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OZ Begegnungen

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Warum hier nicht noch viel mehr Menschen erscheinen

Eigentlich wollte ich meine letzten Einsichten zum Thema Australien schon vor einer ganzen Weile niederschreiben, aber unser aktueller Aufenthaltsort Neuseeland hält uns momentan ausserordentlich auf Trab. Hier kann man wirklich alles tun, was man schon immer mal tun wollte. Für mich heisst das Drachenfliegen und Reiten lernen, evtl. auch Freeclimbing. Aber auch für noch abenteuerlustigere Naturen wird hier jede Menge geboten, von Falschirmspringen über Bungy Jumping bis hin zu Rafting. Aber darüber werde ich in meinem nächsten Blog ausführlich berichten.

Jetzt erstmal zurück nach Australien und zu dem eigentlichen Thema meines Blogs: Begegnungen. Wir haben
auf unserer Website die Rubrik Menschen leider lange nicht so gut und ausführlich gepflegt, wie ich mir das vorstelle. Dies liegt allerdings nicht daran, dass wir auf unserer Reise niemanden kennengelernt hätten, sondern hängt eher damit zusammen, dass wir gar nicht soviel Zeit haben, jede unserer Begegnungen ausführlich zu beschreiben. Hinzu kommt, dass es von seinem Gegenüber manchmal auch einfach ein bisschen viel verlangt wäre, wenn man über jeden interessanten Menschen ein Porträt machen und es veröffentlichen würde.

Neben der grossartigen Natur waren es aber vor allem unsere Begegnungen, die das Land für uns so interessant gemacht hat. Der grosse Vorteil hier ist, dass man anders als in den anderen von uns besuchten (Ausnahme Russland, da wir ein wenig Russisch sprechen) sich wieder ausführlich mit den Menschen in einer gemeinsamen Sprache (Englisch, bei Touris auch Deutsch) unterhalten kann. Im folgenden will ich nun ohne Anspruch auf Vollständigkeit in chronologischer Reihenfolge die Menschen vorstellen, denen wir während unseres siebenwöchigen Aufenthaltes in Australien begegnet sind.

Kieran und Lisa, unsere Surflehrer in Lancelin. Kieran ist fast 365 Tage im Jahr am Strand und bringt mehr oder weniger begabten Touris das Surfen bei. Er ist Anfang 30 und wenn er keine Schüler hat geht er selber surfen. Sein Lieblingsspruch ist das überall in Australien verbreitete "No worries". Bei Kieran kann man im Gegensatz zu den anderen Australien davon ausgehen, dass diese Bemerkung ernst gemeint ist und man sich wirklich keine Sorgen machen braucht. Seine Frau Lisa hat den vergleichsweise stressigeren Job abgefasst. Sie muss mehrmals in der Woche morgens schon um 4 Uhr aufstehen, um die Surfschüler aus dem ca. 70 km entfernten Perth an den Strand von Lancelin zu holen.

Jürgen Preuss, der Deutsche, der den australischen Eingeborenen das Boomerang Werfen beibringt. Jürgen hatten wir kennengelernt als wir schon relativ spät am Abend eine Unterkunft auf einem Campingplatz in der Nähe von Perth suchten. Zunächst hatte Chris, der Ranger des Parks, in dem sich der Campingplatz befindet, ein Herz mit uns und ließ uns trotzdem er eigentlich ausgebucht war, auf dem Platz übernachten. Chris verwies uns an Jürgen, der schon länger dort war und als Gegenleistung für kostenlose Unterkunft ein bisschen das Mädchen für alles auf dem Platz war. Jürgen konnte superspannende Geschichten über seine Reisen und Beschäftigungen während seines bereits seit Anfang der 70er dauernden Aufenthaltes in Australien erzählen. Insbesondere brachte er uns die Geschichte des Boomerangs bei und erzählte ein wenig über die Aborigines, die er während seiner Tätigkeit besucht hatte. Leider haben die australischen Eingeborenen viele ihrer ursprünglichen Traditionen selbst verlernt, so dass ein Deutscher sie bei ihnen wieder in Erinnerung rufen musste. Jürgen hatte eine grosse Sammlung mit Zeitungsausschnitten dabei, in denen er mit 70er Hippie Outfit zu sehen war und wo über seine Tätigkeit in Australien berichtet wurde. Ausserdem lernten wir, dass viele Australier ihr Bier selber brauen und dass man die dazu benötigten Zutaten als Fertigmischung für wenige Dollar in jedem Supermarkt zu kaufen gibt. Das war für besonders deshalb erstaunlich, da in Australien Alkohol eigentlich nur in streng reglementierten "Bottleshops" erhältlich ist. Leider hatte Jürgen keine gekühlte Probe seines Eigengebräus vorrätig, so dass wir uns von der Qualität nicht selbst überzeugen konnten.

Für unsere Tour auf Kangaroo Island haben unsere Fahrräder bei Ray gemietet. Ray hat die meiste Zeit seines Lebens in Fahrradläden gearbeitet und ist auch in seinen geschätzten 50ern noch ein begeisterter Fahrradfahrer. Jeden Tag fährt er ein knappe Stunde (one way) zwischen seinem Haus und seiner Arbeitstelle, der Jugendherberge in Penneshaw, mit seinem Fahrrad. Ray hat immer gute Laune und hat uns mit kostenloser Übernachtung (unter der Hand versteht sich) in der Jugendherberge geholfen, unser Budget nicht zu sehr zu strapazieren. Wenn die Herberge voll ist, lässt er Reisende auch schon mal bei sich und seiner Frau in seinem Haus übernachten. Ray konnte uns jede Menge über das Inselleben berichten, womit die Leute hier Geld verdienen, über die Grundstückspreise bis hin zu den Müllgebühren.

In Melbourne sind wir sehr herzlich bei Ursula und Günter aufgenommen wurden. Wir kannten die Beiden bis dahin gar nicht. Sabines Vater hatte Günter bei einem Krankenhausaufenthalt in Deutschland kennengelernt. Für uns war es eine weitere Gelegenheit, ein wenig mehr Einblick das Alltagsleben in Australien zu bekommen. Günter und Ursula sind beide Deutsche, die schon sehr früh in den 60ern nach Australien ausgewandert sind. Besonders Günters Auswanderergeschichte war ungewöhnlich. Er fuhr seinerzeit für eine deutsche Reederei zur See und hatte auf der Fahrt eine Meinungsverschiedenheit mit dem Kapitän. Dieser reagierte ziemlich krass und setzte Günter in Sydney kurzerhand an Land, allerdings ohne ihm seinen Lohn für die letzten 8 Monate Arbeit an Bord auszuzahlen. Günter stand dann plötzlich mit gerademal 5 australischen Pfund in Sydney. Er fand aber schnell eine Beschäftigung und hatte bald genug Geld, um sich Australien auf eine einjährigen Autotour ausführlich anzuschauen. Er lernte das Land schätzen und traf irgendwann Ursula. Ursula war in den 60ern mit einem Anwerbeprogramm der australischen Regierung ins Land gekommen. Sie musste sich für zwei Jahre in ihrem Job als Sekretärin verpflichten und bekam dafür eine günstige Überfahrt nach Downunder gesponsort. Nach einem Zwischenspiel in Deutschland gefällt es den beiden in Australien so gut, dass sie von dort auch nicht mehr wegziehen wollen.

Auf unserem Weg nach Sydney haben wir Leigh und Marilyn in der Kleinstadt Albury besucht. Den beiden sind wir in Tibet immer wieder über den Weg gelaufen und sie waren uns gleich auf dem ersten Blick sympatisch. Als wir ihnen schrieben, dass wir gerade durch Australien reisen, haben uns die beiden gleich zu sich nach Hause eingeladen. Leigh ist knapp über 60 und arbeitet als Ingenieur im Stadtplanungsbüro von Albury. Leigh hat uns von einer besonders angenehmen Seite des australischen Arbeitslebens berichtet. Nach 10 Jahren Beschäftigung für denselben Arbeitgeber bekommt man hier 12 Wochen bezahlten Urlaub, einen sogenannten "Long service leave". Dies gilt auch für die freie Wirtschaft und ist wie wir finden eine sehr kompfortable Einrichtung. Leigh und Marilyn hatten diese Gelegenheit genutzt, um drei Monate lang China zu bereisen, wo wir sie dann getroffen hatten. In Albury hatten wir uns dann gegenseitig auch jede Menge über unseren jeweiligen Reiseerlebnisse zu erzählen. Wir gingen gemeinsam auf eine Weintour in der Region und probierten die extrem leckeren Oliven, die ein ausgewanderter Holländer in den dortigen Bergen züchtet. Trotz der gut 25 Jahre Altersunterschied entdeckten wir neben der gemeinsamen Vorliebe für gutes Essen und gute Weine noch jede Menge weitere Gemeinsamkeiten. Die Geschichte, wie die Beiden sich kennengelernt hatten, ähnelte der unsrigen in Einigem. Die beiden interessieren sich sehr für Kunst und Marilyn malt selbst ziemlich gut, wie wir uns an Hand der ausgestellten Werken in ihrem Haus überzeugen konnten. Mit Leigh konnte ich am späteren Abend nach leckerem Portwein jede Menge zutiefst philosophischer Ansichten über den Gang der Welt austauschen. So lernte ich zum Beispiel, dass ein Handy durch den Provider im Auftrag entsprechender staatlicher Dienste auch als eine Wanze zum Abhören privater Informationen genutzt werden kann. Ich bin mir allerdings nicht so ganz sicher, ob diese These einer nüchteren Betrachtung wirklich standhält. Auch diskutierten wir die Vor- und Nachteile australischer Stubby Holder. Wir hoffen sehr mit den Beiden in Kontakt zu bleiben und sie vielleicht einmal in Deutschland begrüssen zu können.

Kurz bevor wir Australien in Richtung Neuseeland verlassen mussten, haben wir in Brisbane Station bei Vince gemacht. Vince haben wir über den Hospitality Club (www.hospitalityclub.org) kennengelernt. Die Idee dieser Internetplattform ist es, dass man Reisende aus anderen Länder kostenlos bei sich zu Hause übernachten lässt und im Gegenzug selbst bei Menschen in anderen Ländern übernachten kann. Das ist aus unserer Sicht eine geniale Idee und Vince war der Erste, bei dem wir eine Übernachtungsmöglichkeit wahrgenommen haben. Vince ist Lehrer an einer Grundschule in der Nähe von Brisbane, hat zwei Söhne im Alter von 10 und 16 Jahren, mit denen er zusammen in seinem Haus wohnt. Er ist geschieden von seiner Frau und die drei schmeissen einen echten Männerhaushalt. Vince ist selbst schon ganz gut in der Welt herumgekommen und hat den Hospitalityclub dabei gut genutzt. Im Gegenzug hat er bereits jede Menge Reisende bei sich aufgenommen. Für war es ein besonderes Erlebnis, mit Vince und seiner Familie das Volksfest zum Australia Day (dem australischen Nationalfeiertag) auf der South Bank in Brisbane zu besuchen. Wir konnten jede Menge darüber erfahren, wie der durchschnittliche Australier lebt und haben auch eine kurze Lektion über Cricketregeln bekommen. Abends gabs dann noch ein typisch australisches Barbecue, was der perfekte Ausklang für unseren 7wöchigen Australienaufenthalt war. Wir hoffen auch Vince und seine Familie bald bei uns in Deutschland wiederzusehen.

Neben den oben ausführlicher beschriebenen Begegnungen treffen wir natürlich jeden Tag immer wieder neue Leute. Da ist z. B. der Elektriker, der uns und unsere defekten Fahrräder auf seinem Pick Up mitgenommen hat, als wir relativ hilflos am Strassenrand auf Kangaroo Island langgetrottet sind. Da sind auch jede Menge Reisende, die wir auf den australischen Zeltplätzen kennengelernt haben und mit denen wir unsere Erlebnisse gegnseitig ausgetauscht haben. Und schließlich sind da jede Menge Australier, die uns einfach freundlich auf eine Frage geantwortet oder in einer anderen Art geholfen haben.

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