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Russisch Sprachkurs

Reiseroute / Russland

Russisch Sprachkurs


Hauptstadt der Samoware
Zwei Wochen im Sprachenzentrum der MGU

Fuer 6 EUR pro Unterrichtstunde und ab 10 EUR pro Uebernachtung in einer Gastfamilie kann man an der MGU seine Russischkenntnisse aufbessern. Wir haben den Test gemacht.

Heute ging während des Unterrichts plötzlich die Tür auf und es standen zwei neue Studenten in unserem Auditorium: Rolf aus der Schweiz und John aus Grossbritannien. Sie mussten sich gleich mal auf Russisch vorstellen, bevor wir ihnen Fragen stellen sollten. Vor einer Woche platzten wir hier genauso rein und das kam so:

Unter www.rlcentre.com empfängt den an russischer Sprache interessierten Besucher das Abbild ausladender stalinistischer Architektur: das Hauptgebauede der MGU, dem Auslaender besser bekannt als Lomonossow-Universität. Auf vier Sprachen werden die Vorteile des Russischunterrichts an dieser renomierten Institution in der Hauptstadt der russischen Sprache ausführlich erläutert. Das hat uns davon ueberzeugt, es einmal auszuprobieren.

"Wir warten auf Euch am Montag um 12.00 Uhr in unserem Buero." hieß in der Bestaetigungsmail, die wir nach dem Ausfuellen des Online-Anmeldeformulars in Deutschland erhalten hatten. Als wir um 12 Uhr an dem beschriebenen Ort auf dem Campus der MGU auftauchten, war Warten in der Tat ziemlich angesagt. So warteten rund 15 Studenten vor dem Buero des Sprachenzentrums und nochmal soviele darin. Im Buero sassen hinter drei Schreibtischen drei optisch durchaus ansprechende Russinnen.

Nach der etwas eindringlich vorgetragenen Frage, wer denn hier fuer die Russisch-Kurse zustaendig sei, wurde uns sofort ein Platz direkt bei einer der Damen angeboten und wir waren dran. Das Warte-System beruhte also offensichtlich auf dem Grundsatz, wer am meisten Stress macht, wird als erstes abgefertigt. Um die anderen Wartenden nicht zu kurz kommen zu lassen, arbeitete unsere Ansprechpartnerin allerdings extensiv an ihren Multitaskingfaehigkeiten. Nach zahlreichen parallel gefuehrten Telefongespraechen,  Abfertigung anderer Studenten und Unterbrechungen durch einen Angestellten des Departements, der offensichtlich keinen eigenen Schreibtisch besass, waren wir nach ca. einer Stunde auf dem Weg zu unserem Unterricht.

Genau wie heute Rolf und John standen wir vor einer Woche ploetzlich waehrend des Unterrichts in diesem Raum, mussten uns auf russisch vorstellen und unsere verdutzten Mitstudenten sollten uns Fragen stellen. "Es ist wieder Montag, da ist es immer etwas chaotisch.", meinte Irina, unsere Russischlehrerin, beilaeufig.

Wer sind nun die Menschen, die an der MGU Russisch lernen wollen? Zunaechst einmal ist zu sagen, dass die Zusammensetzung der Gruppe nahezu taeglich wechselt, da jeder nach eigenem Ermessen mal Ferien einlegt. So war unsere Mitstudentin Maja gerade in ihrer Heimat Israel und hat Renata, ebenfalls aus unserem Kurs, mitgenommen. Maja ist mit einem Russen verheiratet, der selbst zehn Jahre lang in Israel war und jetzt zusammen mit seiner Frau und drei Kindern nach Moskau zurueckgekehrt ist. Renata ist Brasilianerin und lebt mit ihrem hollaendischen Freund zusammen in Moskau, da dieser hier arbeitet. Dann gibt es da noch Peter aus Australien, der in Moskau zwei Jahre bei einer Private Equity Firma gearbeitet hat. Jetzt ist er auf der Suche nach einem neuen Job. Linda und Leif sind zwei Mitstudenten aus Schweden. Leif unterrichtet dort Japanisch an einem Gymnasium. Russisch ist die 23. Sprache, die er lernt. Linda studiert in ihrer Heimat Jura. Sie hat in der Schule Russisch gelernt, weil sie noerdlich des Polarkreises aufgewachsen ist, und ihr Ort regelmaessig einen Schueleraustausch zu dem nahe gelegenen russischen Murmansk organisiert hat.

Jetzt sitzen wir hier alle zusammen und versuchen die jeweils richtigen Endungen der sechs Faelle der russischen Sprache zu erraten. Ganz besonders beliebt ist auch das Spiel "Ein, zwei, viele". Unsere Lehrerin will von mir wissen, wie man im Russischen sagt: "1,2 und viele Samoware". Also los geht’s: "Odin Samowar, dwe Samowareu, mnogo Samowarow". "Olaf, wie lautet der zweite Fall singular von Samowar??" hoere ich vollster Enttaeuschung von der anderen Seite des Pults. Okay, war also wohl nicht richtig.

Wieso nun eigentlich ausgerechnet Samoware? Nun, das bevorzugte Lehrbuch an der MGU heisst Samowar. So haben wir auch gelernt, dass Tula die Hauptstadt der Samoware ist, weil dieses spezielle Geraet zur russischen Teezubereitung dort erfunden worden ist. Daran werden wir dann auch jeden Tag erinnert, denn der Leitspruch unserer Lehrerin Irina lautet: "Die Wiederholung ist die Mutter des Lernens".

Sabine & Olaf Börner

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