Walpole, 26. Dezember 2006
KNEE DEEP in Western Australia
KNEE DEEP in Western Australia
KNEE DEEP haben wir am 23. Dezember auf unserer Weintour durch die Umgebung von Dunsborough kennengelernt es handelte sich dabei um das vierte von insgesamt fünf Weingütern, die wir auf unserer Tour zwecksWeinverkostung besucht haben. Nach den dreiWeinproben am Vormittag hatten wir auch schon die Biere einer lokalen Privatbrauereie ausgiebig gewürdigt. Bei der Bierverkostung gabs glücklicherweise auch ordentlich was zu essen. Das hatten wir auch gebraucht, um nicht schlapp zu machen.
Wir, das waren neben Sabine und mir die ein wenig jüngeren Peter und Laura aus Perth sowie Grossmutter, Mutter und Tochter einer ebenfalls aus Perth stammenden Familie. Leider konnte ich mir nur den Namen der vor vielen Jahren aus Holland eingewanderten Grossmutter merken. Sie heißt Lucy und erinnerte mich ausserordentlich an die Schwester von March aus der Simpson Familie. Mit ihren schätzungsweise weit über 80 Jahren rauchte sie Kette, wann immer sie aus unserem klimatisierten Van gelassen wurde. Zusätzlich waren Augenform und Stimme mit ihrem um einige Jahre jüngeren Trickfilmdouble fast identisch. Auf jeden Fall war Lucy sehr unterhaltsam um bemühte sich, auch bei der Weinverkostung ordentlich mitzuhalten. Ausserdem war Lucy die schlankeste der Frauen-Dreierbande. Wenn die Gewichtszunahme in allen Familien von Generation zu Generation so voranschreitet, wie in dieser, dann können die Fluglinien aus Zweiersitzen bald einen machen.
Zu dieser Weintour hatten wir uns entschlossen, weil wir gehört hatten, dass die Gegend um den Margaret River eine aufstrebende Weinbauregion ist und wir uns auf diesem Gebiet ein wenig weiterbilden wollten. Die Weinberge, die wir besucht haben, waren dann auch wirklich zumindest landschaftlich denen in der Toskana sehr ähnlich. Traumhafte Ausblicke und teilweise echt leckere Weine. Neben dem für Australien unvermeidlichen mehr oder weniger nach Eichenfass schmeckenden Chardonnay und Shiraz gabs auch andere, interessantere Kombinationen zu probieren. Insbesondere waren wir erstaunt, den in Deutschland lange Zeit gar nicht mehr angesagten Rosé als ein wunderbare Alternative zu einem Rotwein bei den hier herrschenden 30+ Grad wiederzuentdecken. Arrivierte Weinkenner mögen jetzt zwar vor sich hinlächeln, aber für mich war es tatsächlich neu, dass Rosé aus roten Trauben gemacht wird, von denen zuvor die Haut entfernt wurde.
Die ganze Weinverkosterei hatte unsere Truppe jedenfalls in ziemlich gute Laune an diesem Tag vor Heiligabend versetzt. Heiligabend wird hier allerdings wie in allen angelsächsischen Ländern nicht gefeiert, sondern erst am 25. Dezember, dem Christmas Day, der hier auch Boxing Day heisst. Ich habe den vor 7 Jahren aus England eingewanderten Peter gefragt, warum der Boxing Day so heisst. Dieser konnte mir darauf leider keine Antwort geben. Da wir uns aber bei anderen eher männerspezifischen Themen wie Oktoberfest und Fussball auf dieser Tour schätzen gelernt hatten, haben wir uns weinseelig auch gleich mal gegenseitig eingeladen. Peter und Laura schmeissen Silvester in Perth eine Party, bei der wir nun mit von der Partie sein dürfen. Wir haben sie nach Hamburg eingeladen, wenn sie in zweiten Jahreshälfte 2007 quer durch Europa reisen werden. Schaun mer mal, wie das so wird.
Auf der Weintour haben wir dann auch einkaufstechnisch ordentlich zugeschlagen und uns für das Weihnachtsfest mit den hier angesagten Margaret River Weinen eingedeckt. Da Australien, wie schon in meinem letzten Blog erwähnt, unser Weltreisebudget vor eine ziemliche Herausforderung stellt, war für Weihnachten auch nicht mehr drin als das Surfpoint Ressort in Margaret River. Ressort ist in diesem Fall eine pure Übertreibung, da es sich vielmehr um eine Jugendherberge handelt, in der sich all diejenigen versammeln, die einem der besten Surfs in Western Australia huldigen wollen. Uns war diesmal aber nicht so sehr nach surfen, sondern nach zwei Tagen Ausruhen von unseren sich auch hier schon wieder turbulent aneinander reihenden Erlebnissen. So sind wir dann am 24. Dezember in den lokalen Supermarkt gefahren, um für unser traditionelles Weihnachtsessen Bratwurst, Sauerkraut und Kartoffeln einzukaufen. Zu unserer Überraschung war die Zutaten tatsächlich vorrätig. Auch gab es die von uns geliebte Lindt-Schokolade. Zur Abrundung und als Kontrapunkt zu den im Ressort vorherrschenden blauglänzenden Kunstofftannenbäumen haben wir uns dann auch noch für einen Lindt Schokoladenweihnachtsmann als Tischdeko entschieden. Sabine hat das dann am Heiligabend zu einer wundervollen Komposition aus hervoragendem Essen, vorzüglichen Weinen und einer sehr schönen mit Kerzen geschmückten Tischdekoration zusammengefügt. So konnten wir dann die Jugendherbergsatmosphäre dann auch in den Hintergrund treten lassen. Neben uns haben noch zwei weitere Pärchen Heiligabend gefeiert. Wie es sich jedoch für Deutsche gehört, hat das mal jeder schön für sich getan.
Zum näheren Kennenlernen war dann erst der von den Herbergseltern Diane und Gary organisierte nach australischem Brauch am nächsten Tag stattfindende Chrismas Lunch notwendig. Hier saßen mit Tischkarten sortiert ca. 40 Gäste der Herberge an zwei langen Tafeln zusammen. Uns haben die Tischkarten in die Nähe von Sebastian und Katja gesetzt, die eines der am Vorabend ebenfalls feiernden Pärchen waren. Die beiden sind schon das dritte Mal in Australien und haben schon alles das gesehen, was wir erst noch sehen werden. Ausserdem saßen bei uns noch der Däne Peter zusammen mit seiner Frau und Tochter. Peter ist Expat in Indonesien und hat dort seine ursprünglich aus Madagaskar stammende Frau kennengelernt. Auch sie hatten viel Interessantes zu erzählen. Insgesamt war das Weihnachtsfest ein recht schönes Erlebnis, wenn ich auch persönlich finde, dass den Australiern wie auch in vielen anderen Bereichen einfach ein wenig Stil fehlt. Na ja, dass wenig weihnachtliche Wetter hier (Sonnenschein bei über 30 Grad) scheint wohl Geschmacksverirrungen wie blauglänzende Kunstofftannenbäume zu begünstigen. Wir freuen uns jedenfalls schon wieder auf Weihnachten zu Hause im nächsten Jahr.
Jetzt sitze ich gerade in unserem Mietwagen der auf dem Rasen des Rest Point Holiday Village (www.restpoint.com.au) steht. Hinter dem hochtrabenden Namen verbirgt sich ein Campingplatz, zugegebenermaßen der bislang schönste, den wir hier gesehen haben. Wir haben unser Zelt direkt am Ufer eines Sees aufgebaut und der Ausblick ist sehr schön. Jetzt gibt’s allerdings gar keinen Ausblick mehr, da es schon 22.30 Uhr damit dunkel ist. Sabine liegt schlafend im Zelt, während ich im Lichte der Innenraumbeleuchtung unseres gemieteten Hyundai Getz diese Zeilen schreibe. Nachdem wir uns heute früh davon überzeugt hatten, dass am berühmten Surfpoint von Margaret River wirklich nicht viel und vor allem keine für uns passende Welle vorhanden war, haben das Surfen bis auf weiteres verschoben und beschlossen, unseren Mietwagen ordentlich zu nutzen und uns den Südwesten Australiens inklusive Outback in den letzten Tagen dieses Jahres ausführlich zu erschliessen, bevor wir in Perth Silvester feiern und Neujahr zum Ayers Rock fliegen. Vorerst haben wir uns jedenfalls wieder auf das budgetschonende Campen verlegt und erleben wie auch viele Australier diesen Kontinent outdoor. Auf unser heutigen Tour haben wir das Cape Leeuwin besichtigt, der südwestlichste Punkt Australiens, wie findige Tourismusmanager herausgefunden haben. Hier treffen der Indische und der Südliche Ozean aufeinander. Für mich sah hier das Meer allerdings wie auch überall anders hier aus: sehr schön türkis und mit wundervollen weissen Stränden. Leider kann man von diesen leider nur surfend oder schwimmend Gebrauch machen, da man sonst Unmassen von gemeinen Stubenfliegen zum Opfer fällt, die einen hier auf Schritt und Tritt in riesigen Schwärmen überfallen, sobald der Wind auch nur ein wenig nachlässt. Bis zum Ende diesen Jahres stecken wir nun aber knietief (knee deep) in diesem Western Australia und wissen noch immer nicht so recht, was wir nun von alldem halten sollen. Ich werde berichten, wie unser Urteil ausfallen wird.
Auf der Weintour haben wir dann auch einkaufstechnisch ordentlich zugeschlagen und uns für das Weihnachtsfest mit den hier angesagten Margaret River Weinen eingedeckt. Da Australien, wie schon in meinem letzten Blog erwähnt, unser Weltreisebudget vor eine ziemliche Herausforderung stellt, war für Weihnachten auch nicht mehr drin als das Surfpoint Ressort in Margaret River. Ressort ist in diesem Fall eine pure Übertreibung, da es sich vielmehr um eine Jugendherberge handelt, in der sich all diejenigen versammeln, die einem der besten Surfs in Western Australia huldigen wollen. Uns war diesmal aber nicht so sehr nach surfen, sondern nach zwei Tagen Ausruhen von unseren sich auch hier schon wieder turbulent aneinander reihenden Erlebnissen. So sind wir dann am 24. Dezember in den lokalen Supermarkt gefahren, um für unser traditionelles Weihnachtsessen Bratwurst, Sauerkraut und Kartoffeln einzukaufen. Zu unserer Überraschung war die Zutaten tatsächlich vorrätig. Auch gab es die von uns geliebte Lindt-Schokolade. Zur Abrundung und als Kontrapunkt zu den im Ressort vorherrschenden blauglänzenden Kunstofftannenbäumen haben wir uns dann auch noch für einen Lindt Schokoladenweihnachtsmann als Tischdeko entschieden. Sabine hat das dann am Heiligabend zu einer wundervollen Komposition aus hervoragendem Essen, vorzüglichen Weinen und einer sehr schönen mit Kerzen geschmückten Tischdekoration zusammengefügt. So konnten wir dann die Jugendherbergsatmosphäre dann auch in den Hintergrund treten lassen. Neben uns haben noch zwei weitere Pärchen Heiligabend gefeiert. Wie es sich jedoch für Deutsche gehört, hat das mal jeder schön für sich getan.
Zum näheren Kennenlernen war dann erst der von den Herbergseltern Diane und Gary organisierte nach australischem Brauch am nächsten Tag stattfindende Chrismas Lunch notwendig. Hier saßen mit Tischkarten sortiert ca. 40 Gäste der Herberge an zwei langen Tafeln zusammen. Uns haben die Tischkarten in die Nähe von Sebastian und Katja gesetzt, die eines der am Vorabend ebenfalls feiernden Pärchen waren. Die beiden sind schon das dritte Mal in Australien und haben schon alles das gesehen, was wir erst noch sehen werden. Ausserdem saßen bei uns noch der Däne Peter zusammen mit seiner Frau und Tochter. Peter ist Expat in Indonesien und hat dort seine ursprünglich aus Madagaskar stammende Frau kennengelernt. Auch sie hatten viel Interessantes zu erzählen. Insgesamt war das Weihnachtsfest ein recht schönes Erlebnis, wenn ich auch persönlich finde, dass den Australiern wie auch in vielen anderen Bereichen einfach ein wenig Stil fehlt. Na ja, dass wenig weihnachtliche Wetter hier (Sonnenschein bei über 30 Grad) scheint wohl Geschmacksverirrungen wie blauglänzende Kunstofftannenbäume zu begünstigen. Wir freuen uns jedenfalls schon wieder auf Weihnachten zu Hause im nächsten Jahr.
Jetzt sitze ich gerade in unserem Mietwagen der auf dem Rasen des Rest Point Holiday Village (www.restpoint.com.au) steht. Hinter dem hochtrabenden Namen verbirgt sich ein Campingplatz, zugegebenermaßen der bislang schönste, den wir hier gesehen haben. Wir haben unser Zelt direkt am Ufer eines Sees aufgebaut und der Ausblick ist sehr schön. Jetzt gibt’s allerdings gar keinen Ausblick mehr, da es schon 22.30 Uhr damit dunkel ist. Sabine liegt schlafend im Zelt, während ich im Lichte der Innenraumbeleuchtung unseres gemieteten Hyundai Getz diese Zeilen schreibe. Nachdem wir uns heute früh davon überzeugt hatten, dass am berühmten Surfpoint von Margaret River wirklich nicht viel und vor allem keine für uns passende Welle vorhanden war, haben das Surfen bis auf weiteres verschoben und beschlossen, unseren Mietwagen ordentlich zu nutzen und uns den Südwesten Australiens inklusive Outback in den letzten Tagen dieses Jahres ausführlich zu erschliessen, bevor wir in Perth Silvester feiern und Neujahr zum Ayers Rock fliegen. Vorerst haben wir uns jedenfalls wieder auf das budgetschonende Campen verlegt und erleben wie auch viele Australier diesen Kontinent outdoor. Auf unser heutigen Tour haben wir das Cape Leeuwin besichtigt, der südwestlichste Punkt Australiens, wie findige Tourismusmanager herausgefunden haben. Hier treffen der Indische und der Südliche Ozean aufeinander. Für mich sah hier das Meer allerdings wie auch überall anders hier aus: sehr schön türkis und mit wundervollen weissen Stränden. Leider kann man von diesen leider nur surfend oder schwimmend Gebrauch machen, da man sonst Unmassen von gemeinen Stubenfliegen zum Opfer fällt, die einen hier auf Schritt und Tritt in riesigen Schwärmen überfallen, sobald der Wind auch nur ein wenig nachlässt. Bis zum Ende diesen Jahres stecken wir nun aber knietief (knee deep) in diesem Western Australia und wissen noch immer nicht so recht, was wir nun von alldem halten sollen. Ich werde berichten, wie unser Urteil ausfallen wird.
Lancelin Beach - Western Australia, 18. Dezember 2006
Die fetten Zeiten sind vorbei oder im Westen nichts Neues
Nach guten 1,5 Monaten in Südostasien sind wir vor einer Woche im südwestaustralischen Perth gelandet. Lange schon hatte ich mich auf die Rückkehr in die westliche Zivilisation gefreut, da mir Südostasien zwar exotisch und teilweise sehr angenehm vorkam, aber ich irgendwie das Gefühl hatte, in unserer westlichen Gesellschaft würde alles viel effizienter und professioneller ablaufen.
Nach einer Woche Australien denke ich darüber etwas anders. Zwar kann man sich hier die Zähne mit Leitungswasser putzen, ohne krank zu werden (meine neue Definition von Zivilisation), aber im Nachhinein wird mir erst klar, welchen unglaublichen Luxus zu Mini-Preisen wir in Südostasien genossen haben. Dort ist man schon allein deshalb König, weil man aus dem Westen kommt und selbst mit einem geringen Tagesbudget weitaus mehr Geld zur Verfügung hat als 99,9 Prozent der Einheimischen, die in vielen Fällen sich noch nicht einmal sauberes Trinkwasser leisten können.
In Australien bekommt man für umgerechnet 45 EUR gerade mal ein Doppelzimmer ohne Fenster und mit Gemeinschaftsbad in einer Jugendherberge. Darüber hinaus funktioniert auch hier nicht alles so, wie ich das in meiner idealisierten Vorstellung von der westlichen Gesellschaft erwartet hatte. Die Läden machen schon um 18 Uhr zu und am Sonntag gar nicht erst auf, die Internetverbindungen funktionieren unzuverlässig und die Reiseorganisation gestaltet sich trotz exorbitanter Preise mehr als schwierig. Für alle Australienreisenden der ultimative Mietwagentipp: auf jeden Fall aus Deutschland vorbuchen bzw. vor Ort über einen deutschen Veranstalter mieten (sehr gut: www.holidayautos.de). Die hier angebotenen Mietwagen kommen mit bis zu 3.500 EUR Selbstbeteiligung im Schadensfall und jeder Menge Ausschlussregelungen (Schäden am Unterboden und am Dach sind nicht versichert. Man darf nur tagsüber und nur in einem bestimmten Radius vom Anmietort fahren etc.).
Zudem sind wir wieder im Land der Sprachcomputer angelangt, wo es vermeintlich billiger ist, Kunden mit Maschinen sprechen zu lassen anstatt mit Menschen. Bei der Freischaltung unserer Vodafone Mobilfunkkarte habe ich mit einer Maschine telefoniert, wobei folgender Dialog nach ca. 8 Minuten Redezeit stattgefunden hat.
Maschine: "Pls. tell me the post code of your address in Australia."
Olaf: Langes Schweigen, da zwar die Adresse aber nicht die Postleitzahl wusste.
Maschine: "Pls. tell me the post code of your address in Australia. If you dont know it, say: I dont know."
Olaf: "I dont know."
Maschine: "For this process you need to know the post code of your address in Australia. Pls. call again when you have this information at hand."
Nach 10 Gesprächsminuten, in denen ich der Maschine schon alle möglichen Daten angesagt hatte, durfte ich also nochmal anrufen, um von vorn zu beginnen. Nach einem weiteren ca. 10minütigen Telefonat mit der Maschine bin ich dann doch in ein Callcenter durchgeschaltet worden, wo ich dann alle Angaben nochmals machen durfte. Toll diese Errungenschaften westlicher Zivilisation!
Mein erster Eindruck von Australien ist also durchaus sehr zwiespältig. Die ersten Tage haben wir in Perth, der 1,4 Mio Einwohner zählenden Hauptstadt des Staates Western Australia, verbracht. Hier findet man eine Allerweltsskyline am Meer und ansonsten ein ziemlich unspektakuläres Stadtleben vor. Lonely Planet preist dies als eine "entspannte Atmosphäre" an. Eine der Hauptattraktionen für die hier anlässlich der gerade angefangen australischen Schulferien und des Kricket Spiels Australien-England zahlreich vorhandenen Touristen ist ein Ausflug zu der ca. 20 km vor der Küste liegenden Insel Rottnest Island. Auch wir wollten uns das nicht entgehen lassen und haben uns an Bord eines Ausflugsdampfers (eigentlich eines Schnellboots) begeben. Bei der sehr schaukeligen Überfahrt, die uns an einen vor vielen Jahren unternommenen Ausflug nach Helgoland erinnerte, ist erstmal der Hälfte der Passagiere schlecht geworden und die Besatzung hat fleißig Kotztüten ausgeteilt. Endlich auf der Insel angekommen durften wir dann noch einmal ca. 45 Minuten beim Fahrradverleih (Autos sind auf der Insel nicht erlaubt) anstehen. Als wir uns dann aber von den Touristenmassen absetzten konnten, haben wir eine wirklich wunderschöne Insel mit fast unberührter Natur zu sehen bekommen. Die Vegetation mit Sanddünen und Nadelbäumen erinnert ein wenig an Sylt oder Hiddensee (siehe Fotogalerie). Hinzu kommen kilometerlange unberührte Strände. Nach der ganzen Faulenzerei in Südostasien haben wir uns für Australien ordentlich Sport verordnet. Die 20 km Fahrradtour um die Insel bei über 30 Grad und teilweise heftigen Gegenwind war der Auftakt dazu.
Fortgeführt haben wir unser Sportprogramm an meinem Geburtstag. Um 4.45 Uhr klingelte der Wecker. Nachdem wir unsere Rucksäcke gepackt hatten, haben wir die auch gleich mal geschultert und sie gute 30 Minuten quer durch Perth zum Busbahnhof geschleppt. Dort hat uns Lisa um 6.45 Uhr mit einem Kleinbus abgeholt, um uns zum Surfunterricht an den ca. 80 km entfernten Lancelin Beach zu fahren. Um 8.30 Uhr hatten wir unsere Neos an und waren im ca. 20 Grad warmen Wasser. Die folgenden Tage hörten wir von unseren Surf Instructors Kieran und Ben immer wieder den Schlachtruf: "Paddle, Paddle, Paddle!". Dieser Aufforderung sind wir so intensiv gefolgt, dass mir meine Muskeln selbst beim Schreiben dieses Textes weh tun. Allerdings habe ich heute schon wieder ein paar wirklich gute Wellen erwischt und ich merke, dass unser erstes Surfcamp vor 5 Jahren an der französischen Atlantikküste nicht umsonst war.
Surfen, Windsurfen und Kite-Surfen sind die Dinge, die man im 700 Einwohner zählenden Lancelin das ganze Jahr über machen kann. Es gibt jede Menge Surf, endlose Strände und viel Sonnenschein. Wir sind der 4-Sterne Jugendherberge Lancelin Lodge untergebracht. Ja, zur Rechtfertigung astronomischer Preise vergibt der australische Jugendherbergsverband tatsächlich Sterne für seine Herbergen. Zudem hat diese Herberge im 2005er Ranking den 3. Platz unter allen Herbergen belegt. Alle zwei Wochen veranstalten die Herbergseltern Trish & Travor einen Pizzabend, der gleichzeitig eines der wichtigsten gesellschaftlichen Ereignisse in Lancelin Beach ist. Alles klar?
Insel Negros - Sugar Beach, 6. Dezember 2006
Fernfahrerunterkunft und Road less travelled
Immer, wenn ich den Reiseführer für das nächste zu bereisende Land zur Hand nehme, um unsere Route festzulegen, kann ich sicher sein, dass Sabine aufstöhnt. Irgendwie ziehen mich immer die Ziele an, die im Kapitel "Road less travelled" und somit meist im entlegensten Teil des Landes zu finden sind. Die Reaktion von Sabine auf meine Vorschläge ist dann meist ein resigniertes Seufzen und der Ausruf "Ich will nach Mallorca" (siehe Bines Blog).
Auch bei unsere Vorbereitung auf unser gegenwärtiges Reiseland Philippinen kam es zu der üblichen Diskussion. Diese wurde noch dadurch verschärft, dass wir meine Mutter für die drei Wochen Philippinen eingeladen hatten, uns ein Stück auf unserer Weltreise zu begleiten. Sabine war der Meinung, dass sich das entwickelte Ressort Boracay mit seinen Sandstränden und Oberklassehotels bestens für einen Grossteil unseres Aufenthalts auf den Philippinen eignen würde. Insbesondere, da meine Mutter bestimmt etwas Erholung in ihrem Jahresurlaub gebrauchen könnte. Ich hingegen hatte noch die Warnung des Alt-Hippies Jürgen Drews im Ohr: "Vergesst Boracay. Boracay ist tot." Siehe auch meinen Blog "Jürgen Drews hat recht".
Schliesslich konnte ich mich durchsetzten, und wir haben neben dem unvermeidlichen Anfangspunkt Manila auf die Inseln Palawan und Negros abseits der hier ohnehin recht spärlichen Touristenströme geeinigt. Das 2001 die deutsche Familie Wallert auf Palawan von lokalen Banditen zwecks Lösegelderpressung entführt worden ist, haben wir meiner Mutter vorsichtshalber erstmal verschwiegen.
Die kleine kuschelige zweimotorige Propellermaschine, die uns Drei nach Taytay auf Nordpalawan bringen sollte, bestätigte schon in dem am Bord befindlichen Informationsblatt, dass wir uns auf einem Weg nach meinem Geschmack befanden. Als besonders hervorzuhebende Eigenschaft der Maschine wurde ihre Fähigkeit angepriesen, auch auf unbefestigten Pisten landen zu können. Bei Landung auf der grünen Wiese von Taytay konnten wir uns davon überzeugen, dass die Werbung nicht zuviel versprochen hatte. Neben der Wiese stand eine Bambushütte, das "Terminal". Leider hatte das Terminal keinen Anschluss an das Verkehrsnetz, so dass wir erst nach vielem Hin und Her und nach 1,5 Stunden Warten einen Wagen organisieren konnten, der uns in das 30 km und auf der aufgeweichten Schlammpiste eine gute Fahrstunde entfernte Fischerdorf Taytay brachte.
Die noch um eine ca. 1stündige Bootsfahrt bei gutem Wellengang (Wir hatten Schwierigkeiten, meine Mutter wieder von dem Mast zu lösen, an dem sie sich festgekrallt hatte.) verlängerte Anreise wurde mit dem kleinen Inselparadies (nur 2 Beachbungalows) "Dilis Beach Resort" auf Icadambanuan Island mehr als belohnt. Hier konnten wir 5 Tage lang an dem nur für uns reservierten Strand dösen, in der Hängematte schaukeln und am nahe gelgenen kleinen Riff schnorcheln. Betrieben wird das Ressort von dem Deutschen Frank und seiner philippinischen Frau Mary-Anne, die uns mit ihren excellenten Kochkünsten geradezu gemästet hatte. Frank war ein grossartiger Gastgeber und hat unseren Aufenthalt sehr angenehm gestaltet. Allerdings komme ich nicht umhin, festzustellen, dass der Lonely Planet Reiseführer mit seiner Beschreibung der hier ansässigen Ausländer nicht ganz falsch liegt: "A self-exciled, twice-divorced, chemically dependent middle-aged man with a much younger Filipina on his arm.".
Nach den faulen Tagen in Dilis Beach Resort, während derer wir auch den 62. Geburtstag meiner Mutter gefeiert hatten, ging jetzt erst das richtige Reisen los. Wir haben verschiedene Orte auf Palawan besucht (El Nido, Miniloc Island, unterirdischer Fluss in Sabang und Puerto Princesa - siehe unsere Reiseroute). Dabei haben wir uns mit den erstklassigen lokalen Verkehrsmitteln wie Tricycle (überdachtes Motorrad mit Beiwagen) und Bus (mit durchrostetem Bodenblech, damit man den Staub der Schotterpiste direkt aus erster Hand bekommt) fortbewegt. Besonderes Highlight der Tour war das Dolphin Watching in der Bucht von Puerto Princesa. Wir sind frühmorgens mit einem kleinen Fischerboot rausgefahren und haben uns inmitten einer Herde von ca. 50 Delfinen wiedergefunden, die ganz nah an unser Boot herankamen (siehe Fotogalerie). Ausser uns waren nur noch 3-4 weitere kleinere Fischerboote dort. Die Fischer haben die Nähe der Delfine genutzt, um Thunfisch zu angeln, der auch von den Delfinen gejagt wird. Wir haben dann auch gleich einem Fischer seinen ersten Fang, einen 2 kg Thunfisch, für 80 Pesos (ca. 1,30 EUR) abgekauft. Später haben wir ihn dann sehr lecker auf einem Grill zubereiten lassen.
Nach Palawan haben wir uns auf die nächste "Road less travelled" aufgemacht, an den Sugar Beach von Sipalay im Süden der Zuckerohrinsel Negros. Nachdem wir bereits wieder mehr als 3 Stunden im schaukeligen und zugigen Bus gesessen hatte, es draussen bereits dunkel geworden ist und wir leider noch nicht wussten, ob es an unserem Zielort Sipalay überhaupt eine Unterkunft geben wird, fing meine Mutter an, von den Reisen ihrer Jugend zu erzählen. Unter anderem ist sie mit einer Freundin durch Bulgarien getrampt und wollte als DDR Bürgerin mal austesten, ob der Eiserne Vorhang zwischen Bulgarien und der Türkei auch wirklich dicht ist. Geendet hatte die Aktion dann mit einer Nacht Gefängnis und einem Verhör durch die bulgarischen Grenzoffiziere. Wo wir schon bei alten Geschichten waren, konnte ich mich auch gleich daran erinnern, dass meine Eltern mit mir im Alter von 8 Jahren durch Bulgarien getrampt sind und wir eines Abends mitten auf der Landstrasse hängengeblieben sind. Das einzige Gebäude weit und breit war eine verfallene Baracke, in der noch ein Tisch stand. Dieser wurde mir dann von meinen Eltern als Bett angepriesen und man versuchte mir die Baracke als "Fernfahrerunterkunft" zu verkaufen. Im Vergleich dazu reisen wir heutzutage echt professionell, denn wir hatten es tatsächlich geschafft, in Sipalay eine richtige Unterkunft zu finden. Allerdings ist jetzt auch Sabine klar, woher ich das mit der "Road less travelled" habe.

