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Sabines Blog - Mendoza 11. März 2007

Noch 2,5 Monate Weltreise
Meine bisherigen Highlights (keine Prioritäten)


- Unglaublich viele Menschen kennenzulernen, die ich leider nicht alle aufzählen kann
- Die erste Nacht im Platzkartny in der Transsibirischen Eisenbahn
- Im eiskalten Wasser im Baikalsee baden und hinterher Omul essen
- Der Dalai Lama, den wir zufällig in Ulan-Bator gesehen haben- Sich in den weiten Ebenen der Mongolei ganz klein fühlen und nachts vor dem Ger die Milchstraβe sehen
- Den Potala Palast in Lhasa zu besichtigen
- Die 5.000 Meterpässe in Tibet passieren
- Zelten im Mt. Everest Basecamp
- Unsere erste Gletscherbesteigung in Tibet
- Die Tour zu den unterirdischen Tunnel bei Saigon
- Die eine Woche "Strandurlaub" auf Phu Quoc nach fast vier Monaten Weltreise
- Olafs Mutter am Flughafen von Manila wiedersehen
- Mein erstes Erdbeben erleben (zum Glück ist ja nichts passiert) am Sugar Beach
- Die Delfine, die plötzlich beim Surfen wenige Meter neben uns schwammen
- Die erste Welle ganz absurfen
- Neujahrsmorgen am Ayers Rock
- Tiere beobachten auf Kangaroo Island (trotz Fahrrad fahren)
- Sydney, eine einfach coole Stadt
- Reiten in Glenorchy
- Tongariro Crossing: anstrengende Wanderung mit unglaublichen Ausblicken
- Mein Fallschirmsprung in Taupo
- Bora Bora sehen
- Moais auf den Osterinseln besichtigen

Darauf freue ich mich in Deutschland

1. Familie und Freunde wiedersehen
2. Im eigenen Bett schlafen, unsere Wohnung
3. Deutsches Essen (ganz viel Rotkohl, Sauerkraut ...)
4. Deutsche Zeitungen, deutsche Nachrichten
5. Normale Sachen machen, z.B. telefonieren, einen Abend fernsehen
6. Einen Kleiderschrank zu besitzen, in dem die Klamotten nicht nur Füllung zwischen Schlafsack und Büchern sind
7. Frauensachen tragen: Rock, Make-up, Pumps statt Treckingschuhe und Ziphosen
8. Auf den Goldbeckmarkt einkaufen gehen
9. Aufs Wochenende (auf so einer Reise geht das Zeitgefühl völlig verloren)
10. Mit Vollgas auf einer Autobahn fahren
11. Sich wieder mit jedem auf der Straβe/ im Geschäft verständigen zu können



Sabines Blog - Mendoza 12. März 2007 - 256.+1 Tag

Osterinsel

Warum heiβt, die Osterinsel Osterinsel? Natürlich weil sie zu Ostern entdeckt wurde, oder viel mehr wiederentdeckt wurde. Genauso könnte sie so heiβen weil sie erstaunlich viele Überraschungen parat hält.

Also wir morgens am 1. März hier nach einem Nachtflug landeten, sah die Insel ziemlich klein und ziemlich verschlafen aus. Unser Airport-Pickup war auch zu spät und so standen wir zunächst ziemlich unschlüssig am Flughafen rum. Schließlich tauchte Marta, die Campingplatzbetreiberin doch noch auf und brachte uns zu unserer Unterkunft, dem einzigen Zeltplatz auf der Insel. Die erste Überraschung war, dass auβer uns fast nur Japaner hier zelten. Das hatten wir irgendwie nicht erwartet. Wir suchten uns einen Platz für unser Zelt und bauten es auf. Wenn wir eine gemütliche Unterkunft gehabt hätten, hätten wir uns wahrscheinlich erstmal ins Bett gelegt und ausgeschlafen. Da das Zelt auf dem Platz ohne Bäume sich in der Sonne aber ziemlich schnell aufheizt, beschlossen wir doch lieber schon mit der Inselerkundung zu beginnen. Unser erster Weg führte uns in den Ort. Dort sahen wir auch unsere ersten Moais, aufgestellt am Hafenbecken. Sehr eindrucksvoll.

Wir beschlossen uns noch mehr anzusehen und liefen zu der am Ort nahesten Moaigruppe, die vom Meer abgewandt ins Landesinnere schauten. Etwas weg stand noch ein etwas gröβerer Moai mit Augen, übrigens der einzige mit Augen auf der Insel. Von hier aus ging es weiter ins Museum. Dieses besteht eigentlich nur aus einem groβen Raum mit Schautafeln, die aber alle auf Spanisch sind. Die Besucher, die der Sprache nicht mächtig sind, bekommen bei Entrichtung des Eintritts einen dicken Stapel Kopien in der jeweiligen Landessprache überreicht. So ausgerüstet setzt man sich mit einem Stuhl vor die jeweilige Schautafel und studiert die Übersetzung und sieht sich dazu die entsprechenden Bilder an. Das ist zwar sehr interessant, aber auch sehr mühselig, vor allem wenn man in der Nacht vorher kaum geschlafen hat.

Zwei Stunden später hatten wir es geschafft und machten uns auf den Rückweg und belohnten uns mit einer Pizza. Die Osterinsel ist zwar im Verhältnis zu Chile sehr teuer, aber im Vergleich zu Tahiti immer noch sehr günstig. Sobald wir zum Zeltplatz kamen, fielen wir in unsere Schlafsäcke und schliefen ein. Mitten in der Nacht wurde ich wach von kräftigem Regen, der aufs Zelt trommelte. Ich dachte nur, hoffentlich werden die Rucksäcke nicht allzu naβ, da wir diese aus Platzmangel im Vorzelt deponiert hatten. Zum Regen mischte sich das Geräusch von Wellen, die kräftig gegen das Riff vor unserem Zeltplatz schlugen.

Am nächsten Morgen sah alles wieder ganz friedlich aus. Wir wollten nur eins, uns die Insel ansehen. Hier hatte Marta einen guten Tip, einen Führer, der Archäologie studiert hat.  Eine Stunde später machten wir uns auf den Weg, um die Moais dieser Insel und dessen Geheimnisse zu erkunden. Voran gestellt werden muβ, dass keiner mit Sicherheit weiβ, was hier passiert ist. Vielmehr gibt es unzählige Theorien über alles mögliche, woher die Menschen gekommen sind, warum sie Moais produziert haben, wie sie die Moais produziert haben, wie sie die riesigen Steinstatuen transportiert  und aufgestellt haben und natürlich auch darüber, warum sie sie dann alle wieder umgekippt haben, denn als der erste Europäer hierher kam stand nur noch ein Moai, der wenig später auch umgekippt wurde. Viele dieser Theorien hat uns unserer Führer präsentiert. Manche sind logisch und nachvollziehbar, andere eher nicht. Aber was ist im Leben schon logisch?

Nach einiger Zeit beginnt man automatisch eigene Theorien aufzustellen und sich selbst Fragen zu stellen: Wie ist das auf der abgelegensten Insel der Welt zu wohnen und wie sind sie hierher gekommen? Die nächste Insel ist Pitcairn Island und 2078 km entfernt. Bis zum Festland der chilenischen Küste sind es 3526 km und bis Tahiti sogar 4251 km. Haben die Menschen das Seefahren verlernt? Wußten sie das es noch andere Menschen auf der Welt gibt, oder haben sie gedacht sie sind völlig allein. Die Aufzählung kann ich unendlich fortsetzen.

Heute besichtigen kann man die Überreste der Kultur, die umgestürzten Moais und die, die wieder aufgestellt wurden, die Plattformen auf denen sie stehen und Fundamente von alten Häusern sowie Feuerstellen. Am faszinierendsten ist aber die "Moaifabrik" am Vulkan Rano Raruku. Dort sind viele unfertige Moais, umgekippte, zerbrochene, halbaus dem Boden ragende und der verbotene Moai, der von seiner Form her ganz anders aussieht, als die ganzen restlichen. Wir waren hier fast allein, als wir bei Sonnenschein durch die Reihen schritten.

Am nächsten Tag befassten wir uns mit einem anderen Teil der Kultur hier, dem "Vogelmann". Wahrscheinlich nach den Moais wurden an der Inselspitze einmal im Jahr ein groβer Wettkampf ausgetragen. Aus jedem Clan musste einer zu einer nahe gelegenen Insel rüberschwimmen und ein frisch gelegtes Ei einsammeln und heil zurück zum Festland bringen. Der Sieger war der Vogelmann und bekam Jungfrauen als Preis. Viel wichtiger war aber, das der Clan für ein Jahr eine Vormachtstellung auf der Insel hatte und der Oberhaupt des Clans über alle wichtigen Dinge auf der Insel entscheiden durfte, wie z.B. Essenszuteilung.

Den letzten Tag auf der Insel haben wir noch auf eigene Faust Moais besucht und den einzigen Strand der Insel gesehen, der aber sehr einladend aussah.

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Südamerika, dem letzten Kontinent auf unserer Tour. Gegen Abend landeten wir in Santiago de Chile, wo wir in einen Hostel in Bellavista, einem Ausgehviertel, vorher reserviert hatten. Den Beginn unserer letzten Etappe feierten wir im "Off the Record" mit einigen Gläsern Rotwein.

Am nächsten Tag trafen wir Friederike, eine ehemalige Kommilitonin aus Münster, die hier schon einige Jahre lebt. Zu ihr hatten wir auch unsere Ersatzkamera aus Deutschland schicken lassen, die genau an dem Tag "just in time" eintraf. Wir aβen zusammen Abendbrot und sie erzählte uns über das Leben in Santiago und wie sie hier her gekommen ist. Das finde ich ja immer besonders spannend.

Am nächsten Tag machten wir uns dann auf die Entdeckungstour durch Santiago zu Fuβ. Ich habe zwar noch nicht soviel von Südamerika gesehen, aber die Stadt kam mir sehr europäisch vor, sozusagen "Südamerika light".

Am Abend trafen wir dann auch die finale Entscheidung, wo wir unseren Spanischsprachkurs machen wollen - in Mendoza, Argentinien, eine relaxte kleinere Stadt, mit vielen Bodegas in der näheren Umgebung. Wir wohnen bei einer Gastfamilie und haben pro Tag 4 Stunden Spanischunterricht in einer kleinen Gruppe mit bis zu 6 Personen. Das hört sich doch nicht schlecht an, vor allen Dingen sind wir nach Moskau das erste Mal wieder 14 Tage an einem Ort.

Ansonsten haben wir in Santiago die kostenlose Internetverbindung im Hotel genutzt und viel an unserer Webseite gearbeitet, vor allen an der linken Menüleiste: Reisetipps für Philippinen, Australien und Neuseeland sowie den Punkt Menschen.

Gestern morgen haben wir uns dann in den Bus nach Mendoza gesetzt, wo wir zwischenzeitlich auch gut angekommen sind. Wir sind mit der Auswahl unseres Ortes und unserer Gastfamilie mehr als zufrieden. Hierzu aber mehr im nächsten Blog.



Sabines Blog  - Mendoza 17. März 2007

Spanisch, Golf und Wein

Das hört sich nach einer ziemlich guten Mischung an, oder? Ist es auch! - Wir haben den perfekten Ort dafür gefunden - Mendoza in Argentinien.

Von Santiago de Chile waren es 7 Stunden mit dem Bus. Kurzfristig hatten wir uns entschlossen hier zwei Wochen
Spanischunterricht zu nehmen und in einer Gastfamilie zu wohnen. Am Busbahnhof wurden wir von Santiago abgeholt, dem Sohn des Hauses. Wenige Minuten später trafen wir in unserem Zuhause für die nächsten vierzehn Tage ein und lernten Beatriz, unsere Gastmutter, kennen. Wir hätten es nicht besser treffen können, den die beiden sind sehr, sehr gastfreundlich und immer für einen Spaβ zu haben. Das Haus ist sehr groβ, hat einen schönen Garten mit einer Terrasse, auf ich gerade in der Hängematte liege und alte Weinstöcke, die Schatten spenden.

Schon am nächsten Tag wurden wir in das argentinische Leben eingewiesen. Wir machten ein Picknick mit Freunden im Park. Schon die Hinfahrt war sehr lustig, denn die zahlreichen Polizisten auf der Straβe übersahen geflissentlich die zwei Personen auf dem Beifahrersitz. Im Park wuchs unsere Gruppe schnell auf 20 Personen an, die alle Decken, Kekse, Kuchen, Kaffee und Tee mitgebracht hatten und jetzt alle fröhlich durcheinander schnatterten. Leider war mein Spanisch noch nicht so weit, dass ich mich ernsthaft unterhalten konnte, aber mit Händen und Füβen ging es irgendwie doch. Das wichtigste war aber natürlich der Matetee, von dem ein Gefäβ in Kaffeetassengrösse fast voll gefüllt wurde. Dann wurde heiβes Wasser aus der Thermoskanne dazugegeben und das ganze dann mit einem silbernen Strohhalm getrunken. Danach wurde ein Teil der Mate durch neue ersetzt, neu aufgegossen und an den nächsten in der Runde weitergereicht.

Am Abend feierten wir dann den Abschied von Steve, einem Engländer, der ebenfalls hier für eine Woche zu Gast war, mit Wein und "Fernet Branca" mit Cola. Letzteres ist hier ein typisches Getränk, was zuerst ziemlich ungewöhnlich schmeckt, nach einer Zeit gewöhnt man sich aber daran. Teve, wie Beatriz ihn immer nennt, da das s hier stumm ist, gab uns eine kleine Lektion darin, wie sich das Empire ausgeweitet hat und eine Demonstration über das Trinkverhalten der Engländer im Vergleich zu den Franzosen. Diese war so anschaulich, das wir noch jeden weiteren Abend darüber gelacht haben. Kurz gesagt wir haben hier richtig viel Spaβ, die Argentinier sind sehr entspannt und nehmen das Leben mit einer beeindruckenden Leichtigkeit. Ein zweiter Punkt, der Argentinien zu einem unvergleichlichen Reiseland macht ist der deutlich zu gering bewertete Pesos. Bei einem Umtauschkurs von 1:1, hätte man ungefähr deutsche Preise. Zur Zeit bekommt man aber für einen Euro 4 Pesos. So kostet eine Flasche guter Wein 10 Pesos = 2,50 Euro.  Für den gleichen Preis bekommt man auch zwei Bier in einem Inncafe. Essen, Taxifahren usw. ist meist noch günstiger.

Mendoza selbst ist eine schöne Stadt in Mitten eines groβen Weingebiet mit sehr guten Rotweinen, die wir morgen auf einer kleinen Tour mit Beatriz und ihren Freunden verkosten werden. Hier ist Wüste und daher hat man fast immer blauen Himmel. In der Stadt selbst gibt es viele schön Häuser, aber das beste ist das jede Straβe in der Stadt von Bäumen gesäumt ist, die angenehmen Schatten spenden. Es gibt unglaublich viele Cafés und Restaurants, die wir noch gar nicht so richtig ausprobieren konnten, weil wir hier jeden Abend bekocht werden.

Am Montag hatten wir dann auch unseren ersten Spanischkurs. Ich bin im Anfängerlevel zusammen nur mit einem weiteren Schweizer, Yves. Wir haben zweimal zwei Stunden, jeweils mit unterschiedlichen Lehrerinnen, Ines und Ana. Beatriz ist sehr begeistert, was ich in einer Woche so gelernt habe und unsere ausschweifenden Diskussionen darüber, wie man bestimmte Gerichte zubereitet, haben direkt zu einer Essenseinladung nächsten Mittwoch in dem Haus von Yves geführt. Auch die anderen Studenten sind sehr nett und in der Pause oder beim Mittag lernt man sich gut kennen. Gestern (Freitag) waren wir mit anderen in einem Restaurant (in Deutschland wäre es eher eine Eckkneipe) und haben einem Bandeonspieler zugehört. Das war wirklich sehr anderes als alles was ich bisher so gehört habe, zumal man richtig sehen konnte, wie die Musik durch den Körper des Spielers ging. Dazu gab es natürlich auch Wein.

Auβerdem haben wir an den Nachmittagen Golfstunden. Seit Südostasien haben wir nach einem Ort gesucht, um das zu lernen, aber nie den richtigen Platz gefunden. Als Steve uns dann erzählte, dass er Stunden hier nimmt, waren wir uns sicher, das wir das auch ausprobieren wollen. Allein das Studium der Golfspieler (99% männlich, 50+, viel Geld), ist sehr interessant. Unser Golflehrer, ein seriöser älterer Herr, der den ungewöhnlichen Namen Senior Loco hat. Loco bedeutet auf spanisch soviel wie "verrückt" heiβt. In unseren bisherigen Stunden haben wir nur den Abschlag geübt, was aber schwieriger ist, als man denkt. Mittlerweile treffen wir aber schon ziemlich häufig den Ball. Nur Olaf muβte heute morgen etwas leiden, da er erst um 4 Uhr ins Bett gegangen ist, weil er nach der Musikvorstellung noch mit Dirk, unseren neuen "Mitbewohner" in der Kneipe gegenüber weltbewegende Sachen diskutiert hat. Um 8.30 Uhr standen wir schon wieder auf dem Platz. Senior Loco sagte nur etwas, was auf deutsch übersetzt ungefähr "Die Nacht ist fröhlich, der Morgen ist traurig." heiβt.

Es geht uns also rundum gut hier und wir können Mendoza, Spanisch, Wein und Golf noch genau eine Woche genießen. Leider ist bei Beatriz danach ausgebucht, sonst hätten wir bestimmt noch eine Woche verlängert. Aber wir müssen ja auch langsam runter nach Patagonien, denn da ist Herbst und es wird KALT!



Olafs Blog - Buenos Aires,  26. März 2007


La Casa de Beatriz & Señor Loco

Nachdem wir die Osterinsel (den Bericht "ABM bis zum Umfallen" findet Ihr am Ende dieses Blogs) und Santiago de Chile hinter uns gelassen haben, waren wir zwei Wochen in Mendoza bei Beatriz und ihrem Sohn Santiago. Die Beiden beherbergen Besucher, die vor allem nach Mendoza kommen, um hier ihre spanischen Sprachkenntnisse zu erweitern.

Beatriz und Santiago haben uns aber nicht nur beherbergt, sondern
uns mit einer unglaublichen Herzlichkeit empfangen, so dass wir uns trotz inzwischen bereits 9 Monaten Weltreise und Tausenden Kilometern Entfernung von Deutschland wie zu Hause gefühlt haben. Wir haben innerhalb kürzester Zeit jede Menge Menschen in Mendoza kennengelernt, was vor allem daran lag, das Beatriz uns sofort in ihren Freundeskreis eingeführt hat. So haben bereits am ersten Tag nach unserer Ankunft bei einem Picknic im zentralen Park San Martin beispielsweise Mariella und Rosanna kennengelernt. Dies sind zwei Freundinnen von Beatriz, mit denen zusammen sie eine neue Art von Sprachschule in Mendoza aufbauen will.


Der Kerngedanke der neuen Sprachschule ist ein sehr enger Familienanschluss in der Gastfamilie des Schülers, so dass er die Möglichkeit hat, sein Spanisch in Diskussionen mit der Familie, bei typisch argentinischen Asados (Grillparties), Wochenendausflügen in die Umgebung Mendozas und jeder Menge anderer von der Familie organisierten Aktivitäten ausprobieren kann. Der Sprachunterricht findet durch einen qualifizierten Lehrer in dem Haus der Gastfamilie Stadt. Dabei handelt es sich um einen intensiven 1 to 1 Unterricht, bei dem er auch ausserhalb des Hauses in Alltagssituationen in den Strassen von Mendoza von seinem Lehrer begleitet wird. Schüler und Lehrer gehen beispielsweise gemeinsam einkaufen, besuchen Theatervorstellungen, Fussballspiele und andere Events, die mit jedem Schüler entsprechend seiner Interessenslage individuell abgestimmt werden. Diese Art des Sprachunterrichts vermeidet die üblichen Fehler einer traditionellen Sprachschule, die wir bei unseren zwei Wochen Unterricht in unserer Schule Intercultural erleben konnten. Der Unterricht findet zusammen mit anderen Ausländern statt, so dass man sich zwischendurch Englisch oder Deutsch unterhält, weil das Spanisch der meisten Teilnehmer noch nicht fliessend ist und man sich nicht wirklich die Mühe macht, konsequent nur Spanisch zu sprechen. Ausserdem ist es ja auch wenig lächerlich, wenn zwei Deutsche radebrechend Spanisch unterhalten. Auch wenn man sich für Individualunterricht entschieden hat, ist es während der Pausen und nach dem Unterricht nicht anders. Zudem findet der Individualunterricht in Klassenräumen statt und man trainiert die Sprache nicht live in Alltagssituationen.

Die drei Frauen, die die neue Sprachschule in Mendoza aufbauen wollen, haben bereits jede Menge Erfahrung in diesem Bereich. Beatriz, bei der wir gewohnt haben, hat uns während der zwei Wochen gezeigt, dass sie das Konzept des engen Familienanschluss lebt. Während andere Schüler bei Intercultural teilweise ziemlich negative Erlebnisse hatten und einer sogar seine Gastfamilie verlassen hat, weil die Verhältnisse dort haarsträubend waren, hätten wir uns bei Beatriz nicht wohler fühlen können. Ihre Freundinnen und Geschäftspartnerinnen Mariella und Rosanna sind beides ausgebildete Sprachlehrerinnen mit grosser Erfahrung. So wie wir die beiden kennengelernt haben, sind wir sicher, dass sie eine grosse Hilfe beim Erlernen der spanischen Sprache sind. Wenn ich jetzt dem einen oder anderen Leser Lust auf einen Spanischkurs der neuen Art gemacht habe, kann er sich gern hier melden. Ich habe den drei Señoras versprochen, ihnen bei der Vermarktung ihres Programms ein wenig zu helfen. Sobald der entsprechende Internetauftritt steht, werde ich das selbstverständlich auf diese Seite verkünden.

Neben Mariella und Rosanna haben jede Menge andere Freunde von Beatriz und Santiago kennengelernt. Da wären z.B. Marco, Sonia, Marianna, Lisa und Graciella zu nennen.

Marco ist ein grossartiger Hobbyfilmer, der unseren gemeinsamen Ausflug in eine der vielen namhaften Bodegas von Mendoza filmerisch 1a festgehalten hat. Er arbeitet in dem Familienbetrieb seiner Eltern, die einen Pizzaservice betreiben. Seine Fähigkeiten als Cocinero hat er beim Asado im Garten von Beatriz beeindruckend unter Beweis gestellt. Wir haben jede Menge kulinarische Köstlichkeiten des argentinischen Rindes probiert und uns gleichzeitig durch die Rotweine des erstklassigen Weinbaugebietes Mendoza getrunken.

Marianna hat uns bei unseren Picknics immer mit super leckeren Desserts verwöhnt. Sie spricht ein wenig Deutsch und wir hatten viel Spass beim Ausprobieren der Sprache. Sonst arbeitet sie als Englischlehrerin, was in Mendoza ein gefragter Beruf ist. Schliesslich wollen viele Mendozinos Englisch lernen, um sich einen der heissbegehrten Jobs im aufstrebenden Tourismussektor oder als Exportmanager bei einer der lokalen Bodegas zu sichern.

Sonia spricht insgesamt 7 Sprachen, u.a. Chinesisch und Russich. Während ich Chinesisch wohl nie lernen werde, konnte ich davon überzeugen, dass ihr Russisch ganz ausserordentlich ist und dass ohne dass sie wie ich es 9 Jahre in der Schule gelernt hätte. Sonia arbeitet in der Forschung an der technologischen Universität von Mendoza. Dort beschäftigt sie sich mit Projekten zur Meerwasserentsalzung.

Lisa ist eine Deutsche aus Würzburg, die in Mendoza einen Teil der praktischen Ausbildung im Rahmen ihres Medizinstudiums absolviert. Das dafür notwendige Spanisch hat sie in Rekordzeit von Mariella (Eine der Gründerinnen der oben erwähnten neuen Sprachschule) gelernt und versteht inzwischen alle sexuellen Anzüglichkeiten ihrer Kollegen Ärzte. Mit Lisa zusammen sind wir von Graciella zu einem Deutschen Abend eingeladen worden. Graciella hat 8 Jahre in Deutschland gelebt und bereitet hier in Mendoza Ingenieursstudenten auf ihren Auslandsaufenthalt in Deutschland vor, indem sie ihnen die deutsche Sprache beibringt. Sie hatte die wunderbare Idee, dass ihre Studenten ihr Deutsch einmal mit echten Deutschen trainieren sollten. So haben wir uns alle bei ihr getroffen und einen sehr lustigen Abend mit ihren Studenten verlebt. Sie waren sehr neugierig und haben uns nach unserer Weltreise befragt.

Auch Santiago hat mich gleich am ersten Abend in seinen Freundeskreis eingeführt. Santiago studiert Journalismus an der Universität von Mendoza und braucht noch ca. ein dreiviertel Jahr, bis er sein Studium beendet hat. Nebenher arbeitet er im Pressebüro der Stadtversammlung von Mendoza und hatte immer eine interessante Geschichte z.B. Über die Lohnforderungen der städtischen Busfahrer oder über den Widerstand von Eltern gegen die Umbennung einer Schule für lernbehinderte Schüler. Santiagos Freunde haben ebenfalls Journalistik studiert und arbeiten neben ihrem Postgraduiertenstudium für den Radiosender der Universität. Während mehrerer Bier haben wir darüber philosophiert, die schönsten Frauen Argentiniens tatsächlich aus Mendoza kommen. Immerhin spricht im Strassenbild einiges dafür.

Neben den Freunden von Beatriz haben wir noch eine ganz andere, sehr eindrucksvolle Persönlichkeit kennengelernt: Señor Loco. Auf Señor Loco sind wir gestossen, als uns Steve (ein anderer Student, der bei Beatriz gewohnt hat) von seinem Golfunterricht erzählt hat, den er im lokalen Club Andino genommen hat. Auch wir hatten uns als eine Aktivität auf unserer Weltreise vorgenommen, Golf zu lernen. Also sind wir zum Golfclub gefahren und haben nach Señor Loco gefragt. Den haben wir dann auch prompt getroffen und los gings auf der Driving Range. Bei den ersten Versuchen haben wir leider den Ball meistens nicht so gut getroffen, sondern stattdessen öfter mal den Rasen umgepflügt. Señor Loco konnte das aber genauso wenig aus der Ruhe bringen, wie unser doch sehr holpriges Spanisch.

Señor Loco heisst allerdings keineswegs Señor Loco sondern Hector Alfonso Benavides. Señor Loco haben auch nur wir ihn genannt, alle anderen haben ihn einfach Loco gerufen, was soviel wie "verrückt" heisst. Diesen Ruf hat er sich am Anfang seiner bislang 42jährigen Golfkarriere eingehandelt, als er einen Ball ziemlich verschlagen hat. Ich glaube, die Story war noch ein wenig komplexer, aber leider hat mein Spanisch dafür nicht gereicht. Auf jeden Fall hat uns Señor Loco zur Platzreife gebracht und jetzt können wir unsere Golffähigkeiten nach unserer Rückkehr in Deutschland weiter ausbauen. Da Golfunterricht hier sehr billig ist (1 Stunde unter 10 EUR), habe ich Beatriz vorgeschlagen, für die neue Sprachschule gleich das Programm "Spanisch & Golf" anzubieten. Als ersten Schritt habe ich ein gemeinsames Abendessen mit Señor Loco und den Señoras von der Sprachschule eingefädelt. Ich denke, die Damen und der Herr werden sich da schon einig werden. Wen ich neugierig auf "Spanisch & Golf" gemacht habe, der melde sich hier.

Dass Golf verbindet, ist kein Geheimnis und so haben wir noch verschiene andere Golfpersönlichkeiten in Mendoza kennengelernt, u.a. den Ex-Präsidenten des Golf-Clubs Andino und den Generalsekretär des lokalen Forschungs- und Entwicklungszentrums. Bei soviel Geschäftigkeit hatten wir gar nicht ausreichend Zeit, an unserer Website zu arbeiten und unsere Eindrücke von Osterinsel festzuhalten, was ich im Folgenden nachholen will:

ABM bis zum Umfallen

Über die Osterinsel hatte wie wahrscheinlich sehr viele Menschen vor unserer Ankunft bereits einiges gehört. Neben den Theorien von Thor Heyerdahl (Kon Tiki) ist mir insbesondere das m.E. sehr gute Buch "Collapse" von ... (hier geht’s zum Original und hier geht’s zur deutschen Übersetzung)  in Erinnerung geblieben. Dort wird beschrieben, wie es dazu gekommen ist, dass die Bewohner der abgeschiedenen Osterinsel ihre Insel fast vollständig abgeholzt haben und schliesslich teilweise dem Kannibalismus verfallen sind. Schuld an allem waren die Moai, die wohl meistphotographierten Steinstatuen der Welt.

Wir haben uns die Moai und ganz besonders die Herstellungstelle, den Vulkan Rano Raraku, genau angesehen und ich kann jetzt verstehen, warum die schätzungsweise in ihrer Blütezeit ca. 4.000 Köpfe zählende Inselbevölkerung die verhältnismässig relativ grosse Osterinsel an den Rand des Kollapse geführt hat. Insgesamt wurden ca. 900 Moais aus dem Basalt des Vulkans mittels primitivster Steinwerkzeuge (Metalle gibt es auf der Insel nicht) gemeiβelt. Nur wenige der haushohen Statuen haben schliesslich ihren Weg bis auf ein Ahu (Zeremonienplattform) gefunden. Dies Plattformen befinden zumeist viele Kilometer von der Produktionstätte entfernt an der Küste, von wo die aufgestellten Moais ins Inselinnere und nur ganz selten aufs Meer hinaus schauen.

Die Moais wurden von den verschiedenen Clans der Insel in Auftrag gegeben, und haben die jeweiligen verstorbenen Clanchefs dargestellt. Mit der Zeit wurden die Moais immer grösser. Es war wohl ein typischer Wettbewerb, wer den Grössten hat. Das ist uns ja auch heute nicht ganz unbekannt. Allerdings ist mir bei unserer Tour über die Insel auch klar geworden, warum es so viele Theorien über die Moais und das Leben der Inselbewohner gibt. Da die Bewohner keine Schrift kannten, sondern nur schwer zu deutende Polyglyphen hinterliessen, steht man heute vor vielen Rätseln, für die es unzählige mögliche Antworten gibt. Insbesondere bleibt es ein Rätsel, warum überhaupt so viele Moais gebastelt wurden. Mit den primitiven Werkzeugen muss es endlos gedauert haben, bis ein solcher Moai endlich fertig war. Von seinem kilometerlangen Transport über die Insel ganz zu schweigen.

Unser Führer stellte uns Theorie vor, dass sich bei der Produktion der Moai um eine Art ABM gehandelt haben könnte. Da bis auf Landwirtschaft und Fischfang nicht viel auf der Insel zu tun war, könnte die Moai Produktion zur Beschäftigung eines Grossteils der sonst arbeitslosen Inselbevölkerung gedient haben. Allerdings ist der Kult dann so ausgeartet, das für die Produktion die natürlichen Ressourcen der Insel übermässig ausgebeutet wurden, so dass in der Folge Hunger und Krieg zwischen den einzelnen Stämmen herrschten.

Die Besiedlung der Osterinsel muss eine spannende Aktion gewesen sein. Ich stelle mir das ein bisschen so vor, wie es in dem Buch "Die Siedler von Catan" von Rebecca Gable beschrieben wird. In dem Buch geht es zwar nicht um die Osterinsel, aber es zeigt, wie in einer Gemeinschaft, die ein fruchtbares Land besiedelt, das genug für alle bietet, nach einer Zeit trotzdem Zwist entsteht. Wie die Osterinsel besiedelt wurde, kann man auch heute nicht mit letzter Gewissheit sagen, aber es wird als sehr wahrscheinlich angenommen, dass die Siedler vom heutigen Französisch Polynesien (Tahiti) über die Pitcairn Islands auf die Osterinsel kamen. Uns hat von dieser Theorie vor allem ein der Überlieferung nach "verbotener" Moai in der Produktionsstätte Rano Raraku überzeugt. Dieser sah den Tiki Statuen, die wir auf Tahiti gesehen haben, verdächtig ähnlich. Ausserdem glaube ich, dass trotz Thor Heyerdahls Kon Tiki die Polynesier einfach besser Boot fahren konnten als die Incas.

Ohne die Restaurationsbemühungen des chilenischen Staates und internationaler Firmen und Organisationen könnte man heute gar keine stehenden Moais mehr besichtigen, denn die Inselbewohner hatten die Produkte ihrer Mega-ABM in der Phase des Niedergangs selbst umgestürzt, so dass heute die meisten Moais auf der Nase liegen und so langsam vor sich hinverwittern.

In der Geschichte der umfangreichen Geschichte der Osterinsel (interessanter Film hierzu: "Rapa Nui" mit Kevin Costner) hat mich vor allem die Episode des französischen Abenteurers Jean-Baptiste Dutroux-Bornier zugleich schockiert und beeindruckt. Er hat zwischen 1870 und 1877 tatsächlich bis auf 100 Zurückgebliebene alle Inselbewohner nach Tahiti verfrachten lassen, um aus der Insel eine einzige Schafsfarm zu machen. 1877 wurde Dutroux-Bornier dann schliesslich von einem der wenigen verbliebenen Inselbewohnern umgebracht.

Heute sind finsteren Episoden Vergangenheit und die Osterinsel ist trotz der jährlich einströmenden 45.000 Touristen ein sehr entspanntes Plätzchen. Es herrscht ein typisches Inselklima, bei dem es weder übermässig warm noch übermassig kalt wird. Trotz relativ häufiger Regenschauer gibt es ausreichend Sonne, um den Strand der Insel oder einen der vielen Surfbreaks zu geniessen.



Sabines Blog - Buenos Aires 27. März 2007
 
I love Mendoza
 
Bevor ich über unsere zweite Woche in Mendoza und unsere Tage in Buenos Aires berichte

7 Gründe, warum man nach Mendoza fahren sollte:
1. Die Leute dort sind unschlagbar, sehr herzlich, nach kurzer Zeit hat man das Gefühl man ist schon seit Ewigkeiten dort.
2. Die Stadt ist sehr tranquila = entspannt. Hier wird noch die Siesta von 1 bis 5 Uhr Nachmittags eingehalten. Nach kurzer Zeit wird man selbst auch ganz relaxed.
3. Es scheint 300 Tage im Jahr die Sonne. Das liegt an dem Wüstenklima. Angeblich regnet es nicht. Wir haben allerdings einige Regenschauer miterlebt.
4. Die Stadt ist sehr grün. In jeder Straβe stehen Platanen, die durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem bewässert werden.
5. Es gibt unglaublich viele Straβencafés und Restaurants und dank des Umrechnungskurs ist es sehr günstig diese auszuprobieren.
6. Es ist eine bekannte Weinregion mit sehr guten Weinen und vielen Bodegas in der unmittelbaren Umgebung.
7. Man kann unglaublich viel machen: In der Nähe sind die Berge, von Reiten bis Rafting, alles ist möglich. Auf dem Golfplatz der dicht an der Stadt liegt kann man günstig Golf spielen.
 
Okay, ich will auch die Nachteile nicht verschweigen:
1. Es gibt kein Meer.
2. Ein Taxi zu bekommen ist ein Glücksspiel, manchmal dauert es eine Sekunde, manchmal 2 Stunden.
3. Man nimmt zu.
 
So jetzt aber zum eigentlichen Blog:
Die zweite Woche in Mendoza wurde fast stressig, soviel hatten wir vor. Am Sonntag machten wir unseren Ausflug mit Beatriz und ihren Freunden. Zuerst fuhren wir zu einer Bodega, wo uns erklärt wurde, wie der Wein hergestellt wird und wir machten einen Rundgang durch die Keller, in denen die edlen Tropfen gelagert werden. Hinterher durften wir die Weine probieren. Ich war überrascht, dass mir der Weiβwein, ein Semillion, besser geschmeckt hat, als der für Mendoza typische Malbec. Danach fuhren wir in ein in den Bergen gelegenes Hotel, welches mit heiβen Quellen seinen Spabereich speist und sahen uns diesen an. Sehr angenehm zum Entspannen - nur bei einer Auβentemperatur von über 30 Grad stand und nicht der Sinn nach heiβem Wasser. Statt dessen machten wir etwas, was fast die Hälfte aller Mendoziner am Wochenende macht - ein Picknick in den Bergen.
 
Hierzu gibt es richtige Plätze für die man Eintritt bezahlt und die so ähnlich wie ein Campingplatz aussehen. Jeder einzelne Picknickplatz ist abgegrenzt durch Bäume, hat einen Tisch und natürlich eine feste Stelle zum Grillen. Nicht fehlen durften Empanadas, die typischen gefüllten Teigtaschen, die wir vorher noch schnell kauften. Ansonsten hatte jeder etwas mitgebracht und so türmten sich auf unserem Tisch neben den Empanadas, Sandwichs, Milaneses (die argentinischen Schnitzel) und vieles mehr. Nicht fehlen durfte natürlich der Matetee und eine Flasche des gerade gekauften Weines, für den europäischen Touch. Als ich das Gefühl hatte, ich kann nichts mehr essen, wurde der Nachtisch ausgepackt und Kuchen. Hinterher machten wir einen Spaziergang zum nahen Fluss, wo viele die frische Brise genossen.
 
In der nächsten Woche hatten wir neben unseren 4 Stunden Spanisch pro Tag auch jeden Tag Golfunterricht. Nachdem wir jeden Tag fleißig Abschlag geübt hatten, durften wir am Mittwoch das erste Mal auf den Platz. Meine Bälle flogen leider nicht gerade, sondern eher rechts und links in die Bäume. Senior Loco nahm es gelassen und lobte uns trotzdem. Dann kam der Moment, wo ich das erste Mal einen perfekten Schlag hatte, der Ball flog hoch und weit. Leider befand sich auf der Bahn ein kleiner See, in den mein Ball reinplumste. Da war sogar Senior Loco kurzzeitig baff, denn wie er später mal erklärte, schlagen Frauen normalerweise die Bälle nicht so weit.
 
Am nächsten Tag begann es in Strömen zu regnen und wir saβen im Aufbewahrungsraum für die Caddies und tranken Matetee. Plötzlich kam Senior Loco, der Olaf sehr mag, mit zwei Golfschlägern an, die schon 50 Jahre alt sind, und schenkte sie Olaf. Dieses Mal waren wir sprachlos über die Geste.
 
Zusätzlich hatten wir auch fast jeden Abend etwas vor. Dienstag hatte Beatriz ein Asado, ein argentinienisches BBQ bei uns im Garten organisiert. Ich machte hierfür einen Nudelsalat, stellte aber bald fest, dass dieser in Argentinien völlig unbekannt ist. "Kalte Nudeln? Das soll schmecken?" - nicht nur Beatriz sah mich ungläubig an, sondern auch meine Lehrerinnen in der Sprachschule. Trotzdem bekam ich abends viel Lob für das unbekannte Gericht.
 
Mittwoch waren wir bei Yves, meinem Mitstudenten, zum Essen eingeladen. Seine langen Ausführungen im Unterricht, wie man was richtig zubereitet, hatten dazu geführt. Es war ein sehr netter Abend und wie wir feststellten, wohnte er beim ehemaligen Präsenten  des Golfclubs und auf einem Bild sahen wir Senior Loco wieder. Als wir ihn das am nächsten Tag berichteten, schüttelte er nur den Kopf: "Ihr seid erst eineinhalb Wochen in der Stadt und kennt schon Jorge."
 
Am Donnerstag war "Deutscher Abend". Wir hatten Graciella, eine Deutschlehrerin, die auch schon in Deutschland gelebt hat, bei unserem ersten Picknick kennengelernt. Sie bereitet Ingenieurstudenten auf ihr Austauschjahr in Deutschland vor. Sie fragte uns, ob wir Lust hätten mit ihren Studenten einen Abend lang deutsch zu sprechen. Natürlich! Ebenfalls mit von der Partie war Lisa, eine deutsche Medizinstudentin, die gerade in Mendoza ein Praktikum in einem Krankenhaus macht. Einen Abend deutsch sprechen, statt sonst immer spanisch oder englisch, das hörte sich für mich sehr verführerisch an. Allerdings stellte ich ich ziemlich bald fest, dass das ganz schön anstrengend sein kann, wenn man etwas auf deutsch sagt und dabei in fünf fragende Gesichter schaut oder Fragen beantwortet, wie "Wie alt bist Du? Warum hast Du noch keine Kinder? ..." Plötzlich wurde mir bewusst, wieviel Geduld Beatriz jeden Tag mit uns hat. Trotzdem wurde es ein sehr lustiger Abend. Ich bin gespannt, welchen von den Studenten wir in Hamburg wiedersehen werden.
 
Am Freitag unserem vorletztem Tag gab es noch einiges zu organisieren. Vor allem schaffte ich es endlich mal zum Frisör zu gehen. Mein schnellster Frisörbesuch in meinem bisherigen Leben, mit Haarewaschen, schneiden und föhnen genau 15 Minuten. Für den eigentlichen Haarschnitt ging Oswaldo, der Frisör, genau dreimal um mich herum, jedesmal mit einem anderen Haarschneidegerät. Für das gleiche Ergebnis hätte ich in Deutschland mindestens ein Stunde beim Frisör gesessen und vor allen Dingen hätte mehr als 5 Euro bezahlt.
 
Zu unserem letzten Abendessen hatten wir Senior Loco und seine Frau zu Beatriz eingeladen und es wurde ein langer und lustiger Abend. Am nächsten Morgen durften wir mal wieder unserer Lieblingsbeschäftigung nachgehen - Sachen packen. Abends ging unserer Bus nach Buenos Aires. Wir hatten die beste Buskategorie für unsere Nachtfahrt gebucht, dass allerdings erst nach der Buchung festgestellt. Als wir jetzt den Bus betraten waren wir erstaunt, dass sah hier aus wir in der ersten Klasse im Flugzeug, mit Sitzen, die man zu Liegen umbauen kann. Okay, am Entertainmentprogramm - einem Bingospiel - könnte noch etwas gefeilt werden. Aber es gab Essen und Wein, so dass die Fahrt verhältnismässig entspannt war. Es war Sonntagmorgen und der Himmel überspannt feuerrot die Stadt, als wir reinfuhren.
 
Buenos Aires, ich weiβ nicht warum, aber diese Stadt für mich immer etwas sehr exotisches und ich hätte nie gedacht, dass hier einmal in meinem Leben herkomme. Jetzt sah es aus dem Busfenster wie eine normale Groβstadt aus, die gerade erwachte. Wenig später waren wir in unserem Hostel angekommen. Leider war unser Zimmer noch nicht frei und so machten wir uns auf dem Weg nach San Telmo, einem Stadtviertel von Buenos Aires, in dem am Sonntag immer ein groβer Straβenmarkt stattfindet. Hier war sehr viel los, viele Stände, viele Strassenkünstler und viele Touristen. Abends fanden wir ein sehr nettes Restaurant mit extrem guten Service, Essen und Wein. Als wir auf die Rechnung schauten waren wir uns einig in Deutschland hätten wir den gleichen Preis in Euro gezahlt. Die 112 Pesos sind ungerechnet noch nicht mal 30 Euro.
 
Die Nacht habe ich kaum geschlafen, den das Hostel, das durch seine zentrale Lage bestach, war sehr, sehr laut. Bei jedem Bus, der vorbeifuhr erzitterte der Boden. Willkommen in der Groβstadt!
 
Am nächsten Morgen hatten wir eine lange Liste abzuarbeiten, dass Wichtigste war aber die weitere Organisation unserer Reise, Flugbuchungen und ein Update unserer Webseite. Dabei habe ich unter anderem die Reisetipps für Neuseeland komplett fertig gestellt. Leider hatten wir gar keine Zeit uns noch etwas von Buenos Aires anzusehen, aber wir machen nach Patagonien vor unserer Weiterreise nach Boliven hier noch einmal hier Zwischenstopp machen.
 
Jetzt sitzen wir gerade am Flughafen von Buenos Aires und warten auf unser Flugzeug nach El Calafate, dass uns nach Patagonien bringen soll. Es regnet drauβen in Strömen und alle Flugzeuge haben mindestens 2 Stunden Verspätung. Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt auf unser nächstes Reiseziel, denn es steht der Moreno Gletscher, Wandern im Nationalpark Torres del Paine und eine Schiffsfahrt zum Kap Horn auf dem Programm. Es bleibt spannend!



Olafs Blog - Torres del Paine Nationalpark, 02. April 2007


5 globale Megatrends

Wir haben unseren Rückflugticket klargemacht (noch mit Hindernissen - siehe oben) und damit ist das Ende unserer Weltreise absehbar. Das nehme ich zum Anlass, eine Liste der wichtigsten globalen Trends, die wir auf unserer Reise aufspüren konnten, hier exklusiv zu veröffentlichen. Horst W. Opaschowski vom Hamburger Trendbüro aufgepasst:
  1. Alle wollen leben wie im Westen. In Salechard, Karakorum, Datong, Sipalay, Mendoza und allen anderen von uns besuchten Plätzen auf der Erde ist es unübersehbar, dass die Menschen auf nichts sehnlicher warten als auf amerikanische C-Movies, Junk Food, Marken-Klamotten, grosse Autos und all jene Dinge, die das Leben im Westen ja so angenehm machen. Klar, es gibt auch Gegenbewegungen, aber der Mainstream wird wie immer siegen, fürchte ich.
  1. Alle gehen auf Weltreise. Als wir unsere Reisevorbereitungen begonnen hatten, hielten wir unsere Idee einer Weltreise zwar nicht für besonders ausgefallen aber doch ein wenig avantgardistisch. Weit gefehlt, nahezu jeder zweite uns begegnete Traveler ist auf Welt- oder Langzeitreise. Die Weltreise ist der vorläufige Endpunkt (am Weltraumtourismus wird mit Hochdruck gearbeitet) einer Entwicklung, die mit der klassischen Pauschalreise beginnt. Während wir die Japaner vor 20 Jahren in verängstigten Gruppen mit Einheits-Haarschnitt und Aschenbecher-Brillengläsern die ersten Gehversuche in fremden Ländern machten, trifft man sie heute im MTV Style als Backpacker in der Mongolei und auf der Osterinsel. Eine Entwicklung, die in Deutschland eher begann und daher schon früher in den Individualtourismus mündete. Die Chinesen werden die nächsten sein.

  1. Rauchen war gestern. Wenn man einmal von China absieht, wo überall und ständig geraucht wird (ungefähr genauso wie Nase hochziehen, rumrotzen etc.), dann haben wir zu unserem Erstaunen festgestellt, das der Nichraucherschutz in fast jedem besuchten Land besser ausgebaut ist als in Deutschland. So dürfen beispielsweise Zigaretten in Thailand nicht mehr im Geschäft sichtbar ausgelegt werden. Es darf lediglich ein Hinweis angebracht werden: "Hier kann man Zigaretten kaufen.". In Australien und Neuseeland kann man eigentlich nur noch im Freien rauchen und auch in vielen anderen Ländern gelten Rauchverbote in Restaurants und Bars. Wer jetzt keine Lust mehr auf Rauchen hat, dem empfehle ich das Buch "Endlich Nichtraucher" von Allen Carr.


  2. Alle reden von der globalen Erwärmung. Egal ob es zuviel regnet oder zuwenig, zu kalt ist oder zu warm - die globale Erwärmung ist schuld. Während man mich bis vor zwei Jahren regelmässig mitleidig belächelt hatte, wenn ich das Thema im Freundeskreis ansprach, nervt mich heute jeder Taxifahrer an jedem beliebigen Ort der Welt mit dieser Sache. Ob sich das Bewusstsein nun auch bald in die richtigen Massnahmen umsetzen lässt, kann man angesichts der zähen internationalen Konferenzen zum Thema bezweifeln. Man sollte allerdings auch nicht zu pessimistisch sein. Das in den 80ern entdeckte Ozonloch über der Antarktis wird voraussichtlich in 100 Jahren wieder vollständig geschlossen sein. Das entsprechende Abkommen zur weltweiten Verbannung der ozonzerstörenden FCKW hatte man 1987 verabschiedet.

  1. Manche Länder werden es schaffen, andere nicht. Viel ist in den letzten Jahren von der Globalisierung der Rede und von den Gewinnern und den Verlierern dieser Entwicklung. Unsere Reise hat mir gezeigt, dass es ganz extreme Gewinner und Verlierer geben wird. Einiges hat sicher mit historischen und natürlichen Vorausetzungen in den jeweiligen Ländern zu tun. Entscheidend ist nach meiner Einschätzung jedoch der Faktor Mensch. Hier merkt man, dass die Leute in einigen Ländern (China, Vietnam) deutlich mehr Gas geben als in anderen Ländern (Philippinen, Russland). Dementsprechend wird wohl auch das Globalisierungs-Ergebnis aussehen.


 Sabines Blog - Ushuaia  13. April 2007

In Patagonien - oder "Worlds End"

Es ist schon erstaunlich, wie der Titel des Buches, das ich gerade lese, zu dem Ort passt, in dem wir sind. Ushuaia ist die südlichste Stadt der Welt und gestern waren wir am Kap Horn, der südlichsten Spitze der Welt vor der Antarktis. Dabei habe ich das Buch "Worlds End" von T. C. Boyle schon in einem Bücherexchange in Vietnam gefunden, es aber bisher noch nicht geschafft zu lesen. Natürlich ist Handlungsort im Buch ein ganz anderer, aber ich kann es trotzdem sehr empfehlen zu lesen.
In Patagonien angekommen sind wir mit dem Flugzeug aus Buenos Aires am 27. März in El Calafate. Seit dem haben wir viel gesehen und erlebt, so dass ich beschlossen habe, diesen Blog nach den besuchten Orten zu gliedern, da ich fürchte, dass er mal wieder sehr, sehr lang wird.

El Calfate - Tor zum Moreno Gletscher

Als wir in El Calafate aus dem Flugzeug ausstiegen, empfing uns Wind, viel Wind der heulend um den Shuttelbus wehte, in dem wir saβen und auf unseren Transport zum Hostel warteten.

Unser Hostelzimmer selbst war nicht besonders schön, aber es hatte ein privates Badezimmer und eine Heizung. Die war auch notwendig, den hier unten im Süden ist es schon richtig Herbst und drauβen war es kalt. Auβerdem ist die Location unschlagbar, einen Block von Busbahnhof und der Innenstadt entfernt. Als wir uns beide auf dem Weg machten, diese zu erkunden, hatten wir unabhängig voneinander das Gefühl von Vorfreude auf Weihnachtsmarkt und Weihnachten. Es ist schon komisch, wie wir Jahreszeiten mit Festen verbinden. Am heutigen Abend buchten wir noch schnell einen Ausflug zum Gletscher für morgen und gingen essen.

Am nächsten Morgen holte uns der Bus ab und auf der Fahrt zum Gletscher bekamen wir viele interessante Informationen vom Busfahrer, über das Land, die Leute und den Gletscher. Sehr interessant ist natürlich, dass der Gletscher noch immer wächst, um ganze zwei Meter am Tag. Die Abbruchkante ist aber seit Jahren immer an der gleichen Stelle. Das bedeutet, dass täglich Eis abbricht und unsere Chance, dieses zu beobachten sehr hoch ist. Voraussetzung ist aber, den Gletscher die ganze Zeit genau im Blick zu haben, denn wenn man es hört ist es schon zu spät, den der Schall ist bekanntlich etwas langsamer. Auβerdem sollen wir uns in Erinnerung rufen, dass der Gletscher die Höhe eines zwanzigstöckigen Gebäude hat und wenn wir einen einen kleineren Eisbrocken runterfallen sehen, hat dieser ungefähr die Gröβe des Minibusses, in dem wir momentan fahren.

Als erstes sahen wir aber nur riesige Eisblöcke, die von weitem aussahen wie kleine weiße Schiffe, die den Fluss heruntertrieben und einen groβen Regenbogen. Dann kam der erste Blick von der Ferne auf den Gletscher. Von hier aus lieβ sich die Gröβe schon erahnen. Sehr eindrucksvoll.


Um den Gletscher aus der Nähe betrachten zu können, beschlossen wir eine Bootsfahrt zu unternehmen, die einen sehr dicht zur Abbruchkante bringt. Auβerdem ist die Perspektive vom Wasser aus eine andere, als wenn man von oben draufguckt. Man sieht zum Beispiel sehr gut die unterschiedlichen Eisfärbungen von dunkelblau ganz unten über alle Blaufärbungen hin bis zu weiβ ganz oben. Das liegt, wie wir später gelernt haben, an dem unterschiedlichen Druck durch den der Schnee zu Eis zusammengepresst wurde und an der Brechung des Lichts.

Die ganze Zeit schaute ich gebannt die Abbruchkante an: "Welche Spitze bricht als nächstes?" Es geschah nichts, außer ein paar kleineren Brocken die runterfielen, sah alles unverändert aus. Dann passierte es plötzlich. Eine ganze haushohe Spitze krachte ins Wasser. Das Geräusch war unglaublich laut. Gleich danach sahen wir die Welle, die sich kreisförmig ausbreitete und langsam auf unser Schiff zubewegte. Kurze Zeit später konnten wir sie auch fühlen.

Nach unserer Bootstour hatten wir drei Stunden Zeit auf den vier Aussichtsterassen den Gletscher zu beobachten. Das hört sich jetzt ziemlich lang an, aber es war sehr interessant, den Gletscher zu beobachten. Wir hatten Glück und sahen noch einige schöne Abbrüche. Auf dem Rückweg waren wir uns einig, dass war der imposanteste Gletscher, den wir gesehen haben. Den wollen wir uns morgen noch mal genauer ansehen, ganz nah, mit einer Besteigung des Gletschers.

Leider wurde daraus nichts. Wir hatten abends in einem Restaurant gegessen, der Topempfehlung vom Lonely Planet, in dem angeblich auch der argentinische Präsident Kirchner ab und zu vorbeischaut. Leider ist mir das Essen überhaupt nicht bekommen und ich verbrachte die halbe Nacht auf der Toilette, wobei ich sehr froh war, dass wir ein eigenes Bad hatten, was in der letzten Zeit eher selten war. Da wir den Abend vorher die Tour bereits gebucht und bezahlt hatten, war jetzt die Frage, ob wir unser Geld wiederbekommen. Olaf machte sich auf den Weg zur Agentur und kam schon bald zurück. Die Antwort war, ja wir bekommen unser Geld wieder, WENN wir ein ärztliches Attest vorlegen können. So kam es, dass wir auf unserer Weltreise das erste Mal ein Krankenhaus von innen sahen, denn Olaf war so lieb und begleitete mich. Ich veranschlagte von vorn herein drei Stunden Wartezeit und das Rudel Hunde vor der Krankenhaustür sah für mich auch nicht überzeugend aus. Aber ich wurde positiv überrascht, vor uns war nur ein anderes Paar dran, der Arzt war sehr nett und sprach auch englisch, verschrieb mir Tabletten gegen Erbrechen und eine Diät für die nächsten Tage und stellte das Attest aus. Wir mussten noch nicht einmal etwas bezahlen, denn das Gesundheitswesen in Argentinien ist kostenlos. Trotzdem war ich froh, als ich kurze Zeit später wieder im Bett lag. Das Geld von der Tour-Agentur gab es auch wieder.

Puerto Natales - Tor zu den "Torres"

Am nächsten Morgen ging es mir wesentlich besser und wir nutzten unsere Bustickets, die wir schon vorher gekauft hatten und fuhren nach Puerto Natales und überquerten auf dem Weg die Grenze zu Chile. In Puerto Natales gibt es nichts zu sehen, aber fast jeder, der Patagonien bereist, durchquert dieses Städtchen, denn es ist Ausgangspunkt für die Wanderungen im "Torres del Paine" Nationalpark.

Als wir in Puerto Natales ankamen, stürmte und regnete es, kein gutes Wetter für eine Wanderung. Unsere Wirtin meinte, vor morgen abend klart es nicht auf und am Abend kehrten viele durchnäßte Wanderer zurück, die nach zwei Tagen Kampf mit dem Wetter aufgegeben hatten. So beschlossen wir, es ruhig angehen zu lassen und auf besseres Wetter zu warten.

Am gleichen Abend buchten wir unseren Heimflug über Travel Overland im Internet. Hauptgrund für die Buchung war, dass die Ticktes als elektronische Tickets ausgestellt werden. Die Buchung sollte innerhalb 24 Stunden bestätigt werden. Damit wäre es dann unser Rückkehrtermin festgelegt, am Samstag, dem 19. Mai um 13.45 Uhr landet unser Flugzeug im Hamburg.

Den nächsten Morgen fegte ein Sturm um unser Haus, das hörte sich wirklich nicht sehr gemütlich an. Im Laufe des Tages überlegten wir, wie wir weiter vorgehen sollen, denn wir hatten nicht unbegrenzt Zeit, hier auf schönes Wetter zu warten, denn wir mussten pünktlich zum Abfahrtstermin unseres Bootes am Ostersamstag im Punta Arenas sein. Heute war schon Sonntag und so blieben uns insgesamt weniger, als eine Woche. Die Idee war die folgende, wir fahren morgen in den Nationalpark, der immerhin über 100 km entfernt liegt und schauen uns vor Ort die Wettersituation an. Vor Ort gehen wir nicht zelten, sondern buchen ein nettes Hotel, um uns die Wartezeit zu verschönern. Sehr guter Plan fanden wir, bis uns der Preis für das Hotel mitgeteilt wurde, 175 US-$ die Nacht für das billigste Zimmer. So entschieden wir uns schnell um, zur nächsten Variante: Übernachtung in einem Refugio. Hier bezahlt man für eine Übernachtung in einem ungeheizten Mehrbettzimmer (6 Personen) immerhin noch 36 US-$ pro Person. Ein stolzer Preis, aber immer noch besser, als bei Regen uns Sturm zu zelten. Einige Minuten später waren wir uns nicht mehr ganz sicher, ob das die richtige Entscheidung war, denn Olaf hatte sich in den letzten Tagen eine heftige Erkältung zugezogen und bei dem Wetter in kalten Räumen zu übernachten hörte sich nicht nach der richtigen Lösung an. Aber gebucht war gebucht.

Am Abend packten wir unsere Sachen für den Treck, und lieβen alles, was wir nicht brauchten, im Hostel. Auβerdem hatten wir ein Problem, wir hatten nicht die versprochene Bestätigung für unsere Flüge bekommen und auch sonst nichts vom Reisebüro gehört. Telefonisch konnte ich sie auch nicht erreichen und es war sehr unwahrscheinlich, dass wir die nächsten Tage im Nationalpark Internetverbindung haben. So bat ich meine Eltern in der Zwischenzeit das Reisebüro zu kontaktieren, um festzustellen, warum wir noch nichts von Ihnen gehört hatten.

Am nächsten Morgen hatten wir trotz letzter "Eilmail" immer noch keine Nachricht vom Reisebüro und leider auch nicht von meinen Eltern. Die Unsicherheit blieb, wie wir wieder nach Hause kommen, zumal wir festgestellt hatten, dass die Flugpreise in den letzten Tagen explosionsartig nach oben gingen.

Dafür schien der Himmel blau und es wehte kein Wind mehr, als uns der Bus um 7 Uhr vom Hostel abholte. Die Fahrt dauerte fast drei Stunden bis wir am Refugio ankamen. Auf einem Zwischenstopp trafen wir Clarita wieder, eine Amerikanerin, die die letzten Tage mit uns zusammen bei Beatrize in Mendoza gewohnt hatte. Sie war zusammen mit einem Freund, der Cesar hieβ, einem Argentinier unterwegs. Er ist normalerweise Bergführer im argentinischen El Chalten, das nur wenige Busstunden entfernt liegt, und war ebenfalls das erste Mal hier.

Auf der Fahrt konnten wir von Weitem schon die "Torres" sehen. Wörtlich übersetzt heiβen sie die Türme, aber für mich sahen sie mehr nach Zähnen aus, die sich in den Himmel bohrten. Wir waren uns einig, wir wollten noch heute nach oben, die 9,5 km erklimmen, obwohl der Tag schon ziemlich vorangeschritten war. Die erste große Hürde war aber der Check-in im Refugio. Obwohl wir einen prepaid Voucher hatten und nur 12 andere Leute vor uns standen, dauerte es eine halbe Stunde bis wir endlich unsere Sachen im 6-Mann-Zimmer ablegen konnten. Für uns wertvolle Laufzeit, den die Strecke war für einem Weg mit 4 Stunden angegeben, insgesamt also 8 Stunden für 19 km.

Um 10.30 Uhr liefen wir los. Die ersten Meter war der Weg noch ziemlich eben, aber bald ging es steil bergauf. Die Sonne brannte und ich kam ziemlich schnell ins Schwitzen und der Weg nach oben schien kein Ende zu nehmen. Gleichzeitig konnten wir am Horizont schon Wolken sehen, die in die Torres zogen. Also weiter, so schnell wie möglich. Nach einer Stunde hatten wir den ersten Pass erreicht, danach wurde der Weg schmaler, aber es ging erstmal bergab, bevor es wieder bergauf ging. Nach 1,5 Stunden hatten wir das zweite Refugio erreicht, dass aber seit dem 1.  April, also seit heute geschlossen war. Hier machten wir 10 Minuten Pause, bevor es weiterging. Das Mittelstück war eigentlich ganz angenehm zu laufen, es war hügelig, hatte aber keine langen Ansteigungen mehr.

Eine Stunde später waren wir am Zeltplatz unterhalb der Torres, laut Schild sollte es von hier aus nur noch 45 Minuten dauern, nur ein Ansporn nicht aufzugeben, wie ich wenige Minuten später feststellte, als ich das riesige Geröllfeld sah, dass man steil hochklettern musste. Immer die nächste rote Markierung im Blick, versuchte jeder den bestmöglichen Weg zu finden. Nach einer halben Stunde war ich völlig kaputt, die "Torres" waren auch noch nicht in Sichtweite und laut Auskunft der Entgegenkommenden lag noch mal 30 Minuten klettern vor uns. Die Wolken wurden immer dichter und ich bat Olaf vorzugehen, damit wir wenigstens noch ein paar Fotos von den Felsnadeln haben.

Irgendwie habe ich es dann auch noch bis ganz nach oben geschafft. Der Platz ist schon sehr eindrucksvoll, wenn die riesigen Felsen direkt vor einem stehen. Wir hatten aber nicht lange Zeit zu verweilen, denn nach ca. 10 Minuten fing es an zu regnen. Wir blieben noch einige weitere Minuten dort oben, bevor wir uns auf den Rückweg machten.

Das Runterklettern zwischen den riesigen Geröllsteinen dauerte mindestens genauso lange, wie das Hochklettern, obwohl es etwas weniger anstrengend war, aber durch das Regenwasser war alles ziemlich rutschig geworden. Beim Blick nach unten fiel mir das erste Mal die Laubfärbung hier oben auf, die ersten Anzeichen des Herbstes. Auf dem Weg nach unten trafen wir dann auch noch Clarita und Cesar wieder, die aber noch das schlimmste Stück, die letzten 20 Minuten vor sich hatten.

Ich war sehr froh, als wir das Geröllfeld endlich hinter uns lieβen und wieder auf "normalen Wegen" liefen. Es fing aber immer kräftiger an zu regnen und das Mittelstück zog sich extrem lang hin. Als wir am zweiten Refugio ankamen regnete es so stark, dass wir uns hier unterstellten und das erste Mal auf unserer Reise die Regenhose und das Regencape anzogen. Danach ging es weiter. Unter unseren Regensachen fingen wir bald an zu schwitzen, so dass wir nicht nur von auβen nass waren, sondern unsere kompletten Klamotten durchfeuchtet waren. Jetzt durften wir also nicht auskühlen und das Licht wurde auch schon langsam geringer. Am schlechtesten lief sich das letzte Stück, denn der Regen hatte die Wege in kleine Bäche verwandelt und trotz guten Schuhprofils fingen wir an zu rutschen. Meist immer dann, wenn man es am wenigsten erwartete. Gegen 18.30 Uhr waren wir endlich zurück im Refugio, total kaputt und vollständig nass. Also führte uns der erste Weg unter die heiße Dusche, wo eine nächste Überraschung auf uns wartete. Im Refugio gab es kein elektrisches Licht. Aber nach diesem Tag war es mir dann auch egal, im Dunklen zu Duschen. Kurze Zeit später saβen wir mit trocken Sachen im Speisesaal und trafen hier auf eine deutsche Reisegruppe.

Am nächsten Morgen konnten wir einen schönen Sonnenaufgang beobachten, der die "Torres" rosa erscheinen lieβ. Unsere nassen Sachen waren auch ohne Heizung trocken geworden. Wunderwerk der Technik. Heute wollten wir es mal wieder entspannt angehen lassen und nicht wandern. Wir wechselten nur unser Refugio, was mit Bus und Boot immerhin 3 Stunden dauerte. Wir hatten aber gute Unterhaltung, Clarita und Cesar, die die letzte Nacht in ihrem Zelt gut durchgeweht wurden, hatten die gleiche Idee. Vor Ort angekommen warteten wieder ungeheizte Zimmer auf uns, aber hier gab es elektrisches Licht. Den restlichen Nachmittag genossen wir von unserem Zimmer aus die schöne Aussicht.

Am nächsten Tag machten wir uns mit unseren kleinen Rucksäcken auf den Weg. Die ersten zwei Stunden gingen relativ einfach gerade zu laufen, allerdings waren die Wege ziemlich aufgeweicht. Ab dem Einstieg zum Valle Frances wurde es steil und bald war wieder klettern angesagt. Der Weg war aber trotzdem landschaftlich sehr schön mit Blick auf einen Gletscher. Nachdem wir das steilste Stück nach 1,5 weiteren Stunden überstanden hatten, kamen wir auf eine Ebene wo der Wind kräftig blies, dass man fast Mühe hatte, stehen zu bleiben. Das wurde besser als wir wieder in den Wald kamen. Von dort an war der Weg wirklich schön zum laufen, immer leicht bergauf. Je höher wir kamen, desto mehr sah man schon die Laubfärbung. Nach 4,5 Stunden und 13 km in den Beinen, kamen wir um eins bei dem oberen Camp an. Wir beschlossen, hier umzukehren und die letzten 2 km, die noch mal eine Stunde dauern sollten (=sehr, sehr steil + klettern), nicht mehr zu laufen.

Auf unserem Rückweg war ich sehr froh über unsere Entscheidung, denn der Wind frischte immer mehr auf und drückte mich sogar zweimal zu Boden. Ein weiteres Mal hatte ich Glück, als ich über eine kaum sichtbare Baumwurzel stolperte und vornüber auf beiden Knien landete. Auf dem weichem Waldweg tat es überhaupt nicht weh, an einer steinigeren Stelle hätte es aber wahrscheinlich ganz anders ausgesehen.

Die letzten Kilometer zogen sich ganz schön hin, und ich hoffte, nach jeder Wegbiegung unser Refugio zu sehen, die 26 km machten sich langsam in den Beinen bemerkbar. Aber wir schafften es! Am Ziel angekommen, erklärte ich Olaf, dass ich vom Wandern erstmal geheilt sei, denn auf unserer Reise war meist ich diejenige gewesen, die die Hikes angeregt hatte. Olaf erwiderte nur, dass wir ja auf jeden Fall noch die (von mir vorgenommene) Reservierung für 4 Tage Inkatrail in Peru haben und das die Strecke bei 3000 bis 4200 Meter Höhe wohl noch etwas anstrengender werden wird. Auf diese Aussicht genehmigte ich mir abends eine kleine Flasche Rotwein für den Erpresserpreis von 6 Dollar.

Am nächsten Tag kehrten wir zurück nach Puerto Natales, wo wir uns noch einen Tag ausruhten, bevor wir uns auf den weiteren Weg nach Punta Arenas machten.

Ausruhen hieβ in dem Falle: mehrere Telefonate mit dem deutschen Reisebüro und meinen Eltern wegen unserer Flugtickets nach Hause führen, bis wir eine Lösung zur Verschickung der Tickets, die natürlich nicht elektronisch ausgestellt werden konnten, gefunden hatten. Und natürlich unsere Webseite updaten.

Punta Arenas - Nichts zu machen

Für alle Leser, die bis jetzt noch nicht aufgegeben haben, wir sind schon am Karfreitag, den 6. April angelangt.

Trostlosigkeit erwartete uns in Punta Arenas. Einziger Grund, warum wir hier waren: Ab morgen soll hier unsere Crucero beginnen. Beim Hostel hatte ich einen richtigen Fehlgriff getätigt. Es war kalt (keine Heizung) und ungemütlich und lag in einer etwas finsteren Gegend. Egal, länger als 24 Stunden wollten wir uns in diesem Ort sowieso nicht aufhalten, aber auch dass ist schwierig, wenn es nichts zu tun gibt.

Die erste Idee war etwas essen gehen und wir landeten in DEM Touri-Restaurant der Stadt, Lomits. Hier gab es Hamburgern ähnliche Gebilde, die man in verschieden Varianten bestellen konnten. Nach einer Stunde waren wir satt und so schön war es hier auch nicht. Daher machten wir einen ausgiebigen Bummel in dem riesigen Supermarkt (30 weitere Minuten) und kauften Zahnpasta. Dann gaben wir auf und gingen in ein Internetcafe, wo wir alle mails schrieben, die wir in den letzten Wochen hätten schreiben sollen/wollen. Danach machten wir uns auf den Weg in unser Hostel, was sich jetzt noch kälter anfühlte, versuchten noch zu lesen und dann zu schlafen.

Am nächsten Morgen zog sich die Zeit bis wir endlich unser Gepäck einchecken konnten. Danach hatten wir noch einige Stunden Zeit. Wir wiederholten das Programm von gestern, lieβen aber den Supermarkt weg. Auf dem Weg zum Schiff, als wir am Hafen langlaufen wollten, landeten wir in einer noch finsteren Gegend, so dass wir schnell beschlossen, doch lieber den kürzesten Weg zu nehmen.

Die Crucero - Wie kommt man zum Kap Horn?

Vorab soviel, die Crucero war ein absolutes Highlight unserer Weltreise, aber sie war verhältnismäβig zu unseren sonstigen Unternehmungen sehr teuer. Wir haben vorher lange überlegt, ob wir sie machen sollen, oder nicht. Zum Glück haben wir aber genug gute Gründe (Ostern, einzige Möglichkeit nach Kap Horn zu kommen ...) gefunden um uns dafür zu entscheiden, denn wir haben jede Minute an Bord genossen.

Der erste Eindruck war allerdings etwas merkwürdig, denn wir wurden die letzten 100 Meter bis zum Schiff mit einem Bus gefahren, anstatt zu laufen. An Bord ging wurden wir innerhalb von einer Minute zu unserer Kabine gebracht, in dem unser Gepäck schon auf uns wartete. Das Schiff ist nicht so groβ, so das es nur Auβenkabinen gibt. Diese erinnerten an ein Hotelzimmer und waren viel gröβer als ich es erwartet hatte und vor allen Dingen geheizt! Der erste Abend war zum Kennenlernen ausgelegt. Zuerst beim Willkommensdrink, die Mannschaft und die Sicherheitsvorkehrungen, vor dem Ablegen, das Schiff und beim ersten Abendessen, die Tischnachbarn für die nächsten Tage. Wir hatten Glück, mit dem bayrischen Lehrerpaar Barbara und Dieter (beide Mathe und Religion) und den beiden Schweizer Reiseeinkäuferinnen Claudia und Carol verstanden wir uns auf Anhieb so gut, dass wir fast den anschlieβenden Vortrag über die am nächsten Tag geplanten Ausflüge verpasst hätten.

Am nächsten Morgen trafen wir uns aber schon zum Frühstück wieder, um uns für unsere erste Expedition zu stärken. Bereits eine Stunde später standen wir mit Rettungswesten bekleidet an Deck. Für die Experten (wir gehörten nicht dazu), gab es zusätzlich für 10 Dollar gelbe Regenanzüge zu kaufen, so dass fast alle in den sexy Farben gelb und orange erschienen. Das sicherte zusätzlich ab, dass man auch an Land nicht verloren ging. Die Regenhosen schienen aber einen groβen Produktionsfehler zu haben, denn nach dem ersten Landgang war bei fast allen der Schritt aufgerissen.

So begaben wir uns das erste Mal in das Schlauchboot, dass uns an Land, dass zu Feuerland gehört, fuhr. Dort angekommen gab es eine Besichtigungstour, die bei den riesigen Seeelefanten anfing, über eine kleine Gletscherkunde und Flora und Fauna hier weiterging und bei einem riesigen Bieberbau aufhörte. Nach soviel Wissenswerten gab es erstmal eine heiβe Schokolade oder einen Whisky. Die ganz cleveren (dieses Mal gehörten wir dazu) mischten beides. Ich war erstaunt, wir gut die Mischung passt, auch wenn man sich das nicht so vorstellen kann, schmeckt auf jeden Fall besser als das argentinische Nationalgetränk Fernet Cola.

Danach wurden wir wieder aufs Schiff gebracht, wo schon das Mittagessen auf uns warte. Danach gab es eine kurze Ruhepause, bevor es ein zweites Mal an Land ging. Das Ziel war ein groβer Gletscher, den wir uns ansahen. Hinterher gab es wieder heiβe Schokolade und Whisky. Jetzt entschieden wir uns für Whisky auf Gletschereis. Das ist wohl einer der seltenen Fälle, wo das Eis (geschätzt mindestens 400 Jahre) älter ist, als der Whisky.

Dann wurden wir wieder aufs Schiff gebracht und wir haben einfach die Fahrt durch die Fjorde genossen. Man kommt sich sehr einsam vor und die vielen schneebedeckten Berge und Gletscher lassen alles sehr kalt wirken. Auch an diesem Abend wurden wir wieder mit einem Menü verwöhnt. Für den Kopf gab wieder viel Wissenswertes in den Vorträgen zu erfahren.

Am nächsten Tag stand nur ein Landgang auf dem Programm, nachmittags beim Pia Gletscher. Wieder ein riesiger Gletscher, wo wir auch wieder einen Abbruch beobachten konnten. Danach fuhren wir durch die Straβe der Gletscher, wo es beim deutschen Gletscher Bier und Würstchen, beim Französischen Gletscher ein Glas Champagner und beim Italienischen Gletscher Rotwein und Pizza und natürlich die entsprechende Musikuntermalung gab.

Beim Abendessen diskutierten wir die spannende Frage, werden wir morgen auf Kap Horn stehen, oder es nur von weiten sehen? Und wie wird die Nacht dorthin, den das Kap, ist auch als "Kap der Stürme" bekannt. Auf jeden Fall ist es aber die südlichste Landspitze vor der Antarktis und hier sind schon über 800 Schiffe versunken und viele Seemänner ertrunken.

Am nächsten Morgen nach einer etwas wackligen Nacht standen wir wieder mit Schwimmweste parat und das frühe Aufstehen hatte sich gelohnt, wir wurden ausgebootet!  Dann ging es quer über die Insel zum Denkmal und dann zum Leuchtturm, wo sogar eine Familie wohnt. Eine Stunde später mussten wir wieder zurück, denn es hatte angefangen zu regnen und die See wurde rauher. Ob Kap Horn etwas Besonderes ist? Das ist hinterher wirklich schwer zu sagen, denn von weiten sieht es nicht anders aus, als andere Inseln und auch wenn man über das Grün marschiert fühlt man sich an Irland erinnert. Trotzdem haben wir uns gefreut, dass wir es sehen konnten, denn schon eine Stunde später hätte uns der Kapitän nicht mehr an Land gehen lassen. Den restlichen Tag genossen wir die Seefahrt. Zum Glück bin ich die ganzen Tage nicht einmal seekrank geworden, obwohl ich dafür sehr anfällig bin. Nachmittags hatten wir einen letzten Landgang in Puerto Williams, das aber sehr an Punta Arenas erinnert hat. Es ist aber immerhin die südlichste Siedlung der Welt.

Am Abend hatten wir schon unser letztes Abendessen an Board. Die letzten Tage waren viel zu schnell vergangen, aber auch sehr schön gewesen. Wir hatten noch eine letzte Nacht an Board, schon im Hafen von Ushuaia, wo sich am nächsten Morgen unsere Wege trennten.

Ushuaia - das offizielle "Fin del Mundo" - Ende der Welt

Die argentinische Seite ist mit der Vermarktung vom Ende der Welt wesentlich erfolgreicher, als die chilenische und so fliegen viele Touristen nur deswegen hierher nach Feuerland. Als wir ankamen regnete es zur Begrüßung und einige Zeit später sah ich das es sich in Schnee verwandelt hatte! Herbst und Schnee zu Ostern nach Hochsommer zu Weihnachten, verdrehte Welt für jemanden von der Nordhalbkugel. Das Wetter animierte uns nicht zu groβen Ausflügen und so verbrachten wir einen entspannten Tag. Abends aβen wir das beste Fleisch, dass wir in ganz Argentinien hatten - unbeschreiblich lecker, dazu gab es eine Flasche Malbec aus Mendoza.

Am nächsten Tag machten wir eine kleine Wanderung zum Gletscher am Ort. Der Gletscher selbst war nicht so eindrucksvoll, aber die Wanderung durch den Winterwald sehr schön und der Blick von hier oben auf den Beagle Channel eindrucksvoll. Auβerdem hatten wir während unserer Tour nette Begleitung, drei Deutsche, die fast gleichzeitig mit uns am Fuβ des Bergs ankamen. Wir unterhielten uns viel und die Zeit verging sehr schnell. Auf dem Weg nach unten machten wir eine Kaffeepause in einem sehr netten Hotel, dass sich hier befindet. Anschlieβend rannten wir aber fast den Berg runter, da die drei ihren Shuttle zum Flieger nicht verpassen durften.

Heute einen Tag später sitzen auch wir am Flughafen. Unsere Zeit in Patagonien hat uns sehr gut gefallen, aber wir wissen jetzt schon, wir kommen bestimmt wieder. Aber wir sind ja sowieso schon zu Argentinien Fans geworden und der Süden ist nur noch ein zusätzliches Plus. Gleich geht es zurück in das wesentlich wärmere Buenos Aires, wo wir morgen Dirk und seine Freundin Headley treffen werden.



Olafs Blog - Flug Ushuaia-Buenos Aires, 13. April 2007

Das bessere Ende der Welt

Auf unserer Weltreise haben wir bereits einige Enden der Welt gesehen. Ich denke da an die Thermalquellen in der sibirischen Taiga in der Nähe von Severobaikalsk, an das sibirische Salekhard am Polarkreis, an die Gebirgspässe von Ost-Tibet, an den Flughafen von Taytay auf der philippinischen Insel Palawan und an noch einige weitere Enden. Nachdem wir nun das südlichste Ende Welt in Patagonien besucht haben, bin ich fest überzeugt, dass
dies eines der besseren Enden ist. Damit meine ich allerdings weniger das selbsterklärte "Fin del Mundo" im argentinischen Ushuaia. Vielmehr denke ich dabei an das gesamte Patagonien vom Moreno Gletscher im Norden bis zum Kap Horn im Süden.

Nachdem unsere wunderschöne Zeit bei Beatriz in Mendoza zu Ende gegangen ist, haben wir uns nach einem kurzen Zwischenstopp in Buenos Aires auf ins wilde Patagonien gemacht. Patagonien und ganz besonders Kap Horn waren seit Kindheitstagen Plätze auf dieser Welt, die ich unbedingt besuchen wollte. Schuld daran ist vor allem ein Kinderbuch, in welchem die Weltumsegelung von Magellans erzählt wurde. Insbesondere der Teil, in dem von Feuerland und Patagonien die Rede war, hatte mich aus welchem Grunde auch immer ganz besonders fasziniert. Der Tod Magellans in einer Auseinandersetzung mit Einheimischen in Cebu auf den Philippinen war mir allerdings nicht mehr so präsent. Das kann aber daran liegen, dass dies auf einer anderen Reise des grossen Seefahrers geschah.

Bevor wir jedoch nach Feuerland kamen, haben wir zunächst den Gletscher Perito Moreno in der Nähe des Ortes el Calafate im Norden Patagoniens besucht. Auf den Weg in dieses auch bei Argentiniern besonders im Sommer sehr angesagte Feriengebiet hatte ich mir als Fluglektüre eine Art argentinischen SPIEGEL gekauft, um die noch recht frischen neu erworbenen Spanischkenntnisse gleich ordentlich anzuwenden. Die sich Noticias nennende Zeitschrift enthüllte in ihrer Titelgeschichte, wie der amtierende argentinische Präsident Kirchner in Staatshand befindliches Land in el Calafate an 50 Familienmitglieder und weitere Amigos zum Preis von 7,50 Pesos (etwas weniger als 2 €) pro Quadratmeter verschleudert hat. Der Marktpreis in dieser Top-Tourismusregion beträgt mit 50 bis 120 Pesos (12,50 € bis 30 €) pro Quadratmeter das bis zu 16fache. Abgesehen davon gibt es um el Califate herum kaum Land zu kaufen, da die weite und leere Steppe bis zum Horizont sich im Besitz weniger Familien befindet, die während der Besiedlung Anfang des letzten Jahrhunderts ordentlich zugeschlagen haben.

Obwohl wir hunderte von Kilometern durch Patagonien gefahren sind, war das Land links und rechts der Strecke immer eingezäunt. Richtig aufzuregen scheint das hier niemanden. Immerhin hörten wir aber auf unserer Fahrt zum Moreno Gletscher von unserem Führer, dass die Arbeitsbedingungen der Angestellten auf den Estancias (Farmen) heute wie vor hundert Jahren sehr mühsam sind. Die Arbeiter sind ausschliesslich Männer, die weit entfernt von jeder weiteren Zivilisation auf den abgelegenen Estancias arbeiten. Da die Bezahlung schlecht und die Lebensbedingungen hart sind, gelingt es den meisten der Arbeiter nicht, eine Familie zu gründen, da sie keine Frau von der Einöde und einem Leben in Armut überzeugen können. Lt. unserem Führer sind die Arbeitsbedingungen auch auf der riesigen Estancia der Familie Benetton (angeblich die grösste Schafsfarm der Welt, deren Land die Familie aber erst vor wenigen Jahren vom argentinischen Staat unter dem damaligen Präsidenten Menem erworben hat) in dem beschriebenen Maβe schlecht. Unser Führer war der Auffassung, dass mit den "United Colors of Benetton" wohl die Gesamtheit aller durch das Unternehmen ausgebeuteten Rassen gemeint wären. Wir haben die Informationen nicht nachgeprüft und ich gebe hiermit also nur eine Meinung wieder, die uns während unserer Reise präsentiert wurde.


Neben den Einblicken in die argentinische Gesellschaft war unser eigentliches Reiseziel vor allem die Natur Patagoniens. Davon gibt es hier reichlich und der Moreno Gletscher ist nur ein Highlight unter vielen. Der Moreno Gletscher entspringt dem Nordpatagonischen Eisfeld. Zusammen mit dem Südpatagonischen und dem sich in Feuerland befindlichen Darwin Eisfeld handelt es sich hier um die grössten Eisfelder ausserhalb der Polargebiete. Wie in der entsprechenden Fotogalerie zu sehen, ist dieser Gletscher wirklich ein ganz besonders eindrucksvolles Exemplar der vielen auf diesem Planet noch existierenden Gletscher. Neben der Grösse des Eisfelds und der unglaublichen Formen und Farben des Eises, ist der Besuch dieses Gletschers auch ein akustisches Spektakel. Da sich das Eisfeld sich täglich 2 Meter (!) nach vorn bewegt, knirscht und knackt es an allen Enden. Wenn das Eis gar nicht mehr zu halten ist, bricht es an der vordersten Kante ab. Wir haben den Abruch einer ca. 20 Meter hohen Front vom Boot aus beobachten können und haben neben dem ohrenbetäubenden Knall auch gleich noch einen Mini-Tsunami erlebt. Einen kleinen Einblick in mein während dieser Reise erworbenes Halbwissen über Gletscherentstehung und Ähnliches werde weiter unten bei der Beschreibung unserer Tour durch Feuerland geben.

Nach dem Moreno Gletscher ging es jedoch zunächst weiter Richtung Süden in den chilenischen Teil Patagoniens zum Torres del Paine Nationalpark. Glücklicherweise ist der Herbst und damit unser Besuchsmonat April in diesem Park schon ganz klar Nachsaison. Da die Parkservices eingeschränkt sind, ist auch die Anzahl der Besucher und Wanderer überschaubar. Allerdings waren es trotzdem noch jede Menge, so dass ich mir gar nicht ausmalen möchte, wie es hier in der sommerlichen Hochsaison (Dezember bis Februar) hier aussieht.

Die Landschaft um die Torres und Türmen gleichenden Felsformationen sind tatsächlich die weite Reise wert. Besonders sympathisch ist es, dass man hier tatsächlich richtig wandern muss, wenn man wirklich sehen will, was die Natur alles zu bieten hat. Da wir im Herbst hier waren, konnten wir die gelblich-rote Laubfärbung der Bäume beobachten. Ausserdem gibt es auch hier natürlich einen Gletscher und natürlich jede Menge Felsen. Wir sind nicht das gesamte sogenannte W gelaufen sondern haben uns auf die Hikes zu den Torres und durch das Valle Frances beschränkt. Diese beiden Tagestouren waren allerdings schon anstrengend genug, denn hier gibt es wie auch sonst in Patagonien innerhalb kürzester von strahlenden Sonnenschein über strömenden Regen bis hin zu Stürmen alles, was man sich an Wetterphänomenen vorstellen kann. Auch zu dieser Tour gibt es eine Fotogalerie.

Nach den mehr oder weniger anstrengenden und spartanischen Tagen an den Torres del Paine sind wir noch weiter in den Süden ins chilenische Punta Arenas gezogen. Der Ort an sich hat relativ wenig Charme, auch wenn Bruce Chatwick bei seinen Reisen durch Patagonien in dem hier befindlichen Ritz-Hotel (welches allerdings mit seinem Pariser Namensvetter gar nichts gemein hat) Station gemacht hat. Der Grund, dass wir nach Punta Arenas gekommen sind, war dass wir uns unser selbstgemachtes Ostergeschenk hier entgegennehmen wollten. Es handelte sich dabei um eine Kreuzfahrt durch die Fjorde und Kanäle von Feuerland und die angrenzenden Inseln um das Kap Horn herum bis nach Ushuaia. Die ganze Aktion ist nicht ganz günstig aber es sei schon mal vorab gesagt, dass der Preis absolut gerechtfertigt ist und wir die diese Reise nur empfehlen können. Unsere genaue Schiffsroute findet Ihr hier. Die gleiche Reederei bietet noch verschiedene andere Routen an, die ebenfalls auf ihrer Homepage (www.australis.com) zu finden sind.

Ostersamstag haben wir abends um 18 Uhr das Schiff "Mare Australis" bestiegen. Alles lief sehr organisiert ab, so dass wir als wir um 20 Uhr ablegten schon die Mannschaft inkl. Kapitän kennengelernt und ein Sicherheitsbriefing bekommen hatten. Nach dem Ablegen gings direkt zum Abendessen im die ca. 100 Passagiere fassenden Restaurant. Da die Tische nach Sprachen besetzt wurden, waren wir schon etwas besorgt, dass wir die ganze Zeit mit der sich an Bord befindlichen deutschen Rentnergruppe "Koch" verbringen müssen. Wir hatten aber Glück und hatten an unserem Tisch das bayrische Lehrerpaar Dieter und Barbara sowie die Schweizer Reiseeinkäuferinnen Claudia und Carol, die alle nur unwesentlich älter waren als wir. Barbara war sogar 17 Tage jünger als ich. Ausserdem hatten schon vor dem Abendbrot das italienische Pärchen Giovanni und Eva kennengelernt, die auf Hochzeitsreise waren und ebenfalls den sonst bei 55+ liegenden Altersschnitt deutlich gesenkt haben. Insgesamt hatten wir eine gute Zeit mit unseren Mitreisenden und selbst einige Exemplare der Gruppe "Koch" (benannt nach dem Reiseorganisator und Ruhrpott-Trommlerverein-Vorsitzenden Herrn Koch) erwiesen sich beim abendlichen Bier als sehr umgänglich. Dennoch habe ich beschlossen, dass Kreuzfahrten für uns erst wieder jenseits der 60 in Frage kommen.

Der ursprüngliche Grund, uns auf das Kreuzfahrtabenteuer einzulassen, war die Möglichkeit, das Kap Horn zu sehen. Neben den Australis Kreuzfahrten gibt es nur die Möglichkeit, zum Kap Horn in einem Kleinflugzeug zu fliegen. Die andere Möglichkeit ist die Teilnahme an einer Antarktisexpedition oder eine Kreuzfahrt auf den ca. 2.000 fassende Schiffen, die von Valpariso nach Buenos Aires fahren. Beides wird aber nur im Südsommer (Dezember - Februar) angeboten. Zudem sind Antarktisfahrten sehr teuer und die grossen Kreuzfahrten wahrscheinlich noch deutlich stärker auf Rentner ausgelegt.

Unsere 3tägige Fahrt vom chilenischen Punta Arenas zum sich auf Feuerland befindlichen argentinischen Ushuaia wird von Australis ebenfalls als "Expeditions-Kreuzfahrt" angepriesen. Man muss sagen, dass die Route durch die Magellanstrasse, den Beaglekanal, an der sogenannten Gletscherstrasse vorbei bis an das Kap Horn hat in der Tat Expeditionscharakter, da man sich durch sonst unbesiedeltes und sehr wenig befahrenes Gebiet bewegt. Die Landgänge werden mit kleinen Schlauchbooten gemacht und man besucht abgelegen Seelöwenkolonien, Gletscher und Inseln im südlichsten Gebiet nördlich der Antarktis. Allerdings sind die Langänge selbst eher auf die körperlichen Fähigkeiten von untrainierten Rentnern angelegt. Sie dauern jeweils nur zwei Stunden und bestehen meist aus einem gemächlichen Spaziergang, bei dem man allerdings einiges Wissenswertes über die Region erfährt und man das Gefühl nicht los wird, dass man im Schulunterricht bei Geographie und Biologie besser hätte aufpassen sollen.

Ergänzt wird das Bildungsprogramm mit thematisch zu den besuchten Gebieten passenden Vorträgen an Bord. Wir haben beispielsweise mehrere Gletscher besucht, von denen einige in den letzten Jahren deutlich abgeschmolzen sind, was man anhand der früheren Endmoränen sehen konnten, die sich heute teilweise wie der Marinelli-Gletscher fast 10 km von ihrem ursprunglichen Ausbreitungsgebiet zurückgezogen haben. Um das Abschmelzen der Gletscher zu erklären, muss man zunächst deren Entstehen verstehen. Ein Gletscher besteht aus akkumulierten Schneemassen, die sich hoch in den Bergen ansammeln. Dieser Schnee wird durch immer weiteres Aufschneien verdichtet und durch den Druck entsteht Eis, welches sich langsam talwärts bewegt. Dabei schrabbelt das Eis natürlich ordentlich an den Felsen entlang und nimmt dabei Geröll und Sedimente mit. Wenn der Gletscher im Tal ankommt, fängt er an zu tauen. An welcher Stelle das der Fall ist hängt davon ab, wieviel Schneenachschub oben in den Bergen produziert wird. Wenn dies genausoviel ist, wie unten im Tal abschmilzt, befindet sich der Gletscher im Gleichgewicht und die Gletscherkante bleibt an der gleichen Position. Wenn unten mehr abschmilzt als oben neu aufschneit, zieht sich der Gletscher zurück. Das ist heute bei den meisten Gletschern auf der Welt der Fall. Wir befinden uns momentan in einer globalen Warmzeit, die es erdgeschichtlich immer wieder gab. Zur letzten Eiszeit lag der der Meeresspiegel 120 Meter tiefer und dementsprechend gab es mehr Landmasse. So wird beispielsweise angenommen, dass die amerikanischen Kontinente über die damals existierende Landbrücke über die Beering-Strasse von Sibirien aus besiedelt wurde. Zusätzlich zu der bestehenden Warmzeit akzeleriert der Mensch die Erwärmung um einiges durch den Treibhauseffekt, den es erdgeschichtlich so noch nicht gab. Ende ungewiss.

Nach dem Ausflug in die Gletscherkunde nochmals kurz zurück zu unserer Kreuzfahrt. Höhepunkt war am dritten Tag das Anlaufen von Kap Horn. Rein äusserlich gibt es eigentlich keinen Grund, hier anzulanden. Es handelt sich um eine recht kleine, felsige aber immerhin grüne Insel. Das Kap selber ist ein ca. 50 Meter hoher Felsen. Wie immer solchen Fall ist es die Geschichte und die exponierte Lage, die diesen Ort besonders machen. Heute bemühen sich die Chilenen ganz besonders um ihren Landbesitz und haben dort vor wenigen Jahren sogar einen Leuchtturm samt Leuchturmwärter und seiner Familie installiert. So kann der chilenische Staat aktiv dem von den Argentiniern schwer beworbenen Fin del Mundo in Ushuaia die Stirn bieten und gleichzeitig seine Expansionsgelüste in Richtung Antarktis aktiv unterstützen.

Die Landung selbst fand morgens direkt nach Tagesanbruch statt. Ausser uns landete zufällig zur gleichen Zeit ein Versorgungstrupp der chilenischen Marine an, der die Leuchtturmwärterfamilie mit für den Winter benötigten Vorräten an Lebensmitteln und Heizöl versorgte. Da das Ufer der Insel steil ist, muss man nach dem Ausstieg aus dem Schlauchboot zunächst eine relativ lange und steile Treppe erklimmen. Oben angekommen teilt sich der Weg. Ein Weg führt zu einem 1992 errichteten Albatrosdenkmal für die Seemänner, die am Kap Horn ihr Leben gelassen haben. Das waren gar nicht so wenige, denn man vermutet ca. 800 gesunkene Schiffswracks in der Nähe des auch als "Kap der Stürme" bezeichneten Kap Horns. Von diesem Denkmal hat man auch den Ausblick auf das eigentliche Kap. Der zweite Weg führt zu dem Leuchtturm in dem man sehr touristische Zertifikate erwerben kann, dass man selbst auf Kap Horn war. Nichts für uns, aber der Rest der Kreuzfahrtpassagiere haben die arme Leuchturmwärterfrau fast niedergewalzt.

Unser letzter Stopp vor der Endstation Ushuaia war der chilenische Marinestützpunkt Puerto Williams auf der Feuerland südlich vorgelagerten Insel Navarino. Hier gibt es bis auf ziemlich ärmliche Behausungen der Soldaten eigentlich nur ein Museum über das Leben der Eingeborenen zu sehen, die die europäischen Seefahrer dazu inspiriert haben, Feuerland seinen Namen zu geben. Die Eingeborenen waren trotz der hier herrschenden niedrigen Temperaturen komplett nackt und haben die meiste Zeit fahrend in ihren Kanus verbracht. Um dabei nicht zu frieren, hatten sie in ihrem Kanu immer ein Feuer brennen, welches nie ausging. Diese Feuer haben dem Landstrich den Namen Feuerland angebracht.

Spätabends sind wir dann in den argentinischen Hafen von Ushuaia eingelaufen, wo wir die Nacht noch auf dem Schiff verbracht hatten. In dem um diese Jahreszeit schon winterlichen Ushuaia haben wir noch ein paar Tage verbracht. Während wir die Stadt selbst sehr touristisch und ziemlich enttäschend fanden, ist die Umgebung schon eindrucksvoll. Highlight war ein Winterspaziergang durch den Schnee zu einem kleinen oberhalb der Stadt gelegenen Gletscher. Dort gibt es auch einen kleinen Skihang und ein kleines Skiressort mit einer wunderbaren Teestube. Interessant war dieser Ausflug auch, weil wir die drei Deutschen Elke, Marianne und Ulrike dort getroffen und uns beim Tee sehr gut unterhalten haben.



Sabines Blog - Santa Cruz 16. April 2007

Back in Buenos Aires - und wie kommen wir hier wieder weg?

Es war schon nach Mitternacht, als wir in Buenos Aires ankamen. Das schwierigste war ein Taxi in die Innenstadt zu bekommen. Anders als in Deutschland warteten hier lange Menschenschlangen auf einzelne ankommende Taxis. Ebenfalls im Terminal, wo man für den doppelten Preis ein Taxi bestellen konnte, gingen die Wartezeit im Minutentakt höher. Bei uns waren es noch 20 Minuten, bis wir dann eine halbe Stunde später abgeholt wurden, waren es schon 60 Minuten.

Das Hostelzimmer war auch alles andere als gemütlich. Vor einem Jahr wäre ich wahrscheinlich noch rückwärts wieder rausgelaufen. Es war ein sehr hohes Zimmer, das irgendwann mal geviertelt worden war. Wir hatten wenigstens das Viertel mit einem kleinen Fenster zu einem Lüftungsschacht. Schnell bezog ich das Bett und wir schliefen bereits wenige Minuten später ein.

Am nächsten Morgen kurz nach dem Aufstehen kam mal wieder etwas völlig Unerwartetes. Ich war zur Citibank gelaufen, um Geld abzuheben, und habe dabei gleich im Reisebüro vorbeigeschaut, um die Flüge für Montag nach La Paz rückbestätigen zu lassen. Die nette Dame brauchte hierfür ziemlich lange, bis sie mir erklärte, das die Flüge gestrichen worden sein, die Airline - Lloyd Aereo Boliviano kurz LAB, aber keine Gründe hierfür angegeben hat und vor allem keine anderen Flüge. In den entsprechenden Büros war aber auch keiner erreichbar und so vertröstete sie mich auf Montag. Das fand ich gar nicht so gut, da wir ja Montag bereits fliegen wollten. Aber wir hatten in diesem Falle leider nicht viele andere Optionen. Als ich Olaf in Hostel anrief, um ihm zu sagen, dass ich später kommen würde, meinte er nur, Hauptsache die Airline ist nicht pleite gegangen. Die Reisebürofrau meinte, das sei unwahrscheinlich, denn es seien nicht alle Flüge gestrichen worden.

Als ich zurück ins Hotel kam, warteten schon Dirk und seine Freundin Headley auf mich. Dirk hatte mit uns einige Tage bei Beatriz gewohnt. Als erstes gingen wir etwas essen. Es war erst gegen 11 Uhr und eigentlich dachte ich mehr an Frühstück, aber irgendwie landeten wir in diesem merkwürdigen Laden und hatten ca. 20 Minuten später eine riesige dampfende Paella vor uns stehen, die aber trotz äuβerer Umstände sehr lecker war. Dirk erzählte uns während des Essens von seinen Abenteuern in Chile, wo er von Mendoza aus hingefahren war. Diese waren so unglaublich, dass man den Stoff dafür für einen eigenen Roman verwenden könnte. Als wir fertig waren regnete es drauβen in Strömen und so fuhren wir zum Museum der schönen Künste (freie Übersetzung von mir).  Über die Vielfalt der Ausstellung insbesondere auch der Kollektion von Impressionisten waren wir beide positiv überrascht. Mir haben es aber besonders die Skulpturen von Rodin angetan, von denen es hier einige zu besichtigen gibt.

Nach unserem ausgiebigen Museumsbesuch sah das Wetter wieder wesentlich besser aus uns wir gingen zu dem nahe gelegenen Friedhof "Cementerio de la Recoleta.". In Paris gibt es einen ähnlichen Friedhof, erklärte Dirk. Ich hatte vorher noch nie so einen Friedhof gesehen. "Wie eine Stadt für die Toten" meinte Headley. Damit hatte sie vollkommen recht. Es gab richtige "Straβen" mit kleinen Häusern, die mit Särgen und Urnen bestückt waren. Desto weiter wir uns in das Geflecht hineinbewegten, desto weniger andere Leute sahen wir. Einige der Gebäude sahen ja wirklich ganz nett aus. Andere waren aber auch schon halb eingefallen und durch kaputte Fenster sah man die Särge vor sich hinschimmeln. Oh je, da bevorzuge ich dann doch lieber die mit Blumen geschmückte Erde, dachte ich. Dieser Ort hier hatte etwas Furcht einflöβendes.

Nachdem wir unser englisches Vokabular um so wichtige Worte wie "Särge" erweitert hatten, war es Zeit für eine Kaffeepause. Danach trennten sich unsere Wege und wir verabredeten uns zum Abendessen.

In der Zwischenzeit durchsuchten wir das Internet nach Neuigkeiten über Lloyd Aereo Boliviano und wurden ziemlich schnell auf der Seite des Auswärtigen Amts fündig. Die Airline hat seit dem 4.4. Alle Flugverbindungen eingestellt. Heute war der 14.4. und die Flugtickets hatten wir am 26.3. gekauft. Super, unsere erste Airlinepleite auf unserer Reise! Die Reisebürotante hatte uns eine kurze Mail geschickt, dass wir Montag früh in ihr Büro kommen sollen, sie hatte ebenfalls schon einen Ersatzflug für uns reserviert.

Abends fuhren wir dann zu Dirk. Die beiden hatten eine sehr kleine Wohnung, mit einem schönen Ausblick. Beide wollten lieber zu Hause bleiben und so unterhielten wir bei Wein und Picadas (eigentlich argentinische Vorspeise, die man mit Zahnstochern  iβt, z.B. Käse- und Wurstwürfel, Oliven ...) über Gott und Welt.

Am nächsten Tag war Sonntag und wir hatten nicht bestimmtes vor. Aber wir waren uns einig, wir muβten raus aus unserem kleinen Zimmer, um keine Depression zu bekommen. Als erstes gingen wir in ein Café und frühstückten. Für alle die, die an dieser Stelle denken, das wir ja ein Vermögen in Restaurants gelassen haben müssen, sei noch mal kurz erwähnt, dass Argentinien sehr günstig ist, so dass das Frühstück für uns beide weniger als 10 Euro gekostet hat. Danach schlenderten wir durch die Stadt und entdeckten an einem Zeitschriftenstand deutsche Zeitschriften, die nur unwesentlich teuer, als in Deutschland waren. Wir kauften gleich zwei. Dann ging es in die Mall der Stadt, die "Galerias Pacifico". Allerdings machten wir hier mehr Windowshopping. Dann ging es mit den frisch erworbenen Zeitungen wieder in ein Café, um diese durchzuarbeiten. Nach so langer Zeit weg von zu Hause ist man fast süchtig nach Neuigkeiten aus der Heimat. So vertieft in unsere Lektüre merkten wir erst ziemlich spät, dass das zuvor leere Café plötzlich proppenvoll war. Warum? Fuβball stand auf dem Programm. Schon beim Einlauf der Mannschaften waren die Fans kaum zu halten und sangen und jubelten. Wobei die Fans der Mannschaft eins bei uns unten saβ und sie Fans von Mannschaft zwei aus dem ersten Stock zu hören waren. Auβen am Fenster standen noch mal so viele Leute, die das Spiel von drauβen verfolgten. So sahen wir auf von unseren Zeitungen und uns das Fuβballspiel mit an. Mit dem Ergebnis 1:1 schienen hinterher beide Fangruppen zufrieden gewesen zu sein. Jedenfalls war fünf Minuten nach Spielende das Lokal wieder leer.

An unserem letzten Abend machten wir etwas sehr touristisches. Wir gingen in eine Tangoshow. Es war keine professionelle Show, sondern ein Restaurant einige Häuser entfernt von unserem Hostel, in dem sich jedem Abend andere Künstler ausprobieren konnten.

Mir gefällt der Tango, nicht nur die Ausdruckskraft beim Tanz, das Rendevauz für 3 Minuten, sondern auch die Lieder, die immer sehr melancholisch wirken, fast traurig. Dazu eine passt am besten eine Flasche guter Rotwein. Nach einer halben Stunde fingen einige aus dem Publikum an mitzusingen und man konnte bei den Frauen die Tränen schimmern sehen. Am interessantesten war aber der Asiat Koshi, der das Bandeon spielte. Es schien aber die hier herrschende Improvisation nicht gewohnt zu sein, und verpasste fast jeden Einsatz, weswegen er viele Witze auf seine Kosten ertragen musste.

Heute früh packten wir vorsorglich unsere Sachen und fuhren zum Reisebüro. Eine Rückerstattung von unserem Geld könne sie uns nicht geben, erklärte die Frau vom Reisebüro, denn das Geld wird direkt von der Airline abgebucht. Das einzige was sie uns vorbereitet hatte, war ein Schreiben an die Airline, dass das Geld zurück bezahlt werden soll. Dass Reisebüros heute nicht mehr notwendig sind, darüber hatte Olaf ja schon mal einen Blog verfasst, das hier war ein weiterer Beweis dafür. Der Ersatzflug sollte in 2 Stunden fliegen und war erstaunlicherweise günstiger, als unser ursprüngliches Ticket. Eine neue Promotion erklärte sie uns. Wir sollten unser neues Ticket aber erst am Flughafen bezahlen, wenn wir wissen, dass wir den Flieger auch erreichen. Nachdem ich noch schnell ein Fax an meine Kreditkartenfirma geschickt habe mit der Bitte, den Betrag für die Flüge nicht abbuchen zu lassen, sprangen wir ins Taxi. Es war 10.20 und der Flieger ging um 12.10! "Pronto" lautete die Ansage an den Taxifahrer. Der war ganz stolz, dass wir nur 40 Minuten gebraucht hatten. Wir flitzten zum Aerolinas Argentinas Schalter, mit der Frage, ob wir es den Flieger noch schaffen können. Ja hieβ die Antwort nach einem kurzen Telefonat. Ich marschierte schon zum Check-in während Olaf bezahlte, immerhin hatte sich der Preis während unserer Fahrt zum Flughafen  noch einmal verringert. Ungefähr 40 Minuten vor Abflug hatten wir eingecheckt. Trotzdem erforderte Bezahlung der Airporttax und die Durchleuchtung unseres Gepäcks einiges  an Zeit. Als wir zur Immigration kamen, dachte ich, jetzt verpassen wir doch noch unseren Flieger. Dort standen mindestens 100 Leute vor uns! Aber hier war der Ablauf  ungewöhnlich effizient. In weniger als 10 Minuten hatten wir den Stempel im Pass und rannten zum Gate. Davor wurden wir jäh aufgehalten, durch eine gerade errichtete Absperrung. Wir durften nicht weiter, weil Gas ausgelaufen sei. Unsere Fragen was mit unserem Flieger ist, blieben unbeantwortet, aber wenigstens standen wir nicht allein hier. Ungefähr  eine Viertelstunde später sollten wir einem Flughafenmitarbeiter folgen zu einem Saal in dem wir weitere 15 Minuten warteten. Aber schlieβlich saβen wir im Flieger, wir hatten es geschafft. Die Frage bleibt nur, werden wir je das Geld für unseren anderen Flug wiedersehen?

Jetzt sitzen wir in Santa Cruz auf dem Airport, denn unser Anschlussflug geht erst in 3 Stunden. Wir haben schon das ganze Repertoire des Flughafens ausgetestet. Anrufen (das Hotel in La Paz für den Airport Pick-up), Emails abrufen (die Deutsche Botschaft in Lima hat sich gemeldet, unsere Rückflugtickets nach Deutschland sind angekommen, juchhu!), beim ATM Geld abholen (hier ist nichts los und im Reiseführer wurde davor gewarnt sich das frisch abgeholte Geld in La Paz gleich an der nächsten Straβenecke wieder abnehmen zu lassen) und Sandwich essen bei Subway (war nicht die Standartqualitiät, wir hoffen aber, dass wir uns nichts weggeholt haben). Mehr kann man hier nicht machen, daher beschäftige ich mich mit Blogschreiben, aber auch dass ist jetzt erledigt.


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