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Fotomotive der Weltreise
Sabine's Blog Maerz 07

Unser Blog / Sabine´s Blog

Sabine's Blog Maerz 07

Buenos Aires 27. März 2007 - 271.+1 Tag
 
I love Mendoza
 
Bevor ich über unsere zweite Woche in Mendoza und unsere Tage in Buenos Aires berichte

7 Gründe, warum man nach Mendoza fahren sollte:
1. Die Leute dort sind unschlagbar, sehr herzlich, nach kurzer Zeit hat man das Gefühl man ist schon seit Ewigkeiten dort.
2. Die Stadt ist sehr tranquila = entspannt. Hier wird noch die Siesta von 1 bis 5 Uhr Nachmittags eingehalten. Nach kurzer Zeit wird man selbst auch ganz relaxed.
3. Es scheint 300 Tage im Jahr die Sonne. Das liegt an dem Wüstenklima. Angeblich regnet es nicht. Wir haben allerdings einige Regenschauer miterlebt.
4. Die Stadt ist sehr grün. In jeder Straβe stehen Platanen, die durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem bewässert werden.
5. Es gibt unglaublich viele Straβencafés und Restaurants und dank des Umrechnungskurs ist es sehr günstig diese auszuprobieren.
6. Es ist eine bekannte Weinregion mit sehr guten Weinen und vielen Bodegas in der unmittelbaren Umgebung.
7. Man kann unglaublich viel machen: In der Nähe sind die Berge, von Reiten bis Rafting, alles ist möglich. Auf dem Golfplatz der dicht an der Stadt liegt kann man günstig Golf spielen.
 
Okay, ich will auch die Nachteile nicht verschweigen:
1. Es gibt kein Meer.
2. Ein Taxi zu bekommen ist ein Glücksspiel, manchmal dauert es eine Sekunde, manchmal 2 Stunden.
3. Man nimmt zu.
 
So jetzt aber zum eigentlichen Blog:
Die zweite Woche in Mendoza wurde fast stressig, soviel hatten wir vor. Am Sonntag machten wir unseren Ausflug mit Beatriz und ihren Freunden. Zuerst fuhren wir zu einer Bodega, wo uns erklärt wurde, wie der Wein hergestellt wird und wir machten einen Rundgang durch die Keller, in denen die edlen Tropfen gelagert werden. Hinterher durften wir die Weine probieren. Ich war überrascht, dass mir der Weiβwein, ein Semillion, besser geschmeckt hat, als der für Mendoza typische Malbec. Danach fuhren wir in ein in den Bergen gelegenes Hotel, welches mit heiβen Quellen seinen Spabereich speist und sahen uns diesen an. Sehr angenehm zum Entspannen - nur bei einer Auβentemperatur von über 30 Grad stand und nicht der Sinn nach heiβem Wasser. Statt dessen machten wir etwas, was fast die Hälfte aller Mendoziner am Wochenende macht - ein Picknick in den Bergen.
 
Hierzu gibt es richtige Plätze für die man Eintritt bezahlt und die so ähnlich wie ein Campingplatz aussehen. Jeder einzelne Picknickplatz ist abgegrenzt durch Bäume, hat einen Tisch und natürlich eine feste Stelle zum Grillen. Nicht fehlen durften Empanadas, die typischen gefüllten Teigtaschen, die wir vorher noch schnell kauften. Ansonsten hatte jeder etwas mitgebracht und so türmten sich auf unserem Tisch neben den Empanadas, Sandwichs, Milaneses (die argentinischen Schnitzel) und vieles mehr. Nicht fehlen durfte natürlich der Matetee und eine Flasche des gerade gekauften Weines, für den europäischen Touch. Als ich das Gefühl hatte, ich kann nichts mehr essen, wurde der Nachtisch ausgepackt und Kuchen. Hinterher machten wir einen Spaziergang zum nahen Fluss, wo viele die frische Brise genossen.
 
In der nächsten Woche hatten wir neben unseren 4 Stunden Spanisch pro Tag auch jeden Tag Golfunterricht. Nachdem wir jeden Tag fleißig Abschlag geübt hatten, durften wir am Mittwoch das erste Mal auf den Platz. Meine Bälle flogen leider nicht gerade, sondern eher rechts und links in die Bäume. Senior Loco nahm es gelassen und lobte uns trotzdem. Dann kam der Moment, wo ich das erste Mal einen perfekten Schlag hatte, der Ball flog hoch und weit. Leider befand sich auf der Bahn ein kleiner See, in den mein Ball reinplumste. Da war sogar Senior Loco kurzzeitig baff, denn wie er später mal erklärte, schlagen Frauen normalerweise die Bälle nicht so weit.
 
Am nächsten Tag begann es in Strömen zu regnen und wir saβen im Aufbewahrungsraum für die Caddies und tranken Matetee. Plötzlich kam Senior Loco, der Olaf sehr mag, mit zwei Golfschlägern an, die schon 50 Jahre alt sind, und schenkte sie Olaf. Dieses Mal waren wir sprachlos über die Geste.
 
Zusätzlich hatten wir auch fast jeden Abend etwas vor. Dienstag hatte Beatriz ein Asado, ein argentinienisches BBQ bei uns im Garten organisiert. Ich machte hierfür einen Nudelsalat, stellte aber bald fest, dass dieser in Argentinien völlig unbekannt ist. "Kalte Nudeln? Das soll schmecken?" - nicht nur Beatriz sah mich ungläubig an, sondern auch meine Lehrerinnen in der Sprachschule. Trotzdem bekam ich abends viel Lob für das unbekannte Gericht.
 
Mittwoch waren wir bei Yves, meinem Mitstudenten, zum Essen eingeladen. Seine langen Ausführungen im Unterricht, wie man was richtig zubereitet, hatten dazu geführt. Es war ein sehr netter Abend und wie wir feststellten, wohnte er beim ehemaligen Präsenten  des Golfclubs und auf einem Bild sahen wir Senior Loco wieder. Als wir ihn das am nächsten Tag berichteten, schüttelte er nur den Kopf: "Ihr seid erst eineinhalb Wochen in der Stadt und kennt schon Jorge."
 
Am Donnerstag war "Deutscher Abend". Wir hatten Graciella, eine Deutschlehrerin, die auch schon in Deutschland gelebt hat, bei unserem ersten Picknick kennengelernt. Sie bereitet Ingenieurstudenten auf ihr Austauschjahr in Deutschland vor. Sie fragte uns, ob wir Lust hätten mit ihren Studenten einen Abend lang deutsch zu sprechen. Natürlich! Ebenfalls mit von der Partie war Lisa, eine deutsche Medizinstudentin, die gerade in Mendoza ein Praktikum in einem Krankenhaus macht. Einen Abend deutsch sprechen, statt sonst immer spanisch oder englisch, das hörte sich für mich sehr verführerisch an. Allerdings stellte ich ich ziemlich bald fest, dass das ganz schön anstrengend sein kann, wenn man etwas auf deutsch sagt und dabei in fünf fragende Gesichter schaut oder Fragen beantwortet, wie "Wie alt bist Du? Warum hast Du noch keine Kinder? ..." Plötzlich wurde mir bewusst, wieviel Geduld Beatriz jeden Tag mit uns hat. Trotzdem wurde es ein sehr lustiger Abend. Ich bin gespannt, welchen von den Studenten wir in Hamburg wiedersehen werden.
 
Am Freitag unserem vorletztem Tag gab es noch einiges zu organisieren. Vor allem schaffte ich es endlich mal zum Frisör zu gehen. Mein schnellster Frisörbesuch in meinem bisherigen Leben, mit Haarewaschen, schneiden und föhnen genau 15 Minuten. Für den eigentlichen Haarschnitt ging Oswaldo, der Frisör, genau dreimal um mich herum, jedesmal mit einem anderen Haarschneidegerät. Für das gleiche Ergebnis hätte ich in Deutschland mindestens ein Stunde beim Frisör gesessen und vor allen Dingen hätte mehr als 5 Euro bezahlt.
 
Zu unserem letzten Abendessen hatten wir Senior Loco und seine Frau zu Beatriz eingeladen und es wurde ein langer und lustiger Abend. Am nächsten Morgen durften wir mal wieder unserer Lieblingsbeschäftigung nachgehen - Sachen packen. Abends ging unserer Bus nach Buenos Aires. Wir hatten die beste Buskategorie für unsere Nachtfahrt gebucht, dass allerdings erst nach der Buchung festgestellt. Als wir jetzt den Bus betraten waren wir erstaunt, dass sah hier aus wir in der ersten Klasse im Flugzeug, mit Sitzen, die man zu Liegen umbauen kann. Okay, am Entertainmentprogramm - einem Bingospiel - könnte noch etwas gefeilt werden. Aber es gab Essen und Wein, so dass die Fahrt verhältnismässig entspannt war. Es war Sonntagmorgen und der Himmel überspannt feuerrot die Stadt, als wir reinfuhren.
 
Buenos Aires, ich weiβ nicht warum, aber diese Stadt für mich immer etwas sehr exotisches und ich hätte nie gedacht, dass hier einmal in meinem Leben herkomme. Jetzt sah es aus dem Busfenster wie eine normale Groβstadt aus, die gerade erwachte. Wenig später waren wir in unserem Hostel angekommen. Leider war unser Zimmer noch nicht frei und so machten wir uns auf dem Weg nach San Telmo, einem Stadtviertel von Buenos Aires, in dem am Sonntag immer ein groβer Straβenmarkt stattfindet. Hier war sehr viel los, viele Stände, viele Strassenkünstler und viele Touristen. Abends fanden wir ein sehr nettes Restaurant mit extrem guten Service, Essen und Wein. Als wir auf die Rechnung schauten waren wir uns einig in Deutschland hätten wir den gleichen Preis in Euro gezahlt. Die 112 Pesos sind ungerechnet noch nicht mal 30 Euro.
 
Die Nacht habe ich kaum geschlafen, den das Hostel, das durch seine zentrale Lage bestach, war sehr, sehr laut. Bei jedem Bus, der vorbeifuhr erzitterte der Boden. Willkommen in der Groβstadt!
 
Am nächsten Morgen hatten wir eine lange Liste abzuarbeiten, dass Wichtigste war aber die weitere Organisation unserer Reise, Flugbuchungen und ein Update unserer Webseite. Dabei habe ich unter anderem die Reisetipps für Neuseeland komplett fertig gestellt. Leider hatten wir gar keine Zeit uns noch etwas von Buenos Aires anzusehen, aber wir machen nach Patagonien vor unserer Weiterreise nach Boliven hier noch einmal hier Zwischenstopp machen.
 
Jetzt sitzen wir gerade am Flughafen von Buenos Aires und warten auf unser Flugzeug nach El Calafate, dass uns nach Patagonien bringen soll. Es regnet drauβen in Strömen und alle Flugzeuge haben mindestens 2 Stunden Verspätung. Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt auf unser nächstes Reiseziel, denn es steht der Moreno Gletscher, Wandern im Nationalpark Torres del Paine und eine Schiffsfahrt zum Kap Horn auf dem Programm. Es bleibt spannend!



Mendoza 17. März 2007 - 261.+1 Tag

Spanisch, Golf und Wein

Das hört sich nach einer ziemlich guten Mischung an, oder? Ist es auch! - Wir haben den perfekten Ort dafür gefunden - Mendoza in Argentinien.

Von Santiago de Chile waren es 7 Stunden mit dem Bus. Kurzfristig hatten wir uns entschlossen hier zwei Wochen
Spanischunterricht zu nehmen und in einer Gastfamilie zu wohnen. Am Busbahnhof wurden wir von Santiago abgeholt, dem Sohn des Hauses. Wenige Minuten später trafen wir in unserem Zuhause für die nächsten vierzehn Tage ein und lernten Beatriz, unsere Gastmutter, kennen. Wir hätten es nicht besser treffen können, den die beiden sind sehr, sehr gastfreundlich und immer für einen Spaβ zu haben. Das Haus ist sehr groβ, hat einen schönen Garten mit einer Terrasse, auf ich gerade in der Hängematte liege und alte Weinstöcke, die Schatten spenden.

Schon am nächsten Tag wurden wir in das argentinische Leben eingewiesen. Wir machten ein Picknick mit Freunden im Park. Schon die Hinfahrt war sehr lustig, denn die zahlreichen Polizisten auf der Straβe übersahen geflissentlich die zwei Personen auf dem Beifahrersitz. Im Park wuchs unsere Gruppe schnell auf 20 Personen an, die alle Decken, Kekse, Kuchen, Kaffee und Tee mitgebracht hatten und jetzt alle fröhlich durcheinander schnatterten. Leider war mein Spanisch noch nicht so weit, dass ich mich ernsthaft unterhalten konnte, aber mit Händen und Füβen ging es irgendwie doch. Das wichtigste war aber natürlich der Matetee, von dem ein Gefäβ in Kaffeetassengrösse fast voll gefüllt wurde. Dann wurde heiβes Wasser aus der Thermoskanne dazugegeben und das ganze dann mit einem silbernen Strohhalm getrunken. Danach wurde ein Teil der Mate durch neue ersetzt, neu aufgegossen und an den nächsten in der Runde weitergereicht.

Am Abend feierten wir dann den Abschied von Steve, einem Engländer, der ebenfalls hier für eine Woche zu Gast war, mit Wein und "Fernet Branca" mit Cola. Letzteres ist hier ein typisches Getränk, was zuerst ziemlich ungewöhnlich schmeckt, nach einer Zeit gewöhnt man sich aber daran. Teve, wie Beatriz ihn immer nennt, da das s hier stumm ist, gab uns eine kleine Lektion darin, wie sich das Empire ausgeweitet hat und eine Demonstration über das Trinkverhalten der Engländer im Vergleich zu den Franzosen. Diese war so anschaulich, das wir noch jeden weiteren Abend darüber gelacht haben. Kurz gesagt wir haben hier richtig viel Spaβ, die Argentinier sind sehr entspannt und nehmen das Leben mit einer beeindruckenden Leichtigkeit. Ein zweiter Punkt, der Argentinien zu einem unvergleichlichen Reiseland macht ist der deutlich zu gering bewertete Pesos. Bei einem Umtauschkurs von 1:1, hätte man ungefähr deutsche Preise. Zur Zeit bekommt man aber für einen Euro 4 Pesos. So kostet eine Flasche guter Wein 10 Pesos = 2,50 Euro.  Für den gleichen Preis bekommt man auch zwei Bier in einem Inncafe. Essen, Taxifahren usw. ist meist noch günstiger.

Mendoza selbst ist eine schöne Stadt in Mitten eines groβen Weingebiet mit sehr guten Rotweinen, die wir morgen auf einer kleinen Tour mit Beatriz und ihren Freunden verkosten werden. Hier ist Wüste und daher hat man fast immer blauen Himmel. In der Stadt selbst gibt es viele schön Häuser, aber das beste ist das jede Straβe in der Stadt von Bäumen gesäumt ist, die angenehmen Schatten spenden. Es gibt unglaublich viele Cafés und Restaurants, die wir noch gar nicht so richtig ausprobieren konnten, weil wir hier jeden Abend bekocht werden.

Am Montag hatten wir dann auch unseren ersten Spanischkurs. Ich bin im Anfängerlevel zusammen nur mit einem weiteren Schweizer, Yves. Wir haben zweimal zwei Stunden, jeweils mit unterschiedlichen Lehrerinnen, Ines und Ana. Beatriz ist sehr begeistert, was ich in einer Woche so gelernt habe und unsere ausschweifenden Diskussionen darüber, wie man bestimmte Gerichte zubereitet, haben direkt zu einer Essenseinladung nächsten Mittwoch in dem Haus von Yves geführt. Auch die anderen Studenten sind sehr nett und in der Pause oder beim Mittag lernt man sich gut kennen. Gestern (Freitag) waren wir mit anderen in einem Restaurant (in Deutschland wäre es eher eine Eckkneipe) und haben einem Bandeonspieler zugehört. Das war wirklich sehr anderes als alles was ich bisher so gehört habe, zumal man richtig sehen konnte, wie die Musik durch den Körper des Spielers ging. Dazu gab es natürlich auch Wein.

Auβerdem haben wir an den Nachmittagen Golfstunden. Seit Südostasien haben wir nach einem Ort gesucht, um das zu lernen, aber nie den richtigen Platz gefunden. Als Steve uns dann erzählte, dass er Stunden hier nimmt, waren wir uns sicher, das wir das auch ausprobieren wollen. Allein das Studium der Golfspieler (99% männlich, 50+, viel Geld), ist sehr interessant. Unser Golflehrer, ein seriöser älterer Herr, der den ungewöhnlichen Namen Senior Loco hat. Loco bedeutet auf spanisch soviel wie "verrückt" heiβt. In unseren bisherigen Stunden haben wir nur den Abschlag geübt, was aber schwieriger ist, als man denkt. Mittlerweile treffen wir aber schon ziemlich häufig den Ball. Nur Olaf muβte heute morgen etwas leiden, da er erst um 4 Uhr ins Bett gegangen ist, weil er nach der Musikvorstellung noch mit Dirk, unseren neuen "Mitbewohner" in der Kneipe gegenüber weltbewegende Sachen diskutiert hat. Um 8.30 Uhr standen wir schon wieder auf dem Platz. Senior Loco sagte nur etwas, was auf deutsch übersetzt ungefähr "Die Nacht ist fröhlich, der Morgen ist traurig." heiβt.

Es geht uns also rundum gut hier und wir können Mendoza, Spanisch, Wein und Golf noch genau eine Woche genießen. Leider ist bei Beatriz danach ausgebucht, sonst hätten wir bestimmt noch eine Woche verlängert. Aber wir müssen ja auch langsam runter nach Patagonien, denn da ist Herbst und es wird KALT!



Mendoza 12. März 2007 - 256.+1 Tag

Osterinsel

Warum heiβt, die Osterinsel Osterinsel? Natürlich weil sie zu Ostern entdeckt wurde, oder viel mehr wiederentdeckt wurde. Genauso könnte sie so heiβen weil sie erstaunlich viele Überraschungen parat hält.

Also wir morgens am 1. März hier nach einem Nachtflug landeten, sah die Insel ziemlich klein und ziemlich verschlafen aus. Unser Airport-Pickup war auch zu spät und so standen wir zunächst ziemlich unschlüssig am Flughafen rum. Schließlich tauchte Marta, die Campingplatzbetreiberin doch noch auf und brachte uns zu unserer Unterkunft, dem einzigen Zeltplatz auf der Insel. Die erste Überraschung war, dass auβer uns fast nur Japaner hier zelten. Das hatten wir irgendwie nicht erwartet. Wir suchten uns einen Platz für unser Zelt und bauten es auf. Wenn wir eine gemütliche Unterkunft gehabt hätten, hätten wir uns wahrscheinlich erstmal ins Bett gelegt und ausgeschlafen. Da das Zelt auf dem Platz ohne Bäume sich in der Sonne aber ziemlich schnell aufheizt, beschlossen wir doch lieber schon mit der Inselerkundung zu beginnen. Unser erster Weg führte uns in den Ort. Dort sahen wir auch unsere ersten Moais, aufgestellt am Hafenbecken. Sehr eindrucksvoll.

Wir beschlossen uns noch mehr anzusehen und liefen zu der am Ort nahesten Moaigruppe, die vom Meer abgewandt ins Landesinnere schauten. Etwas weg stand noch ein etwas gröβerer Moai mit Augen, übrigens der einzige mit Augen auf der Insel. Von hier aus ging es weiter ins Museum. Dieses besteht eigentlich nur aus einem groβen Raum mit Schautafeln, die aber alle auf Spanisch sind. Die Besucher, die der Sprache nicht mächtig sind, bekommen bei Entrichtung des Eintritts einen dicken Stapel Kopien in der jeweiligen Landessprache überreicht. So ausgerüstet setzt man sich mit einem Stuhl vor die jeweilige Schautafel und studiert die Übersetzung und sieht sich dazu die entsprechenden Bilder an. Das ist zwar sehr interessant, aber auch sehr mühselig, vor allem wenn man in der Nacht vorher kaum geschlafen hat.

Zwei Stunden später hatten wir es geschafft und machten uns auf den Rückweg und belohnten uns mit einer Pizza. Die Osterinsel ist zwar im Verhältnis zu Chile sehr teuer, aber im Vergleich zu Tahiti immer noch sehr günstig. Sobald wir zum Zeltplatz kamen, fielen wir in unsere Schlafsäcke und schliefen ein. Mitten in der Nacht wurde ich wach von kräftigem Regen, der aufs Zelt trommelte. Ich dachte nur, hoffentlich werden die Rucksäcke nicht allzu naβ, da wir diese aus Platzmangel im Vorzelt deponiert hatten. Zum Regen mischte sich das Geräusch von Wellen, die kräftig gegen das Riff vor unserem Zeltplatz schlugen.

Am nächsten Morgen sah alles wieder ganz friedlich aus. Wir wollten nur eins, uns die Insel ansehen. Hier hatte Marta einen guten Tip, einen Führer, der Archäologie studiert hat.  Eine Stunde später machten wir uns auf den Weg, um die Moais dieser Insel und dessen Geheimnisse zu erkunden. Voran gestellt werden muβ, dass keiner mit Sicherheit weiβ, was hier passiert ist. Vielmehr gibt es unzählige Theorien über alles mögliche, woher die Menschen gekommen sind, warum sie Moais produziert haben, wie sie die Moais produziert haben, wie sie die riesigen Steinstatuen transportiert  und aufgestellt haben und natürlich auch darüber, warum sie sie dann alle wieder umgekippt haben, denn als der erste Europäer hierher kam stand nur noch ein Moai, der wenig später auch umgekippt wurde. Viele dieser Theorien hat uns unserer Führer präsentiert. Manche sind logisch und nachvollziehbar, andere eher nicht. Aber was ist im Leben schon logisch?

Nach einiger Zeit beginnt man automatisch eigene Theorien aufzustellen und sich selbst Fragen zu stellen: Wie ist das auf der abgelegensten Insel der Welt zu wohnen und wie sind sie hierher gekommen? Die nächste Insel ist Pitcairn Island und 2078 km entfernt. Bis zum Festland der chilenischen Küste sind es 3526 km und bis Tahiti sogar 4251 km. Haben die Menschen das Seefahren verlernt? Wußten sie das es noch andere Menschen auf der Welt gibt, oder haben sie gedacht sie sind völlig allein. Die Aufzählung kann ich unendlich fortsetzen.

Heute besichtigen kann man die Überreste der Kultur, die umgestürzten Moais und die, die wieder aufgestellt wurden, die Plattformen auf denen sie stehen und Fundamente von alten Häusern sowie Feuerstellen. Am faszinierendsten ist aber die "Moaifabrik" am Vulkan Rano Raruku. Dort sind viele unfertige Moais, umgekippte, zerbrochene, halbaus dem Boden ragende und der verbotene Moai, der von seiner Form her ganz anders aussieht, als die ganzen restlichen. Wir waren hier fast allein, als wir bei Sonnenschein durch die Reihen schritten.

Am nächsten Tag befassten wir uns mit einem anderen Teil der Kultur hier, dem "Vogelmann". Wahrscheinlich nach den Moais wurden an der Inselspitze einmal im Jahr ein groβer Wettkampf ausgetragen. Aus jedem Clan musste einer zu einer nahe gelegenen Insel rüberschwimmen und ein frisch gelegtes Ei einsammeln und heil zurück zum Festland bringen. Der Sieger war der Vogelmann und bekam Jungfrauen als Preis. Viel wichtiger war aber, das der Clan für ein Jahr eine Vormachtstellung auf der Insel hatte und der Oberhaupt des Clans über alle wichtigen Dinge auf der Insel entscheiden durfte, wie z.B. Essenszuteilung.

Den letzten Tag auf der Insel haben wir noch auf eigene Faust Moais besucht und den einzigen Strand der Insel gesehen, der aber sehr einladend aussah.

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Südamerika, dem letzten Kontinent auf unserer Tour. Gegen Abend landeten wir in Santiago de Chile, wo wir in einen Hostel in Bellavista, einem Ausgehviertel, vorher reserviert hatten. Den Beginn unserer letzten Etappe feierten wir im "Off the Record" mit einigen Gläsern Rotwein.

Am nächsten Tag trafen wir Friederike, eine ehemalige Kommilitonin aus Münster, die hier schon einige Jahre lebt. Zu ihr hatten wir auch unsere Ersatzkamera aus Deutschland schicken lassen, die genau an dem Tag "just in time" eintraf. Wir aβen zusammen Abendbrot und sie erzählte uns über das Leben in Santiago und wie sie hier her gekommen ist. Das finde ich ja immer besonders spannend.

Am nächsten Tag machten wir uns dann auf die Entdeckungstour durch Santiago zu Fuβ. Ich habe zwar noch nicht soviel von Südamerika gesehen, aber die Stadt kam mir sehr europäisch vor, sozusagen "Südamerika light".

Am Abend trafen wir dann auch die finale Entscheidung, wo wir unseren Spanischsprachkurs machen wollen - in Mendoza, Argentinien, eine relaxte kleinere Stadt, mit vielen Bodegas in der näheren Umgebung. Wir wohnen bei einer Gastfamilie und haben pro Tag 4 Stunden Spanischunterricht in einer kleinen Gruppe mit bis zu 6 Personen. Das hört sich doch nicht schlecht an, vor allen Dingen sind wir nach Moskau das erste Mal wieder 14 Tage an einem Ort.

Ansonsten haben wir in Santiago die kostenlose Internetverbindung im Hotel genutzt und viel an unserer Webseite gearbeitet, vor allen an der linken Menüleiste: Reisetipps für Philippinen, Australien und Neuseeland sowie den Punkt Menschen.

Gestern morgen haben wir uns dann in den Bus nach Mendoza gesetzt, wo wir zwischenzeitlich auch gut angekommen sind. Wir sind mit der Auswahl unseres Ortes und unserer Gastfamilie mehr als zufrieden. Hierzu aber mehr im nächsten Blog.



Mendoza 11. März 2007 - 255.+1 Tag

Noch 2,5 Monate Weltreise
Meine bisherigen Highlights (keine Prioritäten)


- Unglaublich viele Menschen kennenzulernen, die ich leider nicht alle aufzählen kann
- Die erste Nacht im Platzkartny in der Transsibirischen Eisenbahn
- Im eiskalten Wasser im Baikalsee baden und hinterher Omul essen
- Der Dalai Lama, den wir zufällig in Ulan-Bator gesehen haben
- Sich in den weiten Ebenen der Mongolei ganz klein fühlen und nachts vor dem Ger die Milchstraβe sehen
- Den Potala Palast in Lhasa zu besichtigen
- Die 5.000 Meterpässe in Tibet passieren
- Zelten im Mt. Everest Basecamp
- Unsere erste Gletscherbesteigung in Tibet
- Die Tour zu den unterirdischen Tunnel bei Saigon
- Die eine Woche "Strandurlaub" auf Phu Quoc nach fast vier Monaten Weltreise
- Olafs Mutter am Flughafen von Manila wiedersehen
- Mein erstes Erdbeben erleben (zum Glück ist ja nichts passiert) am Sugar Beach
- Die Delfine, die plötzlich beim Surfen wenige Meter neben uns schwammen
- Die erste Welle ganz absurfen
- Neujahrsmorgen am Ayers Rock
- Tiere beobachten auf Kangaroo Island (trotz Fahrrad fahren)
- Sydney, eine einfach coole Stadt
- Reiten in Glenorchy
- Tongariro Crossing: anstrengende Wanderung mit unglaublichen Ausblicken
- Mein Fallschirmsprung in Taupo
- Bora Bora sehen
- Moais auf den Osterinseln besichtigen

Darauf freue ich mich in Deutschland

1. Familie und Freunde wiedersehen
2. Im eigenen Bett schlafen, unsere Wohnung
3. Deutsches Essen (ganz viel Rotkohl, Sauerkraut ...)
4. Deutsche Zeitungen, deutsche Nachrichten
5. Normale Sachen machen, z.B. telefonieren, einen Abend fernsehen
6. Einen Kleiderschrank zu besitzen, in dem die Klamotten nicht nur Füllung zwischen Schlafsack und Büchern sind
7. Frauensachen tragen: Rock, Make-up, Pumps statt Treckingschuhe und Ziphosen
8. Auf den Goldbeckmarkt einkaufen gehen
9. Aufs Wochenende (auf so einer Reise geht das Zeitgefühl völlig verloren)
10. Mit Vollgas auf einer Autobahn fahren
11. Sich wieder mit jedem auf der Straβe/ im Geschäft verständigen zu können

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