Brisbane 27. Januar 2007 - 212.Tag
3.500 km one way: von Adelaide nach Brisbane
Um in unseren verbleibenden 14 Tagen noch möglichst viel von Australien zu sehen, haben wir uns wieder ein Auto gemietet, um auf die an der Westküste bewährte Weise, mit Auto und Zelt, das Land zu erkunden. Um den Blog etwas
übersichtlicher zu halten, habe ich mal wieder für die tageweise Berichterstattung entschieden:
3.500 km one way: von Adelaide nach Brisbane
Um in unseren verbleibenden 14 Tagen noch möglichst viel von Australien zu sehen, haben wir uns wieder ein Auto gemietet, um auf die an der Westküste bewährte Weise, mit Auto und Zelt, das Land zu erkunden. Um den Blog etwas
Tag 1: Deutschland zum Mittag
Heute morgen habe ich den Mietwagen abgeholt. Auf Grund eines Fehlers in der Adresse (Hausnummer 298 statt 28), hatte ich dabei das Vergnügen eines extra Workouts. Nachdem ich Olaf und unser Gepäck im Hostel abgeholt hatte, ging es los.
Als erstes ging es zu den Adelaide Hills, von denen wir einen langen Abschiedsblick auf die Skyline von Adelaide warfen. Danach stand Hahndorf auf dem Programm, eine deutsche Siedlung, die heute für viele Touristen ein Anziehungspunkt ist. Uns erinnerte aber hauptsächlich das "Hahndorf Inn" an Deutschland, ein Restaurant, dass von innen aussah, wie ein bayrisches Brauhaus: mit Hofbräuhausbier, blauweiβen Fahnen, typischen Stühlen und Tischen, einem Akkordeonspieler und deutschem Essen. Da konnten wir natürlich nicht widerstehen. Nach einer groβen Portion Würstchen, Kassler und Sauerkraut (wegen der Hitze mussten wir aufs Bier verzichten), ging es weiter Richtung Osten, wo wir 400 km weiter unser Zelt aufbauten.
Tag 2: Wo geht es nach Aldi?
Als erstes fuhren wir heute morgen über eine Weinstrasse, an der sich rechts und links die Weingüter reihten. Leider war es für ausgiebige Weinproben noch viel zu früh, so dass wir nur ein Weingut ansteuerten. Hier probierten wir den Cabernet Savingon, für den die Coonawarra Region bekannt ist. Sehr lecker, aber leider auch entsprechend teuer!
Danach erreichten wir Mount Gambier, einen erloschenen Vulkan, in dessen Krater sich der "Blue Lake" befindet. Der Name hält, was er verspricht, der See ist unglaublich blau. Es sieht fast so aus, als ob jemand mit dem Tuschkasten nachgeholfen hätte, da eine solche Farbe fast unmöglich natürlich entstehen kann. Auch die Forscher haben bisher keine Erklärung für die Färbung bekommen, die sich nur für einige Monate im Jahr vollzieht, bevor er wieder grau aussieht.
Auf unserer weiteren Fahrt besichtigten wir noch einige Fischerdörfer, die aber nicht allzuviel Charme hatten. In unserer für heute geplanten Endstation waren wir eigentlich auf der Suche nach einem Campingplatz. Als wir um die Ecke bogen sahen wir aber einen Aldi. Das mussten wir uns von Nahem ansehen. Als wir den Laden betraten, schlug mir der typische Aldigeruch (Pappkarton) entgegen. Die üblichen Produkte, die wir aus Deutschland kennen, gab es hier leider nicht. Ich schaute aber traurig auf Kisten voll Stollen, Lebkuchen und Dominosteinen, die ich vor drei Wochen zu Weihnachten gern gehabt hätte. Jetzt stand uns danach leider auch nicht mehr der Sinn. Wir fanden aber Wernesgrüner Bier, für einen unschlagbaren Preis, das wir mitnahmen.
Der Campingplatz sah leider nicht so einladend aus, so dass wir beschlossen weiterzufahren. So führte uns der heutige Tag noch bis zum Anfang des Great Ocean Roads. Bei kräftigen Wind schlugen die Wellen tosend gegen die Kliffs. Das sah in der Abendsonne sehr malerisch aus.
Nachdem wir einen Zeltplatz gefunden hatten, wo wir in einer geschützten Ecke unser Zelt aufbauten, machten wir noch einen ausgiebigen Abendspaziergang entlang der Küste. Diese hielt fast überall neue Gesteinsformationen parat. Das war ein tolles Naturschauspiel zusammen mit den Wellen. Wir setzten uns auf eine Bank und betrachteten das Bild, das sich uns bot. Plötzlich meinte Olaf zu mir: "Es sieht mal wieder fast so aus, als ob wir am Ende der Welt angekommen sind!" - Ich: "Wahrscheinlich ist das auch das Ende der Welt - ein schöneres Ende der Welt!"
Tag 3: Herr der Fliegen
Als wir heute morgen aufwachten, war es ganz ruhig um unser Zelt. Der Wind war eingeschlafen. Sobald wir aus unserem Zelt kamen fielen die Fliegen über uns her, wie immer lieβen sie sich vornehmlich im Gesicht nieder, insbesondere dann, wenn man beide Hände beschäftigt hat, wie z. B. beim Zeltabbauen. Schnell flüchteten wir in unser Auto.
Heute standen eine Menge Stopps an der Great Ocean Road auf dem Programm. Vor allem aber Gesteinsformationen, die mittlerweile mit Namen bedacht wurden, wie die zwölf Apostel, der Arch (ein Felsentor, die London Bridge (von der 1990 ein Teil eingekracht ist). Am besten hat uns aber die Thunder Cave gefallen, in der die Wellen ein lautes Echo erzeugten.
Jedes Mal, wenn wir aus dem Auto stiegen fielen die Fliegen über uns her. An den fuchtelnen Handbewegungen konnten wir sehen, dass es den anderen genauso ging. Auβerdem wurde es heute unglaublich heiβ, so um die 40 Grad.
Je weiter wir fuhren, desto mehr Sandstrände kamen und desto kurviger wurde die Straβe. In Lorne, DEM Badeort am Great Ocean Road machten wir einen kurzen Zwischenstopp.
Danach ging es weiter nach Melbourne. Hier waren wir bei Freunden von meinem Vater eingeladen. Unser Ziel zu erreichen war gar nicht so einfach. Durch das Buschfeuer war ein groβer Stromausfall ausgelöst worden, was dazu führte, dass über weite Wege die Ampeln ausgefallen waren. Aber wir schafften es. Als wir ankamen warte schon eine leckere, gegrillte Lammkeule auf uns.
Ich freue mich jedes Mal, wenn wir jemanden besuchen können, der schon lange einem Land lebt. Am meisten gespannt bin ich mich immer auf die Geschichten, die mit dem Land im Zusammenhang stehen. Die Kunzes hatten viel zu erzählen, so dass wir stundenlang hätten zuhören können. Vieles hat uns geholfen Australien besser zu verstehen, aber auch abenteuerliches, z.B. wie die beiden vor vielen Jahren nach Australien gekommen sind.
Tag 4: Melbourne oder "you missed the hole"
Als wir heute mit dem Vorortzug in Melbourne City ankamen, liefen direkt in ein Schild auf dem ganz groβ stand "AUSTRALIEN OPEN". Ein Blick auf das heutige Datum zeigte uns, dass dieses groβe Tennisturnier gerade in Melbourne stattfindet. Das führte bei uns zu zwei Erkenntnissen: Erstens waren wir doppelt froh, dass wir bei Familie Kunze übernachten dürfen, ansonsten wäre es wohl sehr schwierig geworden, etwas zu finden. Zweitens war es leider nicht mehr möglich Karten für den Centre Court zu bekommen, was bei uns beiden (wir stellen erstmals fest, dass wir zwei früher groβe "Tennisfernsehzuschauer" waren) zu etwas Beklommenheit führte. Wir hatten zwar irgendwann auf unserer Reise den Termin der Australien Open kurz andiskutiert, dass dann aber irgendwie nicht weiter verfolgt. Ein ganz klarer Fall von Pech gehabt!
Also beschlossen wir ein wenig durch die Stadt zu bummeln. Wir deckten uns schon mal mit Reiseführern für die nächsten Reiseziele ein und kauften seit langer Zeit mal wieder einen Spiegel. Es war gerade Mittagszeit und sehr viele, sehr gestresst aussehende Menschen hatten gerade Mittagspause, alle in Businesskleidung mit starrem Blick. Dabei wurde uns beiden bewusst, dass wir in nicht allzuferner Zeit dieses Schicksal wieder teilen werden. Wir haben zwar noch komfortable vier Monate Zeit weiter zu reisen, aber langsam kommt bei mir das Gefühl auf, dass das ganz schön knapp wird. Ich höre die Zeit förmlich an mir vorbeirauschen, dabei haben wir doch noch soviel vor, uns anzusehen. Am Anfang unserer Reise hatte ich tatsächlich manchmal das Gefühle, die Zeit vergeht gar nicht - und jetzt?
Am Nachmittag gingen wir seit langer Zeit mal wieder in eine Bildergalerie. Die Ausstellung war zwar etwas zusammengewürfelt (Zielstellung: von jedem berühmten Künstler ein Bild), aber wir hatten viel Freude beim Betrachten der Bilder.
Am Abend wartete schon wieder leckeres Essen auf uns und noch mehr spannende Erzählungen, so dass es ganz schön spät geworden ist. An dieser Stelle noch mal vielen Dank an Familie Kunze, die uns, obwohl sie nur meinen Vater kannten, so herzlich bei sich aufgenommen hat.
Tag 5: Himalayabekanntschaften
Nach einem reichhaltigen Frühstück mit selbstgemachten Marmeladen saβen wir im Auto. Unser Ziel war die nicht so bekannte Stadt Albury, die zwischen Melbourne und Sydney liegt. Hier wohnen Marilyn und Leigh. Wir hatten die beiden zufällig mehrere Male in Lhasa getroffen, u.a. beim Anstehen für Eintrittskarten in den Potala-Palast und später im Stau auf dem 5.400 Meter-Pass und im Mount Everest Basecamp. So oft jemanden treffen, konnte kein Zufall sein und so tauschten wir damals unsere Emailadressen aus. Als wir nach Australien kamen, melden wir uns, und die beiden luden uns zu sich ein! (An dieser Stelle eine ganz unverbindliche Warnung an alle die uns einladen. Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass wir tatsächlich kommen! Also Vorsicht!)
Als wir in Albury ankamen, war ich erstmal überrascht, wie seriös die beiden aussahen. Mit den Outdoorsachen hatte ich beide ganz anders in Erinnerung. Wir hatten aber viel zu erzählen, was wir in der Zwischenzeit so erlebt haben, und zur Begrüßung gab es ein typisches australisches BBQ.
Tag 6: Australiens bestes Olivenöl
Marilyn und Leigh zeigten uns heute die nähere Umgebung von Albury. Die Landschaft hier ist etwas hüglig und viel grüner, als das was wir die letzten Wochen gesehen hatten. Als erstes machten wir für eine Kaffeepause einen Stop in einer kleinen Stadt, die sehr nach "wilden Westen" aussah. Als nächstes steuerten wir eine "Winery" an und verkosteten fleiβig die Weine, um den richtigen für unser Mittagessen auszusuchen. Dabei war ich mal wieder völlig überrascht, wie unterschiedlich die Weine von einem einzigen Weinbauern schmecken, von "geht gar nicht" bis "sehr gut" alles dabei. Das in Deutschland sehr schwierig, wenn man wieder allein nach Etikett die Weine aussuchen muss.
Der Blick von der Terrasse war sehr schön und wir unterhielten uns über Gott und die Welt, so dass es plötzlich 15.30 Uhr war. Eigentlich wollten wir an diesem Tag noch ein paar mehr Weine verkosten, aber wir schafften nur noch einer weitere Winery. Hier gab es auch Port (wie wir lernten: Port = Wein + Brandy + Zeit) zur Verkostung. Unsere letzte Station für diesen Tag war eine Olivenfarm, in der wir unterschiedliche Oliven probiertem, sowie das gerade frisch prämierte beste Olivenöl Australiens, das sehr ungewöhnlich schmeckte. Danach brachte uns Leigh, der freiwillig gefahren war, wieder zurück nach Albury. Das war ein sehr schöner und entspannter Tag, an dem wir viel über Australien und die Australier gelernt haben. Bis spät in die Nacht saβen wir bei einer letzten Flasche Wein zusammen.
Tag 7: Der lange Weg
Heute ist nicht viel passiert, es lagen 600 km Fahrt bis Sydney vor uns. Leider ist die Höchstgeschwindigkeit in Australien 110 km und es gibt keine durchgehende Autobahn, so dass sich die Strecke ganz schön gezogen hat. In Sydney kamen wir noch rechtzeitig an, um auf einem Campingplatz einzuchecken. Dieser befindet sich direkt neben einem riesigen Friedhof. Die nächsten Nächte wird es also etwas gruselig.
Beim Abendbrotessen haben wir dann zwei Pärchen kennengelernt, die uns über die hohe Kunst in Sydney ein Auto zu verkaufen unterrichtet haben. Beide waren fast ein Jahr in Australien und hatten Autos gekauft und standen jetzt bereits seit einer Woche in einer Tiefgarage in Kings Cross, um ihre Autos vor der Weiterreise wieder zu verkaufen. Wenn man dem Glauben schenken darf, können sich dabei wahre Dramen abspielen. Wir waren plötzlich sehr froh über unseren Mietwagen ...!
Tag 8: 007 zum Frühstück
Heute morgen mussten wir etwas in der nahe gelegenen Shoppingmall erledigen. Es war sehr heiβ drauβen und so kamen wir auf die Idee, in die Frühvorstellung (um 10.00 Uhr) ins Kino zu gehen, da wir seit Hong Kong keine Gelegenheit mehr dazu gehabt haben. Wir dachten, wir wären die einzigen, die am Sonntagmorgen auf eine solche Idee kommen. Als wir zur Kinokasse kamen, stand da aber schon eine riesige Schlange, vornehmlich ältere Leute, an. Wir waren sehr überrascht. Wir sahen in dem gut gefüllten Kino den neuen James Bond.
Danach fuhren wir in die Innenstadt und streiften durch das Zentrum, sahen uns The Rocks an, maschierten über die Habour Bridge und zurück. Am faszinierendsten ist aber doch die Oper, auch wenn diese in Natura ganz anders aussah, als ich mir aufgrund von Bildern vorgestellt hatte. Wenn man auf den Stufen sitzt, kann man sich herrlich ausruhen und hat immer eine kleine Briese wehen. Zur Zeit steht hier auch eine groβe Leinwand, auf der die Australien Open live übertragen werden, so dass man hier auch länger ausharren kann. Auβerdem kauften wir Karten für eine Musicalvorstellung am Mittwoch. Aufgrund der Preise waren wir uns erst nicht sicher, ob wir das machen sollten, aber wann hat man schon Gelegenheit in Sydney in die Oper zu gehen.
Tag 9: Blutiger Diamant
Da uns der Tagesablauf gestern gut gefallen hat, beschlossen wir heute morgen wieder ins Kino zu gehen. Wir waren davon überzeugt, dass am Montagmorgen wirklich niemand ins Kino gehen würde, aber als wir zu Kinokasse kamen, bot sich das gleiche Bild, wie gestern. Heute sahen wir "Blood Diamond". Es sehr guter, wenn auch sehr brutaler Film. (Ich habe die Hälfte der Zeit hinter meiner Strickjacke verbracht.)
Danach gings zum Entspannen zum Bondi Beach, DEM Strand von Sydney. Hier verbrachten wir in angenehmer Kühle, den Nachmittag und aβen in der Abenddämmerung mit Blick auf den Strand Abendbrot. Zwischenzeitlich habe ich die Gelegenheit genutzt und in einem Internetcafe alle unsere zukünftigen Buchungen ausgedruckt. Als ich den Stapel Papier (28 Seiten) abholte, grinste mich der Typ dem Tresen nur an. Wir haben eben noch einiges vor uns!
Tag 10: I love Sydney
Sydney ist bisher eine der Städte, die uns am besten gefallen hat. Das liegt insbesondere an dem vielen Wasser in der Stadt und den vielen gut zu erreichenden Stränden. Heute sind wir (ohne Kino) mit einer Fähre zum Manly Beach gefahren. Die Fahrt dahin war groβartig. Der Strand selbst war nicht ganz so schön, wie Bondi, aber bei der Hitze hier ist jede Abkühlung angenehm.
Abends waren wir in der Oper und sahen das Musical "Sweeny Tood". Ich hätte noch lieber eine Oper gesehen, aber dieses Stück passte ganz gut hierher. Obwohl es meinen Appetit, auf die berühmten Pies gründlich verdorben hat. (Im dem Thriller Musical hat ein Barbier seine Kunden umgebracht, die in der darunter liegenden Backstube zu Pies - mit Fleisch gefüllte Törtchen - verarbeitet worden.) Das war das erste Mal, das ich eine weibliche Dirigentin sah. Ebenfalls überraschend war der Szenenapplaus, den ich bisher nur aus Rußland kannte.
Als wir aus der Oper kamen fing es an zu regnen. Erst nur ein paar Tropfen, dann richtig, so dass wir Mühe hatten, trocken zu bleiben.
Tag 11: Thriller
Heute hatten wir wieder eine lange Fahrt geplant. Von Sydney nach Brisbane sind es fast 1000 km, davon wollten wir den gröβten Teil heute fahren. Als wir morgens in unserem Zelt aufwachten regnete noch immer / schon wieder. So dass wir uns beim Zeltabau sehr beeilten um nicht zu nass zu werden.
Die Fahrt selbst war ziemlich anstrengend, da nur der erste Teil als Freeway ausgebaut war. Danach wurde es zu einer Landstraβe, auf der es ab und zu Überholspuren gab. Ständig änderte sich die erlaubte Höchstgeschwindigkeit (die ja eh nur bei maximal 110 km/h liegt) und mindestens alle 10 km gibt es Blitzer und die Truckfahrer fahren wie Bekloppte. Den ganzen Tag war der Himmel grau, was nach der ganzen Hitze aber sehr angenehm war.
Abends beschlossen wir uns nach einer "festen Unterkunft" umzusehen. Das war gar nicht so einfach. Nicht weil alles ausgebucht war, sondern weil die Gegend, in der wir uns befanden irgendwie ein schlechtes Karma hatte. Die ersten drei Motels, die ich besichtigte, sahen so ungemütlich aus, dass wir nicht bereit waren, den dafür geforderten Preis zu zahlen.
Danach hielten wir in einer kleinen Stadt, die etwas nach Geisterstadt aussah. Das Hotel sah aber von auβen ganz nett aus. Als ich es betrat, starrten mich fünf Männer an.
Ob ich allein hier übernachten wolle? - fragte mich der Barkeeper, der vom Aussehen her auch gut in einem Thriller hätte mitspielen können.
(Auf gar keinen Fall!) Nein, ich und mein Mann!
Als wir uns das Zimmer ansahen, mussten wir beide unwillkürlich an Psycho denken, denn eine leichte Briese wehte durch die Flure und die Gardinen bewegten sich im Wind. Die Stimmung war sehr eigenartig und wir waren offensichtlich die einzigen Gäste. - Fast, denn wir beschlossen doch lieber weiterzufahren. Falls ich aber jemals in meinem Leben ein Krimi schreiben sollte, hier ist auf jeden Fall der richtige Platz, um Inspiration dafür zu bekommen (,wenn man es überlebt).
Als nächstes hielten wir bei einem Bed & Breakfast, dass von auβen ganz nett aussah. Eine ältere Frau, die eine Art Nachthemd anhatte, öffnete uns die Tür und kam raus.
Ich nehme normalerweise gern Gäste auf. Aber zur Zeit sei "sickness here around". - meinte sie. Olaf veranlasste dass unwillkürlich zwei Schritte zurück zu gehen. Im Flüsterton fügte sie noch hinzu: "You know, my husband and my uncle (kurze Pause) - they have mental problems."
Wir hatten genug gehört - zurück ins Auto! Sofort!
Nach diesen Erlebnissen beschlossen wir noch 50 km weiter zu dem Badeort Yamba zu fahren. Der Ort heiβt wirklich so, aber man hört weit und breit keine Handyklingeltöne. Hier hielten wir beim Pacific Ocean Hotel, dass unten extrem voll war, aber trotzdem noch Zimmer frei hatte. Als wir zwecks Zimmerbesichtigung, die Tür zum dem Raum aufschlossen, sah uns plötzlich eine Familie mit zwei Kindern überrascht an, wobei das kleine gerade gestillt wurde. Wir entschuldigten uns vielmals und baten an der Rezeption um ein anderes Zimmer. Das Miβverständnis konnten wir am Abend aber bei einem Bier mit Richard, dem Mann der Familie, noch aufklären. Sie hatten sich ebenfalls das Zimmer angesehen und dann jeweils in der Vermutung, dass der andere Ehepartner das Zimmer schon bezahlt hätte, sich nicht mehr an der Rezeption gemeldet. Heute wunderte mich aber gar nichts mehr.
Tag 12: Sunshine State?
Heute ging es zur berühmten Gold Coast von Australien. Den Auftakt machte Byron Bay. Ein sehr schöner Badeort mit dem malerischen Cape Byron. Von hier aus sahen wir den Surfern zu, die unten wirklich schöne Wellen hatten. Ganz in der Nähe schwammen Delfine. Von allen Badeorten, die wir in Australien gesehen haben, hat mir dieser mit Abstand am besten gefallen.
Als nächstes fuhren wir nach Surfers Paradies. Sobald wir die Grenze nach Queensland überschritten hatten, ging ein Wolkenbruch über uns hernieder. Nach der ganzen Hitze, die wir die letzten sieben Wochen hatten, konnte ich es gar nicht fassen, dass es dermaβen regnen kann. Das Wasser stand förmlich auf der Straβe. Ironischerweise stand auf allen Autoschildern "Queensland - The Sunshine State" drauf. Als wir endlich in Surfers Paradies ankamen, regnete es immer noch so stark, das wenn wir das Auto auch nur für eine Sekunde verlassen hätten, wir auf die Haut durchnäßt wären. So fuhren wir direkt nach Brisbane weiter. Da an zelten nicht zu denken war, übernachten wir in einem Hostel.
Tag 13: Australia Day
Schon in Rußland haben Olaf und ich nach unserem Homestay bei Svetlana darüber diskutiert, dass es viel interessanter ist bei Einheimischen zu wohnen, da man viel mehr vom Alltag mitbekommt. In der Mongolei hörten wir dann von Krysta vom Hospitalityclub. Hier kann man selber Unterkunft anbieten und Reisende beherbergen oder um Unterkunft bitten. Für Sicherheit sorgt ein Bewertungssystem, ähnlich wie bei Ebay. Olaf hat dann hier in Australien die Initiative ergriffen und uns hier angemeldet. Vince war unser erster Host. Nach den Bewertungen hatte er schon einige vor uns aufgenommen.
So machten wir uns heute morgen auf den Weg zu Vince, der allerdings etwas auβerhalb von Brisbane wohnt. Vince war uns auf Anhieb sehr sympathisch und so saβen wir zunächst auf seiner Terrasse und unterhielten uns lange.
Auβerdem ist heute der "Australia Day", der Tag an dem vor fast 200 Jahren die ersten Schiffe mit Strafgefangenen in Sydney anlegten. Vince schlug daher vor zu den Feierlichkeiten nach Southbank in Brisbane zu fahren. Dort trafen wir auch seine Schwägerin und seinen Neffen, mit denen wir uns auch sehr gut verstanden. Southbank ist das ehemalige Expogelände von Brisbane, dass aber im Gegensatz zu Hannover viel besser nachgenutzt wird. Hier gab es heute viele Veranstaltungen, u.a. eine Show, in der gezeigt wurde, wie Schäfer mit ihren Hunden die Schafherden zusammenhalten und treiben, Musik und Openair Kino. Es war sehr voll und fast jeder hatte eine australische Fahne dabei oder im Gesicht aufgemalt.
Heute war es unglaublich heiβ und die hohe Luftfeuchtigkeit lieβ den Schweiβ nur so strömen. Selbst das groβe Eis, dass wir aβen brachte nur wenig Abkühlung. In Brisbane sei es an 40 Tagen im Jahr so heiβ, wurde uns erklärt. Die wenigsten Häuser hier haben eine Aircon, sondern nur Ventilatoren. - Sorry aber diese Stadt ist eindeutig zu heiß für mich!
Abends saβen wir wieder alle bei Vince auf der Terrasse und es gab das Lieblingsessen der Australier, ein BBQ. Jeden, den wir bisher besucht hatten, hatte einen groβen Gas-BBQ im Garten stehen, mit dem man jeweils locker eine Party hätte mit versorgen können. Im Sommer ist es wegen der Brandgefahr aber wohl auch verboten, Kohlegrills zu verwenden. Wir lieβen es uns schmecken und tranken dazu eine Flasche Rosèwein, die wir bereits in Coonawarra am zweiten Tag gekauft hatten. Rosèwein ist übrigens unsere Entdeckung hier in Australien für heiβe Tage, da er ebenfalls gekühlt getrunken wird und sehr gut schmeckt.
Tag 14: Zweiter Versuch
Heute morgen war es schon wieder so heiβ, dass es nur eine Möglichkeit gab, dem zu entkommen - an Strand fahren. Wir entschieden uns, noch mal nach Surfers Paradies zu fahren.
Der Ort selbst ist nicht so schön. Es sieht fast aus, wie Manhatten am Strand. Der Strand selbst ist aber groβartig: weiβ, lang, breit und feinsandig. Das Wasser ist kühl und hat schöne Wellen, so dass man am liebsten die ganze Zeit im Wasser verbringen möchte.
Adelaide 14. Januar 2006 - 199.Tag
daher kein Problem, bisher war immer noch alles da wenn wir wiederkamen!
4. Wir können uns mit Leitungswasser Zähne putzen und es sogar trinken!
5. Die Tierwelt ist unglaublich, ob Kängurus, Koalas, Pelikane, Kamele, alle möglichen Sitticharten, Papageien, Seelöwen, Pinguine, Delfine, Wallabies - alle haben wir in der freien Wildbahn gesehen.
6. Super zum surfen und für andere Sportarten (auβer Fahrradfahren)!
6 Dinge die ich hasse:
1. Überall sind Fliegen, die koennen einem echt alles vermiesen.
2. Das Ozonloch und der damit verbundenen Sonnenbrand, trotz Sonnencreme 30+.
3. Das alles sooo teuer ist.
4. Überall trifft man Deutsche, wirklich überall!
5. Es gibt keine "Gemütlichkeit"!
6. Sorry, aber irgendwie fehlt hier oft der Stil!
Adelaide 13. Januar 2006 - 198.Tag
Tour der Leiden
Wir sind die letzten fünf Tage Fahrrad gefahren und am ersten Tag habe ich mir vorgenommen nur einen Satz über die Tour zu schreiben: "Stellt Euch vor, ihr müsst das tun, was ihr am meisten hasst, addiert viele Fliegen, vornehmlich im Gesicht, und brennende Sonne, und ihr habt eine Vorstellung, was ich hier gerade mache."
Ich muβ aber auch zugeben, dass der erste Tag der schlimmste war. Das lag hauptsächlich daran, dass Olaf geplant hatte, dass wir an diesem Tag 120 km fahren. Meine bisherige Tageshöchtleistung lag vielleicht bei 40 km. Ich bin eben keine gute Fahrradfahrerin. Ziemlich am Anfang bekam ich Schmerzen in Nacken, keine Ahnung warum, später konnte ich kaum noch auf dem Sattel sitzen und irgenwann konnte ich gar nicht mehr. Leider waren wir da, auf Grund eines Kompromisses, in mitten des Outbacks von Fliegen umschwärmt, die sich an meinem Schweiβ labten.
Die letzten 10 km bis zum Campingplatz waren der pure Horror, zumal wir noch nicht mal sicher waren, dass dieser überhaupt existiert. Aber wir hatten doch noch Glück, es gab einen!
Als ich am nächsten Morgen wieder auf mein Fahrrad stieg, tat alles noch so unglaublich weh, dass ich fast sofort wieder abstieg. Die Vorstellung wieder den ganzen Tag Fahrrad zu fahren, war sehr frustrierend. Es wurde aber wesentlich besser, als wir nach 9 km die holperige Outbackstraβe verlieβen und wir wieder auf Asphalt fuhren. An diesem Tag strampelten wir insgeamt 70 km. Als uns 30 km vor dem Ziel ein netter Pick-up-Fahrer fragte, ob er uns eine Strecke mitnehmen kann, verneinte Olaf umgehend. Ich konnte es nicht fassen! Die Begründung war: "Mitnehmen lassen ist uncool!"
Sobald ich vom Fahrrad absteigen durfte, hielt die Insel viel Schönes parat, vor allen Dingen aber eine unglaublich vielfältige Tierwelt. So sahen wir Pinguine, Koalas (sogar eine Mutter mit ihrem Kind auf dem Rücken), Seelöwen, die sich im Wasser tummelten und natürlich ganz viele Kangerus und Wallebies.
Ein Vorteil konnte ich dennoch am Fahrradfahren entdecken: Man kann sehr viel essen und nimmt trotzdem ab. Hamburger mit Pommes zum Mittag? Kein Problem! Hinterher aber bitte noch ein Eis!
Dennoch war ich sehr froh, als wir gestern von unseren Fahrrädern abstiegen. Das passierte auch noch 10 km eher als geplant, denn an meinem Fahrrad brachen 3 Speichen und schieben war angesagt. Nach 500 Metern hielt aber ein Pick-up, der uns den restlich Weg mitnahm. Der Fahrer hatte uns bereits morgens gesehen, als er in die andere Richtung fuhr und hatte Mitleid mit uns.
Heute sind wir wieder mit der Fähre nach Adelaide gefahren. Von hier aus werden wir uns morgen mit einem neuen Mietwagen auf den Weg nach Brisbane machen. Dabei werden wir die Highlights der Ostküste sehen: den Great Ocean Road, Melbourne und Sidney. Ich bin sehr gespannt darauf.
Heute morgen habe ich den Mietwagen abgeholt. Auf Grund eines Fehlers in der Adresse (Hausnummer 298 statt 28), hatte ich dabei das Vergnügen eines extra Workouts. Nachdem ich Olaf und unser Gepäck im Hostel abgeholt hatte, ging es los.
Als erstes ging es zu den Adelaide Hills, von denen wir einen langen Abschiedsblick auf die Skyline von Adelaide warfen. Danach stand Hahndorf auf dem Programm, eine deutsche Siedlung, die heute für viele Touristen ein Anziehungspunkt ist. Uns erinnerte aber hauptsächlich das "Hahndorf Inn" an Deutschland, ein Restaurant, dass von innen aussah, wie ein bayrisches Brauhaus: mit Hofbräuhausbier, blauweiβen Fahnen, typischen Stühlen und Tischen, einem Akkordeonspieler und deutschem Essen. Da konnten wir natürlich nicht widerstehen. Nach einer groβen Portion Würstchen, Kassler und Sauerkraut (wegen der Hitze mussten wir aufs Bier verzichten), ging es weiter Richtung Osten, wo wir 400 km weiter unser Zelt aufbauten.
Tag 2: Wo geht es nach Aldi?
Als erstes fuhren wir heute morgen über eine Weinstrasse, an der sich rechts und links die Weingüter reihten. Leider war es für ausgiebige Weinproben noch viel zu früh, so dass wir nur ein Weingut ansteuerten. Hier probierten wir den Cabernet Savingon, für den die Coonawarra Region bekannt ist. Sehr lecker, aber leider auch entsprechend teuer!
Danach erreichten wir Mount Gambier, einen erloschenen Vulkan, in dessen Krater sich der "Blue Lake" befindet. Der Name hält, was er verspricht, der See ist unglaublich blau. Es sieht fast so aus, als ob jemand mit dem Tuschkasten nachgeholfen hätte, da eine solche Farbe fast unmöglich natürlich entstehen kann. Auch die Forscher haben bisher keine Erklärung für die Färbung bekommen, die sich nur für einige Monate im Jahr vollzieht, bevor er wieder grau aussieht.
Auf unserer weiteren Fahrt besichtigten wir noch einige Fischerdörfer, die aber nicht allzuviel Charme hatten. In unserer für heute geplanten Endstation waren wir eigentlich auf der Suche nach einem Campingplatz. Als wir um die Ecke bogen sahen wir aber einen Aldi. Das mussten wir uns von Nahem ansehen. Als wir den Laden betraten, schlug mir der typische Aldigeruch (Pappkarton) entgegen. Die üblichen Produkte, die wir aus Deutschland kennen, gab es hier leider nicht. Ich schaute aber traurig auf Kisten voll Stollen, Lebkuchen und Dominosteinen, die ich vor drei Wochen zu Weihnachten gern gehabt hätte. Jetzt stand uns danach leider auch nicht mehr der Sinn. Wir fanden aber Wernesgrüner Bier, für einen unschlagbaren Preis, das wir mitnahmen.
Der Campingplatz sah leider nicht so einladend aus, so dass wir beschlossen weiterzufahren. So führte uns der heutige Tag noch bis zum Anfang des Great Ocean Roads. Bei kräftigen Wind schlugen die Wellen tosend gegen die Kliffs. Das sah in der Abendsonne sehr malerisch aus.
Nachdem wir einen Zeltplatz gefunden hatten, wo wir in einer geschützten Ecke unser Zelt aufbauten, machten wir noch einen ausgiebigen Abendspaziergang entlang der Küste. Diese hielt fast überall neue Gesteinsformationen parat. Das war ein tolles Naturschauspiel zusammen mit den Wellen. Wir setzten uns auf eine Bank und betrachteten das Bild, das sich uns bot. Plötzlich meinte Olaf zu mir: "Es sieht mal wieder fast so aus, als ob wir am Ende der Welt angekommen sind!" - Ich: "Wahrscheinlich ist das auch das Ende der Welt - ein schöneres Ende der Welt!"
Tag 3: Herr der Fliegen
Als wir heute morgen aufwachten, war es ganz ruhig um unser Zelt. Der Wind war eingeschlafen. Sobald wir aus unserem Zelt kamen fielen die Fliegen über uns her, wie immer lieβen sie sich vornehmlich im Gesicht nieder, insbesondere dann, wenn man beide Hände beschäftigt hat, wie z. B. beim Zeltabbauen. Schnell flüchteten wir in unser Auto.
Heute standen eine Menge Stopps an der Great Ocean Road auf dem Programm. Vor allem aber Gesteinsformationen, die mittlerweile mit Namen bedacht wurden, wie die zwölf Apostel, der Arch (ein Felsentor, die London Bridge (von der 1990 ein Teil eingekracht ist). Am besten hat uns aber die Thunder Cave gefallen, in der die Wellen ein lautes Echo erzeugten.
Jedes Mal, wenn wir aus dem Auto stiegen fielen die Fliegen über uns her. An den fuchtelnen Handbewegungen konnten wir sehen, dass es den anderen genauso ging. Auβerdem wurde es heute unglaublich heiβ, so um die 40 Grad.
Je weiter wir fuhren, desto mehr Sandstrände kamen und desto kurviger wurde die Straβe. In Lorne, DEM Badeort am Great Ocean Road machten wir einen kurzen Zwischenstopp.
Danach ging es weiter nach Melbourne. Hier waren wir bei Freunden von meinem Vater eingeladen. Unser Ziel zu erreichen war gar nicht so einfach. Durch das Buschfeuer war ein groβer Stromausfall ausgelöst worden, was dazu führte, dass über weite Wege die Ampeln ausgefallen waren. Aber wir schafften es. Als wir ankamen warte schon eine leckere, gegrillte Lammkeule auf uns.
Ich freue mich jedes Mal, wenn wir jemanden besuchen können, der schon lange einem Land lebt. Am meisten gespannt bin ich mich immer auf die Geschichten, die mit dem Land im Zusammenhang stehen. Die Kunzes hatten viel zu erzählen, so dass wir stundenlang hätten zuhören können. Vieles hat uns geholfen Australien besser zu verstehen, aber auch abenteuerliches, z.B. wie die beiden vor vielen Jahren nach Australien gekommen sind.
Tag 4: Melbourne oder "you missed the hole"
Als wir heute mit dem Vorortzug in Melbourne City ankamen, liefen direkt in ein Schild auf dem ganz groβ stand "AUSTRALIEN OPEN". Ein Blick auf das heutige Datum zeigte uns, dass dieses groβe Tennisturnier gerade in Melbourne stattfindet. Das führte bei uns zu zwei Erkenntnissen: Erstens waren wir doppelt froh, dass wir bei Familie Kunze übernachten dürfen, ansonsten wäre es wohl sehr schwierig geworden, etwas zu finden. Zweitens war es leider nicht mehr möglich Karten für den Centre Court zu bekommen, was bei uns beiden (wir stellen erstmals fest, dass wir zwei früher groβe "Tennisfernsehzuschauer" waren) zu etwas Beklommenheit führte. Wir hatten zwar irgendwann auf unserer Reise den Termin der Australien Open kurz andiskutiert, dass dann aber irgendwie nicht weiter verfolgt. Ein ganz klarer Fall von Pech gehabt!
Also beschlossen wir ein wenig durch die Stadt zu bummeln. Wir deckten uns schon mal mit Reiseführern für die nächsten Reiseziele ein und kauften seit langer Zeit mal wieder einen Spiegel. Es war gerade Mittagszeit und sehr viele, sehr gestresst aussehende Menschen hatten gerade Mittagspause, alle in Businesskleidung mit starrem Blick. Dabei wurde uns beiden bewusst, dass wir in nicht allzuferner Zeit dieses Schicksal wieder teilen werden. Wir haben zwar noch komfortable vier Monate Zeit weiter zu reisen, aber langsam kommt bei mir das Gefühl auf, dass das ganz schön knapp wird. Ich höre die Zeit förmlich an mir vorbeirauschen, dabei haben wir doch noch soviel vor, uns anzusehen. Am Anfang unserer Reise hatte ich tatsächlich manchmal das Gefühle, die Zeit vergeht gar nicht - und jetzt?
Am Nachmittag gingen wir seit langer Zeit mal wieder in eine Bildergalerie. Die Ausstellung war zwar etwas zusammengewürfelt (Zielstellung: von jedem berühmten Künstler ein Bild), aber wir hatten viel Freude beim Betrachten der Bilder.
Am Abend wartete schon wieder leckeres Essen auf uns und noch mehr spannende Erzählungen, so dass es ganz schön spät geworden ist. An dieser Stelle noch mal vielen Dank an Familie Kunze, die uns, obwohl sie nur meinen Vater kannten, so herzlich bei sich aufgenommen hat.
Tag 5: Himalayabekanntschaften
Nach einem reichhaltigen Frühstück mit selbstgemachten Marmeladen saβen wir im Auto. Unser Ziel war die nicht so bekannte Stadt Albury, die zwischen Melbourne und Sydney liegt. Hier wohnen Marilyn und Leigh. Wir hatten die beiden zufällig mehrere Male in Lhasa getroffen, u.a. beim Anstehen für Eintrittskarten in den Potala-Palast und später im Stau auf dem 5.400 Meter-Pass und im Mount Everest Basecamp. So oft jemanden treffen, konnte kein Zufall sein und so tauschten wir damals unsere Emailadressen aus. Als wir nach Australien kamen, melden wir uns, und die beiden luden uns zu sich ein! (An dieser Stelle eine ganz unverbindliche Warnung an alle die uns einladen. Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass wir tatsächlich kommen! Also Vorsicht!)
Als wir in Albury ankamen, war ich erstmal überrascht, wie seriös die beiden aussahen. Mit den Outdoorsachen hatte ich beide ganz anders in Erinnerung. Wir hatten aber viel zu erzählen, was wir in der Zwischenzeit so erlebt haben, und zur Begrüßung gab es ein typisches australisches BBQ.
Tag 6: Australiens bestes Olivenöl
Marilyn und Leigh zeigten uns heute die nähere Umgebung von Albury. Die Landschaft hier ist etwas hüglig und viel grüner, als das was wir die letzten Wochen gesehen hatten. Als erstes machten wir für eine Kaffeepause einen Stop in einer kleinen Stadt, die sehr nach "wilden Westen" aussah. Als nächstes steuerten wir eine "Winery" an und verkosteten fleiβig die Weine, um den richtigen für unser Mittagessen auszusuchen. Dabei war ich mal wieder völlig überrascht, wie unterschiedlich die Weine von einem einzigen Weinbauern schmecken, von "geht gar nicht" bis "sehr gut" alles dabei. Das in Deutschland sehr schwierig, wenn man wieder allein nach Etikett die Weine aussuchen muss.
Der Blick von der Terrasse war sehr schön und wir unterhielten uns über Gott und die Welt, so dass es plötzlich 15.30 Uhr war. Eigentlich wollten wir an diesem Tag noch ein paar mehr Weine verkosten, aber wir schafften nur noch einer weitere Winery. Hier gab es auch Port (wie wir lernten: Port = Wein + Brandy + Zeit) zur Verkostung. Unsere letzte Station für diesen Tag war eine Olivenfarm, in der wir unterschiedliche Oliven probiertem, sowie das gerade frisch prämierte beste Olivenöl Australiens, das sehr ungewöhnlich schmeckte. Danach brachte uns Leigh, der freiwillig gefahren war, wieder zurück nach Albury. Das war ein sehr schöner und entspannter Tag, an dem wir viel über Australien und die Australier gelernt haben. Bis spät in die Nacht saβen wir bei einer letzten Flasche Wein zusammen.
Tag 7: Der lange Weg
Heute ist nicht viel passiert, es lagen 600 km Fahrt bis Sydney vor uns. Leider ist die Höchstgeschwindigkeit in Australien 110 km und es gibt keine durchgehende Autobahn, so dass sich die Strecke ganz schön gezogen hat. In Sydney kamen wir noch rechtzeitig an, um auf einem Campingplatz einzuchecken. Dieser befindet sich direkt neben einem riesigen Friedhof. Die nächsten Nächte wird es also etwas gruselig.
Beim Abendbrotessen haben wir dann zwei Pärchen kennengelernt, die uns über die hohe Kunst in Sydney ein Auto zu verkaufen unterrichtet haben. Beide waren fast ein Jahr in Australien und hatten Autos gekauft und standen jetzt bereits seit einer Woche in einer Tiefgarage in Kings Cross, um ihre Autos vor der Weiterreise wieder zu verkaufen. Wenn man dem Glauben schenken darf, können sich dabei wahre Dramen abspielen. Wir waren plötzlich sehr froh über unseren Mietwagen ...!
Tag 8: 007 zum Frühstück
Heute morgen mussten wir etwas in der nahe gelegenen Shoppingmall erledigen. Es war sehr heiβ drauβen und so kamen wir auf die Idee, in die Frühvorstellung (um 10.00 Uhr) ins Kino zu gehen, da wir seit Hong Kong keine Gelegenheit mehr dazu gehabt haben. Wir dachten, wir wären die einzigen, die am Sonntagmorgen auf eine solche Idee kommen. Als wir zur Kinokasse kamen, stand da aber schon eine riesige Schlange, vornehmlich ältere Leute, an. Wir waren sehr überrascht. Wir sahen in dem gut gefüllten Kino den neuen James Bond.
Danach fuhren wir in die Innenstadt und streiften durch das Zentrum, sahen uns The Rocks an, maschierten über die Habour Bridge und zurück. Am faszinierendsten ist aber doch die Oper, auch wenn diese in Natura ganz anders aussah, als ich mir aufgrund von Bildern vorgestellt hatte. Wenn man auf den Stufen sitzt, kann man sich herrlich ausruhen und hat immer eine kleine Briese wehen. Zur Zeit steht hier auch eine groβe Leinwand, auf der die Australien Open live übertragen werden, so dass man hier auch länger ausharren kann. Auβerdem kauften wir Karten für eine Musicalvorstellung am Mittwoch. Aufgrund der Preise waren wir uns erst nicht sicher, ob wir das machen sollten, aber wann hat man schon Gelegenheit in Sydney in die Oper zu gehen.
Tag 9: Blutiger Diamant
Da uns der Tagesablauf gestern gut gefallen hat, beschlossen wir heute morgen wieder ins Kino zu gehen. Wir waren davon überzeugt, dass am Montagmorgen wirklich niemand ins Kino gehen würde, aber als wir zu Kinokasse kamen, bot sich das gleiche Bild, wie gestern. Heute sahen wir "Blood Diamond". Es sehr guter, wenn auch sehr brutaler Film. (Ich habe die Hälfte der Zeit hinter meiner Strickjacke verbracht.)
Danach gings zum Entspannen zum Bondi Beach, DEM Strand von Sydney. Hier verbrachten wir in angenehmer Kühle, den Nachmittag und aβen in der Abenddämmerung mit Blick auf den Strand Abendbrot. Zwischenzeitlich habe ich die Gelegenheit genutzt und in einem Internetcafe alle unsere zukünftigen Buchungen ausgedruckt. Als ich den Stapel Papier (28 Seiten) abholte, grinste mich der Typ dem Tresen nur an. Wir haben eben noch einiges vor uns!
Tag 10: I love Sydney
Sydney ist bisher eine der Städte, die uns am besten gefallen hat. Das liegt insbesondere an dem vielen Wasser in der Stadt und den vielen gut zu erreichenden Stränden. Heute sind wir (ohne Kino) mit einer Fähre zum Manly Beach gefahren. Die Fahrt dahin war groβartig. Der Strand selbst war nicht ganz so schön, wie Bondi, aber bei der Hitze hier ist jede Abkühlung angenehm.
Abends waren wir in der Oper und sahen das Musical "Sweeny Tood". Ich hätte noch lieber eine Oper gesehen, aber dieses Stück passte ganz gut hierher. Obwohl es meinen Appetit, auf die berühmten Pies gründlich verdorben hat. (Im dem Thriller Musical hat ein Barbier seine Kunden umgebracht, die in der darunter liegenden Backstube zu Pies - mit Fleisch gefüllte Törtchen - verarbeitet worden.) Das war das erste Mal, das ich eine weibliche Dirigentin sah. Ebenfalls überraschend war der Szenenapplaus, den ich bisher nur aus Rußland kannte.
Als wir aus der Oper kamen fing es an zu regnen. Erst nur ein paar Tropfen, dann richtig, so dass wir Mühe hatten, trocken zu bleiben.
Tag 11: Thriller
Heute hatten wir wieder eine lange Fahrt geplant. Von Sydney nach Brisbane sind es fast 1000 km, davon wollten wir den gröβten Teil heute fahren. Als wir morgens in unserem Zelt aufwachten regnete noch immer / schon wieder. So dass wir uns beim Zeltabau sehr beeilten um nicht zu nass zu werden.
Die Fahrt selbst war ziemlich anstrengend, da nur der erste Teil als Freeway ausgebaut war. Danach wurde es zu einer Landstraβe, auf der es ab und zu Überholspuren gab. Ständig änderte sich die erlaubte Höchstgeschwindigkeit (die ja eh nur bei maximal 110 km/h liegt) und mindestens alle 10 km gibt es Blitzer und die Truckfahrer fahren wie Bekloppte. Den ganzen Tag war der Himmel grau, was nach der ganzen Hitze aber sehr angenehm war.
Abends beschlossen wir uns nach einer "festen Unterkunft" umzusehen. Das war gar nicht so einfach. Nicht weil alles ausgebucht war, sondern weil die Gegend, in der wir uns befanden irgendwie ein schlechtes Karma hatte. Die ersten drei Motels, die ich besichtigte, sahen so ungemütlich aus, dass wir nicht bereit waren, den dafür geforderten Preis zu zahlen.
Danach hielten wir in einer kleinen Stadt, die etwas nach Geisterstadt aussah. Das Hotel sah aber von auβen ganz nett aus. Als ich es betrat, starrten mich fünf Männer an.
Ob ich allein hier übernachten wolle? - fragte mich der Barkeeper, der vom Aussehen her auch gut in einem Thriller hätte mitspielen können.
(Auf gar keinen Fall!) Nein, ich und mein Mann!
Als wir uns das Zimmer ansahen, mussten wir beide unwillkürlich an Psycho denken, denn eine leichte Briese wehte durch die Flure und die Gardinen bewegten sich im Wind. Die Stimmung war sehr eigenartig und wir waren offensichtlich die einzigen Gäste. - Fast, denn wir beschlossen doch lieber weiterzufahren. Falls ich aber jemals in meinem Leben ein Krimi schreiben sollte, hier ist auf jeden Fall der richtige Platz, um Inspiration dafür zu bekommen (,wenn man es überlebt).
Als nächstes hielten wir bei einem Bed & Breakfast, dass von auβen ganz nett aussah. Eine ältere Frau, die eine Art Nachthemd anhatte, öffnete uns die Tür und kam raus.
Ich nehme normalerweise gern Gäste auf. Aber zur Zeit sei "sickness here around". - meinte sie. Olaf veranlasste dass unwillkürlich zwei Schritte zurück zu gehen. Im Flüsterton fügte sie noch hinzu: "You know, my husband and my uncle (kurze Pause) - they have mental problems."
Wir hatten genug gehört - zurück ins Auto! Sofort!
Nach diesen Erlebnissen beschlossen wir noch 50 km weiter zu dem Badeort Yamba zu fahren. Der Ort heiβt wirklich so, aber man hört weit und breit keine Handyklingeltöne. Hier hielten wir beim Pacific Ocean Hotel, dass unten extrem voll war, aber trotzdem noch Zimmer frei hatte. Als wir zwecks Zimmerbesichtigung, die Tür zum dem Raum aufschlossen, sah uns plötzlich eine Familie mit zwei Kindern überrascht an, wobei das kleine gerade gestillt wurde. Wir entschuldigten uns vielmals und baten an der Rezeption um ein anderes Zimmer. Das Miβverständnis konnten wir am Abend aber bei einem Bier mit Richard, dem Mann der Familie, noch aufklären. Sie hatten sich ebenfalls das Zimmer angesehen und dann jeweils in der Vermutung, dass der andere Ehepartner das Zimmer schon bezahlt hätte, sich nicht mehr an der Rezeption gemeldet. Heute wunderte mich aber gar nichts mehr.
Tag 12: Sunshine State?
Heute ging es zur berühmten Gold Coast von Australien. Den Auftakt machte Byron Bay. Ein sehr schöner Badeort mit dem malerischen Cape Byron. Von hier aus sahen wir den Surfern zu, die unten wirklich schöne Wellen hatten. Ganz in der Nähe schwammen Delfine. Von allen Badeorten, die wir in Australien gesehen haben, hat mir dieser mit Abstand am besten gefallen.
Als nächstes fuhren wir nach Surfers Paradies. Sobald wir die Grenze nach Queensland überschritten hatten, ging ein Wolkenbruch über uns hernieder. Nach der ganzen Hitze, die wir die letzten sieben Wochen hatten, konnte ich es gar nicht fassen, dass es dermaβen regnen kann. Das Wasser stand förmlich auf der Straβe. Ironischerweise stand auf allen Autoschildern "Queensland - The Sunshine State" drauf. Als wir endlich in Surfers Paradies ankamen, regnete es immer noch so stark, das wenn wir das Auto auch nur für eine Sekunde verlassen hätten, wir auf die Haut durchnäßt wären. So fuhren wir direkt nach Brisbane weiter. Da an zelten nicht zu denken war, übernachten wir in einem Hostel.
Tag 13: Australia Day
Schon in Rußland haben Olaf und ich nach unserem Homestay bei Svetlana darüber diskutiert, dass es viel interessanter ist bei Einheimischen zu wohnen, da man viel mehr vom Alltag mitbekommt. In der Mongolei hörten wir dann von Krysta vom Hospitalityclub. Hier kann man selber Unterkunft anbieten und Reisende beherbergen oder um Unterkunft bitten. Für Sicherheit sorgt ein Bewertungssystem, ähnlich wie bei Ebay. Olaf hat dann hier in Australien die Initiative ergriffen und uns hier angemeldet. Vince war unser erster Host. Nach den Bewertungen hatte er schon einige vor uns aufgenommen.
So machten wir uns heute morgen auf den Weg zu Vince, der allerdings etwas auβerhalb von Brisbane wohnt. Vince war uns auf Anhieb sehr sympathisch und so saβen wir zunächst auf seiner Terrasse und unterhielten uns lange.
Auβerdem ist heute der "Australia Day", der Tag an dem vor fast 200 Jahren die ersten Schiffe mit Strafgefangenen in Sydney anlegten. Vince schlug daher vor zu den Feierlichkeiten nach Southbank in Brisbane zu fahren. Dort trafen wir auch seine Schwägerin und seinen Neffen, mit denen wir uns auch sehr gut verstanden. Southbank ist das ehemalige Expogelände von Brisbane, dass aber im Gegensatz zu Hannover viel besser nachgenutzt wird. Hier gab es heute viele Veranstaltungen, u.a. eine Show, in der gezeigt wurde, wie Schäfer mit ihren Hunden die Schafherden zusammenhalten und treiben, Musik und Openair Kino. Es war sehr voll und fast jeder hatte eine australische Fahne dabei oder im Gesicht aufgemalt.
Heute war es unglaublich heiβ und die hohe Luftfeuchtigkeit lieβ den Schweiβ nur so strömen. Selbst das groβe Eis, dass wir aβen brachte nur wenig Abkühlung. In Brisbane sei es an 40 Tagen im Jahr so heiβ, wurde uns erklärt. Die wenigsten Häuser hier haben eine Aircon, sondern nur Ventilatoren. - Sorry aber diese Stadt ist eindeutig zu heiß für mich!
Abends saβen wir wieder alle bei Vince auf der Terrasse und es gab das Lieblingsessen der Australier, ein BBQ. Jeden, den wir bisher besucht hatten, hatte einen groβen Gas-BBQ im Garten stehen, mit dem man jeweils locker eine Party hätte mit versorgen können. Im Sommer ist es wegen der Brandgefahr aber wohl auch verboten, Kohlegrills zu verwenden. Wir lieβen es uns schmecken und tranken dazu eine Flasche Rosèwein, die wir bereits in Coonawarra am zweiten Tag gekauft hatten. Rosèwein ist übrigens unsere Entdeckung hier in Australien für heiβe Tage, da er ebenfalls gekühlt getrunken wird und sehr gut schmeckt.
Tag 14: Zweiter Versuch
Heute morgen war es schon wieder so heiβ, dass es nur eine Möglichkeit gab, dem zu entkommen - an Strand fahren. Wir entschieden uns, noch mal nach Surfers Paradies zu fahren.
Der Ort selbst ist nicht so schön. Es sieht fast aus, wie Manhatten am Strand. Der Strand selbst ist aber groβartig: weiβ, lang, breit und feinsandig. Das Wasser ist kühl und hat schöne Wellen, so dass man am liebsten die ganze Zeit im Wasser verbringen möchte.
Adelaide 14. Januar 2006 - 199.Tag
4. Wir können uns mit Leitungswasser Zähne putzen und es sogar trinken!
5. Die Tierwelt ist unglaublich, ob Kängurus, Koalas, Pelikane, Kamele, alle möglichen Sitticharten, Papageien, Seelöwen, Pinguine, Delfine, Wallabies - alle haben wir in der freien Wildbahn gesehen.
6. Super zum surfen und für andere Sportarten (auβer Fahrradfahren)!
6 Dinge die ich hasse:
1. Überall sind Fliegen, die koennen einem echt alles vermiesen.
2. Das Ozonloch und der damit verbundenen Sonnenbrand, trotz Sonnencreme 30+.
3. Das alles sooo teuer ist.
4. Überall trifft man Deutsche, wirklich überall!
5. Es gibt keine "Gemütlichkeit"!
6. Sorry, aber irgendwie fehlt hier oft der Stil!
Adelaide 13. Januar 2006 - 198.Tag
Tour der Leiden
Wir sind die letzten fünf Tage Fahrrad gefahren und am ersten Tag habe ich mir vorgenommen nur einen Satz über die Tour zu schreiben: "Stellt Euch vor, ihr müsst das tun, was ihr am meisten hasst, addiert viele Fliegen, vornehmlich im Gesicht, und brennende Sonne, und ihr habt eine Vorstellung, was ich hier gerade mache."
Ich muβ aber auch zugeben, dass der erste Tag der schlimmste war. Das lag hauptsächlich daran, dass Olaf geplant hatte, dass wir an diesem Tag 120 km fahren. Meine bisherige Tageshöchtleistung lag vielleicht bei 40 km. Ich bin eben keine gute Fahrradfahrerin. Ziemlich am Anfang bekam ich Schmerzen in Nacken, keine Ahnung warum, später konnte ich kaum noch auf dem Sattel sitzen und irgenwann konnte ich gar nicht mehr. Leider waren wir da, auf Grund eines Kompromisses, in mitten des Outbacks von Fliegen umschwärmt, die sich an meinem Schweiβ labten.
Die letzten 10 km bis zum Campingplatz waren der pure Horror, zumal wir noch nicht mal sicher waren, dass dieser überhaupt existiert. Aber wir hatten doch noch Glück, es gab einen!
Als ich am nächsten Morgen wieder auf mein Fahrrad stieg, tat alles noch so unglaublich weh, dass ich fast sofort wieder abstieg. Die Vorstellung wieder den ganzen Tag Fahrrad zu fahren, war sehr frustrierend. Es wurde aber wesentlich besser, als wir nach 9 km die holperige Outbackstraβe verlieβen und wir wieder auf Asphalt fuhren. An diesem Tag strampelten wir insgeamt 70 km. Als uns 30 km vor dem Ziel ein netter Pick-up-Fahrer fragte, ob er uns eine Strecke mitnehmen kann, verneinte Olaf umgehend. Ich konnte es nicht fassen! Die Begründung war: "Mitnehmen lassen ist uncool!"
Sobald ich vom Fahrrad absteigen durfte, hielt die Insel viel Schönes parat, vor allen Dingen aber eine unglaublich vielfältige Tierwelt. So sahen wir Pinguine, Koalas (sogar eine Mutter mit ihrem Kind auf dem Rücken), Seelöwen, die sich im Wasser tummelten und natürlich ganz viele Kangerus und Wallebies.
Ein Vorteil konnte ich dennoch am Fahrradfahren entdecken: Man kann sehr viel essen und nimmt trotzdem ab. Hamburger mit Pommes zum Mittag? Kein Problem! Hinterher aber bitte noch ein Eis!
Dennoch war ich sehr froh, als wir gestern von unseren Fahrrädern abstiegen. Das passierte auch noch 10 km eher als geplant, denn an meinem Fahrrad brachen 3 Speichen und schieben war angesagt. Nach 500 Metern hielt aber ein Pick-up, der uns den restlich Weg mitnahm. Der Fahrer hatte uns bereits morgens gesehen, als er in die andere Richtung fuhr und hatte Mitleid mit uns.
Heute sind wir wieder mit der Fähre nach Adelaide gefahren. Von hier aus werden wir uns morgen mit einem neuen Mietwagen auf den Weg nach Brisbane machen. Dabei werden wir die Highlights der Ostküste sehen: den Great Ocean Road, Melbourne und Sidney. Ich bin sehr gespannt darauf.
Adelaide, 6. Januar 2007 - 191.Tag
Heisse Tage
Wenn ich auf das Datum 6. Januar gucke, kann ich es selber kaum fassen, denn normalerweise ist jetzt Winter: die Jahreszeit, in der man morgens Scheiben kratzt, Kerzen aufstellt, viel Tee trinkt, Ski läuft und vor allem ab und zu mal richtig durchfriert. Statt dessen haben wir hier richtig heiβes Wetter. Schon in Perth sind wir Silvester um Mitternacht nur mit T-Shirt rumgelaufen.
Leider gab es überhaupt kein einzigen Knaller und keine Rakete, geschweige denn ein Feuerwerk. Normalerweise stehe ich ja nicht so darauf, von allen Seiten beschossen zu werden, aber irgendwie gehört es trotzdem dazu. Daher hier meine Ankündigung, an diejenigen, die mit uns nächstes Mal feiern: "Silvester wird geknallt!"
Leider hatten uns auch noch Laura und Pete kurzfristig abgesagt, so dass wir beide etwas verloren durch die Straβen von Perth streiften. Pünktlich um Mitternacht hatten wir beide aber dann doch ein Glas Sekt in der Hand und hörten das Neujahrslied, das man aus den amerikanischen Filmen kennt.
Am nächsten Morgen saβen wir schon um 8 Uhr im Taxi zum Flughafen.
Ein für mich unvergessliches Bild ist, die gerümpfte Nase des Sicherheitsbeamten am Flughafen, als er mit der Nase an meiner Siggflasche roch. Hier hatte ich morgens den Whiskey reingefüllt, den wir eingentlich für Pete als Dankeschön für die Silvestereinladung gekauft hatten. Ich meinte entschuldigend, dass das die Reste von gestern sei, das war zum Glück als Erklärung ausreichend.
Das Ziel unseres Fluges war der Ayers Rock. Das Bild zu sehen, das ich automatisch vor Augen hatte, wenn ich früher an Australien dachte. Da der Abstecher ganz schön ins Budget haut, haben wir vorher lange überlegt, überhaupt hierher zu kommen. Wir entschieden uns dafür, denn irgendwie gehört er schon dazu und wer weiβ, wann wir das nächste Mal uns auf den weiten Weg nach Australien machen.
Als wir aus dem Flugzeug stiegen schlugen uns Temperaturen von über 40 Grad entgegen. Trotzdem bauten wir mutig unser Zelt auf.
Danach machten wir uns auf den Weg zum Ayers Rock. Wir hatten ihn aus dem Flugzeug schon gesehen, aber je näher wir kamen, desto eindrucksvoller sah es aus, er wirkt wirklich riesig! Wahrscheinlich liegt es einfach daran, dass rundherum nichts auβer flaches Land ist. Ich finde, es sieht fast so aus, als wäre er einfach vom Himmel gefallen (was aber nicht der Fall ist.) Am interessantesten ist der Uluru, wie er von den Aborigines genannt wird, aber bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang, wenn durch das Licht ein unvergleichliches Farbspiel hervorgerufen wird. Wir haben das Schauspiel insgesamt viermal betrachtet. Irgendwie wirkt dieser Stein dann wirklich magisch!
An unserem zweiten Tag machten wir uns auf dem Weg zu den Kata Tjutas, einer weiteren Steinformation in der Nähe. Viel interessanter, als die Steine selber waren allerdings die Tiere, die wir sahen, ein Känguru hüpfte vor uns über die Straβe, dann stand eine Gruppe wilder Kamele am Straβenrand und schaute interessiert zu uns rüber und mehrere Male kreisten Schwärme grüner Wellensittiche über unser Köpfe.
Nachmittags auf dem Zeltplatz wurde es dann sehr heiβ, 56 Grad zeigt mein Outdoorhandy an. Ein Vorteil war, dass die frisch gewaschene Wäsche innerhalb von Minuten trocken war. Wir waren übrigens auf dem Zeltplatz nicht allein. Wir trafen hier u.a. viele Deutsche, wie Tanja und Hartmut, die mit der gleichen Zeltmarke wie wir unterwegs waren. In den Nächten haben wir beide, trotz Hitze, erstaunlich gut geschlafen.
Die nächste Station war Adelaide mit 30 Grad etwas kühler, als der Ayers Rock (aber nicht wirklich). Hier holte uns Malcolm, der Besitzer des "Hostels 109" (http://www.hostel109.com/) von Flughafen ab. Neben Lancelin, ist das bisher das beste Hostel, dass wir in Australien hatten. Das allerbeste war aber FREE Unlimited Internet. Das nutzen wir so sehr, das wir bisher nicht viel von Adelaide gesehen haben, aber was wir tun ist auch sehr wichtig, denn wir planen unsere weitere Reise nach Südamerika. Wir werden unsere Weltumrundung schaffen, es bleibt auf jeden Fall spannend.
Heisse Tage
Wenn ich auf das Datum 6. Januar gucke, kann ich es selber kaum fassen, denn normalerweise ist jetzt Winter: die Jahreszeit, in der man morgens Scheiben kratzt, Kerzen aufstellt, viel Tee trinkt, Ski läuft und vor allem ab und zu mal richtig durchfriert. Statt dessen haben wir hier richtig heiβes Wetter. Schon in Perth sind wir Silvester um Mitternacht nur mit T-Shirt rumgelaufen.
Leider gab es überhaupt kein einzigen Knaller und keine Rakete, geschweige denn ein Feuerwerk. Normalerweise stehe ich ja nicht so darauf, von allen Seiten beschossen zu werden, aber irgendwie gehört es trotzdem dazu. Daher hier meine Ankündigung, an diejenigen, die mit uns nächstes Mal feiern: "Silvester wird geknallt!"
Leider hatten uns auch noch Laura und Pete kurzfristig abgesagt, so dass wir beide etwas verloren durch die Straβen von Perth streiften. Pünktlich um Mitternacht hatten wir beide aber dann doch ein Glas Sekt in der Hand und hörten das Neujahrslied, das man aus den amerikanischen Filmen kennt.
Am nächsten Morgen saβen wir schon um 8 Uhr im Taxi zum Flughafen.
Ein für mich unvergessliches Bild ist, die gerümpfte Nase des Sicherheitsbeamten am Flughafen, als er mit der Nase an meiner Siggflasche roch. Hier hatte ich morgens den Whiskey reingefüllt, den wir eingentlich für Pete als Dankeschön für die Silvestereinladung gekauft hatten. Ich meinte entschuldigend, dass das die Reste von gestern sei, das war zum Glück als Erklärung ausreichend.
Das Ziel unseres Fluges war der Ayers Rock. Das Bild zu sehen, das ich automatisch vor Augen hatte, wenn ich früher an Australien dachte. Da der Abstecher ganz schön ins Budget haut, haben wir vorher lange überlegt, überhaupt hierher zu kommen. Wir entschieden uns dafür, denn irgendwie gehört er schon dazu und wer weiβ, wann wir das nächste Mal uns auf den weiten Weg nach Australien machen.
Als wir aus dem Flugzeug stiegen schlugen uns Temperaturen von über 40 Grad entgegen. Trotzdem bauten wir mutig unser Zelt auf.
Danach machten wir uns auf den Weg zum Ayers Rock. Wir hatten ihn aus dem Flugzeug schon gesehen, aber je näher wir kamen, desto eindrucksvoller sah es aus, er wirkt wirklich riesig! Wahrscheinlich liegt es einfach daran, dass rundherum nichts auβer flaches Land ist. Ich finde, es sieht fast so aus, als wäre er einfach vom Himmel gefallen (was aber nicht der Fall ist.) Am interessantesten ist der Uluru, wie er von den Aborigines genannt wird, aber bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang, wenn durch das Licht ein unvergleichliches Farbspiel hervorgerufen wird. Wir haben das Schauspiel insgesamt viermal betrachtet. Irgendwie wirkt dieser Stein dann wirklich magisch!
An unserem zweiten Tag machten wir uns auf dem Weg zu den Kata Tjutas, einer weiteren Steinformation in der Nähe. Viel interessanter, als die Steine selber waren allerdings die Tiere, die wir sahen, ein Känguru hüpfte vor uns über die Straβe, dann stand eine Gruppe wilder Kamele am Straβenrand und schaute interessiert zu uns rüber und mehrere Male kreisten Schwärme grüner Wellensittiche über unser Köpfe.
Nachmittags auf dem Zeltplatz wurde es dann sehr heiβ, 56 Grad zeigt mein Outdoorhandy an. Ein Vorteil war, dass die frisch gewaschene Wäsche innerhalb von Minuten trocken war. Wir waren übrigens auf dem Zeltplatz nicht allein. Wir trafen hier u.a. viele Deutsche, wie Tanja und Hartmut, die mit der gleichen Zeltmarke wie wir unterwegs waren. In den Nächten haben wir beide, trotz Hitze, erstaunlich gut geschlafen.
Die nächste Station war Adelaide mit 30 Grad etwas kühler, als der Ayers Rock (aber nicht wirklich). Hier holte uns Malcolm, der Besitzer des "Hostels 109" (http://www.hostel109.com/) von Flughafen ab. Neben Lancelin, ist das bisher das beste Hostel, dass wir in Australien hatten. Das allerbeste war aber FREE Unlimited Internet. Das nutzen wir so sehr, das wir bisher nicht viel von Adelaide gesehen haben, aber was wir tun ist auch sehr wichtig, denn wir planen unsere weitere Reise nach Südamerika. Wir werden unsere Weltumrundung schaffen, es bleibt auf jeden Fall spannend.

