfang bekam ich Schmerzen in Nacken, keine Ahnung warum, später konnte ich kaum noch auf dem Sattel sitzen und irgenwann konnte ich gar nicht mehr. Leider waren wir da, auf Grund eines Kompromisses, in mitten des Outbacks von Fliegen umschwärmt, die sich an meinem Schweiβ labten.

Die letzten 10 km bis zum Campingplatz waren der pure Horror, zumal wir noch nicht mal sicher waren, dass dieser überhaupt existiert. Aber wir hatten doch noch Glück, es gab einen!

Als ich am nächsten Morgen wieder auf mein Fahrrad stieg, tat alles noch so unglaublich weh, dass ich fast sofort wieder abstieg. Die Vorstellung wieder den ganzen Tag Fahrrad zu fahren, war sehr frustrierend. Es wurde aber wesentlich besser, als wir nach 9 km die holperige Outbackstraβe verlieβen und wir wieder auf Asphalt fuhren. An diesem Tag strampelten wir insgeamt 70 km. Als uns 30 km vor dem Ziel ein netter Pick-up-Fahrer fragte, ob er uns eine Strecke mitnehmen kann, verneinte Olaf umgehend. Ich konnte es nicht fassen! Die Begründung war: "Mitnehmen lassen ist uncool!"

Sobald ich vom Fahrrad absteigen durfte, hielt die Insel viel Schönes parat, vor allen Dingen aber eine unglaublich vielfältige Tierwelt. So sahen wir Pinguine, Koalas (sogar eine Mutter mit ihrem Kind auf dem Rücken), Seelöwen, die sich im Wasser tummelten und natürlich ganz viele Kangerus und Wallebies.

Ein Vorteil konnte ich dennoch am Fahrradfahren entdecken: Man kann sehr viel essen und nimmt trotzdem ab. Hamburger mit Pommes zum Mittag? Kein Problem! Hinterher aber bitte noch ein Eis!

Dennoch war ich sehr froh, als wir gestern von unseren Fahrrädern abstiegen. Das passierte auch noch 10 km eher als geplant, denn an meinem Fahrrad brachen 3 Speichen und schieben war angesagt. Nach 500 Metern hielt aber ein Pick-up, der uns den restlich Weg mitnahm. Der Fahrer hatte uns bereits morgens gesehen, als er in die andere Richtung fuhr und hatte Mitleid mit uns.

Heute sind wir wieder mit der Fähre nach Adelaide gefahren. Von hier aus werden wir uns morgen mit einem neuen Mietwagen auf den Weg nach Brisbane  machen. Dabei werden wir die Highlights der Ostküste sehen: den Great Ocean Road, Melbourne und Sidney. Ich bin sehr gespannt darauf.



Sabines Blog - Adelaide 14. Januar 2006


Reiseland Australien 

6 Dinge, die ich liebe:
1. "No worries" - kann man in fast jeder Situation sagen!
2. Die Supermärkte - es gibt wieder Käse und sogar Sauerkraut!
3. Wir fühlen uns sehr sicher hier. Campen ist
daher kein Problem, bisher war immer noch alles da wenn wir wiederkamen!
4. Wir können uns mit Leitungswasser Zähne putzen und es sogar trinken!
5. Die Tierwelt ist unglaublich, ob Kängurus, Koalas, Pelikane, Kamele, alle möglichen Sitticharten, Papageien, Seelöwen, Pinguine, Delfine, Wallabies - alle haben wir in der freien Wildbahn gesehen.
6. Super zum surfen und für andere Sportarten (auβer Fahrradfahren)!

6 Dinge die ich hasse:
1. Überall sind Fliegen, die koennen einem echt alles vermiesen.
2. Das Ozonloch und der damit verbundenen Sonnenbrand, trotz Sonnencreme 30+.
3. Das alles sooo teuer ist.
4. Überall trifft man Deutsche, wirklich überall!
5. Es gibt keine "Gemütlichkeit"!
6. Sorry, aber irgendwie fehlt hier oft der Stil!



Sabines Blog - Brisbane 27. Januar 2007

3.500 km one way: von Adelaide nach Brisbane

Um in unseren verbleibenden 14 Tagen noch möglichst viel von Australien zu sehen, haben wir uns wieder ein Auto gemietet, um auf die an der Westküste bewährte Weise, mit Auto und Zelt, das Land zu erkunden. Um den Blog etwas
übersichtlicher zu halten, habe ich mal wieder für die tageweise Berichterstattung entschieden:
Tag 1: Deutschland zum Mittag

Heute morgen habe ich den Mietwagen abgeholt. Auf Grund eines Fehlers in der Adresse (Hausnummer 298 statt 28), hatte ich dabei das Vergnügen eines extra Workouts. Nachdem ich Olaf und unser Gepäck im Hostel abgeholt hatte, ging es los.

Als erstes ging es zu den Adelaide Hills, von denen wir einen langen Abschiedsblick auf die Skyline von Adelaide warfen. Danach stand Hahndorf auf dem Programm, eine deutsche Siedlung, die heute für viele Touristen ein Anziehungspunkt ist. Uns erinnerte aber hauptsächlich das "Hahndorf Inn" an Deutschland, ein Restaurant, dass von innen aussah, wie ein bayrisches Brauhaus: mit Hofbräuhausbier, blauweiβen Fahnen, typischen Stühlen und Tischen, einem Akkordeonspieler und deutschem Essen. Da konnten wir natürlich nicht widerstehen. Nach einer groβen Portion Würstchen, Kassler und Sauerkraut (wegen der Hitze mussten wir aufs Bier verzichten), ging es weiter Richtung Osten, wo wir 400 km weiter unser Zelt aufbauten.

Tag 2: Wo geht es nach Aldi?

Als erstes fuhren wir heute morgen über eine Weinstrasse, an der sich rechts und links die Weingüter reihten. Leider war es für ausgiebige Weinproben noch viel zu früh, so dass wir nur ein Weingut ansteuerten. Hier probierten wir den Cabernet Savingon, für den die Coonawarra Region bekannt ist. Sehr lecker, aber leider auch entsprechend teuer!

Danach erreichten wir Mount Gambier, einen erloschenen Vulkan, in dessen Krater sich der "Blue Lake" befindet. Der Name hält, was er verspricht, der See ist unglaublich blau. Es sieht fast so aus, als ob jemand mit dem Tuschkasten nachgeholfen hätte, da eine solche Farbe fast unmöglich natürlich entstehen kann. Auch die Forscher haben bisher keine Erklärung für die Färbung bekommen, die sich nur für einige Monate im Jahr vollzieht, bevor er wieder grau aussieht.

Auf unserer weiteren Fahrt besichtigten wir noch einige Fischerdörfer, die aber nicht allzuviel Charme hatten. In unserer für heute geplanten Endstation waren wir eigentlich auf der Suche nach einem Campingplatz. Als wir um die Ecke bogen sahen wir aber einen Aldi. Das mussten wir uns von Nahem ansehen. Als wir den Laden betraten, schlug mir der typische Aldigeruch (Pappkarton) entgegen. Die üblichen Produkte, die wir aus Deutschland kennen, gab es hier leider nicht. Ich schaute aber traurig auf Kisten voll Stollen, Lebkuchen und Dominosteinen, die ich vor drei Wochen zu Weihnachten gern gehabt hätte. Jetzt stand uns danach leider auch nicht mehr der Sinn. Wir fanden aber Wernesgrüner Bier, für einen unschlagbaren Preis, das wir mitnahmen.

Der Campingplatz sah leider nicht so einladend aus, so dass wir beschlossen weiterzufahren. So führte uns der heutige Tag noch bis zum Anfang des Great Ocean Roads. Bei kräftigen Wind schlugen die Wellen tosend gegen die Kliffs. Das sah in der Abendsonne sehr malerisch aus.

Nachdem wir einen Zeltplatz gefunden hatten, wo wir in einer geschützten Ecke unser Zelt aufbauten, machten wir noch einen ausgiebigen Abendspaziergang entlang der Küste. Diese hielt fast überall neue Gesteinsformationen parat. Das war ein tolles Naturschauspiel zusammen mit den Wellen. Wir setzten uns auf eine Bank und betrachteten das Bild, das sich uns bot. Plötzlich meinte Olaf zu mir: "Es sieht mal wieder fast so aus, als ob wir am Ende der Welt angekommen sind!" - Ich: "Wahrscheinlich ist das auch das Ende der Welt - ein schöneres Ende der Welt!"

Tag 3: Herr der Fliegen

Als wir heute morgen aufwachten, war es ganz ruhig um unser Zelt. Der Wind war eingeschlafen. Sobald wir aus unserem Zelt kamen fielen die Fliegen über uns her, wie immer lieβen sie sich vornehmlich im Gesicht nieder, insbesondere dann, wenn man beide Hände beschäftigt hat, wie z. B. beim Zeltabbauen. Schnell flüchteten wir in unser Auto.

Heute standen eine Menge Stopps an der Great Ocean Road auf dem Programm. Vor allem aber Gesteinsformationen, die mittlerweile mit Namen bedacht wurden, wie die zwölf Apostel, der Arch (ein Felsentor, die London Bridge (von der 1990 ein Teil eingekracht ist). Am besten hat uns aber die Thunder Cave gefallen, in der die Wellen ein lautes Echo erzeugten.

Jedes Mal, wenn wir aus dem Auto stiegen fielen die Fliegen über uns her. An den fuchtelnen Handbewegungen konnten wir sehen, dass es den anderen genauso ging. Auβerdem wurde es heute unglaublich heiβ, so um die 40 Grad.

Je weiter wir fuhren, desto mehr Sandstrände kamen und desto kurviger wurde die Straβe. In Lorne, DEM Badeort am Great Ocean Road machten wir einen kurzen Zwischenstopp.

Danach ging es weiter nach Melbourne. Hier waren wir bei Freunden von meinem Vater eingeladen. Unser Ziel zu erreichen war gar nicht so einfach. Durch das Buschfeuer war ein groβer Stromausfall ausgelöst worden, was dazu führte, dass über weite Wege die Ampeln ausgefallen waren. Aber wir schafften es. Als wir ankamen warte schon eine leckere, gegrillte Lammkeule auf uns.

Ich freue mich jedes Mal, wenn wir jemanden besuchen können, der schon lange einem Land lebt. Am meisten gespannt bin ich mich immer auf die Geschichten, die mit dem Land im Zusammenhang stehen. Die Kunzes hatten viel zu erzählen, so dass wir stundenlang hätten zuhören können. Vieles hat uns geholfen Australien besser zu verstehen, aber auch abenteuerliches, z.B. wie die beiden vor vielen Jahren nach Australien gekommen sind.

Tag 4: Melbourne oder "you missed the hole"

Als wir heute mit dem Vorortzug in Melbourne City ankamen, liefen direkt in ein Schild auf dem ganz groβ stand "AUSTRALIEN OPEN". Ein Blick auf das heutige Datum zeigte uns, dass dieses groβe Tennisturnier gerade in Melbourne stattfindet. Das führte bei uns zu zwei Erkenntnissen: Erstens waren wir doppelt froh, dass wir bei Familie Kunze übernachten dürfen, ansonsten wäre es wohl sehr schwierig geworden, etwas zu finden. Zweitens war es leider nicht mehr möglich Karten für den Centre Court zu bekommen, was bei uns beiden (wir stellen erstmals fest, dass wir zwei früher groβe "Tennisfernsehzuschauer" waren) zu etwas Beklommenheit führte. Wir hatten zwar irgendwann auf unserer Reise den Termin der Australien Open kurz andiskutiert, dass dann aber irgendwie nicht weiter verfolgt. Ein ganz klarer Fall von Pech gehabt!

Also beschlossen wir ein wenig durch die Stadt zu bummeln. Wir deckten uns schon mal mit Reiseführern für die nächsten Reiseziele ein und kauften seit langer Zeit mal wieder einen Spiegel. Es war gerade Mittagszeit und sehr viele, sehr gestresst aussehende Menschen hatten gerade Mittagspause, alle in Businesskleidung mit starrem Blick.  Dabei wurde uns beiden bewusst, dass wir in nicht allzuferner Zeit dieses Schicksal wieder teilen werden. Wir haben zwar noch komfortable vier Monate Zeit weiter zu reisen, aber langsam kommt bei mir das Gefühl auf, dass das ganz schön knapp wird. Ich höre die Zeit förmlich an mir vorbeirauschen, dabei haben wir doch noch soviel vor, uns anzusehen. Am Anfang unserer Reise hatte ich tatsächlich manchmal das Gefühle, die Zeit vergeht gar nicht - und jetzt?

Am Nachmittag gingen wir seit langer Zeit mal wieder in eine Bildergalerie. Die Ausstellung war zwar etwas zusammengewürfelt (Zielstellung: von jedem berühmten Künstler ein Bild), aber wir hatten viel Freude beim Betrachten der Bilder.

Am Abend wartete schon wieder leckeres Essen auf uns und noch mehr spannende Erzählungen, so dass es ganz schön spät geworden ist. An dieser Stelle noch mal vielen Dank an Familie Kunze, die uns, obwohl sie nur meinen Vater kannten, so herzlich bei sich aufgenommen hat.

Tag 5: Himalayabekanntschaften

Nach einem reichhaltigen Frühstück mit selbstgemachten Marmeladen saβen wir im Auto. Unser Ziel war die nicht so bekannte Stadt Albury, die zwischen Melbourne und Sydney liegt. Hier wohnen Marilyn und Leigh. Wir hatten die beiden zufällig mehrere Male in Lhasa getroffen, u.a. beim Anstehen für Eintrittskarten in den Potala-Palast und später im Stau auf dem 5.400 Meter-Pass und im Mount Everest Basecamp. So oft jemanden treffen, konnte kein Zufall sein und so tauschten wir damals unsere Emailadressen aus. Als wir nach Australien kamen, melden wir uns, und die beiden luden uns zu sich ein! (An dieser Stelle eine ganz unverbindliche Warnung an alle die uns einladen. Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass wir tatsächlich kommen! Also Vorsicht!)

Als wir in Albury ankamen, war ich erstmal überrascht, wie seriös die beiden aussahen. Mit den Outdoorsachen hatte ich beide ganz anders in Erinnerung. Wir hatten aber viel zu erzählen, was wir in der Zwischenzeit so erlebt haben, und zur Begrüßung gab es ein typisches australisches BBQ.

Tag 6: Australiens bestes Olivenöl

Marilyn und Leigh zeigten uns heute die nähere Umgebung von Albury. Die Landschaft hier ist etwas hüglig und viel grüner, als das was wir die letzten Wochen gesehen hatten. Als erstes machten wir für eine Kaffeepause einen Stop in einer kleinen Stadt, die sehr nach "wilden Westen" aussah. Als nächstes steuerten wir eine "Winery" an und verkosteten fleiβig die Weine, um den richtigen für unser Mittagessen auszusuchen. Dabei war ich mal wieder völlig überrascht, wie unterschiedlich die Weine von einem einzigen Weinbauern schmecken, von "geht gar nicht" bis "sehr gut" alles dabei. Das in Deutschland sehr schwierig, wenn man wieder allein nach Etikett die Weine aussuchen muss.

Der Blick von der Terrasse war sehr schön und wir unterhielten uns über Gott und die Welt, so dass es plötzlich 15.30 Uhr war. Eigentlich wollten wir an diesem Tag noch ein paar mehr Weine verkosten, aber wir schafften nur noch einer weitere Winery. Hier gab es auch Port (wie wir lernten: Port = Wein + Brandy + Zeit) zur Verkostung. Unsere letzte Station für diesen Tag war eine Olivenfarm, in der wir unterschiedliche Oliven probiertem, sowie das gerade frisch prämierte beste Olivenöl Australiens, das sehr ungewöhnlich schmeckte. Danach brachte uns Leigh, der freiwillig gefahren war, wieder zurück nach Albury. Das war ein sehr schöner und entspannter Tag, an dem wir viel über Australien und die Australier gelernt haben. Bis spät in die Nacht saβen wir bei einer letzten Flasche Wein zusammen.

Tag 7: Der lange Weg

Heute ist nicht viel passiert, es lagen 600 km Fahrt bis Sydney vor uns. Leider ist die Höchstgeschwindigkeit in Australien 110 km und es gibt keine durchgehende Autobahn, so dass sich die Strecke ganz schön gezogen hat. In Sydney kamen wir noch rechtzeitig an, um auf einem Campingplatz einzuchecken. Dieser befindet sich direkt neben einem riesigen Friedhof. Die nächsten Nächte wird es also etwas gruselig.

Beim Abendbrotessen haben wir dann zwei Pärchen kennengelernt, die uns über die hohe Kunst in Sydney ein Auto zu verkaufen unterrichtet haben. Beide waren fast ein Jahr in Australien und hatten Autos gekauft und standen jetzt bereits seit einer Woche in einer Tiefgarage in Kings Cross, um ihre Autos vor der Weiterreise wieder zu verkaufen. Wenn man dem Glauben schenken darf, können sich dabei wahre Dramen abspielen. Wir waren plötzlich sehr froh über unseren Mietwagen ...!

Tag 8: 007 zum Frühstück

Heute morgen mussten wir etwas in der nahe gelegenen Shoppingmall erledigen. Es war sehr heiβ drauβen und so kamen wir auf die Idee, in die Frühvorstellung (um 10.00 Uhr) ins Kino zu gehen, da wir seit Hong Kong keine Gelegenheit mehr dazu gehabt haben. Wir dachten, wir wären die einzigen, die am Sonntagmorgen auf eine solche Idee kommen. Als wir zur Kinokasse kamen, stand da aber schon eine riesige Schlange, vornehmlich ältere Leute, an. Wir waren sehr überrascht. Wir sahen in dem gut gefüllten Kino den neuen James Bond.

Danach fuhren wir in die Innenstadt und streiften durch das Zentrum, sahen uns The Rocks an, maschierten über die Habour Bridge und zurück. Am faszinierendsten ist aber doch die Oper, auch wenn diese in Natura ganz anders aussah, als ich mir aufgrund von Bildern vorgestellt hatte. Wenn man auf den Stufen sitzt, kann man sich herrlich ausruhen und hat immer eine kleine Briese wehen. Zur Zeit steht hier auch eine groβe Leinwand, auf der die Australien Open live übertragen werden, so dass man hier auch länger ausharren kann. Auβerdem kauften wir Karten für eine Musicalvorstellung am Mittwoch. Aufgrund der Preise waren wir uns erst nicht sicher, ob wir das machen sollten, aber wann hat man schon Gelegenheit in Sydney in die Oper zu gehen.

Tag 9: Blutiger Diamant

Da uns der Tagesablauf gestern gut gefallen hat, beschlossen wir heute morgen wieder ins Kino zu gehen. Wir waren davon überzeugt, dass am Montagmorgen wirklich niemand ins Kino gehen würde, aber als wir zu Kinokasse kamen, bot sich das gleiche Bild, wie gestern. Heute sahen wir "Blood Diamond". Es sehr guter, wenn auch sehr brutaler Film. (Ich habe die Hälfte der Zeit hinter meiner Strickjacke verbracht.)

Danach gings zum Entspannen zum Bondi Beach, DEM Strand von Sydney. Hier verbrachten wir in angenehmer Kühle, den Nachmittag und aβen in der Abenddämmerung mit Blick auf den Strand Abendbrot. Zwischenzeitlich habe ich die Gelegenheit genutzt und in einem Internetcafe alle unsere zukünftigen Buchungen ausgedruckt. Als ich den Stapel Papier (28 Seiten) abholte, grinste mich der Typ dem Tresen nur an. Wir haben eben noch einiges vor uns!

Tag 10: I love Sydney

Sydney ist bisher eine der Städte, die uns am besten gefallen hat. Das liegt insbesondere an dem vielen Wasser in der Stadt und den vielen gut zu erreichenden Stränden. Heute sind wir (ohne Kino) mit einer Fähre zum Manly Beach gefahren. Die Fahrt dahin war groβartig. Der Strand selbst war nicht ganz so schön, wie Bondi, aber bei der Hitze hier ist jede Abkühlung angenehm.

Abends waren wir in der Oper und sahen das Musical "Sweeny Tood". Ich hätte noch lieber eine Oper gesehen, aber dieses Stück passte ganz gut hierher. Obwohl es meinen Appetit, auf die berühmten Pies gründlich verdorben hat. (Im dem Thriller Musical hat ein Barbier seine Kunden umgebracht, die in der darunter liegenden Backstube zu Pies - mit Fleisch gefüllte Törtchen - verarbeitet worden.) Das war das erste Mal, das ich eine weibliche Dirigentin sah. Ebenfalls überraschend war der Szenenapplaus, den ich bisher nur aus Rußland kannte.

Als wir aus der Oper kamen fing es an zu regnen. Erst nur ein paar Tropfen, dann richtig, so dass wir Mühe hatten, trocken zu bleiben.

Tag 11: Thriller

Heute hatten wir wieder eine lange Fahrt geplant. Von Sydney nach Brisbane sind es fast 1000 km, davon wollten wir den gröβten Teil heute fahren. Als wir morgens in unserem Zelt aufwachten regnete noch immer / schon wieder. So dass wir uns beim Zeltabau sehr beeilten um nicht zu nass zu werden.

Die Fahrt selbst war ziemlich anstrengend, da nur der erste Teil als Freeway ausgebaut war. Danach wurde es zu einer Landstraβe, auf der es ab und zu Überholspuren gab. Ständig änderte sich die erlaubte Höchstgeschwindigkeit (die ja eh nur bei maximal 110 km/h liegt) und mindestens alle 10 km gibt es Blitzer und die Truckfahrer fahren wie Bekloppte. Den ganzen Tag war der Himmel grau, was nach der ganzen Hitze aber sehr angenehm war.

Abends beschlossen wir uns nach einer "festen Unterkunft" umzusehen. Das war gar nicht so einfach. Nicht weil alles ausgebucht war, sondern weil die Gegend, in der wir uns befanden irgendwie ein schlechtes Karma hatte. Die ersten drei Motels, die ich besichtigte, sahen so ungemütlich aus, dass wir nicht bereit waren, den dafür geforderten Preis zu zahlen.

Danach hielten wir in einer kleinen Stadt, die etwas nach Geisterstadt aussah. Das Hotel sah aber von auβen ganz nett aus. Als ich es betrat, starrten mich fünf Männer an. 
Ob ich allein hier übernachten wolle? - fragte mich der Barkeeper, der vom Aussehen her auch gut in einem Thriller hätte mitspielen können.
(Auf gar keinen Fall!) Nein, ich und mein Mann!
Als wir uns das Zimmer ansahen, mussten wir beide unwillkürlich an Psycho denken, denn eine leichte Briese wehte durch die Flure und die Gardinen bewegten sich im Wind. Die Stimmung war sehr eigenartig und wir waren offensichtlich die einzigen Gäste. - Fast, denn wir beschlossen doch lieber weiterzufahren. Falls ich aber jemals in meinem Leben ein Krimi schreiben sollte, hier ist auf jeden Fall der richtige Platz, um Inspiration dafür zu bekommen (,wenn man es überlebt).

Als nächstes hielten wir bei einem Bed & Breakfast, dass von auβen ganz nett aussah. Eine ältere Frau, die eine Art Nachthemd anhatte, öffnete uns die Tür und kam raus.
Ich nehme normalerweise gern Gäste auf. Aber zur Zeit sei "sickness here around". - meinte sie. Olaf veranlasste dass unwillkürlich zwei Schritte zurück zu gehen. Im Flüsterton fügte sie noch hinzu: "You know, my husband and my uncle (kurze Pause) - they have mental problems."
Wir hatten genug gehört - zurück ins Auto! Sofort!

Nach diesen Erlebnissen beschlossen wir noch 50 km weiter zu dem Badeort Yamba zu fahren. Der Ort heiβt wirklich so, aber man hört weit und breit keine Handyklingeltöne. Hier hielten wir beim Pacific Ocean Hotel, dass unten extrem voll war, aber trotzdem noch Zimmer frei hatte. Als wir zwecks Zimmerbesichtigung, die Tür zum dem Raum aufschlossen, sah uns plötzlich eine Familie mit zwei Kindern überrascht an, wobei das kleine gerade gestillt wurde. Wir entschuldigten uns vielmals und baten an der Rezeption um ein anderes Zimmer. Das Miβverständnis konnten wir am Abend aber bei einem Bier mit Richard, dem Mann der Familie, noch aufklären. Sie hatten sich ebenfalls das Zimmer angesehen und dann jeweils in der Vermutung, dass der andere Ehepartner das Zimmer schon bezahlt hätte, sich nicht mehr an der Rezeption gemeldet. Heute wunderte mich aber gar nichts mehr.

Tag 12: Sunshine State?

Heute ging es zur berühmten Gold Coast von Australien. Den Auftakt machte Byron Bay. Ein sehr schöner Badeort mit dem malerischen Cape Byron. Von hier aus sahen wir den Surfern zu, die unten wirklich schöne Wellen hatten. Ganz in der Nähe schwammen Delfine. Von allen Badeorten, die wir in Australien gesehen haben, hat mir dieser mit Abstand am besten gefallen.

Als nächstes fuhren wir nach Surfers Paradies. Sobald wir die Grenze nach Queensland überschritten hatten, ging ein Wolkenbruch über uns hernieder. Nach der ganzen Hitze, die wir die letzten sieben Wochen hatten, konnte ich es gar nicht fassen, dass es dermaβen regnen kann. Das Wasser stand förmlich auf der Straβe. Ironischerweise stand auf allen Autoschildern "Queensland - The Sunshine State" drauf. Als wir endlich in Surfers Paradies ankamen, regnete es immer noch so stark, das wenn wir das Auto auch nur für eine Sekunde verlassen hätten, wir auf die Haut durchnäßt wären. So fuhren wir direkt nach Brisbane weiter. Da an zelten nicht zu denken war, übernachten wir in einem Hostel.

Tag 13: Australia Day

Schon in Rußland haben Olaf und ich nach unserem Homestay bei Svetlana darüber diskutiert, dass es viel interessanter ist bei Einheimischen zu wohnen, da man viel mehr vom Alltag mitbekommt. In der Mongolei hörten wir dann von Krysta vom Hospitalityclub. Hier kann man selber Unterkunft anbieten und Reisende beherbergen oder um Unterkunft bitten. Für Sicherheit sorgt ein Bewertungssystem, ähnlich wie bei Ebay. Olaf hat dann hier in Australien die Initiative ergriffen und uns hier angemeldet. Vince war unser erster Host. Nach den Bewertungen hatte er schon einige vor uns aufgenommen.

So machten wir uns heute morgen auf den Weg zu Vince, der allerdings etwas auβerhalb von Brisbane wohnt. Vince war uns auf Anhieb sehr sympathisch und so saβen wir zunächst auf seiner Terrasse und unterhielten uns lange.

Auβerdem ist heute der "Australia Day", der Tag an dem vor fast 200 Jahren die ersten Schiffe mit Strafgefangenen in Sydney anlegten. Vince schlug daher vor zu den Feierlichkeiten nach Southbank in Brisbane zu fahren. Dort trafen wir auch seine Schwägerin und seinen Neffen, mit denen wir uns auch sehr gut verstanden. Southbank ist das ehemalige Expogelände von Brisbane, dass aber im Gegensatz zu Hannover viel besser nachgenutzt wird. Hier gab es heute viele Veranstaltungen, u.a. eine Show, in der gezeigt wurde, wie Schäfer mit ihren Hunden die Schafherden zusammenhalten und treiben, Musik und Openair Kino. Es war sehr voll und fast jeder hatte eine australische Fahne dabei oder im Gesicht aufgemalt.

Heute war es unglaublich heiβ und die hohe Luftfeuchtigkeit lieβ den Schweiβ nur so strömen. Selbst das groβe Eis, dass wir aβen brachte nur wenig Abkühlung. In Brisbane sei es an 40 Tagen im Jahr so heiβ, wurde uns erklärt. Die wenigsten Häuser hier haben eine Aircon, sondern nur Ventilatoren. - Sorry aber diese Stadt ist eindeutig zu heiß für mich!

Abends saβen wir wieder alle bei Vince auf der Terrasse und es gab das Lieblingsessen der Australier, ein BBQ. Jeden, den wir bisher besucht hatten, hatte einen groβen Gas-BBQ im Garten stehen, mit dem man jeweils locker eine Party hätte mit versorgen können. Im Sommer ist es wegen der Brandgefahr aber wohl auch verboten, Kohlegrills zu verwenden. Wir lieβen es uns schmecken und tranken dazu eine Flasche Rosèwein, die wir bereits in Coonawarra am zweiten Tag gekauft hatten. Rosèwein ist übrigens unsere Entdeckung hier in Australien für heiβe Tage, da er ebenfalls gekühlt getrunken wird und sehr gut schmeckt.

Tag 14: Zweiter Versuch

Heute morgen war es schon wieder so heiβ, dass es nur eine Möglichkeit gab, dem zu entkommen - an Strand fahren. Wir entschieden uns, noch mal nach Surfers Paradies zu fahren.

Der Ort selbst ist nicht so schön. Es sieht fast aus, wie Manhatten am Strand. Der Strand selbst ist aber groβartig: weiβ, lang, breit und feinsandig. Das Wasser ist kühl und hat schöne Wellen, so dass man am liebsten die ganze Zeit im Wasser verbringen möchte.

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