Wie ein Deutscher den Aboriginies das Boomerang werfen beibringt
Der Dortmunder Jürgen Preuss bringt den Aborigines (Australiens Ureinwohnern) das Boomerang werfen bei. Man könnte dies nur ein weiteres Symptom für den hier derzeit herrschenden Mangel an qualifizierten Angestellten (heutige Seite 1 Schlagzeile: "500 Balinesen lindern Western Australia's Arbeitskräftemangel") halten. Damit würde man aber nicht ganz richtig liegen.
Jürgen ist nämlich schon
Die Aborigines sollen den Boomerang ursprünglich erfunden haben, was insofern richtig ist, dass sie wie viele andere Naturvölker mit Wurfhölzern gejagt haben. Das Prinzip dabei ist einfach und effektiv: Mann nimmt ein Stück Holz und wirft es auf Tier. Tier bekommt das Ding an den Kopf und fällt tot um. Dass das Wurfgerät dabei zu seinem Besitzer zurückkommt, ist auch für den Fall des Nicht-Treffens (Tier fällt nicht tot um) nicht vorgesehen. Das "fliegende Schwert, dass zurückkommt" ist eine Fiktion der Engländer, die zufällig einen Boomerangwurf bei einem Einheimischen in der frühen Kolonialphase zu sehen bekommen haben. Tatsächlich kannten aber wahrscheinlich nur zwei Stämme der Aborigines den Boomerang, der nicht bei der Jagd sondern wohl eher bei Kulten und Ritualen eingesetzt wurde.
Dieses von mir hier sehr verkürzt aber hoffentlich einigermassen richtig wiedergegebe Wissen vermittelt oder richtiger vermittelte Jürgen in seinen Workshops mit den Aborigines. Heute ist Jürgen im Ruhestand und vertreibt sich seine Zeit mit Abenteuerfahrten kreuz und quer durch den australischen Kontinent. Am liebsten sind ihm und seinem alten Toyota Jeep die Fahrten durchs entlegene Outback, wo es auch keine Schotterpisten gibt und die Zivilisation weit weg ist. Für Weihnachten und Neujahr hat er eine Ausnahme gemacht und ist auf den nur ca. 40 km von Perth entfernten Campingplatz am Lake Leschenaultia gekommen, wo wir ihn gleich bei unserer Ankunft getroffen haben.
Am Lake Leschenaultia sind wir einen Tag vor Silvester eingetroffen, nachdem wir bereits ca. 2800 Strassenkilometer nach 10 Tagen durch Südwestaustralien hinter uns hatten. Dabei haben wir jede Menge Buschland im Outback, über 60m hohe Eukalyptus Bäume mit einem Pfad durch die Baumkronen, unberührte Strände, Weingüter, entlegene Campingplätze und Caravan-Parks, ein gezämtes Känguru, mehr oder weniger touristische Küstenorte, bunte Backpacker Hostels mit schrägen Typen, die Grenze zwischen Indischen und Südlichen Ozean am Cape Leeuwin, Goldgräberstädte, eine Superpit (aktiver Riesen-Tagebau für Gold und andere Metalle), den Wave Rock (steinerne Surfwelle), historische Siedlungen und endloses Farmland im Wheatbelt gesehen. Neben Jürgen hatten wir verschiedene andere interessante Bekanntschaften gemacht und uns nach der ersten Ernüchterung ein wenig mit Australien angefreundet.
Silvester haben wir in Perth verbracht. Leider hatte es mit unserer Verabredung mit Peter und Laura zur Silvesterparty nicht geklappt. Peter musste kurzfristig zu seiner Arbeitstelle in Brome fliegen, wo er als Elektriker arbeitet und über den Jahreswechsel gebraucht wurde. Dass Elektriker hier quer durchs Land geflogen werden, ist ein weiteres Symptom für den leergefegten Arbeitsmarkt bei heissgelaufener Konjunktur.
Sabine und ich haben dann auf Kneipentour durch Northbridge, den Partybezirk von Perth, begeben. Nach Pizza und Pasta beim Italiener, der sich ebenfalls über Personalmangel beklagte, sind wir dann durch volle Strassen und an zwei Bühnen mit Live-Musik vorbei in ein Weinlokal marschiert. So konnten dann mit französischen Sekt anstossen (zwischenzeitlich hatten wir aus Budgetfrustration erwogen, die eigentlich für unsere Partyeinladung bestimmte Jack Daniels Flasche mit Cola zu mischen) und haben das neue Jahr freudig begrüβt. Ein paar zwiespältige Gefühle schwangen dabei schon mit, da wir im Mai unsere abenteuerliche Weltreise beenden und uns in Deutschland wieder dem Ernst des Lebens zuwenden müssen. Nach Mitternacht gings noch in einen Club wo wir noch ein wenig weitergefeiert hatten.
Jetzt sehen wir unter uns den Ayers Rock und die nur wenige Kilometer davon entfernte Landepiste auftauchen. Alle elektronischen Geräte müssen ausgechaltet werden und somit ist dieser Blog für heute beendet.

