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Olaf's Blog Maerz 07

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Olaf's Blog Maerz 07

Buenos Aires,  26. März 2007

La Casa de Beatriz & Señor Loco

Nachdem wir die Osterinsel (den Bericht "ABM bis zum Umfallen" findet Ihr am Ende dieses Blogs) und Santiago de Chile hinter uns gelassen haben, waren wir zwei Wochen in Mendoza bei Beatriz und ihrem Sohn Santiago. Die Beiden beherbergen Besucher, die vor allem nach Mendoza kommen, um hier ihre spanischen Sprachkenntnisse zu erweitern.

Beatriz und Santiago haben uns aber nicht nur beherbergt, sondern
uns mit einer unglaublichen Herzlichkeit empfangen, so dass wir uns trotz inzwischen bereits 9 Monaten Weltreise und Tausenden Kilometern Entfernung von Deutschland wie zu Hause gefühlt haben. Wir haben innerhalb kürzester Zeit jede Menge Menschen in Mendoza kennengelernt, was vor allem daran lag, das Beatriz uns sofort in ihren Freundeskreis eingeführt hat. So haben bereits am ersten Tag nach unserer Ankunft bei einem Picknic im zentralen Park San Martin beispielsweise Mariella und Rosanna kennengelernt. Dies sind zwei Freundinnen von Beatriz, mit denen zusammen sie eine neue Art von Sprachschule in Mendoza aufbauen will.

Der Kerngedanke der neuen Sprachschule ist ein sehr enger Familienanschluss in der Gastfamilie des Schülers, so dass er die Möglichkeit hat, sein Spanisch in Diskussionen mit der Familie, bei typisch argentinischen Asados (Grillparties), Wochenendausflügen in die Umgebung Mendozas und jeder Menge anderer von der Familie organisierten Aktivitäten ausprobieren kann. Der Sprachunterricht findet durch einen qualifizierten Lehrer in dem Haus der Gastfamilie Stadt. Dabei handelt es sich um einen intensiven 1 to 1 Unterricht, bei dem er auch ausserhalb des Hauses in Alltagssituationen in den Strassen von Mendoza von seinem Lehrer begleitet wird. Schüler und Lehrer gehen beispielsweise gemeinsam einkaufen, besuchen Theatervorstellungen, Fussballspiele und andere Events, die mit jedem Schüler entsprechend seiner Interessenslage individuell abgestimmt werden. Diese Art des Sprachunterrichts vermeidet die üblichen Fehler einer traditionellen Sprachschule, die wir bei unseren zwei Wochen Unterricht in unserer Schule Intercultural erleben konnten. Der Unterricht findet zusammen mit anderen Ausländern statt, so dass man sich zwischendurch Englisch oder Deutsch unterhält, weil das Spanisch der meisten Teilnehmer noch nicht fliessend ist und man sich nicht wirklich die Mühe macht, konsequent nur Spanisch zu sprechen. Ausserdem ist es ja auch wenig lächerlich, wenn zwei Deutsche radebrechend Spanisch unterhalten. Auch wenn man sich für Individualunterricht entschieden hat, ist es während der Pausen und nach dem Unterricht nicht anders. Zudem findet der Individualunterricht in Klassenräumen statt und man trainiert die Sprache nicht live in Alltagssituationen.

Die drei Frauen, die die neue Sprachschule in Mendoza aufbauen wollen, haben bereits jede Menge Erfahrung in diesem Bereich. Beatriz, bei der wir gewohnt haben, hat uns während der zwei Wochen gezeigt, dass sie das Konzept des engen Familienanschluss lebt. Während andere Schüler bei Intercultural teilweise ziemlich negative Erlebnisse hatten und einer sogar seine Gastfamilie verlassen hat, weil die Verhältnisse dort haarsträubend waren, hätten wir uns bei Beatriz nicht wohler fühlen können. Ihre Freundinnen und Geschäftspartnerinnen Mariella und Rosanna sind beides ausgebildete Sprachlehrerinnen mit grosser Erfahrung. So wie wir die beiden kennengelernt haben, sind wir sicher, dass sie eine grosse Hilfe beim Erlernen der spanischen Sprache sind. Wenn ich jetzt dem einen oder anderen Leser Lust auf einen Spanischkurs der neuen Art gemacht habe, kann er sich gern hier melden. Ich habe den drei Señoras versprochen, ihnen bei der Vermarktung ihres Programms ein wenig zu helfen. Sobald der entsprechende Internetauftritt steht, werde ich das selbstverständlich auf diese Seite verkünden.

Neben Mariella und Rosanna haben jede Menge andere Freunde von Beatriz und Santiago kennengelernt. Da wären z.B. Marco, Sonia, Marianna, Lisa und Graciella zu nennen.

Marco ist ein grossartiger Hobbyfilmer, der unseren gemeinsamen Ausflug in eine der vielen namhaften Bodegas von Mendoza filmerisch 1a festgehalten hat. Er arbeitet in dem Familienbetrieb seiner Eltern, die einen Pizzaservice betreiben. Seine Fähigkeiten als Cocinero hat er beim Asado im Garten von Beatriz beeindruckend unter Beweis gestellt. Wir haben jede Menge kulinarische Köstlichkeiten des argentinischen Rindes probiert und uns gleichzeitig durch die Rotweine des erstklassigen Weinbaugebietes Mendoza getrunken.

Marianna hat uns bei unseren Picknics immer mit super leckeren Desserts verwöhnt. Sie spricht ein wenig Deutsch und wir hatten viel Spass beim Ausprobieren der Sprache. Sonst arbeitet sie als Englischlehrerin, was in Mendoza ein gefragter Beruf ist. Schliesslich wollen viele Mendozinos Englisch lernen, um sich einen der heissbegehrten Jobs im aufstrebenden Tourismussektor oder als Exportmanager bei einer der lokalen Bodegas zu sichern.

Sonia spricht insgesamt 7 Sprachen, u.a. Chinesisch und Russich. Während ich Chinesisch wohl nie lernen werde, konnte ich davon überzeugen, dass ihr Russisch ganz ausserordentlich ist und dass ohne dass sie wie ich es 9 Jahre in der Schule gelernt hätte. Sonia arbeitet in der Forschung an der technologischen Universität von Mendoza. Dort beschäftigt sie sich mit Projekten zur Meerwasserentsalzung.

Lisa ist eine Deutsche aus Würzburg, die in Mendoza einen Teil der praktischen Ausbildung im Rahmen ihres Medizinstudiums absolviert. Das dafür notwendige Spanisch hat sie in Rekordzeit von Mariella (Eine der Gründerinnen der oben erwähnten neuen Sprachschule) gelernt und versteht inzwischen alle sexuellen Anzüglichkeiten ihrer Kollegen Ärzte. Mit Lisa zusammen sind wir von Graciella zu einem Deutschen Abend eingeladen worden. Graciella hat 8 Jahre in Deutschland gelebt und bereitet hier in Mendoza Ingenieursstudenten auf ihren Auslandsaufenthalt in Deutschland vor, indem sie ihnen die deutsche Sprache beibringt. Sie hatte die wunderbare Idee, dass ihre Studenten ihr Deutsch einmal mit echten Deutschen trainieren sollten. So haben wir uns alle bei ihr getroffen und einen sehr lustigen Abend mit ihren Studenten verlebt. Sie waren sehr neugierig und haben uns nach unserer Weltreise befragt.

Auch Santiago hat mich gleich am ersten Abend in seinen Freundeskreis eingeführt. Santiago studiert Journalismus an der Universität von Mendoza und braucht noch ca. ein dreiviertel Jahr, bis er sein Studium beendet hat. Nebenher arbeitet er im Pressebüro der Stadtversammlung von Mendoza und hatte immer eine interessante Geschichte z.B. Über die Lohnforderungen der städtischen Busfahrer oder über den Widerstand von Eltern gegen die Umbennung einer Schule für lernbehinderte Schüler. Santiagos Freunde haben ebenfalls Journalistik studiert und arbeiten neben ihrem Postgraduiertenstudium für den Radiosender der Universität. Während mehrerer Bier haben wir darüber philosophiert, die schönsten Frauen Argentiniens tatsächlich aus Mendoza kommen. Immerhin spricht im Strassenbild einiges dafür.

Neben den Freunden von Beatriz haben wir noch eine ganz andere, sehr eindrucksvolle Persönlichkeit kennengelernt: Señor Loco. Auf Señor Loco sind wir gestossen, als uns Steve (ein anderer Student, der bei Beatriz gewohnt hat) von seinem Golfunterricht erzählt hat, den er im lokalen Club Andino genommen hat. Auch wir hatten uns als eine Aktivität auf unserer Weltreise vorgenommen, Golf zu lernen. Also sind wir zum Golfclub gefahren und haben nach Señor Loco gefragt. Den haben wir dann auch prompt getroffen und los gings auf der Driving Range. Bei den ersten Versuchen haben wir leider den Ball meistens nicht so gut getroffen, sondern stattdessen öfter mal den Rasen umgepflügt. Señor Loco konnte das aber genauso wenig aus der Ruhe bringen, wie unser doch sehr holpriges Spanisch.

Señor Loco heisst allerdings keineswegs Señor Loco sondern Hector Alfonso Benavides. Señor Loco haben auch nur wir ihn genannt, alle anderen haben ihn einfach Loco gerufen, was soviel wie "verrückt" heisst. Diesen Ruf hat er sich am Anfang seiner bislang 42jährigen Golfkarriere eingehandelt, als er einen Ball ziemlich verschlagen hat. Ich glaube, die Story war noch ein wenig komplexer, aber leider hat mein Spanisch dafür nicht gereicht. Auf jeden Fall hat uns Señor Loco zur Platzreife gebracht und jetzt können wir unsere Golffähigkeiten nach unserer Rückkehr in Deutschland weiter ausbauen. Da Golfunterricht hier sehr billig ist (1 Stunde unter 10 EUR), habe ich Beatriz vorgeschlagen, für die neue Sprachschule gleich das Programm "Spanisch & Golf" anzubieten. Als ersten Schritt habe ich ein gemeinsames Abendessen mit Señor Loco und den Señoras von der Sprachschule eingefädelt. Ich denke, die Damen und der Herr werden sich da schon einig werden. Wen ich neugierig auf "Spanisch & Golf" gemacht habe, der melde sich hier.

Dass Golf verbindet, ist kein Geheimnis und so haben wir noch verschiene andere Golfpersönlichkeiten in Mendoza kennengelernt, u.a. den Ex-Präsidenten des Golf-Clubs Andino und den Generalsekretär des lokalen Forschungs- und Entwicklungszentrums. Bei soviel Geschäftigkeit hatten wir gar nicht ausreichend Zeit, an unserer Website zu arbeiten und unsere Eindrücke von Osterinsel festzuhalten, was ich im Folgenden nachholen will:

ABM bis zum Umfallen

Über die Osterinsel hatte wie wahrscheinlich sehr viele Menschen vor unserer Ankunft bereits einiges gehört. Neben den Theorien von Thor Heyerdahl (Kon Tiki) ist mir insbesondere das m.E. sehr gute Buch "Collapse" von ... (hier geht’s zum Original und hier geht’s zur deutschen Übersetzung)  in Erinnerung geblieben. Dort wird beschrieben, wie es dazu gekommen ist, dass die Bewohner der abgeschiedenen Osterinsel ihre Insel fast vollständig abgeholzt haben und schliesslich teilweise dem Kannibalismus verfallen sind. Schuld an allem waren die Moai, die wohl meistphotographierten Steinstatuen der Welt.

Wir haben uns die Moai und ganz besonders die Herstellungstelle, den Vulkan Rano Raraku, genau angesehen und ich kann jetzt verstehen, warum die schätzungsweise in ihrer Blütezeit ca. 4.000 Köpfe zählende Inselbevölkerung die verhältnismässig relativ grosse Osterinsel an den Rand des Kollapse geführt hat. Insgesamt wurden ca. 900 Moais aus dem Basalt des Vulkans mittels primitivster Steinwerkzeuge (Metalle gibt es auf der Insel nicht) gemeiβelt. Nur wenige der haushohen Statuen haben schliesslich ihren Weg bis auf ein Ahu (Zeremonienplattform) gefunden. Dies Plattformen befinden zumeist viele Kilometer von der Produktionstätte entfernt an der Küste, von wo die aufgestellten Moais ins Inselinnere und nur ganz selten aufs Meer hinaus schauen.

Die Moais wurden von den verschiedenen Clans der Insel in Auftrag gegeben, und haben die jeweiligen verstorbenen Clanchefs dargestellt. Mit der Zeit wurden die Moais immer grösser. Es war wohl ein typischer Wettbewerb, wer den Grössten hat. Das ist uns ja auch heute nicht ganz unbekannt. Allerdings ist mir bei unserer Tour über die Insel auch klar geworden, warum es so viele Theorien über die Moais und das Leben der Inselbewohner gibt. Da die Bewohner keine Schrift kannten, sondern nur schwer zu deutende Polyglyphen hinterliessen, steht man heute vor vielen Rätseln, für die es unzählige mögliche Antworten gibt. Insbesondere bleibt es ein Rätsel, warum überhaupt so viele Moais gebastelt wurden. Mit den primitiven Werkzeugen muss es endlos gedauert haben, bis ein solcher Moai endlich fertig war. Von seinem kilometerlangen Transport über die Insel ganz zu schweigen.

Unser Führer stellte uns Theorie vor, dass sich bei der Produktion der Moai um eine Art ABM gehandelt haben könnte. Da bis auf Landwirtschaft und Fischfang nicht viel auf der Insel zu tun war, könnte die Moai Produktion zur Beschäftigung eines Grossteils der sonst arbeitslosen Inselbevölkerung gedient haben. Allerdings ist der Kult dann so ausgeartet, das für die Produktion die natürlichen Ressourcen der Insel übermässig ausgebeutet wurden, so dass in der Folge Hunger und Krieg zwischen den einzelnen Stämmen herrschten.

Die Besiedlung der Osterinsel muss eine spannende Aktion gewesen sein. Ich stelle mir das ein bisschen so vor, wie es in dem Buch "Die Siedler von Catan" von Rebecca Gable beschrieben wird. In dem Buch geht es zwar nicht um die Osterinsel, aber es zeigt, wie in einer Gemeinschaft, die ein fruchtbares Land besiedelt, das genug für alle bietet, nach einer Zeit trotzdem Zwist entsteht. Wie die Osterinsel besiedelt wurde, kann man auch heute nicht mit letzter Gewissheit sagen, aber es wird als sehr wahrscheinlich angenommen, dass die Siedler vom heutigen Französisch Polynesien (Tahiti) über die Pitcairn Islands auf die Osterinsel kamen. Uns hat von dieser Theorie vor allem ein der Überlieferung nach "verbotener" Moai in der Produktionsstätte Rano Raraku überzeugt. Dieser sah den Tiki Statuen, die wir auf Tahiti gesehen haben, verdächtig ähnlich. Ausserdem glaube ich, dass trotz Thor Heyerdahls Kon Tiki die Polynesier einfach besser Boot fahren konnten als die Incas.

Ohne die Restaurationsbemühungen des chilenischen Staates und internationaler Firmen und Organisationen könnte man heute gar keine stehenden Moais mehr besichtigen, denn die Inselbewohner hatten die Produkte ihrer Mega-ABM in der Phase des Niedergangs selbst umgestürzt, so dass heute die meisten Moais auf der Nase liegen und so langsam vor sich hinverwittern.

In der Geschichte der umfangreichen Geschichte der Osterinsel (interessanter Film hierzu: "Rapa Nui" mit Kevin Costner) hat mich vor allem die Episode des französischen Abenteurers Jean-Baptiste Dutroux-Bornier zugleich schockiert und beeindruckt. Er hat zwischen 1870 und 1877 tatsächlich bis auf 100 Zurückgebliebene alle Inselbewohner nach Tahiti verfrachten lassen, um aus der Insel eine einzige Schafsfarm zu machen. 1877 wurde Dutroux-Bornier dann schliesslich von einem der wenigen verbliebenen Inselbewohnern umgebracht.

Heute sind finsteren Episoden Vergangenheit und die Osterinsel ist trotz der jährlich einströmenden 45.000 Touristen ein sehr entspanntes Plätzchen. Es herrscht ein typisches Inselklima, bei dem es weder übermässig warm noch übermassig kalt wird. Trotz relativ häufiger Regenschauer gibt es ausreichend Sonne, um den Strand der Insel oder einen der vielen Surfbreaks zu geniessen.

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