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Fotomotive der Weltreise
Olaf's Blog November 06

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Olaf's Blog November 06

Jetstar Flug von Singapur nach Manila, 19. November 2006

Jürgen Drews hat recht

Jürgen Drews heisst eigentlich Michael und kommt aus Zürich. Was das Äuβere angeht, hat er allerdings ziemliche Ähnlichkeit mit Jürgen Drews (Michael, solltest Du anderer Meinung sein, kannst Du das hier kundtun).

Michael haben wir auf Ko Phayam kennengelernt, wo eine bunte Mischung von Dope Opas, Austeigern und anderen
Unangepassten sich mit einigen wenigen erholungsuchenden Durchschnittmenschen gemischt haben. Das war ganz nach unserem Geschmack. (siehe Sabines Blog: "Not Refunabel - oder eins der letzten Paradiese") Michael ist schon gut rumgekommen und meinte auf meine etwas mäkeligen Bemerkungen hinsichtlich geringer Strandbreite, sehr einfach ausgestattenen Bungalows usw., dass wir schon noch sehen würden, was wir an diesem Hippieparadies haben, wenn wir erst die Touristenzentren von Khao Lak und Phuket weiter südlich an den Andamanenküste gesehen hätten.

Was soll ich sagen, Michael (alias Jürgen Drews) hatte recht. Khao Lak hat wohl auch mal als Bambusbungalowsiedlung angefangen. Inzwischen sind dort überall eintönige Mittelklasseresorts mit so einfallsreichen Namen wie "Bei Rolf und Lin" aus dem Boden gestampft worden. Der Ort wird von zu fast 100% übergewichtigen Freizeitalkoholikern bevölkert, die im Urlaub mal richtig einen draufmachen. Auch wir konnten uns der Touribespassung nicht ganz entziehen. So haben wir einen Ausflug in den nahegelegenen Khao Son Nationalpark mit Elefantenreiten und Kanufahren gebucht. Während das Elefantenreiten tätsächlich ziemlich eindrucksvoll war (sind wirklich sehr interessante Tiere, siehe unsere Fotogalerie), so war das Kanufahren komplett auf die genannte Zielgruppe ausgerichtet. Man fuhr nicht Kanu, sondern man wurde gefahren! Es handelte sich bei dem Kanu mehr um ein Gummiboot, in dessen vorderen Bereich jeweils zwei Touristen verstaut wurden, während am Heck ein Thai saß, der das Paddeln übernommen hat. Na ja, die Flusslandschaft war immerhin ganz eindruckvoll und erinnerte mit ihren Karsthügeln ein wenig an das chinesische Guilin.

Nach zwei Übernachtungen haben wir uns aufgrund des auch hier nicht wirklich überzeugenden Strandes (zumindest nach unseren inzwischen zugegebenermaβen etwas verwöhnten Maβstäben) in Richtung Phuket aufgemacht, wo es laut Reiseführer Traumstrände geben soll und es die nach unserer Erfahrung auch tatsächlich gibt. Unsere Wahl ist auf Naithon Beach gefallen, welcher sich durch grosse Nähe zum Flughafen (unser Weiterflug nach Singapur ging frühmorgens), relative Ruhe (kein Fluglärm und keine Nachtclubs) sowie durch für Phuket noch verhältnismäβig moderate Beachbungalowpreise von "nur" 35 EUR auszeichnet. Zum Vergleich, auf Ko Phayam kostet ein Bungalow 12 EUR pro Tag.

Naithon Beach ist ziemlich leer und hat neben einen breiten Sandstrand sehr klares Wasser zu bieten und ein in Küstennähe gelegenes Riff zu bieten. Der kleine Ort entlang der Küstenstreifens ist zu mindesten 50% fest in der Hand von hier sesshaft gewordenen Deutschen. Einer davon ist Jens, der zusammen mit seinem Partner Rainer die Tauchschule Aquadivers (www.aquadivers.com) betreibt. Jens ist schon seit 1995 vor Ort und hatte vor dem Tsunami insgesamt 5 Tauchschulen auf Phuket betrieben. Nach dem Tsunami ist nur noch diese eine übriggeblieben. Wie ich gelernt habe, war hier keiner versichert, was nicht Wenige in den Ruin getrieben hat. Allerdings erlebt man einen solchen Tsunami wenn überhaupt, so dann hoffentlich nur einmal im Leben. Also ist es eigentlich ziemlich natürlich, sich nicht dagegen zu versichern.

In Jens Tauchschule wollte ich dann auch meinen vor gut drei Jahren auf dem nicaraguanischen Little Corn Island erworbenen Tauchschein (PADI Open Water) auffrischen. Allerdings musste ich gleich am Anfang der Praxisübungen feststellen, dass trotz der sehr kompetenten Tauchschule aus mir wohl nie ein wirklicher Taucher wird. Das Atmen unter Wasser hat irgendwie doch etwas Beklemmendes und ich konzentriere mich mehr auf die Druckanzeige und darauf, meine Mittaucher nicht zu verlieren, als mich an der Unterwasserwelt zu erfreuen. Im Nachhinein ist mir immer noch unklar, wie ich mich damals in Nicaragua zu diesen Tauchschein überwinden konnte. Na ja, nun habe ich jedenfalls beschlossen, mich zukünftig ausschließlich auf Überwassersportarten zu verlegen. Immerhin auch eine Erkenntnis.

Wie schon eingangs erwähnt, hatte Michael tatsächlich recht. Von den von uns besuchten Orten an der Andamanenküste hat uns Ko Phayam am besten gefallen. Insgesamt fanden wir Thailand zwar einfach zu bereisen, aber irgendwie auch nicht richtig spannend.

Die letzten zwei Tage haben wir in Singapur verbracht, welches uns mal wieder wie schon auf unserer Hochzeitsreise vor zwei Jahren ausgesprochen gut gefallen hat. Eine super organisierte, sichere, wenn auch ein wenig langweilige Stadt. Wenn es einem aber nach Abwechslung gelüstet, so hat man es nicht weit. Von Singapur gibt es Billigflieger zu allen Attraktionen Südostasiens, egal ob Thailand, Kambodscha, Vietnam, Indonesien oder die Philippinen, zu denen wir gerade unterwegs sind. In Manila werden wir heute meine Mutter treffen und mir ihr zusammen die nächsten drei Wochen durch den Inselstaat reisen. Das wird sicher sehr spannend. Ich werde berichten...



Bangkok, 7. November 2006

Okaayyy, Siiir!?

Seit meinem letzten Bericht aus Saigon haben wir jede Menge erlebt, so dass ich mal wieder mit dem Schreiben nicht richtig hinterhergekommen bin. Gerade haben wir den Bus nach Ranong bestiegen, von wo wir auf die Insel Ko Phayam ?bersetzen wollen. Dort soll es noch die laid back Hippie Style Strandbungalows mit unber?hrten Str?nden geben, die auf Ko Phi Phi und Ko Samui inzwischen von M?llhalden und Touristenhorden ?berschwemmt wurden. Schaun mer mal. Nach der Groβstadt Bangkok haben wir uns auch mal wieder ein bisschen Strand verdient, finden wir. :-)

Das verl?ngerte Wochenende in Bangkok hat uns Dank unserer vorz?glichen Gastgeber Rainer und Petra sehr gut gefallen. Wie schon in Peking haben einen Einblick in das Leben der hiesigen Expats bekommen. Anstrengendes Klima, hohe Luftverschmutzung und t?glichen Verkehrsinfarkt kompensieren die Firmen mit Annehmlichkeiten wie 200 qm Wohnungen mit Doorman und Ausblick aus der luftigen H?he von 20 und mehr Stockwerken, Dienstwagen mit Fahrer und ?hnlichem. Rainer hat uns die Dachterasse des 63 Stockwerke hohen State Towers bei Nacht gezeigt. Von dort hat man einen traumhaften Ausblick ?ber die Stadt und kann an einer Top Bar erstklassige Cocktails zusammen mit anderen Farangs geniessen. Farang nennen die Thais die westlichen Ausl?nder. Diese waren an dieser Location dann auch ganz unter sich.

Rainer wusste einige interessante Geschichten aus dem thail?ndischer Alltag zu berichten. So gibt es momentan in seiner Firma unter den Kollegen die Initiative "Sich um jemanden k?mmern.". Dabei zieht jeder ein Los mit dem Namen einer Person, um die er oder sie sich f?r den Zeitraum von ein paar Wochen besonders k?mmern muss. Die "bek?mmerte" Person kennt denjenigen, der sich um sie k?mmert, jedoch nicht. Das wird erst am Ende des Zeitraums offiziell gemacht. Sich k?mmern heisst, seinem Sch?tzling mal Blumen auf den Schreibtisch zu stellen, mal ein kleines Geschenk hinzulegen etc.. Wenn man sich nicht ordentlich k?mmert kann das am Schluss ziemlich peinlich werden, wenn der "Bek?mmerte" erf?hrt, wer ihn da so vernachl?ssigt hat. Der beschriebene Brauch ist Ausdruck in Thailand sehr ausgepr?gten Gruppenkultur, in der man fast alles zusammen in der Clique seiner Freunde macht. Das konnten wir auch in den Clubs beobachten, wo die Thais mit ihrer Clique um einen Tisch tanzen, auf dem in der Regel eine Flasche Johnny Walker steht, die dann gemeinsam niedergek?mpft wird. Bezahlen muss dann der, der am meisten Erfolg im Leben hat. Es ist hier Brauch, dass der Erfolgreichere den weniger Erfolgreichen einl?dt. Dies ist f?r den, der wenig Geld hat, ganz angenehm und f?hrt auf der Seite des Einladenen dann wiederum zur Erh?hung des Prestiges. Lt. Rainer, der sich beruflich mit Finanzen besch?ftigt, f?llt es den Thais aber offensichtlich schwer, sich ihr Geld richtig einzuteilen. Das merkt man daran, dass am Anfang des Monats, wenns gerade Geld gab, die Clubs und Restaurants richtig voll sind und die Kohle rausgeblasen wird. In der zweiten Monatsh?lfte muss dann gedarbt werden und in den Ausgehlocations herrscht ziemliche Leere.

Am Sonntag hatten wir das grosse Gl?ck, an einem der lebendigen Thai Festivals teilnehmen zu k?nnen. Es handelte sich dabei um Loi Kr?thong. Hierbei ist es Brauch, bei Vollmond kleine lotusbl?tenf?rmige Schiffchen aus Bananenbl?ttern auf den durch Bangkok fliessenden Mae Nam Chan Phraya Fluss zu setzten. Auf dem Boot befindet sich eine kleine erleuchtete Kerze und ein paar R?ucherst?bchen. Beim zu Wasser lassen des Schiffchens bedankt man sich beim Fluss, dass er alle Widernisse wie Industrieabw?sser und Hineinurinieren im letzten Jahr so klaglos hingenommen hat. Gleichzeitig kann man sich etwas w?nschen. Wir waren beim Schiffchen schwimmen lassen leider noch nicht so ge?bt, so dass unsere Kerze schon nach wenigen Metern ausging. Da die Thais in der Regel ein wenig erfolgreicher waren, konnten wir unz?hlige kleine Boote mit brennenden Kerzen den Fluss hinunter schwimmen sehen. Sp?ter abends sind wir dann noch mit einem Ausflugsboot zusammen mit jeder Menge feiernder Thais auf dem Fluss entlanggefahren. Da war ziemlich eindrucksvoll, insbesondere das n?chtliche Feuerwerk vor der glitzernden Skyline Bangkoks hat uns sehr gefallen.

Die Hauptouristenattraktion Bangkoks, der grosse K?nigspalast und der Tempel des Smaragdbuddhas, fanden wir selbst in den fr?hen Morgenstunden von Touristen v?llig ?berlaufen vor. Die Wachabl?sung der Palastgarde hat uns etwas gr?beln lassen, wie diese Schluffis in Uniform (von preussischen Schneid war keine Spur) den gerade zur?ckliegenden Milit?rputsch zu Wege bringen konnten. Die klassischen Touristenattraktionen Bangkoks (neben den Go Go Bars nat?rlich...) haben uns also nicht so vom Hocker gerissen, was aber sicher auch daran lag, dass wir gerade erst drei Tage in dem gr?ssten Tempelkomplex S?dostasiens und der Welt im kambodschanischen Angkor verbracht hatten. Daher waren wir mal wieder "templed out", wie es so sch?n im Lonely Planet heisst.

In Angkor haben wir auch die erg?nzenden Worte zu unserer ?berschrift "Okaayyy, Siiir!" geh?rt. Die vollst?ndige Ansprache lautet n?mlich wie folgt: "You want cold drink, Sir? If you buy, you buy from me, Sir. Okaayyy, Siiir!?" und wurde uns an jedem der 20 von uns besuchten Tempel von einem ganzen Ensamble von kambodschanischen Frauen und Kindern entgegengeschmettert. Diese mussten dann meist selbst ?ber ihren skurilen Auftritt lachen. Hinter dieser sich ganz lustig anh?renden Geschichte verbirgt sich aber leider die bittere Armut derjenigen, die verzweifelt versuchen mit ein paar Cocosn?ssen oder billigen Souvenirartikeln einen Dollar zu machen. Davon m?ssen in Kambodscha viele Menschen einen ganzen Tag von leben. Besonders traurig anzusehen waren die Kinder, die statt zur Schule zu gehen, versuchten den zahlreichen westlichen Touristen einen Dollar zu entlocken. Dabei bewiesen sie erstaunliches Sprachtalent und beherrschten ihr Verk?ufervokabular gleich in mehreren westlichen Sprachen.

Die Tempel selber waren sehr beindruckend und haben neben den einzigartigen in Sandstein gehauenen Formen auch eine ziemlich exotische Lage im Dschungel aufzuweisen, die eine gute Kulisse f?r jeden Indiana Jones Film abgibt und tats?chlich schon einigen Hollywood Produktionen als Drehort diente. Vergleichbarbares habe ich bislang nur in der untergegangenen Maya Stadt im guatemaltekischen Tikal gesehen. Um ein Viertel der insgesamt ca. 80 Tempel von Angkor zu besichtigen, haben wir 3 Tage ben?tigt, wobei wir es allerdings recht ruhig haben angehen lassen. Mit einem Tuk Tuk (Motorriksha) haben wir uns die weiten Strecken zwischen den Tempeln fahren lassen. Dabei haben wir uns dann beide leider ein wenig erk?ltet, denn die Tempelbesteigungen haben uns immer ganz sch?n ins schwitzen gebracht und die Kombination mit dem anschliessenden Fahrtwind ist uns nicht so gut bekommen. Um alles Wissenswerte ?ber Angkor und die Kultur der Khmer zu erfahren, haben wir uns vor Ort mit dem entsprechenden Buch und vor allem mit der sehr sehenswerten BBC Dokumentation "The History of Angkor Wat" eingedeckt.

Vor unserer Tempeltour hatten wir das erste Mal auf unserer inzwischen gut vier Monate andauernden Weltreise eine Strandwoche auf der s?dvietnamesischen Insel Phu Quoc genossen. Leere Traumstr?nde, kompfortable Strandbungalows, leckeres Seafood, Sonne und Meer sind auf dieser touristisch noch relativ wenig entwickelten Insel ein wirklich bezahlbares Vergn?gen. ?berzeugt Euch selbst in unserer Fotogalerie.





Bangkok, 6. November 2006
8:21 Uhr: Senior Manager rettet die Welt

Wir sitzen zusammen mit unserem Gastgeber Rainer in seinem Wagen und begleiten ihn auf seinen Arbeitsweg. Der Fahrer navigiert routiniert durch die morgendliche Blechlawine. Rainer greift zum Handy und ruft seinen Chef, den Gesch?ftsf?hrer der thail?ndischen Niederlassung eines grossen internationalen Genussmittelkonzerns, zur?ck. Der Chef hatte Rainer angerufen, weil er Unterst?tzung bei einer richtungsweisenden Aufgabe ben?tigte: "Rainer, du hattest mir doch dieses Word Dokument mit Deinen Kommentaren geschickt. Wie kann ich denn die Kommentare einf?gen, so dass sie nicht mehr als solche erkennbar sind?"

Rainer: "Oben in der Men?leiste ist so ein kleines Icon mit einem gr?nen Haken drin. Das heisst "accept all". Dann werden alle Kommentare eingef?gt."

Chef: "Ich kann das Icon nicht finden. Bei mir gibt es das nicht in der Men?leiste."

Rainer: "Mmh, dann weiss ich das auch nicht. Aber keine Sorge, ich finde das raus und rufe Dich dann zur?ck."

Rainer klappt sein Laptop auf und wir surfen durch die Men?leisten. Nach 3 Minuten haben wir die L?sung und Rainer ruft seinen Chef zur?ck: "Ich habe die L?sung: Du musst oben in den Men?punkt "View". Dort gibt es dann in der Liste die Option "Review". Dort dr?ckst Du rauf. Siehst Du jetzt das Icon mit dem gr?nen Haken in der Men?leiste? Da musst jetzt raufdr?cken. Geht es? Ja? Super!! Dann sehen wir uns gleich im B?ro."

So kam es, dass der Senior Manager eines grossen internationalen Genussmittelkonzerns schon fr?hmorgens auf dem Weg zur Arbeit die Welt rettete und dem steigenden Globalisierungsdruck die Stirn bot.

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