Homestaybooking
Fotomotive der Weltreise
Olaf's Blog Januar 07

Unser Blog / First Blog

Olaf's Blog Januar 07

Kalwarra Farm, 11. Januar 2007

Mitnehmen lassen ist uncool

Heute ist der vierte und damit vorletzte Tag unserer Fahrradtour auf Kangaroo Island. Diese Insel liegt ca. 20 km vor der Südküste Australiens nicht weit von unserer Zwischenstation Adelaide. Kangaroo Island ist dafür bekannt, einer der besten Plätzein Australien zur Beobachtung wilder Tiere zu sein. Man kann auf der Insel frei lebende Kängurus, Wallabies, Koalas, Enchidnas (Ameisenigel), Pinguine, Pelikane, Robben und Seelöwen sehen. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und haben in Adelaide die verschiedenen Möglichkeiten zur Erkundung der Insel eruiert. Nachdem Sabine meinem ursprünglichen Vorschlag einer Fahrradtour nicht besonders aufgeschlossen gegenüberstand, hatte ich mich schon zur Mietwagenoption überreden lassen. Diesmal war Holidayautos allerdings nicht sonderlich flexibel und konnte uns keinen Wagen vermitteln, den wir legal auch mit auf die Insel hätten nehmen können. Nachdem wir festgestellt hatten, dass zudem alle organisierte Touren mindestens auf eine Woche hin bereits ausgebucht waren, sind wir schließlich doch wieder bei der Fahrradtour gelandet, was ich natürlich sehr begrüβte.

Am Sonntagabend sind wir nach Bus- und Fährtransfer in unserem Hostel in Penneshaw eingetroffen. Ray, der neben seiner Eigenschaft als Herbergsvater auch Fahrräder verleiht, hatte unser Equipment bereits bestens vorbereitet, so dass wir unsere Räder am nächsten Morgen nur noch mit unseren Sachen beladen brauchten. Montagmorgen hat uns Ray dann noch allerhand gute Tipps gegeben, wie wir am besten zum ca. 150 km entfernten Flinders National Park am anderen Ende der Insel kommen und welche Sehenswürdigkeiten wir uns auf den Weg dahin nicht entgehen lassen sollten. Die gröβte Hilfe war allerdings seine Initiative, uns noch die 3 km auf den Berg ausserhalb von Penneshaw hinaufzufahren, damit wir nicht schon am Anfang unserer Radtour völlig aus der Puste sind.

Oben angekommen sind wir dann auf unsere Räder gestiegen und haben festgestellt, dass der Berg von Penneshaw nur einer von vielen auf unserer Tour ist. Nach ca. 10 km ist Sabines anfängliches "Ich hasse Fahrrad fahren" bereits in "Warum hasst Du mich?" mutiert und mir wurde nach weiteren 5 km bereits mit Scheidung gedroht. Weiterhin wurde mir beschieden, dass mein Tagesplan von gut 100 km Tagestour völlig unrealistisch sei und dass sie es niemals soweit schaffen würde. An der entscheidenden Kreuzung haben wir uns dann auf einen Kompromiss geeinigt, nämlich den Campingplatz an der von Penneshaw nur ca. 70 km entfernten Murray Lagoon anzusteuern. Was wir dabei allerdings nicht richtig beachtet hatten, war Rays Warnung, dass 1 km ungeteerter Schotterpiste locker 2 km auf einer asphaltierten Strasse entsprechen, da man auf dem ruckeligen Schotter deutlich mehr Energie verbraucht.

Ab der Kreuzung, wo wir uns auf die Murray Lagoon festgelegt hatten, waren wir nun allerdings nur noch auf Schotterpisten im Busch unterwegs. Ein Vorteil dieser sehr wenig befahrenen Pisten ist, dass nicht wie auf der Hauptstrasse alle 700 bis 800 m ein Kängurukadaver am Wegesrand liegt. Kangaroo Island scheint tatsächlich eine äußerst hohe Dichte der Tiere aufzuweisen, deren Namen sie trägt. Auf dem Fahrrad hat man nun das sehr zweifelhafte Vergnügen, die Kadaver der totgefahrenen Tiere nicht nur aus nächster Nähe betrachten zu dürfen, sondern sie bereits ca. 50 m zuvor bereits "erschnüffeln" zu können. Wie gesagt war dies im Busch aufgrund geringerer Kadaverdichte nicht ganz so schlimm. Allerdings kam man hier tatsächlich deutlich schwerer voran. Hinzu kamen nach einiger Zeit die überall in Australien so penetranten Fliegen. Diese schienen sich von unserem Schweiβ ganz besonders angezogen zu fühlen. Insbesondere wenn es bergauf ging, waren sie aufgrund mangelnden Fahrtwindes gar nicht mehr abzuschütteln. Ich denke, ich brauche nicht sonderlich zu erwähnen, dass Sabine inzwischen nicht nur die Radtour sondern ganz besonders mich als den Urheber der Idee mit allen erdenklichen Flüchen belegte. Dies war umso mehr der Fall, da ich mich uneinsichtig zeigte und unser Erlebnis als wahrhaftiges Abenteuer pries.

Nachdem zu den restlichen Widernissen sich auch noch ein Sonnenbrand gesellt hatte (Morgens war es bedeckt und nachdem mittags sich die Sonne zeigte, hatte ich übers Fahrrad fahren die Sonnencreme ganz vergessen.), hatten wir anhand unserer Karte wenigstens richtig navigiert und erreichten gegen 18 Uhr endlich die Rangerhütte an der Murray Lagoon. Der Ranger war nicht da, dafür gabs aber einen Schutzraum, eine Toilette, einen Self-Service Campingplatz und ganz wichtig einen Tank mit Regenwasser, da unsere Trinkwasservorräte sich über den Tag ziemlich dezimiert hatten. Wir waren so alle, dass wir nur ganz schnell unser Zelt in Stellung brachten, leckeres Abendbrot bestehend aus Salami und Käse auf glutenfreien Brot (bäh!!, anderes war in Penneshaw ausverkauft) zu uns nahmen und dann sofort in Tiefschlaf fielen.

Am nächsten Morgen wurden wir von dem sich halbminütlich wiederholenden Autotürenschlagen und dem Gezeter des neben uns campenden mittelalterlichen Sachsenpärchen geweckt. Sie hatten sich wahrscheinlich an diesen entlegen Ort verirrt, weil die Übernachtung hier nur 8 AU$ (ca. 5 EUR) kostete. Auch für uns war dies die billigste Übernachtung seitdem wir Südostasien verlassen hatten. Die positive Wirkung auf unser Budget konnte Sabines Stimmung leider nicht wirklich aufhellen. Auch nicht die schönen Ausblicke auf unberührte Natur. Nachdem Sabine wieder im Sattel saβ, wurde mir stattdessen wieder mit Scheidung gedroht.

Nach weiteren 9 km auf Schotterpiste hatten wir dann endlich wieder Asphalt unter den Rädern. Auch die Kängurukadaver konnten unsere Freude nicht trüben, da es sich hier wesentlich einfacher radelte als im Busch. Gegen Mittag erreichten wir mein eigentlich für den Vortag anvisiertes Tagesziel Vivoon Bay und damit den letzten Laden auf der Strecke zum Flinders Chase Nationalpark. Wir stockten noch einmal unsere spärlichen Vorräte mit überteuerter Salami, Käse und Brot auf, lieβen uns einen vorzüglichen Hamburger schmecken und begaben uns wieder auf die Strasse.

Wir hatten uns vorgenommen, bis zum von der Mittagstation noch ca. 35 km entfernten Koala-Walk Campingplatz zu fahren. Nach 5 km kämpften wir in sengender Sonne gerade wieder mit einem ordentlichen Anstieg, als ein Pick-Up Truck neben uns seine Fahrt verlangsamte und uns der Fahrer durchs heruntergekurbelte Fenster eine Mitfahrgelegenheit offerierte. Reflexartig antwortete ich knapp: "No, thanks." und der Mann zuckte mit den Schultern und gab Gas. Das von mir immer wieder gern zitierte Buch "Warum Frauen nicht einparken können und Männer nie zuhören" gibt für solches Verhalten eine äuβerst plausible Erklärung. Für einen Mann gibt es nur wenige grössere Demütigungen als von einem Fremden gleichen Geschlechts Hilfe angeboten bekommen. Das impliziert ja, man würde es selbst nicht gebacken bekommen und der Fremde wäre einem somit überlegen. Das geht natürlich gar nicht, also sagte ich zu Sabine: "Mitnehmen lassen ist uncool." und unterlegte diese Feststellung noch mit dem Argument, dass wir ja wohl keine Fahrräder geliehen hätten, um auf der Ladefläche eines Pick-Ups zu fahren. Für die nächsten 5 km war erstmal Funkstille, nachdem mir als Scheidungsgrund "Schlechte Behandlung der Ehefrau." benannt wurde. Na ja, bei über 30 Grad in ozonlochbedingt extra stark brennender Sonne und geschätzten 8% Steigung blieb ohnehin nicht viel Luft zum Reden.

(Ab jetzt folgt der Fortsetzungsbericht vom 14.1., ich war auf Kalwarra einfach zu müde.)

Gegen 18 Uhr kamen wir dann schließlich beim Campingplatz am Koala-Walk an. Auf dem Weg dahin wurde mir der grosse Vorteil einer Fahrradtour erst wieder richtig bewusst. Man ist dichter an der Natur und nimmt diese viel intensiver wahr als im vollklimatisierten Innenraum eines Autos bei Tempo 110. Mit tiefer stehender Sonne fing es auf einmal links und rechts der Strasse an, im Busch zu rascheln. Unmengen von Wallabies und Kängurus lugten hervor und beäugten uns neugierig. Da inzwischen die Strecke flacher und die Luft kühler geworden war, konnte ich dieses Schauspiel mit grossem Vernügen verfolgen. Ausserdem weiss ich jetzt gleich Bescheid, dass man in der Dämmerung hier das Autofahren sein lassen sollte. Wenn das jeder machen würde, dann müsste man als Fahrradfahrer nicht ständig faulige Känguruleichen erschnüffeln. Ein weiterer Vorteil des Fahrradfahrens ist, dass man sich schon genau überlegt, wie weit man zu strampeln bereit ist, um etwas zu besichtigen. Mit dem Auto sind einem 20 km Umweg egal, kostet ja nur 3 EUR Benzingeld. Ich finde, jeder sollte verpflichtet werden, für jede zehn gefahrenen Autokilometer einen Kilometer auf dem Fahrrad zurückzulegen. Das würde der Spritverbrauch viel stärker verringern als jede Ökosteuer. Zudem würden die Leute nicht so verfetten, wie das hier in Australien in noch deutlich stärkerem Ausmaß der Fall ist als in Deutschland. Gegen Verfettung wäre übrigens auch die von mir entwickelte Dritte-Welt-Diät nicht schlecht. Der Grundgedanke ist einfach: Während der Diät werden alle eingesparten Kalorien direkt in die Dritte Welt geschickt. Okay, das führt ein wenig vom Thema weg. Aber auf dem Fahrradsattel unter der heissen Sonne Australiens kommen einem schon die komischsten Ideen...

Am Koala-Walk sind wir selbigen noch am Abend abgelaufen. Wir sind inzwischen im Zeltaufbau schon so geübt (unter 10 Minuten), dass wir dafür ausgiebig Zeit hatten. Wir hatten Glück und haben tatsächlich einige Koalas sogar ziemlich dicht gesehen. Allerdings hören sich die schwer zu beschreibenden Koala-Laute bei weitem nicht so niedlich an, wie der Anblick dieser eigentlich recht niedlichen Tiere vermuten lässt. Niedlich ist angesichts der bis 40 kg Lebendgewicht der Koalas wohl auch eher das falsche Wort. Nach anschlieβendem Bier und Pasta in der Campingküche waren wir dann auch schnell bettfertig, denn wir hatten für den nächsten Tag Grosses vor.

Am nächsten Morgen machten wir uns früh zu der eigentlichen Hauptattraktion von Kangaroo Island auf, zum Admirals Arch im von unserer Ausgangsstation Penneshaw ca. 150 km (direkter Weg, unser war länger) entfernter Flinders National Park. Trotz brennender Sonne und Temperaturen jenseits der 35 Grad hatte Sabine sich offentsichtlich dafür entschieden, sich in das Unvermeidliche zu fügen. An diesem Tag gab es gar keine Beschipfungen. Statt dessen trat Sabine ordentlich in die Pedale und wir meisterten die 23 km (one way) mit den bislang steilsten Anstiegen (und längsten Abfahrten) wie im Fluge (na ja, fast). Belohnt wurden wir mit einem phantastischen Ausblick auf die ihren Nachwuchs heranziehenden New Zealand Fur Robben. Als besonderen Lohn für die Fahrradfahrt konnten wir gute 1,5 Stunden am Admirals Arch verbringen und dem Treiben der Robben ausführlich zusehen. Die auf Bustouren gebuchten Tagestouristen mussten hingegen wieder nach 20 Minuten ihren vollklimatisierten Bus besteigen und sich zur Shopping-Station in das Visitor Centre begeben. Da hatten wir es besser und haben auch die Rückfahrt trotz bereits erwähnter Steigungen gern auf uns genommen. Am Abend auf dem Campingplatz war uns dann die Bewunderung in der Campingküche sicher.

Die nächsten zwei Tage brauchten wir dann für die Rückfahrt. Diesmal waren es tatsächlich nur ca. 150 km, da wir den Abstecher in den Busch diesmal vermieden haben. Ca. 30 km vor dem Ziel brach dann Sabines dritte Speiche, so dass an eine Weiterfahrt trotz des inzwischen recht flachen Geländes leider nicht mehr zu denken war. Wir hatten aber Glück und schon nach 5 Minuten gab uns ein Elektriker einen Lift samt Fahrrädern auf seinem Pick-Up Truck. Diesmal war mitnehmen lassen völlig okay und gar nicht uncool.



Ayers Rock, 02. Januar 2007
 
Ayers Blog
 
Gerade haben wir ein Blick aufs Thermometer (56 Grad!!) geworfen, da meinte ich hitzeverwirrt, ich könnte ja mal einen Ayers Blog schreiben. Natürlich meine ich damit einen Bericht über unseren Besuch bei dem wohl meistphotographierten Felsen der Welt. Es ist nachmittags 15.30 Uhr an unserem zweiten Tag am Ayers Rock und wir dösen im spärlichen Schatten der wenigen Bäume vor unserem Zelt.
 
Wir hatten sehr mit uns gerungen, ob wir hierher kommen sollten, denn der kurze Abstecher (1.700 km von Perth) in das rote Zentrum von Australien ist nicht gerade ein günstiger Spass. Zudem herrschen hier im Sommer um die 50 Grad und es ist Hochsaison für die in Australien bislang allgegenwärtigen Fliegen, die sofort über einen herfallen, sobald man sein Auto verlässt. Wir haben uns dennoch dafür entschieden, da wir glauben, dass wir sobald nicht wieder ans andere Ende der Welt kommen werden. Dafür ist das hier zu weit weg von Europa und ehrlich gesagt nicht soviel besser als andere näher gelegene, günstigere und gastfreundlichere Reiseziele. Australier stehen sehr auf "100% Australian owned, operated etc." Unternehmen, kaufen mit Vorliebe Produkte "Proudly made, packaged etc. in Australia" und die Angestellten in der Tourismusindustrie tun häufig so, als würde uns eine unglaubliche Gnade zuteil, in diesem wundervollen Land unsere Touri Dollars ausgeben zu dürfen.
 
Gestern Abend waren wir dann zum ersten Mal am Ayers Rock oder Uluru, wie der Felsen in der Sprache der Aborigines heiβt, um uns die wechselnden Farben des Felsens beim Sonnenuntergang anzusehen. Das war tatsächlich ein imposantes Schauspiel. Der Felsen strahlt in verschiedenen Stufen von Orange bis ins Rötliche. Überhaupt sieht dieser Felsen im Busch sehr einzigartig aus, denn um diesen sich 348 m hoch um seine Umgebung erhebenden Block befindet sich endlose nur mit Buschvegetation bedeckte Ebene.
 
Neben dem Ayers Rock befindet sich in ca. 50 km Entfernung eine weitere Felsformation, die sogenannten Olgas oder in Aborigines Sprache Kata Tjuta. Dies haben wir nach dem Sonnenaufgang am Ayers Rock am nächsten Tag besucht. Die Felsformation an sich fand ich lange nicht so beeindruckend. Am besten sieht sie in der Dämmerung und aus der Ferne aus. Aus der Nähe hat mich das ganze eher an das Elbsandsteingebirge nach Hitzeschock durch globale Erwärmung erinnert. Wenn auch Felsen selbst nicht so umwerfend waren, so war es doch die Natur drumherum. Auf dem Weg zu den Olgas ist uns das erste frei lebende Känguru vor das Auto gesprungen. Glücklicherweise in ausreichender Entfernung, denn sonst können solche Begegnungen hier schnell unangenehm enden. Die Strassen im Outback sind quasi gesäumt von den Kadavern umgefahrener Kängurus. Neben dem Känguru haben wir noch eine kleine Herde freilebender Kamele zu Gesicht bekommen, die uns ganz interessiert beäugt hatten. Kamele sind ursprünglich einmal für eine Expedition nach Australien gebracht worden, sind wohl eher zufällig ausgewildert und haben sich inzwischen in Unmengen vermehrt. Auch Hasen, Füchse und andere importierte Tiere haben sich hier breit gemacht, so dass sich die Phobie der Australier gegen importierte Pflanzen, Samen etc. nachvollziehen lässt. Wir jedenfalls fanden die Kamele schön anzusehen. Dies gilt ebenfalls die Schwärme von Wellensittichen und anderen bunten Vögeln, die wir hier zu Gesicht bekommen haben.
 
Heute Abend werden wir uns noch einmal das Sonnenuntergangsspektakel am Ayers Rock ansehen. Morgen früh geht’s dann nach einer letzten Abschiedstour zum Felsen weiter nach Adelaide.



Flug zum Ayers Rock, Neujahr 2007
 
Der Boomerang Mann
 
Der Dortmunder Jürgen Preuss bringt den Aborigines (Australiens  Ureinwohnern) das Boomerang werfen bei. Man könnte dies nur ein weiteres Symptom für den hier derzeit herrschenden Mangel an qualifizierten Angestellten  (heutige Seite 1 Schlagzeile: "500 Balinesen lindern Western Australia's Arbeitskräftemangel") halten. Damit würde man aber nicht ganz richtig liegen.
 
Jürgen ist nämlich schon Anfang der 70er mit Frau und Kind nach Australien ausgewandert. Damals waren die Australier auch schon auf der Suche nach Arbeitskräften und haben Einwanderern sogar verbilligte Flüge nach Downunder spendiert. Der Job als Fernsehmechaniker hat Jürgen hier zwar zu einem Auskommen verholfen, ihn innerlich aber nicht ausgefüllt. So fing er an, sich für Boomerangs zu interessieren und selbst welche zu konstruieren. Er vervollkommnete diese Fähigkeit soweit, dass er seine Boomerangs tatsächlich an interessierte Touris brachte und darüber hinaus sogar den australischen Eingeborenen das Boomerang herstellen und die richtige Art zu werfen in Workshops beibringen konnte.
 
Die Aborigines sollen den Boomerang ursprünglich erfunden haben, was insofern richtig ist, dass sie wie viele andere Naturvölker mit Wurfhölzern gejagt haben. Das Prinzip dabei ist einfach und effektiv: Mann nimmt ein Stück Holz und wirft es auf Tier. Tier bekommt das Ding an den Kopf und fällt tot um. Dass das Wurfgerät dabei zu seinem Besitzer zurückkommt, ist auch für den Fall des Nicht-Treffens (Tier fällt nicht tot um) nicht vorgesehen. Das "fliegende Schwert, dass zurückkommt" ist eine Fiktion der Engländer, die zufällig einen Boomerangwurf bei einem Einheimischen in der frühen Kolonialphase zu sehen bekommen haben. Tatsächlich kannten aber wahrscheinlich nur zwei Stämme der Aborigines den Boomerang, der nicht bei der Jagd sondern wohl eher bei Kulten und Ritualen eingesetzt wurde.


Dieses von mir hier sehr verkürzt aber hoffentlich einigermassen richtig wiedergegebe Wissen vermittelt oder richtiger vermittelte Jürgen in seinen Workshops mit den Aborigines. Heute ist Jürgen im Ruhestand und vertreibt sich seine Zeit mit Abenteuerfahrten kreuz und quer durch den australischen Kontinent. Am liebsten sind ihm und seinem alten Toyota Jeep die Fahrten durchs entlegene Outback, wo es auch keine Schotterpisten gibt und die Zivilisation weit weg ist. Für Weihnachten und Neujahr hat er eine Ausnahme gemacht und ist auf den nur ca. 40 km von Perth entfernten Campingplatz am Lake Leschenaultia gekommen, wo wir ihn gleich bei unserer Ankunft getroffen haben.
 
Am Lake Leschenaultia sind wir einen Tag vor Silvester eingetroffen, nachdem wir bereits ca. 2800 Strassenkilometer nach 10 Tagen durch Südwestaustralien hinter uns hatten. Dabei haben wir jede Menge Buschland im Outback, über 60m hohe Eukalyptus Bäume mit einem Pfad durch die Baumkronen, unberührte Strände, Weingüter, entlegene Campingplätze und Caravan-Parks, ein gezämtes Känguru, mehr oder weniger touristische Küstenorte, bunte Backpacker Hostels mit schrägen Typen, die Grenze zwischen Indischen und Südlichen Ozean am Cape Leeuwin,  Goldgräberstädte, eine Superpit (aktiver Riesen-Tagebau für Gold und andere Metalle), den Wave Rock (steinerne Surfwelle), historische Siedlungen und endloses Farmland im Wheatbelt gesehen. Neben Jürgen hatten wir verschiedene andere interessante Bekanntschaften gemacht und uns nach der ersten Ernüchterung ein wenig mit Australien angefreundet.
 
Silvester haben wir in Perth verbracht. Leider hatte es mit unserer Verabredung mit Peter und Laura zur Silvesterparty nicht geklappt. Peter musste kurzfristig zu seiner Arbeitstelle in Brome fliegen, wo er als Elektriker arbeitet und über den Jahreswechsel gebraucht wurde. Dass Elektriker hier quer durchs Land geflogen werden, ist ein weiteres Symptom für den leergefegten Arbeitsmarkt bei heissgelaufener Konjunktur.
 
Sabine und ich haben dann auf Kneipentour durch Northbridge, den Partybezirk von Perth, begeben. Nach Pizza und Pasta beim Italiener, der sich ebenfalls über Personalmangel beklagte, sind wir dann durch volle Strassen und an zwei Bühnen mit Live-Musik vorbei in ein Weinlokal marschiert. So konnten dann mit französischen Sekt anstossen (zwischenzeitlich hatten wir aus Budgetfrustration erwogen, die eigentlich für unsere Partyeinladung bestimmte Jack Daniels Flasche mit Cola zu mischen) und haben das neue Jahr freudig begrüβt. Ein paar zwiespältige Gefühle schwangen dabei schon mit, da wir im Mai unsere abenteuerliche Weltreise beenden und uns in Deutschland wieder dem Ernst des Lebens zuwenden müssen. Nach Mitternacht gings noch in einen Club wo wir noch ein wenig weitergefeiert hatten.
 
Jetzt sehen wir unter uns den Ayers Rock und die nur wenige Kilometer davon entfernte Landepiste auftauchen. Alle elektronischen Geräte müssen ausgechaltet werden und somit ist dieser Blog für heute beendet.

← Weitere Beiträge