Russland mit deutschen Augen
Wenn man von Deutschland aus im Internet nach Informationen ueber Russland sucht, stoesst man schnell auf www.aktuell.ru. Hier findet man ein erstaunlich umfangreiches deutschprachiges Angebot an Informationen ueber Politik, Wirtschaft, Reisen etc. in Russland. Uns hat interessiert, wie diese Website zustande kommt und warum es in Russland ueberhaupt Deutsche gibt, die ein solches Angebot ins Internet stellen.
Nachdem wir mit dem Gruender und Chef von Russland-Aktuell, Gisbert Mrozek, von Deutschland aus
Kontakt aufgenommen hatten, konnten wir jetzt die Redaktion von innen besichtigen und uns mit zwei Redakteuren intensiver unterhalten. Uns hat neben der Story von Russland-Aktuell vor allem die persönlichen Bewehgründe interessiert, die Deutsche dazu veranlassen, sich Russland als zweite Heimat auszusuchen. Ausserdem wollten wir natuerlich ein wenig Insider-Wissen über Russland in Erfahrung bringen.
Unser erster Gesprächspartner war Karsten Packeiser. Karsten ist wie die anderer Journalisten auch grundsaetzlich freiberuflich bei Russland-Aktuell beschaeftigt. Er nutzt die Website, um seine journalistische Arbeit zu präsentieren und potentielle Kunden in Deutschland auf sich aufmerksam zu machen. Potentielle Kunden sind deutsche Medien, die Stories über Russland bei Karsten in Auftrag geben.
Karsten ist vor 11 Jahren nach Russland gekommen. Der ausschlaggebende Grund für ihn war seine heutige Frau Anna, die er während eines Schüleraustausches kennengelernt hatte. Als überzeugte Moskauerin (russisch: Moskwitschka) kam für Anna ein Leben in Deutschland nicht in Frage. So hat Karsten beschlossen, seinen journalistischen Ambitionen in Russland nachzugehen.
Karsten fasziniert an seiner journalistischen besonders die Geschichten über aussergewöhnliche menschliche Charaktere. Er findet, dass es davon in Russland sehr viele gibt und daher macht ihm seine Arbeit hier besonders viel Spaß. So konnte Karsten z.B. über einen russischen Popen berichten, der sich in seinem Kloster Junkies hilft, wieder clean zu werden. Eine andere Story handelte von einem Mann in Tartastan, der in seinem Wohnhaus eine Kirche aller Religionen einrichtet, also einen Teil als orthodoxe Kirche, den nächsten als Synagoge usw..
Besonders angenehm findet es Karsten, dass es ihm leicht fällt, aufgrund ihrer herzlichen Art unter den Russen viele Freunde und gute Bekannte zu finden. Insgesamt glaubt er, in Russland freier und mit wenigeren Zwängen als in Deutschland leben zu können. Unter den Russen herrsche weniger Konformismus als unter den Deutschen. Zu den weniger angenehmen Seiten des Lebens in Russland zählt dass Gesundheits- und das Rechtssystem. Krank wird man besser nicht und Recht zu bekommen, ist wohl auch nicht so einfach. Insgesamt hat sich das Leben in den letzten Jahren aber sehr vereinfacht. Während man früher für Staubsauger, Schraubenzieher und Haribo-Bären an drei verschiedene Enden der Stadt fahren mußte, ist heute alles zusammen in dem Supermarkt um die Ecke zu haben.
Karstens Empfehlungen für einen Russlandbesuch sind der Moskauer Prominentenfriedhof Nowodewitschi, das Wolgadelta am Kaspischen Meer und der Badeort Sotschi am Schwarzen Meer.
Christian Jahn, unser zweiter Gesprächspartner, ist über ein Slavistik-Studium zu seiner Liebe zu Russland gekommen. Beim einem Polenbesuch während des Zivildienstes ist er zum ersten Mal mit osteuropäischer Lebensart in Berührung gekommen. Später hat er dann noch in Sankt Petersburg und in der Ukraine studiert. In Moskau hat er eine Zeit lang den russischen Teenie-Titel "Cool" des Burda-Verlags betreut. Jetzt arbeitet er bei Russland-Aktuell und ist neben der journalistischen Berichterstattung über Moskau damit beschäftigt, die Website www.aktuell.ru bei potentiellen Werbekunden noch besser zu vermarkten.
Christian findet, dass es in Russland und ganz besonders in Moskau so etwas wie eine Gründerzeit gibt. Als Seiteneinsteiger in das journalistische Metier sind nach seiner Ansicht die Bedingungen für eine slebständige Arbeit in Russland besonders gut.

