Cusco 25. April 2007 - 300.+1 Tag
Illusions
Es war bereits dunkel, als wir in La Paz, Bolivien landeten, mit 4.200 Metern, dem höchsten Flughafen der Welt. Unser Airport-Pick-Up wartete zum Glück auch schon auf uns, der uns zu unserem Hotel brachte. Ich weiβ gar nicht wann und wo wir vorher negative Berichte was die Sicherheitslage angeht gehört hatten, aber wir waren uns einig, die ersten Tage im neuen Land noch achtsamer zu sein, als bisher. Eins war uns noch klar, nachdem sowohl Chile und Argentinien auf uns sehr europäisch gewirkt hatten, hier wird es richtig südamerikanisch.
Illusions
Es war bereits dunkel, als wir in La Paz, Bolivien landeten, mit 4.200 Metern, dem höchsten Flughafen der Welt. Unser Airport-Pick-Up wartete zum Glück auch schon auf uns, der uns zu unserem Hotel brachte. Ich weiβ gar nicht wann und wo wir vorher negative Berichte was die Sicherheitslage angeht gehört hatten, aber wir waren uns einig, die ersten Tage im neuen Land noch achtsamer zu sein, als bisher. Eins war uns noch klar, nachdem sowohl Chile und Argentinien auf uns sehr europäisch gewirkt hatten, hier wird es richtig südamerikanisch.
Nach Lhasa war es das zweite Mal auf unserer Reise, dass wir abrupt in der Höhe gelandet sind und wir haben dazu gelernt: "Alles ganz ruhig angehen lassen!" war die Devise für die ersten zwei Tage und es hat sich ausgezahlt, denn wir hatten dieses Mal keinerlei Probleme mit der Höhenkrankheit.
Den ersten Tag verbrachten wir hauptsächlich im Büro der Aereo Lloyd Boliviano, kurz LAB, in der Hoffnung doch noch irgendetwas von unserem bezahlten Flugpreis wiederzusehen. Aber Pleite ist pleite, keine Cashbestände mehr vorhanden. Vielleicht bekomme ich irgendwann noch mal etwas aus meine Kreditkarte erstattet. So richtig glauben wir aber nicht daran. Ebenfalls meine zahlreichen Telefonate mit meiner Kreditkartenfirma haben nicht weitergeholfen. Jeder im Call-Center erzählt einem etwas anderes. Das ist fast wie zusätzliche Geldverbrennung. Auch im Büro selbst sah nicht mehr nach Wert aus, und die groβe LAB-Wanduhr hätte auf Ebay auch nur maximal 1 Euro gebracht.
Die restlichen Tage verbrachten wir sehr entspannt und bauten mal wieder an unserer Webseite herum, ein never ending Projekt. Nach drei Tagen in La Paz wollten wir weiter zum Titicacasee fahren. Bus war schon gebucht und Hotel reserviert, als Olaf auf einem Plakat ein Foto von der Salzwüste sah. "Da will ich hin!" Naja wir können uns ja wenigsten mal informieren, dachte ich. Ungefähr eine Stunde später verlieβen wir das Reisebüro mit zwei Returntickts für den Nachtbus und einer zweitägigen Wüstentour mit einen Jeep.
Die erste Nachtbusfahrt war gar nicht so schlimm. Ich konnte sogar einigermaβen gut schlafen. Der richtige Spaβ ging erst los, als wir ankamen. Pick-up vom Busbahnhof hieβ ziemlich verschlafen hinter einer Frau herzurennen und die ca. 30 kg Gepäck einmal durch den Ort schleppen. Im Büro ankommen, hieβ es wir fahren um 11 Uhr los (in La Paz war es noch um 9 Uhr). Na wenigstens hatten wir so ausreichend Zeit zu frühstücken. Kurz vor der Abfahrt erhöhte sich die Teilnehmerzahl von max. 6 auf 7. Dafür wurden die Aufgaben des versprochenen englischsprachigen Führers und Koch an den Fahrer delegiert, der wie sich herausstellte, aber nur spanisch sprach. Die Schlafsäcke waren auch nicht mehr inklusive. Als sich während der Tour auch noch die komplette Route änderte beschlossen wir, uns nicht mehr aufzuregen, auch wenn wir scheinbar in La Paz eine völlig andere Tour gebucht hatten.
Trotzdem hatten wir Glück, denn unsere Gruppe war eine extrem lustige Gruppe und das macht bei einer solchen Tour ungefähr 90% des Spaß aus. Wir waren sehr international, Jerry der weitgereiste Amerikaner, das junge israelische Paar Leo und Moron und die beiden etwas älteren Australier Robby und Paul.
Die Salzwüste selbst ist sehr beeindruckend, soweit das Auge reicht reines, weißes Salz, ganz glatt soweit das Auge reicht. Auf den ersten Blick denkt man, man befindet sich auf einem Schneefeld, nur es ist warm und es ist überhaupt nicht glatt. Während wir über die Umgebung staunten, machten die Israelis nur eins, Fotos. Das ist der Hauptgrund hierher zu kommen, erklärten sie uns, durch den Ebene und den weiβen Hintergrund kann man sehr einfach Illusionen erzeugen, einfach indem Objekte und Personen in unterschiedlichen Entfernungen aufgestellt werden. Die Fotos, die sie uns dann zeigten, haben uns überzeugt, es selbst auszuprobieren.
Die Nacht verbrachten wir zu Füßen eines Vulkans. Leider waren zwar die versprochenen Flamingos nicht anwesend, aber dafür hatten wir ein eigenes Zimmer, o.K. es war nicht wirklich anheimelnd, aber wir sind mittlerweile einiges gewöhnt und waren zufrieden. Vor unserer Tür grasten um die hundert Lamas, die wir schnell als Ersatzfotomotiv entdeckten.
Am nächsten Morgen bestiegen wir den Vulkan, ein kleiner Vorgeschmack auf Wandern in der Höhe, denn hier befanden wir uns ungefähr auf 4.000 Meter in der Höhe. Das bedeutet ungefähr nur noch die Hälfte des Sauerstoffgehalts in der Luft. Als erstes machten wir ein Zwischenstopp bei den "Mumies". Ich habe mir vorher gar nicht so viele Gedanken darüber gemacht, als wir am Abend über diese diskutiert haben. Jetzt muβte ich aber feststellen, dass es ganz schön scary ist, in einer Höhle zu stehen und die Reste von Menschen zu sehen, die genau an diesem Ort gestorben sind, zumal man sehen konnte, dass diese nicht friedlich gestorben sind. Gleichzeitig strömte der Ort eine besondere Faszination aus, denn wie oft hat man schon die Möglichkeit so etwas zu betrachten?
Am Nachmittag hatten wir wieder ausreichend Zeit für ein letztes Fotoshoting. Dann ging es zurück nach Uyuni. Dort hatten konnten wir noch Abendbrot essen, bevor es wieder in den Nachtbus ging. Dieses Mal hatte ich nicht soviel Glück. Mein Vordermann beschloβ seinen Sitz umzuklappen, bis auf meine Kniescheiben. Super ich kann meine Beine nicht mehr bewegen dachte ich, schaffte es aber doch irgendwie einzuschlafen. Mitten in der Nacht wachte ich auf, es war unglaublich heiβ im Bus, mein eines Bein war eingeschlafen und ich konnte mich nur von der Hüfte aufwärts an bewegen. Neben mir schlief Olaf und ich konnte mich auch nicht in den Gang stellen. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich Platzangst hatte. Einige Zeit später stiegen aber einige Fahrgäste aus und Olaf setzte sich auf einen leeren Doppelsitz und wir hatten beide mehr Platz.
Morgens um 7.00 kamen wir in La Paz an und um 8.00 Uhr fuhr bereits unser Bus zum Titicacasee, zu dem Ort mit dem netten Namen Copacabana. Hier mieten wir uns für zwei Tage in ein Hotel ein, mit Seeblick und Ölradiator 13 US-$, ein echtes Schnäppchen.
Am nächsten Tag ging es mit dem Boot über den See zur Isla del Sol. Spontan beschlossen wir den 8 km Wanderweg über die Insel zu Laufen, denn die Sehenswürdigkeiten aus der Inkazeit rissen uns nicht wirklich vom Hocker. Der Weg war aber wirklich sehr schön, zumal man fast immer Blick auf den See hatte. Zusätzlich war es eine letzte gute Vorbereitung auf den Inka-Trail, auf den wir uns noch diese Woche begeben wollen.
Heute morgen um 9 Uhr saβen wir bereits wieder im Bus nach Cusco. Die Grenzabfertigung verlief ohne Probleme und so betraten wir unser letztes Land auf unserer Weltreise - Peru. Genau 300 Tage nachdem wir losgefahren sind. Der beworbene "Bus direkto" inkludierte einen Bustausch einschlieβlich längerer Wartezeit und zig Zwischenstopps. Zwei Stunden später als ursprünglich angegeben, gegen 8 Uhr abends trafen wir endlich in Cusco ein. Jetzt sind wir endlich in unserem Hotelzimmer, dass zwar sehr klein ist, aber gemütlich und einen unschlagbaren Blick über die Stadt hat.
Wir essen gleich Abendbrot, dass heute übrigens identisch mit unserem Mittag ist, trockene Brötchen und Pringles. Letztere lernt man übrigens beim Weltreisen sehr zu schätzen, sehr sättigend, fast überall käuflich zu erwerben und man ist absolut sicher kein Gesundheitsrisko einzugehen. Also die ideale Nahrung für Busfahrten und wenn man zu müde ist in einem neuen Land eine neue Stadt zu erkunden. Das steht für morgen früh auf dem Programm.
Santa Cruz 16. April 2007 - 291.+1 Tag
Back in Buenos Aires - und wie kommen wir hier wieder weg?
Es war schon nach Mitternacht, als wir in Buenos Aires ankamen. Das schwierigste war ein Taxi in die Innenstadt zu bekommen. Anders als in Deutschland warteten hier lange Menschenschlangen auf einzelne ankommende Taxis. Ebenfalls im Terminal, wo man für den doppelten Preis ein Taxi bestellen konnte, gingen die Wartezeit im Minutentakt höher. Bei uns waren es noch 20 Minuten, bis wir dann eine halbe Stunde später abgeholt wurden, waren es schon 60 Minuten.
Das Hostelzimmer war auch alles andere als gemütlich. Vor einem Jahr wäre ich wahrscheinlich noch rückwärts wieder rausgelaufen. Es war ein sehr hohes Zimmer, das irgendwann mal geviertelt worden war. Wir hatten wenigstens das Viertel mit einem kleinen Fenster zu einem Lüftungsschacht. Schnell bezog ich das Bett und wir schliefen bereits wenige Minuten später ein.
Am nächsten Morgen kurz nach dem Aufstehen kam mal wieder etwas völlig Unerwartetes. Ich war zur Citibank gelaufen, um Geld abzuheben, und habe dabei gleich im Reisebüro vorbeigeschaut, um die Flüge für Montag nach La Paz rückbestätigen zu lassen. Die nette Dame brauchte hierfür ziemlich lange, bis sie mir erklärte, das die Flüge gestrichen worden sein, die Airline - Lloyd Aereo Boliviano kurz LAB, aber keine Gründe hierfür angegeben hat und vor allem keine anderen Flüge. In den entsprechenden Büros war aber auch keiner erreichbar und so vertröstete sie mich auf Montag. Das fand ich gar nicht so gut, da wir ja Montag bereits fliegen wollten. Aber wir hatten in diesem Falle leider nicht viele andere Optionen. Als ich Olaf in Hostel anrief, um ihm zu sagen, dass ich später kommen würde, meinte er nur, Hauptsache die Airline ist nicht pleite gegangen. Die Reisebürofrau meinte, das sei unwahrscheinlich, denn es seien nicht alle Flüge gestrichen worden.
Als ich zurück ins Hotel kam, warteten schon Dirk und seine Freundin Headley auf mich. Dirk hatte mit uns einige Tage bei Beatriz gewohnt. Als erstes gingen wir etwas essen. Es war erst gegen 11 Uhr und eigentlich dachte ich mehr an Frühstück, aber irgendwie landeten wir in diesem merkwürdigen Laden und hatten ca. 20 Minuten später eine riesige dampfende Paella vor uns stehen, die aber trotz äuβerer Umstände sehr lecker war. Dirk erzählte uns während des Essens von seinen Abenteuern in Chile, wo er von Mendoza aus hingefahren war. Diese waren so unglaublich, dass man den Stoff dafür für einen eigenen Roman verwenden könnte. Als wir fertig waren regnete es drauβen in Strömen und so fuhren wir zum Museum der schönen Künste (freie Übersetzung von mir). Über die Vielfalt der Ausstellung insbesondere auch der Kollektion von Impressionisten waren wir beide positiv überrascht. Mir haben es aber besonders die Skulpturen von Rodin angetan, von denen es hier einige zu besichtigen gibt.
Nach unserem ausgiebigen Museumsbesuch sah das Wetter wieder wesentlich besser aus uns wir gingen zu dem nahe gelegenen Friedhof "Cementerio de la Recoleta.". In Paris gibt es einen ähnlichen Friedhof, erklärte Dirk. Ich hatte vorher noch nie so einen Friedhof gesehen. "Wie eine Stadt für die Toten" meinte Headley. Damit hatte sie vollkommen recht. Es gab richtige "Straβen" mit kleinen Häusern, die mit Särgen und Urnen bestückt waren. Desto weiter wir uns in das Geflecht hineinbewegten, desto weniger andere Leute sahen wir. Einige der Gebäude sahen ja wirklich ganz nett aus. Andere waren aber auch schon halb eingefallen und durch kaputte Fenster sah man die Särge vor sich hinschimmeln. Oh je, da bevorzuge ich dann doch lieber die mit Blumen geschmückte Erde, dachte ich. Dieser Ort hier hatte etwas Furcht einflöβendes.
Nachdem wir unser englisches Vokabular um so wichtige Worte wie "Särge" erweitert hatten, war es Zeit für eine Kaffeepause. Danach trennten sich unsere Wege und wir verabredeten uns zum Abendessen.
In der Zwischenzeit durchsuchten wir das Internet nach Neuigkeiten über Lloyd Aereo Boliviano und wurden ziemlich schnell auf der Seite des Auswärtigen Amts fündig. Die Airline hat seit dem 4.4. Alle Flugverbindungen eingestellt. Heute war der 14.4. und die Flugtickets hatten wir am 26.3. gekauft. Super, unsere erste Airlinepleite auf unserer Reise! Die Reisebürotante hatte uns eine kurze Mail geschickt, dass wir Montag früh in ihr Büro kommen sollen, sie hatte ebenfalls schon einen Ersatzflug für uns reserviert.
Abends fuhren wir dann zu Dirk. Die beiden hatten eine sehr kleine Wohnung, mit einem schönen Ausblick. Beide wollten lieber zu Hause bleiben und so unterhielten wir bei Wein und Picadas (eigentlich argentinische Vorspeise, die man mit Zahnstochern iβt, z.B. Käse- und Wurstwürfel, Oliven ...) über Gott und Welt.
Am nächsten Tag war Sonntag und wir hatten nicht bestimmtes vor. Aber wir waren uns einig, wir muβten raus aus unserem kleinen Zimmer, um keine Depression zu bekommen. Als erstes gingen wir in ein Café und frühstückten. Für alle die, die an dieser Stelle denken, das wir ja ein Vermögen in Restaurants gelassen haben müssen, sei noch mal kurz erwähnt, dass Argentinien sehr günstig ist, so dass das Frühstück für uns beide weniger als 10 Euro gekostet hat. Danach schlenderten wir durch die Stadt und entdeckten an einem Zeitschriftenstand deutsche Zeitschriften, die nur unwesentlich teuer, als in Deutschland waren. Wir kauften gleich zwei. Dann ging es in die Mall der Stadt, die "Galerias Pacifico". Allerdings machten wir hier mehr Windowshopping. Dann ging es mit den frisch erworbenen Zeitungen wieder in ein Café, um diese durchzuarbeiten. Nach so langer Zeit weg von zu Hause ist man fast süchtig nach Neuigkeiten aus der Heimat. So vertieft in unsere Lektüre merkten wir erst ziemlich spät, dass das zuvor leere Café plötzlich proppenvoll war. Warum? Fuβball stand auf dem Programm. Schon beim Einlauf der Mannschaften waren die Fans kaum zu halten und sangen und jubelten. Wobei die Fans der Mannschaft eins bei uns unten saβ und sie Fans von Mannschaft zwei aus dem ersten Stock zu hören waren. Auβen am Fenster standen noch mal so viele Leute, die das Spiel von drauβen verfolgten. So sahen wir auf von unseren Zeitungen und uns das Fuβballspiel mit an. Mit dem Ergebnis 1:1 schienen hinterher beide Fangruppen zufrieden gewesen zu sein. Jedenfalls war fünf Minuten nach Spielende das Lokal wieder leer.
An unserem letzten Abend machten wir etwas sehr touristisches. Wir gingen in eine Tangoshow. Es war keine professionelle Show, sondern ein Restaurant einige Häuser entfernt von unserem Hostel, in dem sich jedem Abend andere Künstler ausprobieren konnten.
Mir gefällt der Tango, nicht nur die Ausdruckskraft beim Tanz, das Rendevauz für 3 Minuten, sondern auch die Lieder, die immer sehr melancholisch wirken, fast traurig. Dazu eine passt am besten eine Flasche guter Rotwein. Nach einer halben Stunde fingen einige aus dem Publikum an mitzusingen und man konnte bei den Frauen die Tränen schimmern sehen. Am interessantesten war aber der Asiat Koshi, der das Bandeon spielte. Es schien aber die hier herrschende Improvisation nicht gewohnt zu sein, und verpasste fast jeden Einsatz, weswegen er viele Witze auf seine Kosten ertragen musste.
Heute früh packten wir vorsorglich unsere Sachen und fuhren zum Reisebüro. Eine Rückerstattung von unserem Geld könne sie uns nicht geben, erklärte die Frau vom Reisebüro, denn das Geld wird direkt von der Airline abgebucht. Das einzige was sie uns vorbereitet hatte, war ein Schreiben an die Airline, dass das Geld zurück bezahlt werden soll. Dass Reisebüros heute nicht mehr notwendig sind, darüber hatte Olaf ja schon mal einen Blog verfasst, das hier war ein weiterer Beweis dafür. Der Ersatzflug sollte in 2 Stunden fliegen und war erstaunlicherweise günstiger, als unser ursprüngliches Ticket. Eine neue Promotion erklärte sie uns. Wir sollten unser neues Ticket aber erst am Flughafen bezahlen, wenn wir wissen, dass wir den Flieger auch erreichen. Nachdem ich noch schnell ein Fax an meine Kreditkartenfirma geschickt habe mit der Bitte, den Betrag für die Flüge nicht abbuchen zu lassen, sprangen wir ins Taxi. Es war 10.20 und der Flieger ging um 12.10! "Pronto" lautete die Ansage an den Taxifahrer. Der war ganz stolz, dass wir nur 40 Minuten gebraucht hatten. Wir flitzten zum Aerolinas Argentinas Schalter, mit der Frage, ob wir es den Flieger noch schaffen können. Ja hieβ die Antwort nach einem kurzen Telefonat. Ich marschierte schon zum Check-in während Olaf bezahlte, immerhin hatte sich der Preis während unserer Fahrt zum Flughafen noch einmal verringert. Ungefähr 40 Minuten vor Abflug hatten wir eingecheckt. Trotzdem erforderte Bezahlung der Airporttax und die Durchleuchtung unseres Gepäcks einiges an Zeit. Als wir zur Immigration kamen, dachte ich, jetzt verpassen wir doch noch unseren Flieger. Dort standen mindestens 100 Leute vor uns! Aber hier war der Ablauf ungewöhnlich effizient. In weniger als 10 Minuten hatten wir den Stempel im Pass und rannten zum Gate. Davor wurden wir jäh aufgehalten, durch eine gerade errichtete Absperrung. Wir durften nicht weiter, weil Gas ausgelaufen sei. Unsere Fragen was mit unserem Flieger ist, blieben unbeantwortet, aber wenigstens standen wir nicht allein hier. Ungefähr eine Viertelstunde später sollten wir einem Flughafenmitarbeiter folgen zu einem Saal in dem wir weitere 15 Minuten warteten. Aber schlieβlich saβen wir im Flieger, wir hatten es geschafft. Die Frage bleibt nur, werden wir je das Geld für unseren anderen Flug wiedersehen?
Jetzt sitzen wir in Santa Cruz auf dem Airport, denn unser Anschlussflug geht erst in 3 Stunden. Wir haben schon das ganze Repertoire des Flughafens ausgetestet. Anrufen (das Hotel in La Paz für den Airport Pick-up), Emails abrufen (die Deutsche Botschaft in Lima hat sich gemeldet, unsere Rückflugtickets nach Deutschland sind angekommen, juchhu!), beim ATM Geld abholen (hier ist nichts los und im Reiseführer wurde davor gewarnt sich das frisch abgeholte Geld in La Paz gleich an der nächsten Straβenecke wieder abnehmen zu lassen) und Sandwich essen bei Subway (war nicht die Standartqualitiät, wir hoffen aber, dass wir uns nichts weggeholt haben). Mehr kann man hier nicht machen, daher beschäftige ich mich mit Blogschreiben, aber auch dass ist jetzt erledigt.
Ushuaia 13. April 2007 - 288.+1 Tag
In Patagonien - oder "Worlds End"
Es ist schon erstaunlich, wie der Titel des Buches, das ich gerade lese, zu dem Ort passt, in dem wir sind. Ushuaia ist die südlichste Stadt der Welt und gestern waren wir am Kap Horn, der südlichsten Spitze der Welt vor der Antarktis. Dabei habe ich das Buch "Worlds End" von T. C. Boyle schon in einem Bücherexchange in Vietnam gefunden, es aber bisher noch nicht geschafft zu lesen. Natürlich ist Handlungsort im Buch ein ganz anderer, aber ich kann es trotzdem sehr empfehlen zu lesen.
In Patagonien angekommen sind wir mit dem Flugzeug aus Buenos Aires am 27. März in El Calafate. Seit dem haben wir viel gesehen und erlebt, so dass ich beschlossen habe, diesen Blog nach den besuchten Orten zu gliedern, da ich fürchte, dass er mal wieder sehr, sehr lang wird.
El Calfate - Tor zum Moreno Gletscher
Als wir in El Calafate aus dem Flugzeug ausstiegen, empfing uns Wind, viel Wind der heulend um den Shuttelbus wehte, in dem wir saβen und auf unseren Transport zum Hostel warteten.
Unser Hostelzimmer selbst war nicht besonders schön, aber es hatte ein privates Badezimmer und eine Heizung. Die war auch notwendig, den hier unten im Süden ist es schon richtig Herbst und drauβen war es kalt. Auβerdem ist die Location unschlagbar, einen Block von Busbahnhof und der Innenstadt entfernt. Als wir uns beide auf dem Weg machten, diese zu erkunden, hatten wir unabhängig voneinander das Gefühl von Vorfreude auf Weihnachtsmarkt und Weihnachten. Es ist schon komisch, wie wir Jahreszeiten mit Festen verbinden. Am heutigen Abend buchten wir noch schnell einen Ausflug zum Gletscher für morgen und gingen essen.
Am nächsten Morgen holte uns der Bus ab und auf der Fahrt zum Gletscher bekamen wir viele interessante Informationen vom Busfahrer, über das Land, die Leute und den Gletscher. Sehr interessant ist natürlich, dass der Gletscher noch immer wächst, um ganze zwei Meter am Tag. Die Abbruchkante ist aber seit Jahren immer an der gleichen Stelle. Das bedeutet, dass täglich Eis abbricht und unsere Chance, dieses zu beobachten sehr hoch ist. Voraussetzung ist aber, den Gletscher die ganze Zeit genau im Blick zu haben, denn wenn man es hört ist es schon zu spät, den der Schall ist bekanntlich etwas langsamer. Auβerdem sollen wir uns in Erinnerung rufen, dass der Gletscher die Höhe eines zwanzigstöckigen Gebäude hat und wenn wir einen einen kleineren Eisbrocken runterfallen sehen, hat dieser ungefähr die Gröβe des Minibusses, in dem wir momentan fahren.
Als erstes sahen wir aber nur riesige Eisblöcke, die von weitem aussahen wie kleine weiße Schiffe, die den Fluss heruntertrieben und einen groβen Regenbogen. Dann kam der erste Blick von der Ferne auf den Gletscher. Von hier aus lieβ sich die Gröβe schon erahnen. Sehr eindrucksvoll.
Um den Gletscher aus der Nähe betrachten zu können, beschlossen wir eine Bootsfahrt zu unternehmen, die einen sehr dicht zur Abbruchkante bringt. Auβerdem ist die Perspektive vom Wasser aus eine andere, als wenn man von oben draufguckt. Man sieht zum Beispiel sehr gut die unterschiedlichen Eisfärbungen von dunkelblau ganz unten über alle Blaufärbungen hin bis zu weiβ ganz oben. Das liegt, wie wir später gelernt haben, an dem unterschiedlichen Druck durch den der Schnee zu Eis zusammengepresst wurde und an der Brechung des Lichts.
Die ganze Zeit schaute ich gebannt die Abbruchkante an: "Welche Spitze bricht als nächstes?" Es geschah nichts, außer ein paar kleineren Brocken die runterfielen, sah alles unverändert aus. Dann passierte es plötzlich. Eine ganze haushohe Spitze krachte ins Wasser. Das Geräusch war unglaublich laut. Gleich danach sahen wir die Welle, die sich kreisförmig ausbreitete und langsam auf unser Schiff zubewegte. Kurze Zeit später konnten wir sie auch fühlen.
Nach unserer Bootstour hatten wir drei Stunden Zeit auf den vier Aussichtsterassen den Gletscher zu beobachten. Das hört sich jetzt ziemlich lang an, aber es war sehr interessant, den Gletscher zu beobachten. Wir hatten Glück und sahen noch einige schöne Abbrüche. Auf dem Rückweg waren wir uns einig, dass war der imposanteste Gletscher, den wir gesehen haben. Den wollen wir uns morgen noch mal genauer ansehen, ganz nah, mit einer Besteigung des Gletschers.
Leider wurde daraus nichts. Wir hatten abends in einem Restaurant gegessen, der Topempfehlung vom Lonely Planet, in dem angeblich auch der argentinische Präsident Kirchner ab und zu vorbeischaut. Leider ist mir das Essen überhaupt nicht bekommen und ich verbrachte die halbe Nacht auf der Toilette, wobei ich sehr froh war, dass wir ein eigenes Bad hatten, was in der letzten Zeit eher selten war. Da wir den Abend vorher die Tour bereits gebucht und bezahlt hatten, war jetzt die Frage, ob wir unser Geld wiederbekommen. Olaf machte sich auf den Weg zur Agentur und kam schon bald zurück. Die Antwort war, ja wir bekommen unser Geld wieder, WENN wir ein ärztliches Attest vorlegen können. So kam es, dass wir auf unserer Weltreise das erste Mal ein Krankenhaus von innen sahen, denn Olaf war so lieb und begleitete mich. Ich veranschlagte von vorn herein drei Stunden Wartezeit und das Rudel Hunde vor der Krankenhaustür sah für mich auch nicht überzeugend aus. Aber ich wurde positiv überrascht, vor uns war nur ein anderes Paar dran, der Arzt war sehr nett und sprach auch englisch, verschrieb mir Tabletten gegen Erbrechen und eine Diät für die nächsten Tage und stellte das Attest aus. Wir mussten noch nicht einmal etwas bezahlen, denn das Gesundheitswesen in Argentinien ist kostenlos. Trotzdem war ich froh, als ich kurze Zeit später wieder im Bett lag. Das Geld von der Tour-Agentur gab es auch wieder.
Puerto Natales - Tor zu den "Torres"
Am nächsten Morgen ging es mir wesentlich besser und wir nutzten unsere Bustickets, die wir schon vorher gekauft hatten und fuhren nach Puerto Natales und überquerten auf dem Weg die Grenze zu Chile. In Puerto Natales gibt es nichts zu sehen, aber fast jeder, der Patagonien bereist, durchquert dieses Städtchen, denn es ist Ausgangspunkt für die Wanderungen im "Torres del Paine" Nationalpark.
Als wir in Puerto Natales ankamen, stürmte und regnete es, kein gutes Wetter für eine Wanderung. Unsere Wirtin meinte, vor morgen abend klart es nicht auf und am Abend kehrten viele durchnäßte Wanderer zurück, die nach zwei Tagen Kampf mit dem Wetter aufgegeben hatten. So beschlossen wir, es ruhig angehen zu lassen und auf besseres Wetter zu warten.
Am gleichen Abend buchten wir unseren Heimflug über Travel Overland im Internet. Hauptgrund für die Buchung war, dass die Ticktes als elektronische Tickets ausgestellt werden. Die Buchung sollte innerhalb 24 Stunden bestätigt werden. Damit wäre es dann unser Rückkehrtermin festgelegt, am Samstag, dem 19. Mai um 13.45 Uhr landet unser Flugzeug im Hamburg.
Den nächsten Morgen fegte ein Sturm um unser Haus, das hörte sich wirklich nicht sehr gemütlich an. Im Laufe des Tages überlegten wir, wie wir weiter vorgehen sollen, denn wir hatten nicht unbegrenzt Zeit, hier auf schönes Wetter zu warten, denn wir mussten pünktlich zum Abfahrtstermin unseres Bootes am Ostersamstag im Punta Arenas sein. Heute war schon Sonntag und so blieben uns insgesamt weniger, als eine Woche. Die Idee war die folgende, wir fahren morgen in den Nationalpark, der immerhin über 100 km entfernt liegt und schauen uns vor Ort die Wettersituation an. Vor Ort gehen wir nicht zelten, sondern buchen ein nettes Hotel, um uns die Wartezeit zu verschönern. Sehr guter Plan fanden wir, bis uns der Preis für das Hotel mitgeteilt wurde, 175 US-$ die Nacht für das billigste Zimmer. So entschieden wir uns schnell um, zur nächsten Variante: Übernachtung in einem Refugio. Hier bezahlt man für eine Übernachtung in einem ungeheizten Mehrbettzimmer (6 Personen) immerhin noch 36 US-$ pro Person. Ein stolzer Preis, aber immer noch besser, als bei Regen uns Sturm zu zelten. Einige Minuten später waren wir uns nicht mehr ganz sicher, ob das die richtige Entscheidung war, denn Olaf hatte sich in den letzten Tagen eine heftige Erkältung zugezogen und bei dem Wetter in kalten Räumen zu übernachten hörte sich nicht nach der richtigen Lösung an. Aber gebucht war gebucht.
Am Abend packten wir unsere Sachen für den Treck, und lieβen alles, was wir nicht brauchten, im Hostel. Auβerdem hatten wir ein Problem, wir hatten nicht die versprochene Bestätigung für unsere Flüge bekommen und auch sonst nichts vom Reisebüro gehört. Telefonisch konnte ich sie auch nicht erreichen und es war sehr unwahrscheinlich, dass wir die nächsten Tage im Nationalpark Internetverbindung haben. So bat ich meine Eltern in der Zwischenzeit das Reisebüro zu kontaktieren, um festzustellen, warum wir noch nichts von Ihnen gehört hatten.
Am nächsten Morgen hatten wir trotz letzter "Eilmail" immer noch keine Nachricht vom Reisebüro und leider auch nicht von meinen Eltern. Die Unsicherheit blieb, wie wir wieder nach Hause kommen, zumal wir festgestellt hatten, dass die Flugpreise in den letzten Tagen explosionsartig nach oben gingen.
Dafür schien der Himmel blau und es wehte kein Wind mehr, als uns der Bus um 7 Uhr vom Hostel abholte. Die Fahrt dauerte fast drei Stunden bis wir am Refugio ankamen. Auf einem Zwischenstopp trafen wir Clarita wieder, eine Amerikanerin, die die letzten Tage mit uns zusammen bei Beatrize in Mendoza gewohnt hatte. Sie war zusammen mit einem Freund, der Cesar hieβ, einem Argentinier unterwegs. Er ist normalerweise Bergführer im argentinischen El Chalten, das nur wenige Busstunden entfernt liegt, und war ebenfalls das erste Mal hier.
Auf der Fahrt konnten wir von Weitem schon die "Torres" sehen. Wörtlich übersetzt heiβen sie die Türme, aber für mich sahen sie mehr nach Zähnen aus, die sich in den Himmel bohrten. Wir waren uns einig, wir wollten noch heute nach oben, die 9,5 km erklimmen, obwohl der Tag schon ziemlich vorangeschritten war. Die erste große Hürde war aber der Check-in im Refugio. Obwohl wir einen prepaid Voucher hatten und nur 12 andere Leute vor uns standen, dauerte es eine halbe Stunde bis wir endlich unsere Sachen im 6-Mann-Zimmer ablegen konnten. Für uns wertvolle Laufzeit, den die Strecke war für einem Weg mit 4 Stunden angegeben, insgesamt also 8 Stunden für 19 km.
Um 10.30 Uhr liefen wir los. Die ersten Meter war der Weg noch ziemlich eben, aber bald ging es steil bergauf. Die Sonne brannte und ich kam ziemlich schnell ins Schwitzen und der Weg nach oben schien kein Ende zu nehmen. Gleichzeitig konnten wir am Horizont schon Wolken sehen, die in die Torres zogen. Also weiter, so schnell wie möglich. Nach einer Stunde hatten wir den ersten Pass erreicht, danach wurde der Weg schmaler, aber es ging erstmal bergab, bevor es wieder bergauf ging. Nach 1,5 Stunden hatten wir das zweite Refugio erreicht, dass aber seit dem 1. April, also seit heute geschlossen war. Hier machten wir 10 Minuten Pause, bevor es weiterging. Das Mittelstück war eigentlich ganz angenehm zu laufen, es war hügelig, hatte aber keine langen Ansteigungen mehr.
Eine Stunde später waren wir am Zeltplatz unterhalb der Torres, laut Schild sollte es von hier aus nur noch 45 Minuten dauern, nur ein Ansporn nicht aufzugeben, wie ich wenige Minuten später feststellte, als ich das riesige Geröllfeld sah, dass man steil hochklettern musste. Immer die nächste rote Markierung im Blick, versuchte jeder den bestmöglichen Weg zu finden. Nach einer halben Stunde war ich völlig kaputt, die "Torres" waren auch noch nicht in Sichtweite und laut Auskunft der Entgegenkommenden lag noch mal 30 Minuten klettern vor uns. Die Wolken wurden immer dichter und ich bat Olaf vorzugehen, damit wir wenigstens noch ein paar Fotos von den Felsnadeln haben.
Irgendwie habe ich es dann auch noch bis ganz nach oben geschafft. Der Platz ist schon sehr eindrucksvoll, wenn die riesigen Felsen direkt vor einem stehen. Wir hatten aber nicht lange Zeit zu verweilen, denn nach ca. 10 Minuten fing es an zu regnen. Wir blieben noch einige weitere Minuten dort oben, bevor wir uns auf den Rückweg machten.
Das Runterklettern zwischen den riesigen Geröllsteinen dauerte mindestens genauso lange, wie das Hochklettern, obwohl es etwas weniger anstrengend war, aber durch das Regenwasser war alles ziemlich rutschig geworden. Beim Blick nach unten fiel mir das erste Mal die Laubfärbung hier oben auf, die ersten Anzeichen des Herbstes. Auf dem Weg nach unten trafen wir dann auch noch Clarita und Cesar wieder, die aber noch das schlimmste Stück, die letzten 20 Minuten vor sich hatten.
Ich war sehr froh, als wir das Geröllfeld endlich hinter uns lieβen und wieder auf "normalen Wegen" liefen. Es fing aber immer kräftiger an zu regnen und das Mittelstück zog sich extrem lang hin. Als wir am zweiten Refugio ankamen regnete es so stark, dass wir uns hier unterstellten und das erste Mal auf unserer Reise die Regenhose und das Regencape anzogen. Danach ging es weiter. Unter unseren Regensachen fingen wir bald an zu schwitzen, so dass wir nicht nur von auβen nass waren, sondern unsere kompletten Klamotten durchfeuchtet waren. Jetzt durften wir also nicht auskühlen und das Licht wurde auch schon langsam geringer. Am schlechtesten lief sich das letzte Stück, denn der Regen hatte die Wege in kleine Bäche verwandelt und trotz guten Schuhprofils fingen wir an zu rutschen. Meist immer dann, wenn man es am wenigsten erwartete. Gegen 18.30 Uhr waren wir endlich zurück im Refugio, total kaputt und vollständig nass. Also führte uns der erste Weg unter die heiße Dusche, wo eine nächste Überraschung auf uns wartete. Im Refugio gab es kein elektrisches Licht. Aber nach diesem Tag war es mir dann auch egal, im Dunklen zu Duschen. Kurze Zeit später saβen wir mit trocken Sachen im Speisesaal und trafen hier auf eine deutsche Reisegruppe.
Am nächsten Morgen konnten wir einen schönen Sonnenaufgang beobachten, der die "Torres" rosa erscheinen lieβ. Unsere nassen Sachen waren auch ohne Heizung trocken geworden. Wunderwerk der Technik. Heute wollten wir es mal wieder entspannt angehen lassen und nicht wandern. Wir wechselten nur unser Refugio, was mit Bus und Boot immerhin 3 Stunden dauerte. Wir hatten aber gute Unterhaltung, Clarita und Cesar, die die letzte Nacht in ihrem Zelt gut durchgeweht wurden, hatten die gleiche Idee. Vor Ort angekommen warteten wieder ungeheizte Zimmer auf uns, aber hier gab es elektrisches Licht. Den restlichen Nachmittag genossen wir von unserem Zimmer aus die schöne Aussicht.
Am nächsten Tag machten wir uns mit unseren kleinen Rucksäcken auf den Weg. Die ersten zwei Stunden gingen relativ einfach gerade zu laufen, allerdings waren die Wege ziemlich aufgeweicht. Ab dem Einstieg zum Valle Frances wurde es steil und bald war wieder klettern angesagt. Der Weg war aber trotzdem landschaftlich sehr schön mit Blick auf einen Gletscher. Nachdem wir das steilste Stück nach 1,5 weiteren Stunden überstanden hatten, kamen wir auf eine Ebene wo der Wind kräftig blies, dass man fast Mühe hatte, stehen zu bleiben. Das wurde besser als wir wieder in den Wald kamen. Von dort an war der Weg wirklich schön zum laufen, immer leicht bergauf. Je höher wir kamen, desto mehr sah man schon die Laubfärbung. Nach 4,5 Stunden und 13 km in den Beinen, kamen wir um eins bei dem oberen Camp an. Wir beschlossen, hier umzukehren und die letzten 2 km, die noch mal eine Stunde dauern sollten (=sehr, sehr steil + klettern), nicht mehr zu laufen.
Auf unserem Rückweg war ich sehr froh über unsere Entscheidung, denn der Wind frischte immer mehr auf und drückte mich sogar zweimal zu Boden. Ein weiteres Mal hatte ich Glück, als ich über eine kaum sichtbare Baumwurzel stolperte und vornüber auf beiden Knien landete. Auf dem weichem Waldweg tat es überhaupt nicht weh, an einer steinigeren Stelle hätte es aber wahrscheinlich ganz anders ausgesehen.
Die letzten Kilometer zogen sich ganz schön hin, und ich hoffte, nach jeder Wegbiegung unser Refugio zu sehen, die 26 km machten sich langsam in den Beinen bemerkbar. Aber wir schafften es! Am Ziel angekommen, erklärte ich Olaf, dass ich vom Wandern erstmal geheilt sei, denn auf unserer Reise war meist ich diejenige gewesen, die die Hikes angeregt hatte. Olaf erwiderte nur, dass wir ja auf jeden Fall noch die (von mir vorgenommene) Reservierung für 4 Tage Inkatrail in Peru haben und das die Strecke bei 3000 bis 4200 Meter Höhe wohl noch etwas anstrengender werden wird. Auf diese Aussicht genehmigte ich mir abends eine kleine Flasche Rotwein für den Erpresserpreis von 6 Dollar.
Am nächsten Tag kehrten wir zurück nach Puerto Natales, wo wir uns noch einen Tag ausruhten, bevor wir uns auf den weiteren Weg nach Punta Arenas machten.
Ausruhen hieβ in dem Falle: mehrere Telefonate mit dem deutschen Reisebüro und meinen Eltern wegen unserer Flugtickets nach Hause führen, bis wir eine Lösung zur Verschickung der Tickets, die natürlich nicht elektronisch ausgestellt werden konnten, gefunden hatten. Und natürlich unsere Webseite updaten.
Punta Arenas - Nichts zu machen
Für alle Leser, die bis jetzt noch nicht aufgegeben haben, wir sind schon am Karfreitag, den 6. April angelangt.
Trostlosigkeit erwartete uns in Punta Arenas. Einziger Grund, warum wir hier waren: Ab morgen soll hier unsere Crucero beginnen. Beim Hostel hatte ich einen richtigen Fehlgriff getätigt. Es war kalt (keine Heizung) und ungemütlich und lag in einer etwas finsteren Gegend. Egal, länger als 24 Stunden wollten wir uns in diesem Ort sowieso nicht aufhalten, aber auch dass ist schwierig, wenn es nichts zu tun gibt.
Die erste Idee war etwas essen gehen und wir landeten in DEM Touri-Restaurant der Stadt, Lomits. Hier gab es Hamburgern ähnliche Gebilde, die man in verschieden Varianten bestellen konnten. Nach einer Stunde waren wir satt und so schön war es hier auch nicht. Daher machten wir einen ausgiebigen Bummel in dem riesigen Supermarkt (30 weitere Minuten) und kauften Zahnpasta. Dann gaben wir auf und gingen in ein Internetcafe, wo wir alle mails schrieben, die wir in den letzten Wochen hätten schreiben sollen/wollen. Danach machten wir uns auf den Weg in unser Hostel, was sich jetzt noch kälter anfühlte, versuchten noch zu lesen und dann zu schlafen.
Am nächsten Morgen zog sich die Zeit bis wir endlich unser Gepäck einchecken konnten. Danach hatten wir noch einige Stunden Zeit. Wir wiederholten das Programm von gestern, lieβen aber den Supermarkt weg. Auf dem Weg zum Schiff, als wir am Hafen langlaufen wollten, landeten wir in einer noch finsteren Gegend, so dass wir schnell beschlossen, doch lieber den kürzesten Weg zu nehmen.
Die Crucero - Wie kommt man zum Kap Horn?
Vorab soviel, die Crucero war ein absolutes Highlight unserer Weltreise, aber sie war verhältnismäβig zu unseren sonstigen Unternehmungen sehr teuer. Wir haben vorher lange überlegt, ob wir sie machen sollen, oder nicht. Zum Glück haben wir aber genug gute Gründe (Ostern, einzige Möglichkeit nach Kap Horn zu kommen ...) gefunden um uns dafür zu entscheiden, denn wir haben jede Minute an Bord genossen.
Der erste Eindruck war allerdings etwas merkwürdig, denn wir wurden die letzten 100 Meter bis zum Schiff mit einem Bus gefahren, anstatt zu laufen. An Bord ging wurden wir innerhalb von einer Minute zu unserer Kabine gebracht, in dem unser Gepäck schon auf uns wartete. Das Schiff ist nicht so groβ, so das es nur Auβenkabinen gibt. Diese erinnerten an ein Hotelzimmer und waren viel gröβer als ich es erwartet hatte und vor allen Dingen geheizt! Der erste Abend war zum Kennenlernen ausgelegt. Zuerst beim Willkommensdrink, die Mannschaft und die Sicherheitsvorkehrungen, vor dem Ablegen, das Schiff und beim ersten Abendessen, die Tischnachbarn für die nächsten Tage. Wir hatten Glück, mit dem bayrischen Lehrerpaar Barbara und Dieter (beide Mathe und Religion) und den beiden Schweizer Reiseeinkäuferinnen Claudia und Carol verstanden wir uns auf Anhieb so gut, dass wir fast den anschlieβenden Vortrag über die am nächsten Tag geplanten Ausflüge verpasst hätten.
Am nächsten Morgen trafen wir uns aber schon zum Frühstück wieder, um uns für unsere erste Expedition zu stärken. Bereits eine Stunde später standen wir mit Rettungswesten bekleidet an Deck. Für die Experten (wir gehörten nicht dazu), gab es zusätzlich für 10 Dollar gelbe Regenanzüge zu kaufen, so dass fast alle in den sexy Farben gelb und orange erschienen. Das sicherte zusätzlich ab, dass man auch an Land nicht verloren ging. Die Regenhosen schienen aber einen groβen Produktionsfehler zu haben, denn nach dem ersten Landgang war bei fast allen der Schritt aufgerissen.
So begaben wir uns das erste Mal in das Schlauchboot, dass uns an Land, dass zu Feuerland gehört, fuhr. Dort angekommen gab es eine Besichtigungstour, die bei den riesigen Seeelefanten anfing, über eine kleine Gletscherkunde und Flora und Fauna hier weiterging und bei einem riesigen Bieberbau aufhörte. Nach soviel Wissenswerten gab es erstmal eine heiβe Schokolade oder einen Whisky. Die ganz cleveren (dieses Mal gehörten wir dazu) mischten beides. Ich war erstaunt, wir gut die Mischung passt, auch wenn man sich das nicht so vorstellen kann, schmeckt auf jeden Fall besser als das argentinische Nationalgetränk Fernet Cola.
Danach wurden wir wieder aufs Schiff gebracht, wo schon das Mittagessen auf uns warte. Danach gab es eine kurze Ruhepause, bevor es ein zweites Mal an Land ging. Das Ziel war ein groβer Gletscher, den wir uns ansahen. Hinterher gab es wieder heiβe Schokolade und Whisky. Jetzt entschieden wir uns für Whisky auf Gletschereis. Das ist wohl einer der seltenen Fälle, wo das Eis (geschätzt mindestens 400 Jahre) älter ist, als der Whisky.
Dann wurden wir wieder aufs Schiff gebracht und wir haben einfach die Fahrt durch die Fjorde genossen. Man kommt sich sehr einsam vor und die vielen schneebedeckten Berge und Gletscher lassen alles sehr kalt wirken. Auch an diesem Abend wurden wir wieder mit einem Menü verwöhnt. Für den Kopf gab wieder viel Wissenswertes in den Vorträgen zu erfahren.
Am nächsten Tag stand nur ein Landgang auf dem Programm, nachmittags beim Pia Gletscher. Wieder ein riesiger Gletscher, wo wir auch wieder einen Abbruch beobachten konnten. Danach fuhren wir durch die Straβe der Gletscher, wo es beim deutschen Gletscher Bier und Würstchen, beim Französischen Gletscher ein Glas Champagner und beim Italienischen Gletscher Rotwein und Pizza und natürlich die entsprechende Musikuntermalung gab.
Beim Abendessen diskutierten wir die spannende Frage, werden wir morgen auf Kap Horn stehen, oder es nur von weiten sehen? Und wie wird die Nacht dorthin, den das Kap, ist auch als "Kap der Stürme" bekannt. Auf jeden Fall ist es aber die südlichste Landspitze vor der Antarktis und hier sind schon über 800 Schiffe versunken und viele Seemänner ertrunken.
Am nächsten Morgen nach einer etwas wackligen Nacht standen wir wieder mit Schwimmweste parat und das frühe Aufstehen hatte sich gelohnt, wir wurden ausgebootet! Dann ging es quer über die Insel zum Denkmal und dann zum Leuchtturm, wo sogar eine Familie wohnt. Eine Stunde später mussten wir wieder zurück, denn es hatte angefangen zu regnen und die See wurde rauher. Ob Kap Horn etwas Besonderes ist? Das ist hinterher wirklich schwer zu sagen, denn von weiten sieht es nicht anders aus, als andere Inseln und auch wenn man über das Grün marschiert fühlt man sich an Irland erinnert. Trotzdem haben wir uns gefreut, dass wir es sehen konnten, denn schon eine Stunde später hätte uns der Kapitän nicht mehr an Land gehen lassen. Den restlichen Tag genossen wir die Seefahrt. Zum Glück bin ich die ganzen Tage nicht einmal seekrank geworden, obwohl ich dafür sehr anfällig bin. Nachmittags hatten wir einen letzten Landgang in Puerto Williams, das aber sehr an Punta Arenas erinnert hat. Es ist aber immerhin die südlichste Siedlung der Welt.
Am Abend hatten wir schon unser letztes Abendessen an Board. Die letzten Tage waren viel zu schnell vergangen, aber auch sehr schön gewesen. Wir hatten noch eine letzte Nacht an Board, schon im Hafen von Ushuaia, wo sich am nächsten Morgen unsere Wege trennten.
Ushuaia - das offizielle "Fin del Mundo" - Ende der Welt
Die argentinische Seite ist mit der Vermarktung vom Ende der Welt wesentlich erfolgreicher, als die chilenische und so fliegen viele Touristen nur deswegen hierher nach Feuerland. Als wir ankamen regnete es zur Begrüßung und einige Zeit später sah ich das es sich in Schnee verwandelt hatte! Herbst und Schnee zu Ostern nach Hochsommer zu Weihnachten, verdrehte Welt für jemanden von der Nordhalbkugel. Das Wetter animierte uns nicht zu groβen Ausflügen und so verbrachten wir einen entspannten Tag. Abends aβen wir das beste Fleisch, dass wir in ganz Argentinien hatten - unbeschreiblich lecker, dazu gab es eine Flasche Malbec aus Mendoza.
Am nächsten Tag machten wir eine kleine Wanderung zum Gletscher am Ort. Der Gletscher selbst war nicht so eindrucksvoll, aber die Wanderung durch den Winterwald sehr schön und der Blick von hier oben auf den Beagle Channel eindrucksvoll. Auβerdem hatten wir während unserer Tour nette Begleitung, drei Deutsche, die fast gleichzeitig mit uns am Fuβ des Bergs ankamen. Wir unterhielten uns viel und die Zeit verging sehr schnell. Auf dem Weg nach unten machten wir eine Kaffeepause in einem sehr netten Hotel, dass sich hier befindet. Anschlieβend rannten wir aber fast den Berg runter, da die drei ihren Shuttle zum Flieger nicht verpassen durften.
Heute einen Tag später sitzen auch wir am Flughafen. Unsere Zeit in Patagonien hat uns sehr gut gefallen, aber wir wissen jetzt schon, wir kommen bestimmt wieder. Aber wir sind ja sowieso schon zu Argentinien Fans geworden und der Süden ist nur noch ein zusätzliches Plus. Gleich geht es zurück in das wesentlich wärmere Buenos Aires, wo wir morgen Dirk und seine Freundin Headley treffen werden.

