2.714 km auf Ob & Irtytsch - 24.7. bis 01.08.
1. Tag - Wolkenbilder
1. Tag - Wolkenbilder
Heute um 17 Uhr war es endlich soweit und unser Schiff "Tschernoschewski" ist mit uns und weiteren geschätzten 300 Passagieren an Bord aus dem Salekharder Hafen ausgelaufen. Wir sind die einzigen Ausländer an Bord und reisen für unter 100 € pro Person in der ersten Klasse die gesamten 2.714 km vom Polarkreis bis zum südsibirischen Omsk. Die Kombination dieser drei Tatsachen hat uns
die besondere Wertschätzung des Kapitäns eingebracht, so dass wir als erste an Bord gehen durften und auch als einzige auf dem eigentlich der Mannschaft vorbehaltenen Kapitänsdeck die Aussicht auf den sibirischen Himmel in der Mitternachtssonne genieβen können.
Auch wenn dies erst der erste Tag unserer noch weitere 6 Tage dauernden Schiffsreise ist, so weiβ ich schon jetzt, dass der sibirische Himmel mir in ganz besonderer Erinnerung bleiben wird. Hier ist die Taiga so flach, dass man buchstablich soweit blicken kann, bis die Wolken die Erde berühren. Vor allem was das für Wolken sind. Zur gleichen Zeit kann man blauen Himmel, Schäfchenwolken, Gewitter und durch eine geschlossene Wolkendecke durchbrechende Sonnenstrahlen sehen. Das ganze ist in ein ganz besonderes Licht der zu dieser Jahreszeit in diesen Breiten 24 Stunden am Himmel stehenden Sonne getaucht. Man kann sich in der Weite Sibiriens tatsächlich verlieren und stundenlang in den Himmel gucken.
2. Tag - Die Welt ist klein
Heute habe ich am Bug unseres Schiffs ein Messingschild entdeckt, auf dem zweisprachig in schönstem Deutsch und Russisch geschrieben stand, dass es 1955 auf der volkseigenen Warnowwerft in Warnemünde , dem Seebad unserer Heimatstadt Rostock, gebaut worden ist. Nachdem Schiff und Besatzung schon bei der Abfahrt in Salekhard einen nicht nur für russische Verhältnisse äuβerst vertrauenswürdigen Eindruck gemacht haben, fühle ich mich nach dieser Entdeckung hier nun völlig geborgen, auch wenn die "Tschernoschewski" schon 51 Jahre auf dem Buckel hat.
Entdeckt habe ich das Schild eigentlich nicht wirklich selbst. Vielmehr stand ich am Bug des Schiffes und habe einmal mehr die unendliche sibirische Weite genossen, als plötzlich drei schon ziemlich angetrunkene Gestalten in identischen 3/4 langen Tarnhosen und mit verspiegelter Sonnenbrille sowie Bierdose bewaffnet auf mich zukamen und mich irgendwas fragten. Auf meine Antwort hin, dass ich nur wenig Russisch spreche und sie leider nicht verstanden habe, war ihr Interesse an mir geweckt und sie fragten mich, wo ich denn herkomme und was ich denn hier machen würde. Als ich antwortete, dass ich aus Deutschland käme, wurde ich erstmal freudig mit dem Hitlergruβ begrüβt. Nachdem ich dem leider immer wieder vorkommenden Miβverständnis entgegengewirkt hatte, dass wir uns Deutschen über derlei Dinge freuen würden, lenkten sie meine Aufmerksamkeit auf das besagte Messingschild am Bug unseres Schiffes. Nach einer kurzen Diskussion darüber, ob es sich bei dem Zeichen auf auf dem Schild um das VW Zeichen handeln würde (es war das Zeichen der Warnowwerft), habe auch ich mich mal erkundigt, was die Jungs hier eigentlich machen. Es stellte sich heraus, dass es sich um drei Gefängniswärter auch Salikhard handelt, die zusammen mit ihren Familien auf dem Weg in den Urlaub sind.
Ansonsten verlief der Tag wie erwartet eher unspektakulär. Über Mittag haben Sabine und ich die sibirische Sonne auf dem Kapitänsdeck genossen und die sibirischen Wälder an uns vorüber ziehen lassen. Der Höhepunkt war der Halt an zwei Ortschaften, von der eine keinen Anleger hatte, sondern nur ein ziemlich weit im Fluss vertäutes Floβ, an dem unser Schiff anlegen konnten. Die auf dem Floβ ab- bzw. ausgesetzten Passagiere wurden dann von ihren Dorfkollegen mit kleinen Motorbooten an Land geholt.
Jetzt ist es kurz vor Mitternacht, und auch wenn es noch nicht ganz dunkel ist, so merkt man doch, dass wir in Richtung Süden fahren und es mit der Mitternachtssonne nun langsam vorbeigeht.
3. Tag - Regenwetter
Als wir heute gegen 10 Uhr aufgewacht sind und aus dem Fenster schauten, konnten wir zuerst das Ufer vor lauter Nebel gar nicht mehr sehen. Schon bei klarem Wetter ist dies gar nicht so einfach, denn der Ob ist hier mindestens doppelt so breit wie jeder deutscher Fluβ.
Absolut erwähnenswert ist der Start in den Tag mit einer heiβen Dusche, der ersten seit wir hier an Bord sind. Gegen die Zahlung von 50 Rubel (1,49 €) an Olga, der russischen Version der deutschen Traumschiff-Beatrix, hat sie mir den erstaunlich sauberen Duschraum aufgeschlossen, in dem es dann auch tatsächlich warmes Wasser gab. Frisch gesäubert konnte der Tag also beginnen.
Leider war es den ganzen Tag über nicht nur neblig, sondern es hat auch bei ziemlich niedrigen Temperaturen die ganze Zeit geregnet. Wir haben also unsere Nase nur kurze Zeit an Deck in den Wind gesteckt. Natürlich haben wir uns den einzigen Halt des Tages als ganz besonderes Highlight, wie die anderen Passagiere auch, nicht entgehen lassen. Es handelte sich dabei um eine weitere Ansammlung relativ abgenutzt erscheinender Hütten und Häuser. Von weitem kann man hier die menschlichen Siedlungen an hoch aus der Taiga herausragenden Funkmästen erkennen. Heute haben wir allergings nur drei davon gesehen und bei einem angehalten.
Unsere drei Gefängniswärter haben wir heute nur kurz gesehen, da das Wetter wie beschrieben schlecht war. Auch mit anderen Mitreisenden in Kontakt zu kommen ist eher schwierig, da die meisten den ganzen Tag auf ihrer Kajüte bleiben. Mal sehen, vielleicht habe ich ja morgen etwas mehr Gelegenheit, mein Russisch an den Einheimischen auszuprobieren. Sicher kann dabei auch ein Besuch im "Videosalon" nicht schaden, in dem man sich jeden Abend den gleichen Film "Liebe und Verrat" ansehen kann.
4. Tag - Sommer in Sibirien & Winter auf dem Mittelmeer
Höhepunkt des ansonsten ziemlich ereignislosen Tages war die Durchfahrt durch eine kleine Tatarensiedlung. Der Kapitän hatte uns angesprochen, jedem von uns 10 Cent in die Hand gedrückt und auf das Vorderschiff direkt vor die Brücke mitgenommen. Dann hat er uns erzählt, dass der Fluss die am Ufer sichtbare Siedlung deshalb teilt, weil sich zwei Brüder über eine Frau zerstritten hatten und deshalb das ursprünglich einheitliche Dorf in zwei Hälften geteilt wurde, für jeden Bruder eine. Zumindest war es das, was ich von seinen Ausführungen verstehen konnte. Auf jeden Fall sollten wir dann die Centstücke ins Wasser werfen, da dies wohl Glück bringen soll. Das haben wir dann auch getan, wie viele andere Passagiere auch, die die Story wohl von sich aus schon kannten.
Bei der Gelegenheit haben wir auch einiges über den Kapitän. Im Sommer steuert er die "Tschernoschewski" genau zehn Mal den Ob und Irtytsch hoch und runter, denn länger sind die Flüsse nicht eis- und sturmfrei. Er ist inzwischen das sechste Jahr Kapitän auf diesem Schiff und hat es, nach allem was wir sehen können, bestens im Griff. Zumindest schrubben seine Matrosen täglich das Deck und auch ansonsten sieht das Schiff für seine 51 Jahre erstaunlich gut aus. Im Winter, wenn der Fluss zugefroren ist, fährt auf dem Mittelmeer russische Passagiere auf Kreuzfahrten umher. Er gab uns auch gleich eine Kostprobe, seines Seemannsenglisch, welches sich allerdings auf die nautischen Fachbergriffe zu beschränken schien. Für die Sommertour auf Ob und Irtytsch erhält unser Kapitän 1.000 € Monatsgehalt, für die Wintertour auf dem Mittelmeer erhält er 2.000 € monatlich. Es ist eine Eigenart der Russen, dass sie einem immer gleich erzählen was sie verdienen und meistens gleichzeitig wissen wollen, was wir denn so verdienen.
Ansonsten verlief auch unser heutiger Tag eher beschaulich, da sich zu dem Regen inzwischen auch noch sibirische Kälte gesellt hat. Heute früh hatte unser Schiff seinen bislang einzigen Halt in dem Wintersportort Chanty-Mansisk. Dort wird einmal im Jahr ein Biathlon Weltcup-Wettbewerb ausgetragen. Das und der nach Auskunft des Kapitäns ca. 7 Jahre zuruckliegende Ölfund in der Nähe hatten offensichtlich zur Folge, dass der Ort sich die erste richtige Landungsbrücke leisten konnte, die wir auf den bisher zurückgelegten ca. 1.100 km besichtigen durften. Auβerdem fuhren sogar deutsche Mercedes-Busse durch die asphaltierten Straβen, ein echtes Novum für Sibirien. Die Chance zum Einkaufen bei diesem einstündigen Halt haben wir allerdings verpasst. Wir werden das morgen früh in Tobolsk versuchen nachzuholen. Unsere Vorräte sind so gut wie aufgebraucht und das Schiffsrestaurant sieht leider nicht wirklich verlockend aus.
Chanty-Mansisk war auch der Ort, an dem wir vom Ob auf den Irtytsch abgebogen sind. Bislang konnten wir aber keine Veränderungen in der Landschaft feststellen, ausser dass ein paar mehr Orte zu sehen sind. Allerdings gibt es jetzt deutlich mehr Flusskurven und heute Abend haben wir sogar ein bisschen blauen Himmel am Horizont sehen. Wir hoffen, dass es morgen endlich was wird mit dem lauen Leben auf dem Sonnendeck.
5. Tag - Endloses Sibirien - Endloser Regen
Heute morgen hatten wir uns den Wecker gestellt, um die Ankunft in Tobolsk, die nach unserer Deutung des Fahrplans um 7 Uhr stattfinden sollte, nicht zu verpassen. Hier wollten wir vor allem unsere Vorräte auffüllen und uns den Kreml dieser ehemaligen Hauptstadt Sibiriens zumindest von weitem anschauen.
Nachdem wir pünktlich um 5 vor 7 Uhr an der Reeling standen, waren wir völlig untypisch für solche Anlegemanöver ganz allein. Die Nachfrage bei Olga ergab, dass wir einen ganzen Tag zu früh waren und wir erst morgen in Tobolsk ankommen werden. Dies fügte sich zu der Information des Vortages, dass die Gesamtlänge unsere Fluβfahrt bei 2.714 km anstatt der bisher vermuteten 2.400 km beträgt. Auβerdem hatte unsere Agentur Troika-Reisen bei der Zeitangabe von 6 Reisetagen die Zeit für die flussabwärts gerichtete Fahrt von Omsk nach Salekhard angegeben. Da wir in Gegenrichtung und damit fluβaufwärts unterwegs sind, wird unsere Reise 8 Tage dauern. Immerhin ist das Leben an Bord ziemlich kostengünstig.
Mittags hielten wir dann an einem anderen Ort, einem kleinen russischen Dorf, wo wir 1,5 Stunden zu früh ankamen, so dass wir hier unsere Vorräte im ziemlich kärglich bestückten Dorfladen auffüllen konnten. Das Dorf an sich war ziemlich unspektakulär und wirkte bei Regenwetter mit seinen schlammigen, unasphaltierten Strassen nicht besonders einladend.
Zuvor hatten wir noch ein Beispiel für die Versorgung entlegener sibirischer Ortschaften ohne Fähranleger beobachten können. Zwei Menschen standen am Flussufer und hatten ein Feuer gemacht. Zusätzlich winkte die Frau mit einem weiβen Tuch. Unser Schiff hielt daraufhin an und lieβ das Rettungsboot zu Wasser. Darin fuhren einige Mannschaftsmitglieder zum Ufer und lieferten eine ganze Menge Säcke unbekannten Inhalts bei den beiden Menschen am Ufer ab.
Ach so, geregnet hat es wieder den ganzen Tag. Allerdings haben wir uns nun ins Unvermeidliche gefügt und uns ganz in die mitgebrachte Lektüre vertieft. Ich lese gerade den 750 Seiten Wälzer "Die Siedler von Catan", der mich mehr fesselt als ich das vermutet hätte. Siehe hierzu auch unsere Buchrezensionen.
6. Tag - Die Tschernoschewski-Hymne
Heute früh war es nun soweit, dass wir in Tobolsk angelegt haben. Bei andauernden Regenwetter sahen der vom Fluss aus gut zu erkennende Kreml und der Rest der hinter dem schlammigen Anleger zu erkennenden Stadt bei weitem nicht so attraktiv aus, wie es der Lonely Planet Reiseführer vermuten lässt.
Bei der Weiterfahrt legte der Kapitän wie nach jedem Halt die Tschernoschewski-Hymne auf und lieβ sie einmal mehr mittels Bordlautsprecher über den morgendlich stillen Irtytsch schallen. Es ist ein Lied, dass sich ein bisschen wie das Fliegerlied anhört und über unser stolzes Schiff handelt. Genaueres konnten wir mangels detaillierter Russischkenntnisse noch nicht herausfinden.
Im Gespräch mit dem Kapitän haben wir noch einiges über ihn erfahren. Er wohnt mit seiner Familie in Omsk, stammt aber ursprünglich aus Kirgisien. Er fährt auf Ob und Irtytsch seit 21 Jahren und hat als zweiter Offizier begonnen. Danach wurde er erster Offizier und seit sechs Jahren ist er Kapitän. Seine Frau ist ebenfalls mit an Bord und schmeiβt die Bordkasse sowie den Videosalon. Sein Sohn ist auf der Seefahrtsschule und will ebenfalls Kapitän werden.
Jetzt wird uns wie jeden Abend um "Dreiundzwanzig Null Null" über den Bordlautsprecher eine gute Nacht gewünscht.
7. Tag - King Kong
Am siebten Tag sollst Du ruhen. Genau das haben wir heute gemacht und sind auf Urlaub von Taiga links und Taiga rechts gegangen. Die Auszeit haben im Stolz des Kapitäns, im "Videosalon", verbracht. Dort gabs in allerschönster russischer Synchronisation Hollywoods Neuverfilmung von "King Kong". Wir hatten den Film in Deutschland noch nicht gesehen, aber schnell festgestellt, dass man weder Vorkenntnisse zur Handlung noch flieβendes Russisch benötigte, um der Handlung mühelos folgen zu können.
Wir wissen nicht wie es die russischen Airlines es mit Filmen über Flugzeugabstürze halten, die bei westlichen Airlines verständlicherweise nicht gezeigt werden. Die russischen Reedereien scheinen jedenfalls keinerlei Probleme mit Filmen an Bord zu haben, in denen Schiffe auf Riffe laufen und zu sinken drohen, wie es bei "King Kong" der Fall ist. Auch hatte in den Tagen zuvor Celine Dion den Titelsong aus "Titanic" über den Bordlautsprecher geschmettert. Mal sehen, vielleicht wir dieser Film auch noch im Videosalon angeboten.
Auch heute hatten wir wieder Gelegenheit zu einem kleinen Schwätzchen mit dem Kapitän. Wir haben erfahren, dass die Passagiere nach den Zeiten des Umbruchs wieder zahlreicher geworden sind. Während früher vor allem die zweite und dritte Klasse ausgebucht war und in der ersten gähnende Leere herrschte, ist es inzwischen umgekehrt. Den Leuten geht es wieder besser, was unser Kapitän nicht zuletzt Putin zuschreibt, der mit seinen Gegnern kurzen Prozeβ macht. Jeltzin hätte hingegen nur gesoffen und Lieder gesungen. Eine Meinung, die wir schon von mehreren Russen so gehört haben. Auch erfahren wir, dass es den Städten Salekhard und Chanty-Mansisk vor allem deswegen so gut geht, weil dort vor einigen Jahren Gas bzw. Öl gefunden wurde. Vorher sahen sie wohl genauso aus, wie die meisten anderen Orte an unserer Strecke, die schon stolz sein können, wenn sie eine asphaltierte Straβe besitzen. Nach Meinung des Kapitäns geht es aber nur in Russland einigermaβen voran, aber in den anderen ehemaligen Sowjetrepubliken nicht. Als Beispiel führt er seine noch in Kasachstan verbliebenen Eltern an, die zusammen nur 40 € monatliche Rente erhalten. Er selbst ist jedoch optimistisch, was die weitere Entwicklung in Russland angeht und möchte sich bald ein deutsches Auto, einen BMW, kaufen. Wann er den dann genau fahren will, konnte ich nicht so genau herausfinden. Im Sommer hat er zwischen den einzelnen Fahrten nämlich jeweils nur 27 Stunden Freizeit an Land. Und Winter ist er ja auf dem Mittelmeer unterwegs.
Ansonsten war mal wieder alles "Vsjo normalno", wie man hier sagt, wenn alles seinen gewöhnlichen Gang geht. Taiga links und Taiga rechts bei Regenwetter.
8. Tag - Sonnenschein
Als wir heute morgen aus dem Fenster sahen, konnten wir es gar nicht glauben: Es schien tatsächlich die Sonne über der Taiga. Wir haben uns auch sogleich an Deck begeben, um dieses Ereignis entsprechend zu würdigen und die Sonne zu genieβen.
Als wir nach dem Duschen dann wieder auf das Promenadendeck wollten, mussten wir feststellen, dass dieser das schöne Wetter gleich für die Umsetzung einer ganz tollen Idee genutzt hatte: Er lieβ seine Manschaft das komplette Promenadendeck neu streichen, welches somit für uns Passagiere nicht mehr begehbar war. Super Sache, endlich Sonnenschein und dann das. Dass nach dem letzten Halt heute morgen, bei dem uns fast alle verbliebenen Passagiere verlassen hatten, der Kiosk geschlossen ist und auch im Videosalon keine Filme mehr gezeigt werden, konnten wir ja gerade noch verkraften. Aber bei Sonnenschein nicht an Deck zu dürfen, ging mal gar nicht.
Am Nachmittag waren die Jungs mit dem Streichen fertig, aber die Farbe war noch nicht getrocknet. Wir haben uns aber wie schon vorher öfters aufs Kapitänsdeck verzogen und sind dort auch geduldet worden. Endlich ist was geworden aus unseren Vorstellungen von der lässig auf den Bauch scheinenden Sonne auf dem Sonnendeck.
Ein Vorteil hatte die Anstreichaktion allerdings doch: Wir konnten einen wirklich atemberaubenden Sonnenuntergang eng umschlungen von unserer Kabine aus beobachten, ohne dass jemand vor unserem Fenster langgelaufen wäre.
9. Tag - Omsk
Heute ist es soweit, dass wir endlich wieder festen Boden unter den Füssen haben. Omsk ist nach Novosibirsk die zweitgröβte Stadt Sibiriens und wir wir werden von unseren Erlebnissen hier wie von den weiteren Stationen bis hin zum Baikalsee ausführlich berichten.
Zuvor wurde unsere Geduld ziemlich auf die Probe gestellt. Nachdem wir nun nicht mehr auf das Promenadendeck durften, hat sich unser Kapitän auch noch dazu entschlossen, den nach 2.700 km ziemlich leergefahrenen Dieseltank neu aufzufüllen. Der Diesel verbreitete auf dem gesamten Schiff einen bestialischen Gestank, dem man nur einigermaβen entfliehen konnte, indem man sich in seiner Kabine bei geschlossenen Türen und Fenstern verbarrikadierte. Nach ca. 1,5 Stunden ging es dann endlich weiter. Allerdings hatten wir jetzt noch ein zweites Schiff im Schlepp, was unsere Geschwindigkeit kurz vorm Ziel noch entschieden verlangsamte. Um die Stimmung vor der Ankunft nicht allzu schlecht werden zu lassen, hat der Kapitän heute alle verbliebenen Passagiere (ein Häuflein von ca. 20) aufs Kapitänsdeck eingeladen, um von dort die endlosen Industrieanlagen am Rande von Omsk bewundern zu können.
Die Schiffsreise war für uns genau das richtige, um nach den anstrengenden letzten Wochen in Deutschland und dem anstrengenden Groβstadtleben in Moskau mal so richtig abzuspannen. Zwar wäre etwas schöneres Wetter wünschenswert gewesen, aber auchso waren diese gigantischen Ströme Sibiriens ein echtes Erlebnis. Wir hatten viel Zeit, die vorüberziehende Taiga zu genieβen, uns mit dem Kapitän zu unterhalten, Bücher zu lesen, Inhalte für unsere Website zu produzieren (wir diesen Content aus Zeitgründen erst in Krasnojarsk live schalten) und ganz einfach die Seele baumeln zu lassen.
Zusammenfassend lässt sich allerdings sagen, dass es 2 Tage weniger sicher auch getan hätten und wir empfehlen, schon in Tobolsk und nicht schon in Omsk auszusteigen. Die ausführlichen Tipps werden wir noch in das Kapitel Reiseroute einstellen.
Salekhard, 24. Juli 2006
Alles für uns allein
Seit zwei Tagen sind wir nun schon in Salekhard am Polarkreis und damit in Asien. Äußerlich ist aber nach wie vor alles europäisch, also russisch, geblieben. In den Strassen fallen uns allerdings die sogenannten Nenzen auf, die vereinzelt zu sehen sind. Sie haben eine dunklere Hautfarbe und sehen ein wenig wie Eskimos aus. Auch haben sie Schlitzaugen, so dass sie zumindest ein wenig an Asiaten erinnern.
Im lokalen Heimatmuseum konnten wir uns den heute auch ausführlich sowohl über die polare Tierwelt (inklusive original Mammutknochen) als auch über das Leben der Nenzen informieren. Neben einer Familie, die offenbar aus einem der benachtbarten Dörfer kam, waren wir die einzigen Besucher und erhielten somit die volle Aufmerksamkeit des Museumspersonals.
Wir bekamen die beiden ausgestellten Zelte der als Nomaden lebenden Nenzen ausführlich erklärt. Zum einen gibt es ein Sommerzelt, welches aus pyramidenförmig zusammengestellten langen Birkenstangen besteht, die dann mit Birkenrinde umwickelt werden. Die Größe des Zeltes läßt sich durch die Anzahl der Stangen vairiieren. In solch einem aus bis zu 50 Stangen zusammengestellten Zelt wohnen bis zu zwei Familien. Das Winterzelt unterscheidet sich im wesentlichen dadurch, dass es statt mir Birkenrinde mit Tierfellen umwickelt wird, um einen größeren Schutz zu der hier im Winter bis zu minus 50 Grad herrschenden Kälte zu bieten. Die meisten Nenzen leben noch heute in der ursprünglichen nomadischen Lebensweise und geben den Winter über ihre Kinder in Internaten in den Städten ab. Iwan, einen Betreuer in einem solchen Internat, hatten wir ja bereits auf Zugfahrt kennengelernt.
Die Austellung befand sich in einem sehr neuem und westlichen Industriedesign entsprechenden "Ausstellungszentrum", ohne dies allerdings auch nur annähernd zu füllen. Auf Nachfrage erklärte unsere ausschließlich russisch sprechende Museumsführerin aber, dass es geplant sei, auch die restliche Fläche noch mit Exponaten für die vielen ausländischen Touristen zu füllen.
Von den vielen ausländischen Touristen aus Europa, Amerika und Asien hatte uns schon Iwan während der Zugfahrt erzählt. Sie würden alle mit dem Flugzeug nach Salikhard kommen. Bislang konnten wir allerdings ausser uns hier noch keinen weiteren Ausländer sichten. Das hatte den Vorteil, dass wir die umfangreichen touristischen Attraktionen von Salekhard ganz für uns allein haben. Neben dem erwähnten Heimatmuseum gehören hierzu die folgenden Objekte in dem geschätzt 70.000 Einwohner umfassenden Städtchen:
- eine riesige Mammutstatur am Fähranleger
- eine im Bau befindliche ähnlich große Rentierstatur
- eine Leninstatur vor dem Sitz der Provinzregierung des Jamalo-Nenzischen Autonomen Gebietes
- eine nachgebaute Holzfestung, die offensichtlich eine der ersten Niederlassungen in der 410jährigen Geschichte Salekhards war
- eines von weltweit nur zweimal existierenden Restaurants, die zwischen zwei Brückenpfeilern hängen (ich nehme an, dass unser Fahrer, der diese Aussage traf, die Autobahnraststätte Tecklenburger Land nicht kannte)
- eine ultramodernes Flughafenterminal
- eine ebenso moderne Bahnstation
Die letzte in der Reihe noch fehlende Attraktion wollten wir heute leider vergeblich besichtigen. Es handelt sich dabei um ein Monument, welches genau auf dem Polarkreis errichtet wurde und denselben symbolisiert. Dies ist besonders wichtig, da die Verantworlichen von Salekhard dieser besonderen Lage der Stadt offensichtlich auch besonderes touristisches Potential beimessen. Nach ca. 1,5 Stunden Fußmarsch von unserem Hotel sind wir dann auch an der bezeichneten Stelle angekommen. Allerdings fanden wir nur ein leeres Podest vor. Auf Nachfrage im gegenüber liegenden Hotel "Polarkreis" wurde uns mitgeteilt, dass das alte Monument abgerissen und an anderer noch weiter entfernterer Stelle wieder aufgebaut wurde. Darauf, uns bis dahin durchzufragen, haben wir dann verzichtet. Es muß ja noch ein ungelüftetes Geheimnis für unseren nächsten Salekhardbesuch übrig bleiben.
Kurz vorm Ural, 20. Juli 2006
Am Ende Europas
Heute habe ich das erste Video unserer bisherigen Reise gedreht. Es dauert genau 5 Minuten und zeigt, was auf unserer Zugfahrt aus dem Fenster zu sehen ist. Die 5 Minuten zeigen russischen Wald, der an uns vorüber fliegt. Birken, Tannen, Lärchen usw.. Ich hätte dieses Video auch ohne Probleme eine oder zwei Stunden lang drehen können, ohne dass sich an seinem Inhalt etwas geändert hätte.
Heute Nacht werden wir den Ural und damit das geographisch offizielle östliche Ende Europas erreichen. Für mich ist diese Endlosschleife russischen Waldes, welche nur alle 2 Stunden durch ein paar dahingeworfene Holzhäuschen unterbrochen wird, eine schier unfassbare Größe unbewohnten Landes. Im Gegensatz zu Westeuropa, kann man an diesem östlichen Ende Europas tagelang wandern, ohne einem Menschen zu begegnen. Sicher bräuchte man dafür eine richtige Wildnisausrüstung, denn in diesen weiten Wäldern wird es mit Sicherheit Bären geben.
Auf den wenigen Bahnhöfen unterwegs bieten russische Babuschkas uns Reisenden gekochte Kartoffeln, Eis und alle Arten von Verpflegung durch die ansonsten von der Wagenschaffnerin streng bewachten Eingangstür unseres Waggons an. Auf den Gleisen stehen endlos lang erscheinende Güterzüge mit "Neftprodukteu", was soviel heisst wie "Ölerzeugnisse", die offensichtlich nicht ihren Weg durch eine der Pipelines gefunden haben. Neben den Ölwaggons stehen ebenso lange Güterzüge, die mit den Stämmen des in meiner Videoschleife festgehaltenen sibirischen Waldes beladen sind. Bei diesen Anblicken stelle ich mir die sicher etwas unromantische Frage, warum so viele Politiker in Europa die EU lieber in Ostanatolien enden lassen wollen als in Sibirien.
Im Inneren unseres Zuges teilen wir unser 4er Abteil mit Iwan und Elena. Iwan kommt ursprünglinglich aus der Unkraine und lebt jetzt in einem 7.000 Seelendorf 200 km nördlich unseres Zielortes Salekhard und damit ebensoweit nördlich des Polarkreises. Auf unseren Karten ist dort zwar keine menschliche Ansiedlung mehr verzeichnet, aber wie wir merken, hat das nichts zu sagen. Die Eisenbahn fährt nicht bis zu Iwans Dorf, stattdessen im Sommer jeden zweiten Tag von Salekhard ein Schiff auf dem Obbusen entlang. Im Winter ist der zugefroren, so dass man dann mit dem Auto nach Salekhard fahren kann. Im Sommer ist das nicht möglich, denn es gibt keine Strasse. In seinem Dorf arbeitet Iwan als Erzieher in einem Internat, in dem währen der Sommerzeit die Kinder der Rentierzüchter untergebracht sind. Die Rentierzüchter ziehen dann mit ihren Herden durch das Land und könnten unterwegs den Kindern keine regelmäßige Schulausbildung bieten. Der eigentliche Grund für die Existenz dieses Dorfes nördlich des Polarkreises ist das Erdgas, welches dort gefördert wird. Iwan mag wie fast alle Russen sehr gern viel Bier. Momentan hat er Urlaub und kommt so auf ca. 15 Flaschen am Tag. Wenn er arbeitet sind es so 7 bis 8. Auf unserer Zugfahrt hält er sich aber zurück, was nicht zuletzt an Elena liegt.
Die Endvierzigerin Elena kommt ebenfalls aus dem Urlaub, den sie an der russischen Schwarzmeerküste in der Nähe des Badeortes Sotschi verbracht hat. Sie hält der neuen Mode, dass alle ständig und überall Bier trinken, überhaupt nichts. Schuld sei auch die ständige Bierwerbung im Fernsehen, die die Jugend zum Biertrinken verleitet. Das hätte es früher nicht gegeben. Soredet sie auch auf Iwan ein und schmälert so seine Freude am Bier.
Elena wohnt und arbeitet ebenfalls im Norden als Sozialarbeiterin in einem Heim für psychisch kranke Kinder. Sie hat jetzt noch ein paar Tage Urlaub übrig, die sie dazu nutzen wird, ihren Sohn in einer anderen Stadt des Nordens zu besuchen.
Elena und Iwan geben sich beide Mühe, unser Russisch noch etwas zu verbessern. Insgesamt scheint ihnen aber das Konzept des Abenteuerreisens eher fremd zu sein, weshalb sie unsere Art zu reisen als exotisch empfinden. Auf jeden Fall haben wir eine angenehme Reisebegleitung erwischt.
Moskau, 18. Juli 2006
Vorfreude auf die russische Eisenbahn
Nachdem wir letzte Woche unsere weitere Russlandroute geplant hatten, gings ans Kaufen der Fahrkarten. Endlich hatten wir Gelegenheit, unsere Russischkenntnisse so richtig zur Anwendung zu bringen. Nachdem wir bereits mitbekommen hatten, dass die Wartezeiten am Ticketschalter auf dem Campus der Uni ganz erheblich sind, haben wir die Gelegenheit ergriffen und sind direkt als erste zur Öffnung des Büros um 10 Uhr erschienen. Zu unserer nicht wirklich grossen Überraschung war natürlich zu dieser Zeit noch niemand anzutreffen, der Fahrkarten verkaufen würde.
Stattdessen liefen wir den an diesem Tag besonders martialisch ausgestatteten Eingangskontrolleuren am Unigelände in die Arme. Diese wollten uns trotz Studentenausweis erst gar nicht reinlassen, da an diesem Tag Prüfungen geschrieben wurden. Warum man dafür allerdings Wachmänner mit kugelsicheren Westen benötigt, war uns nicht so ganz klar. Mogeln bei der Prüfung scheint in Moskau ungemütliche Folgen haben zu können.
Nachdem gegen 20 nach 10 endlich jemand am Fahrkartenschalter erschien, wurden wir vorgelassen und waren tatsächlich die ersten. Der Mensch hinter dem Schalter gab sich dann auch richtig Mühe, unser Russisch zu verstehen und erklärte uns die Unterschiede zwischen den einzelnen buchbaren Plätzen in den russischen Zügen. Da die erste Klasse (2er Abteile) aus Kostengründen für uns eher nicht so in Frage kam, konzentrierten wir unsere Bemühungen auf die zweite (Coupè = 4er Abteil) und die dritte Klasse (Platzkartnoy = Großraumliegewagen). Den meisten Teil der Strecke werden wir in der dritten Klasse reisen. Dort ist es nach Auskunft des Menschen hinter dem Schalter wichtig, möglichst in der Mitte des Waggons einen Platz zu haben, denn dann laufen die Leute auf dem Weg zum Klo an den Enden des Wagens nicht ständig an einem vorbei. Nun, wir werden sehen, ob er uns tatsächlich gute Karten verkauft hat. Die ersten beiden Tage von Moskau nach Salekhard am westsibirischen Polarkreis werden wir allerdings erstmal zum eingewöhnen im Coupè verbringen.
Für den letzten russisches Territorium berührenden Teil unserer Strecke von Irkutsk am Baikalsee nach Ulan-Bator in der Mongolei konnten an dem Schalter an der Uni keine Fahrkarten erwerben sondern wurden zum internationalen Ticketschalter auf Belorussischen Bahnhof geschickt. Hier konnten wir erst richtig alle Kniffe des russischen Fahrkartenkaufs ausprobieren. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um die hohe Kunst des richtigen Schlangestehens. Insgesamt gab es ca. 10 verschiedene Schlangen. Wichtig ist es, mit möglichst vielen Familienmitgliedern aufzutauchen, damit man in jeder Schlange einen positionieren kann. Sollte die Familien nicht gross genug sein bzw. man kann Oma und Opa nicht auch noch zum Schlangestehen motivieren, dann gibt es einen einfachen Trick, wie man sich dennoch in allen Schlangen gleichzeitig anstellen kann: Man geht einfach, stellt sich ca. 30 Sekunden in die Schlange und sagt der Person hinter einem Bescheid, dass man gleich wiederkommt. So kann man dann zwischen allen Schlangen hin- und her wandern und schauen, wo man zuerst drankommt. Da ich das zunaechst nicht ganz begriffen hatte, habe ich mich glatt mit einer Frau vor mir angelegt, die sich nach meiner Auffassung reindraengeln wollte. Nachdem Sie aber den Menschen vorstellte, dem Sie erklaert hatte, dass sie gleich wiederkommt, war auch mir das Prinzip klar. Ich denke, dass uns das noch vielfach weiterhelfen wird, da wir dass auch bei anderen Schlangesteh-Gelegenheiten ebenfalls beobachten konnten.
Moskau, 08. Juli 2006
Die Mutter des Lernens
"Sprechen Sie Russisch" steht auf unserem Lehrbuch, welches uns auch ohne Ausrufungszeichen im Titel taeglich im 4. Stockwerk der Lomonossow Universitaet mit echten Herausforderungen konfrontiert.
Ich komme mir vor wie in der 5. Klasse. Unsere Lehrerin will von mir wissen, wie man im Russischen sagt: "1,2 und viele Schwestern". Also los geht’s: "Odna sestra, dwe sestreu, mnogo sestrow". "Olaf, welches Geschlecht hat das Wort sestra (Schwester)??" hoere ich vollster Enttaeuschung von der anderen Seite des Pults. Okay, war also nicht richtig: "Weiblich." "Also wie heisst das dann richtig?" schlaegt es mir in ungeduldigen Russisch entgegen. Das weitere Raetselraten moechte ich an dieser Stelle lieber nicht wiedergeben. Wichtig erscheint mir jedoch der Leitspruch unserer Lehrerin Anna Andreewna "Die Wiederholung ist die Mutter des Lernens". Um uns von der Wichtigkeit ihres Lei(d)spruchs zu ueberzeugen, laesst sie ihn uns auch regelmaessig auf Russisch aufsagen.
Wir, das sind in taeglich wechselnder Zusammensetzung: Linda, Gabriel, Peter, Maja, Leif und Renata, Sabine und ich. Taeglich wechselnde Zusammensetzung deshalb, weil abwechselnd jeder mal Ferien einlegt, wie es ihm gerade passt. So war Maja gerade in ihrer Heimat Israel und hat Renata mitgenommen. Maja ist mit einem Russen verheiratet, der selbst zehn Jahre lang in Israel war und jetzt zusammen mit seiner Frau und drei Kindern nach Moskau zurueckgekehrt ist. Renata ist Brasilianerin und lebt mit ihrem hollaendischen Freund zusammen in Moskau, weil dieser hier arbeitet. Peter ist Australier und hat in Moskau zwei Jahre bei einer Private Equity Firma gearbeitet. Jetzt ist er auf der Suche nach einem neuen Job. Leif kommt aus Schweden und unterrichtet dort Japanisch. Russisch ist die 23. Sprache, die er lernt. Linda ist ebenfalls Schwedin und Jurastudentin. Sie hat in der Schule Russisch gelernt, weil sie noerdlich des Polarkreises aufgewachsen ist, und ihr Ort regelmaessig einen Schueleraustausch zu dem nahe gelegenen russischen Murmansk organisiert hat.
Jetzt sitzen wir hier alle zusammen und versuchen die jeweils richtigen Endungen der sechs Faelle der russischen Sprache zu erraten. Die Universitaet ist im besten Stalinschen Stil von 1949-1953 erbaut worden und seitdem in allen wesentlichen Dingen wohl nicht mehr veraendert worden. Es ist ein riesiger Hochhaus bau, in dem sich nicht nur die Hoersaele sonders gleichzeitig das Studentenwohnheim und die Mensa befindet.
"Olaf: 1,2, viele Schwestern bitte??" Da bin ich wohl mal wieder vom Thema abgekommen. Wie war das nochmal: Wiederholung ist die Mutter des Lernens...
Moskau, 6. Juli 2006
Ôóòáîëüèîé Ìàòø (Fussballspiel)
"Eigentlich wollte ich die Tage enspannt in der Sonne auf einer Wiese im Gorki-Park verbringen. Statt dessen schifft das hier.", sagte ich zu Sabine. "Keine Sorge, das kommt schon. Letze Woche war es richtig heiss.", hoerte ich eine kraeftige Maennerstimme von links. Die Stimme gehoerte Udo aus Hannover, der gerade mit einem

