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Máncora, 12. Mai 2007

Feierabend?

Aus, vorbei und Feierabend. Heute in einer Woche werde ich um diese Uhrzeit wieder in unserer Hamburger Wohnung sein und die Mission Weltreise ist Geschichte. Irgendwie ist das ein wirklich komisches Gefühl. Wie wird das sein, wenn einem die Tagesaufgaben wieder 10 Stunden täglich und mehr auf Trab halten? Na ja, eigentlich hatten wir während der letzten 11 Monate eigentlich auch keine Halbtagsstelle. Weltreisen ist echte Arbeit, auch wenn uns das zurück in Deutschland wahrscheinlich niemand glauben wird.

Nach unserer Rückkehr
aus Patagonien hatten wir wie immer noch mal richtig Gas gegeben, um von den vielen Attraktionen Südamerikas wenigstens noch einen Teil mitzubekommen. Zunächst hatten wir aber die Airlinepleite von Lloyd Aero Boliviano (LAB) zu überwinden, die uns eigentlich nach von Buenos Aires in die bolivianische Hauptstadt La Paz befördern sollte. Das Ticket hatten wir vor unserer Abreise nach Patagonien gekauft, als Sabine dann zwei Tage vor Abflug die Rückbestätigung vom Reisebüro einholen wollte, hatte das Unternehmen seinen Flugbetrieb eingestellt. 500 EUR ärmer und um eine Erfahrung reicher haben wir dann ein noch dazu wesentlich günstigeres Last Minute Ticket auf dem Flughafen von Buenos Aires erworben.

Angekommen in La Paz, haben wir erstmal ins Hotel Rosario eingecheckt und es locker angehen lassen. Nach unseren Erfahrungen aus Tibet wussten wir, dass 20 kg Rucksäcke quer durch die Stadt schleppen nicht der wirklich gute Plan ist, wenn man innerhalb von 2,5 Flugstunden von 0 auf knapp 4.000 Höhenmeter aufsteigt. Da La Paz aus unserer Sicht wie die meisten Groβstädte in Entwicklungsländern nicht so die Knallerstadt ist, haben wir uns dann auch die meiste Zeit dank kostenlosem WiFi mit dem Up-date unserer Internetseite und Organisation unserer weiteren Reise beschäftigt. Ein einen ganzen Tag in Anspruch nehmender Abstecher in das Büro der Pleite-Airline LAB hat uns leider mangels vorhandener Cash-Bestände unsere 500 EUR auch nicht zurückgebracht. Möglicherweise war es aber auch garnicht schlecht, daβ wir nicht mit LAB geflogen sind. Die gesamte Büroeinrichtung des zweistöckigen Hauptstadtbüros war keine 500 EUR wert (ich hätte unsere ausstehende Forderung sonst direkt aus der Konkursmasse bedient). Wenn das Fluggerät genauso aussah...

Um die Tage nicht zu eintönig werden zu lassen, habe ich dann einen zweitägigen Spontanausflug in die Salzwüste Salar de Uyuni angeregt. Konkret hieβ das 12stündige Nachfahrt im Bus hin, 2 Tage Jeep-Safari mit Übernachtung im Wüstencamp und eine weitere 12stündige Nachtfahrt zurück nach La Paz. Ziemlich stressig das Ganze, aber im Nachhinein hat es sich mehr als gelohnt. Die Landschaft in der Salar ist wirklich einzigartig und die Sonnenauf- und Untergänge sind ein echtes Naturschauspiel. Wie an den meisten Attraktionen Südamerikas tummeln sich auch hier inzwischen jede Menge Touris. Obwohl ich derlei normalerweise nicht besonders mag, hatte es diesmal doch den Vorteil, dass wir diesmal eine sehr illustre Ausflugstruppe am Start hatten. Zusammen mit den Australiern Paul & Robby, den Israelis Leon und Marone und dem Amerikaner Jerry hatten wir viel Spass.

Zurück in La Paz sind wir aus dem Nachtbus raus und gleich in den nächsten Bus zum ca 3,5 Stunden entfernten Copacabana am Titicaca See gestiegen. Den ganzen Zeitstress hatten wir, da wir unsere Wanderung auf dem Inka Trail zu den Ruinen von Machu Picchu bereits vor über zwei Monaten in Neuseeland für den 28. April fest gebucht hatten. Man muss so früh buchen, weil aufgrund der grossen Nachfrage und der auf 500 täglich beschränkten Personenzahl der Trail frühzeitig ausgebucht ist. Aktuell bekommt Plätze frühestens für Ende August / Anfang September.

Titicaca hat uns insgesamt nicht so vom Hocker gerissen. Es ist halt ein grosser See mit stellenweise sehr malerischer Landschaft. Copacabana ist ein einziger Touriort und erinnert von weitem ein wenig an ein Dorf in der Toskana zu Pfingsten, wenn die ganzen Münchner Lehrerfamilien angefahren kommen. Unser Ausflug auf die Isla de Sol mit einer ganzen weiterer Horde Backpacker war dann auch nicht mehr als eine ganz nette Inselwanderung, die allerdings den Vorteil hatte, die über 4.000 m Höhe stattzufinden. So konnten wir schon mal ordentlich für den Inka Trail trainieren. Um in dem früher heiligen Fels des Pumas, das namensgebende Tier des Sees, einen Puma zu erkennen, muss man schon ausserordentlich viele Kokablätter gekaut haben. Aber darin sind die Jungs hier ohnehin gut. Auch der Rest der sich auf der Insel befindlichen Ruinen ist nicht wirklich einen Besuch wert.

Aufgrund der ohnehin knappen Zeit und der Tatsache, dass die "schwimmenden Inseln" in der Nähe von Puno von den Einheimischen nur noch zum Souvenirverkauf benutzt werden, hatten wir beschlossen, direkt nach Cusco durchzufahren. Der sogenannte Direktbus von Copacabana war allerdings keiner, so dass wir mal wieder gute 12 Stunden in gammeligen Bussen und auf wenig beschaulichen Busbahnhöfen abgehangen haben, bevor wir endlich in Cusco ankamen. Das dortige Hostel hat uns positiv überrascht, so dass wir uns zwei Tage später ausgeruht auf den Inka Trail begeben konnten.

Wie der Inka Trail ist, schaut Ihr Euch am besten in unserer Fotostory an. Insgesamt waren die 4 Tage dank guter Akklimation weniger anstrengend als erwartet. Zusammenfassend würde ich den Inka Trail mal als eine gelungene Produktentwicklung der peruanischen Tourismusmanager bezeichnen. Man kommt an einer ganze Menge Ruinen vorbei, aber die wirklichen Inkas sind die Strecke von Cusco lieber im Tal entlang der heutigen Eisenbahnstrecke gelaufen, anstatt sich über 4.000er Pässe zu quälen. Trotz der eingeführten Beschränkung von 500 Personen täglich ist der Trail ziemlich voll. Für ein ungestörtes Naturerlebnis wandert man doch lieben woanders in den Anden. Mach Picchu selbst ist in der Tat sehr eindrucksvoll und besticht insbesondere durch das einmalige Setting inmitten der Bergwelt der Anden. Leider weiss man heute nur noch sehr wenig über das Leben der Inkas, so dass sich aus den Ruinen nur eine Menge von Theorien und Vermutungen ableiten lassen. Ich konnte mir aufgrund der Ausführungen unseres Führers jedenfalls das damalige Alltagsleben nicht wirklich vorstellen.

Die letzte Woche haben wir hier in Máncora am Strand verbracht. Insgesamt der dritte Platz auf unserer 11monatigen Reise, an dem wir mehr als 5 Tage am Stück verbringen. Wir haben schönes Hotel direkt am Strand und die Meeresbrandung ist hier phänomenal. Zum Schwimmen ist das Meer daher nur bedingt geeignet, aber der Sound ist einmalig und nach Südostasien kommt erstmals wieder richtiges Urlaubsfeeling auf. Ihr werdet sicher fragen, was wir sonst für ein Gefühl auf unserer Reise hatten, wenn schon kein Urlaubsgefühl. Ich würde es mal als eine Mischung aus Entdeckergeist und Beobachtung der globalen Tourismusindustrie bezeichnen. Richtige Abenteuer gibt es heute noch wenige. Einige habe ich aber schon für zukünftige Reisen identifiziert. Ich sage nur Antarktis, Zentralasien entlang der Seidenstrasse und auf dem Pferd durch die Mongolei. Ihr dürft gespannt sein!

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