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Fotomotive der Weltreise
Sabines Blog Dezember 06

Unser Blog / Sabine´s Blog

Sabines Blog Dezember 06

Perth, 31. Dezember 2006 - 185. Tag
 
2840 km in 11 Tagen
 
Die letzten 11 Tage haben wir uns den Westen und das Outback von Australien angesehen. Den eigentlichen Entschluss, die groβe Runde zu fahren haben wir aber erst am 26. Dezember gefasst, so dass wir rund 2500 km in den letzten fünf Tagen gefahren sind. Wir haben auf unserer Fahrt viel erlebt und gesehen und vor allen Dingen überall interessante Leute kennengelernt. Leider kann ich
nachfolgend unsere Tour nur kurz umreiβen, ansonsten würde der Blog wahrscheinlich zu einem kurzen Roman ausarten.
 
Am 20. Dezember morgens um 5 Uhr standen wir mit gepackten Sachen in Lancelin vor dem Hostel. Lisa sammelte uns ein und brachte uns nach Perth zurück, wo ich in einem Hostel wartete, während Olaf unseren Mietwagen, einen kleinen, weiβen Hyundai Getz abholte.
 
Unsere erste Station war Fremantle, eine kleine Hafenstadt nahe Perth. Hier schlenderten wir durch die Gassen und sahen uns die Häuser an, die in Bäderarchitektur gehalten waren. Allerdings waren hier auch ziemlich seltsame Gestalten unterwegs, so dass wir beschlossen weiterzufahren.


Ungefähr 100 km weiter steuerten wir unseren Campingplatz in Rockingham (Caravan Park) an, der leider bis drei Uhr zu hatte und auch unter der angegeben Telefonnummer war keiner zu erreichen. Da uns der Strand aber nicht so richtig gut gefiel, fuhren wir weiter. Was dann folgte war eine Odyssee der Besichtigung ausgebuchter, ungemütlicher oder schlichtweg überteuerten Caravan Parks. Selbst die besser ausgestatteten haben oft den Charme eines mit Campingwagen vollgestellten Parkplatzes. Mit anderen Worten nach drei Stunden waren wir nur noch frustriert, als wir das Schild zu einem B&B sahen und impulsiv abbogen. Eine nette Frau zeigte uns fünf schöne Zimmer, die sehr englisch eingerichtet waren. Leider war der Preis viel zu hoch für uns, aber sie hatte Mitleid und reduzierte um ein Drittel und wir bekamen sogar die Honeymoonsuite. Am nächsten Morgen gab es auch noch ein sehr leckeres Frühstück mit selbstgemachter Marmelade, Eiern und Speck, Früchten, Kaffee und Orangensaft.
 
So gut gestärkt machten wir uns auf unserem weiteren Weg. Der erste Campingplatz, den wir ansteuerten, sah perfekt aus, gut ausgestattet und dicht am Strand, aber leider war er geschlossen. Also ging es weiter. Der nächste war nicht mehr ganz so perfekt, hatte aber auf und einen Platz, auch der Strand sah schön aus, so dass wir beschlossen zu bleiben. Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten, gingen wir an den Strand. Leider war zwischenzeitlich Wind aufgekommen, der den Sand aufwirbelte. Diesem Sandsturm war selbst in der Düne kein Entkommen, so dass wir 15 Minuten später total eingesandet den Rückweg antraten. So spielten wie vor unserem Zelt Schach, dass bei uns eher in eine "Schlacht" ausartete, da wir beide beim Spielen sehr ehrgeizig sind. Ich muβ leider aber zugeben, dass Olaf der bessere Spieler ist. (Er hat wie immer gewonnen.)
 
Am nächsten Morgen gings weiter nach Busselton, wo wir die 2 km lange Seebrücke abliefen. Trotz der 2,5 AUD Eintritt pro Nase, sah die Brücke an manchen Stellen schon ziemlich marode aus und ich muβ gestehen, wenn wir noch in Südostasien gewesen wären, hätte ich dem Holz nicht mehr vertraut. Die Brücke wurde im weiteren Verlauf immer schmaler es gab nur an einer Seite ein Gelände, so dass man bei entgegen kommenden Menschen immer versuchte, auf der "sicheren Seite" zu sein. Darüber hinaus war Busselton aber unspektakulär und so fuhren wir nach Dunsborough weiter, wo wir nach den Erfahrungen der letzten Tage ein Zimmer in der Jugendherberge vorgebucht hatten. Auch hier bekamen wir die sogenannte "Honeymoon Suite", die hier aber wahrscheinlich so hieβ, weil auβer einem Doppelbett nichts darin stand. Die Lage war aber top, dicht am Strand und cool eingerichtet. Nur sobald wir ins Freie kamen, wurden wir gleich von Fliegen umschwärmt. Das die Anderen ebenfalls wild in der Luft herumfuchtelten zeigte uns, dass es Ihnen genauso ging.
 
Am Abend fuhren wir zum Cape Naturaliste und sahen den Leuchtturm und ein aufgewühltes Meer, dass die Wellen voller Kraft gegen den Sugarloaf, einem Felsen, schlug.
 
Für den nächsten Tag hatten wir eine Weintour gebucht, die Olaf in seinem Blog KNEE DEEP in Western Australia so gut beschreibt, dass ich ausnahmsweise nichts dazuzufügen habe, auβer dass wir viel Spaβ hatten, aber die bisherigen verkosteten Weine uns nicht vom Hocker gerissen haben, aber wir haben ja auch noch einige Weinregionen vor uns.
 
Dann war auch schon plötzlich der 24. Dezember und mir bei einer Auβentemperatur von über 30 Grad gar nicht weihnachtlich zu Mute, trotz künstlicher Tannenbäume und Lichterketten in den Bäumen. Irgendwie fehlten die Adventssonntage mit Stollen, Lebkuchen und natürlich der Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt. Wir hatten schon von Perth aus im Surferspoint Ressort in Margaret River vorgebucht, um wenigsten für Weihnachten nicht unterkunftslos zu sein. (Wir wollten auch nicht Maria und Josef spielen.) Das "Ressort" hatte aber eher Jugendherbergsflair, war aber gut gefüllt.
 
Im örtlichen Supermarkt haben wir aber die Zutaten für unser typisches Weihnachtsessen bekommen, vor allen Dingen aber SAUERKRAUT. Am Heiligabend, den wir mehr oder weniger allein verbrachten, besserte sich aber unsere Stimmung mit der Anzahl der getrunkenen Weinflaschen, die wir am Vortag auf unserer Weintour erstanden hatten. Wir wurden aber am nächsten Morgen mit einem Schädel bestraft, was leider nicht für die Qualität der Weine spricht.
 
Am ersten Weihnachtsfeiertag haben wir beschlossen mal gar nichts zu machen, auβer lesen. Auβerdem war für 13.30 Chrismas Lunch angesetzt, zu dem wir uns angemeldet hatten, um zu sehen, wir die Australier so traditionell feiern. Zwei groβe Tafeln, nett gedeckt für 40 Leute und daneben ein Buffet mit Salaten, Schinken und Shrimps erwartete uns im Essensraum. Diane, die "Herbergsmutter" hatte seit morgens um 4 Uhr in der Küche gestanden, um alles vorzubereiten. Interessant waren die Knallbonbons und kleine Tischknaller, der Tischdekoration, die für eine ordentliche Geräuschkulisse sorgten und allerlei bunte Schnipsel durch die Luft beförderten. Obwohl es eine merkwürdige Art war, Weihnachten zu feiern, hatten wir trotzdem viel Spaß. 
 
Nach der ganzen Faulenzerei am Vortag, entschieden wir uns, am 2. Weihnachtsfeiertag, die groβe Runde zu fahren, einschlieβlich Outback. Das bedeutete viel, viel Auto fahren. Also machten wir uns früh auf dem Weg. Erste und einzige Zwischenstation an diesem Tag war Augusta. Hier am südwestlichsten Punkt Australiens steht ein Leuchtturm und zwei Ozeane, Südlicher und Indischer, vereinigen sich. Das hört sich hier wahrscheinlich imposanter an, als es tatsächlich ist, zumal die überall lauernden Fliegen sehr Besichtigungsverkürzend wirken.
 
Den restlichen Tag haben wir uns die Natur aus dem Inneren des Autos angesehen, bis wir am späten Nachmittag Walpole erreichten. Hier bogen wir gleich am ersten ausgeschilderten Caravan Park ab und bekamen ohne Probleme sofort ein Stellplatz direkt am See. Dies war bisher der schönste Campingplatz, den wir hier gesehen haben. Abends gab es aus unserer Fresskiste (Pappkarton mit den restlichen Lebensmitteln) in der Mikrowelle aufgewärmtes Olivenbrot mit eingelegten, getrockneten Tomaten, Seeblick inklusive.
 
Am nächsten Tag (27.12) gab es viel zu besichtigen. Den Auftakt machte das "Valley of Giants", in dem ca. 400 Jahre alte, riesige Eukalyptusbäume stehen. Hier gibt es den "Top Tree Walk". Das bedeutet nicht, dass es ein Weg zu den Top Bäumen im Valley ist. Vielmehr läuft man auf einer sehr schwankenden Drahtseilkonstuktion durch die Baumkronen der Giants. In der luftigen Höhe von bis zu 40 Meter, fingen die zwischen Plateaus gespannten Brücken heftig an zu schwingen, je mehr Leute darüber gingen. Ich habe mal der Baukunst der Australier vertraut, aber einige Leute mit sichtlicher Höhenangst, schienen da oben nicht ganz so happy zu sein.
 
Als nächstes ging es nach Denmark. Hier gibt es zwei interessante Strände. An dem einem in der Williams Bay gibt es die "Elephant Rocks", die von weiten, wie eine Elefantenherde aussehen und den "Green Pool", der an einen Swimmingpool erinnert, nur dass er von der Natur geformt im Meer ist. Am Ocean Beach gibt es richtig gute Welle zum Surfen am Beach Break. Wir haben aber nur ein biβchen zugeschaut, bevor wir nach Albany weitergefahren sind. Die kleine Stadt am Meer hat nur eine richtige Hauptstraβe, dafür aber sehr nette kleine Häuser. Hier haben wir am frühen Nachmittag uns für die Weiterreise gestärkt und unsere Vorräte aufgefüllt. Danach löst sich die Straβe von der Küste und die Ort wurden seltener. Nach weiteren 200 km Fahrt, haben wir uns auf einem Caravan Park eingemietet, der voll auf den Durchreiseverkehr eingerichtet war, in Mitten der Buschlandschaft. Hier gab es ein niedliches, gezähmtes Känguru, dass mir aber irgendwie Respekt eingeflößt hat. Die Tiere sind ganz schön groβ. Es schien aber unser Zelt zu lieben, den es sprang die ganze Zeit darum herum. Wir zelteten nämlich direkt neben der Futterstelle.
 
Am nächsten Tag (28.12.), nach einem Frühstück mit dem Känguru, lagen 700 km Fahrt vor uns. Wir saβen bereits um 7.30 Uhr in unserem Auto. Gegen Mittag waren wir in Esperance, wieder an der Küste. Hier gibt es wirklich nicht nichts zu sehen, aber wenigstens konnten wir uns bei Subway stärken. Danach ging es nur noch landeinwärts, weitere 400 km. An diesem Tag haben wir sehr unsere Klimaanlage geschätzt, denn die Sonne brannte gnadenlos.
 
Früher, als erwartet, kamen wir in Kalgoorlie-Boulder (wird von den Aussies auch liebevoll Kal genannt) an. Kal ist während des Goldfieberzeiten entstanden und noch heute wird hier Gold abgebaut. Als erstes ging es aber wieder zum Caravan Park, Zelt aufbauen. Danach fuhren wir in die Stadt, die sehr nach wildem Westen aussah. Da zwischen Weihnachten und Neujahr auch fast alle Läden zu hatten, kam sie uns fast wie eine Geisterstadt vor. Hier war wirklich gar nichts los und so beschlossen wir auf jeden Fall am nächsten Tag weiterzufahren. Am Abend lernten wir auf unserem Campingplatz zwei nette Deutsche kennen, mit denen wir uns noch lange unterhalten haben.
 
Vor unserer Weiterfahrt am nächsten Tag (29.12) stand aber noch das Goldbesichtigungsprogramm auf den Programm. Zuerst haben wir uns den SuperPit angesehen, einen riesigen Tagebau, wo auch heute noch Gold abgebaut wird. Hier gab es eine Aussuchtsplattform, von der man alles beobachten konnte. Das Loch in der Erde war so tief, dass wir nicht bis unten sehen konnten und die Fahrzeuge darin aussahen, wie kleine Spielzeugautos!
 
Danach ging es weiter zu einer stillgelegten Goldmine. Zunächst ging es mit einem kleinen Fahrstuhl unter die Erde. Dort zeigte uns ein Führer alle wichtigen Sachen. Er war sehr stolz darauf, dass er fünfmal schneller sprechen konnte, als andere Menschen. Er sagte das in normaler Geschwindigkeit und schon hier hatte er starken Slang und eine ziemlich undeutliche Aussprache. Im Turbogang, wenn er die Augen schloss und die Worte nur so aus ihm herausflossen, war er von uns gar nicht mehr zu verstehen. Nach dem Ausflug in die Unterwelt, versuchte ich mich im Goldschürfen. Ich habe auch einen winzig kleinen Partikel gefunden, bin aber nicht wirklich sicher, ob es sich hierbei um Gold handelt.


Dann wurde es heiβ. Es wurde gezeigt, wie Gold geschmolzen und dann zu einem Barren gegossen wird. Dieser hatte ca. einen Wert von 150.000 AUD und wurde Minuten später rumgereicht. Ich wuβte zwar, das Gold schwer ist, hatte dem kleinen Barren aber nicht ein solches Gewicht zugetraut. Nach dem wir noch ein wenig über die Ausstellungsfläche gebummelt waren, machten wir uns auf die Rückreise nach Perth. Wir schafften an diesem Abend noch 300, der insgesamt 600 km, bevor wir an einem Caravan Park unser Zelt für die Nacht aufbauten. Nur wenig später kamen auch Saskia und Stefan, zwei Schweizer, hier an. Wir waren ihnen in Kal schon ueber den Weg gelaufen und unterhielten uns jetzt über unsere bisherigen Erfahrungen. Die beiden sind 6 Monate nur in Australien unterwegs, 3 Monate mit dem Mietwagen und dann noch 3 Monate zum Sprachkurs in Sydney.
 
Am nächsten Morgen studierten wir noch mal die Karten und den Reiseführer. Wir hatten unseren Mietwagen noch für 24 Stunden und nur noch 300 km Weg bis Perth lag vor uns. Wir beschlossen einen Umweg zu fahren über den "Wave Rock", damit wir an dem Tag noch etwas anzusehen hatten. Kurz nach dem Abzweig wurde die Straβe sehr schmal und frisch hingekippter Rollsplitt machte die Fahrt nicht wirklich angenehm. Als wir ca. 2 Stunden später beim Wave Rock ankamen, war ich überrascht, wieviele Touristen trotz der üblen Straβe hier waren. Der Wave Rock selbst war zwar nett anzusehen, aber keine wirkliche Attraktion. Viel schöner war es, den Fels zu erklimmen und von oben das weite Land zu betrachten.
 
Der weitere Weg führte uns durch den Weizengürtel um Perth. Soweit das Auge reichte, gab es nur abgeerntete Weizenfelder. Einen letzten Zwischenstopp legten wir in der Touristenstadt York ein, die sehr an den wilden Westen erinnert uns aber gut gefallen hat.
 
Als letzten Campingplatz auf unserer Tour fanden wir einen kleinen, sehr versteckten, der zwar auf unserer Karte eingezeichnet war, aber ansonsten überhaupt nicht ausgeschildert. Als wir dort ankamen, war dieser leider ausgebucht, aber der Ranger hatte ein Herz für uns uns ließ uns für eine Nacht hier bleiben. Da wir am nächsten Morgen schon früh weiterfahren wollten (spätester Abgabetermin fürs Auto war 10 Uhr), stellte er uns Jürgen vor, der uns früh rauslassen sollte.  Mit Jürgen einem Deutschen, der bereits vor vielen Jahren nach Australien ausgewandert war, haben wir uns bis tief in die Nacht unterhalten. Was wir dabei alles über ihn erfahren haben hat Olaf in seinem Blog Der Boomerang Mann beschrieben, sehr interessant - unbedingt lesen!
 
Heute, am Silvestermorgen, klingelte schon um 5.30 Uhr der Wecker. Sachen packen und ab nach Perth. Hier hat Olaf mich dann samt der Sachen in unserer Unterkunft abgegeben und den Wagen zurückgebracht, dessen Kilometerstand wir mehr als verdoppelt hatten.
 
Heute wollen wir die Zeit noch ein biβchen nutzen, um die weitere Reise zu planen, insbesondere wann es weiter nach Südamerika geht. Wir haben also im neuen Jahr noch jede Menge vor uns! Also stay tuned!
 
Ich wünschen allen meinen fleiβigen Bloglesern einen guten Rutsch und ein frohes, neues Jahr 2007. Ich freue mich über jeden Gästebucheintrag und jede mail, die ihr uns schreibt und verspreche auch weiterhin allen zurückzuschreiben (manchmal kann es aber auch ein biβchen dauern).
 

 
Lancelin, 19. Dezember 2006 - 173. Tag
 
Hotel California
 
Nein wir haben nicht den Kontinent gewechselt! Tatsächlich handelt es sich um das Lancelin Lodge YHA, eine Jugendherberge 130 km nördlich von Perth. Trevor der Herbergsvater, meint aber, dass das hier das "Hotel California" sei, die Leute kommen für zwei Tage und bleiben dann ewig - wie wir!
 
Aber von vorn: Als an Olafs Geburtstag morgens um 4.15 Uhr der Wecker in unserem kleinem, ungemütlichen Zimmer klingelte, schaute er mich mit einem Blick an, der besagte "Das hast du mal gründlich versaut". Leider konnte ich zu diesem Zeitpunkt auch nichts daran ändern, auβer mich daran zu machen die Sachen zu packen, denn das hatte ich gestern nach unserem Ausflug nicht mehr geschafft.

Um 6.45 Uhr wurden wir vor dem Bahnhof von Lisa eingesammelt, die uns zu dem Surfcamp fuhr, dass wir erstmal für zwei Tage gebucht haben mit Verlängerung. Um 8 Uhr waren wir in Lancelin, wo wir kurz unsere Badesachen anzogen, bevor es direkt an den Strand ging zum Surfunterricht. Hier wartete schon Kieran, unser Surflehrer auf uns und nach einer Tasse Kaffee und einen Übungen an Land befanden wir uns auch schon im Wasser!

Surfen (Wellenreiten) ist einfach geil, WENN man erstmal auf dem Brett steht und eine Welle abfährt. Ich möchte aber nicht verschweigen, dass der Weg dahin ein sehr anstrengender ist. Mehrere Liter Salzwasser schlucken oder noch besser direkt per Nasenspülung, viele Nosedives (Welle nicht gekriegt, vorn übers Brett gefallen), Waschmaschienen (fühlt sich oft eher wie Schleudergang an) sowie viele blaue Flecken durch leichte Zusammenstöβe mit dem Surfbrett und am nächsten Tag ein ordentlicher Muskelkater gehören dazu, da muβ man schon ziemlich schmerzunempfindlich sein.

Mit Surfen hatten wir vor fünf Jahren in Frankreich begonnen und später noch mal eine Woche auf Fuerteventura. Damals hat es mit dem auf dem Brett stehen bei mir nie so richtig geklappt. Hier lief alles sehr gut, so dass ich am zweiten Tag schon auf dem Brett stand. Bei Olaf lief es noch besser, so dass wir beschlossen unseren Aufenthalt hier zu verlängern, auf insgesamt 6 Tage. Das stellte allerdings Trish, unsere Herbergsmutter vor eine gewisse Herausforderung, denn übers Wochenende war das Hostel ausgebucht! Spontan fragten wir, ob wir nicht in unser Zelt ziehen können, da wir so etwas Geld sparen und trotzdem Küche/Toilette/Dusche des Hostel nutzen konnten. Trish stimmte zu. Nur als Trevor unser Zelt auf seinem schönen Rasen stehen sah, bekam er Bedenken (wegen der Bewässerung) und ab dem nächsten Tag war bis zum Rest unseres Aufenthaltes ein Doppelzimmer für uns frei.

Das beste Erlebnis beim Surfen hatten wir dennoch am ersten Tag, an Olafs Geburtstag, denn es kamen drei wilde Delfine dicht zu uns an den Strand geschwommen, sie waren im Wasser nur einen Meter von uns entfernt und schienen auch die Wellen zu surfen. Echt cool!

Zur Geburtstagsfeier habe ich dann in dem kleinen Ort noch Kuchen, eine Kerze und selbst gepflügte Blumen besorgt (im nächsten Jahr arbeite ich noch mal an der Organisation). Abends haben wir dann bei einem zünftigen Hamburger - the Lot (nicht schaffbar), den Sonnenuntergang auf der Terrasse der "Endeavour Tavern" genossen.

Heute hatten wir unsere letzten Surfstunden und wir sind beide mit Abschürfungen und blauen Flecken gekennzeichtet. Mein linker Fuβ hat auch gerade seinen Geist aufgegeben, seit einer Stunde kann ich nicht mehr gehen und springe auf dem rechten umher. Morgen um kurz vor 5 Uhr morgens werden wir abgeholt und fahren zurück nach Perth. Dort haben wir bis zum 31. Dezember einen Mietwagen gebucht. Ich bin mal gespannt, wie das mit dem Linksfahren so klappt, immerhin bin ich ein halbes Jahr gar kein Auto mehr gefahren.



Perth, 13. Dezember 2006 - 167. Tag

Ich hasse Fahrrad fahren!

Ich bin fix und fertig! Heute sind wir mal wieder früh aufgestanden und haben einen ordentlichen Fuβmarsch bis zur Fähre zurückgelegt und sind dann auf dem Fluβ zunächst bis Fremantle gefahren. Das war alles noch sehr nett. Dann sind wir auf eine "seetaugliche"
Fähre umgestiegen und weitergefahren. Die Wellen waren ziemlich hoch und das Boot wurde ziemlich durchgeschüttelt, so dass ich nach wenigen Minuten seekrank war. Insofern hat mich die Überfahrt sehr an die Insel Helgoland erinnert, nur dass sie zum Glück wesentlich kürzer war.

Auf der Insel Rottnest angekommen, machten wir uns gleich auf dem Weg zum Fahrradverleih, wo schon eine riesige Schlange wartete. Eine dreiviertel Stunde später waren wir mit Bikes und Helmen (hier herrscht auch für Fahrradfahrer Helmpflicht) ausgestattet mit dem Hinweis, dass wir alles spätestens in knapp 4 Stunden wieder abgeben müssen. Unser erstes Ziel war der auf der Karte nah gelegene Leuchtturm. Also fuhren wir los, zum Glück waren die Steigungen nicht allzu hoch, aber der Wind brachte mich fast zum stehen, insofern erinnerte mich die Insel an Sylt. Die Landschaft war ebenfalls sehr schön, tolle Strände, die aber wegen des Windes nicht sehr badetauglich waren.

Eine Stunde später studierte ich total entnervt den Faltplan, denn es war immer noch kein Leuchtturm in Sicht, wie sollten wir es da jemals um die Insel schaffen. Leider hatte ich keine Ahnung, wo wir waren und als ich auf meinem Fahrrad wieder gegen den Wind ankämpfte, dachte ich, "Ich hasse Fahrrad fahren!". Im "normalen" Leben bin ich tatsächlich keine groβe Fahrradfahrerin, sondern laufe lieber zu Fuβ oder benutze das Auto oder sonstige zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel!

Ungefähr 10 Minuten später kamen wir zu einem Schild, dass uns zeigte, wo wir uns befinden. Welch eine positive Überraschung - wir hatten den Leuchtturm verpasst und waren bereits um die halbe Insel geradelt. Ich konnte es gar nicht fassen! Danach ging Fahrradfahren noch mal so einfach und in weniger als drei Stunden kamen wir im Hauptort wieder an, obwohl wir uns auf der zweiten Hälfte viel mehr Zeit gelassen hatten!

Die Rückfahrt nach Perth war nicht so entspannt. Irgendwie tropfte im stetigen Abstand Salzwasser auf mich herab. Olaf meinte: "Wieso setzt Du Dich nicht um und beschwerst Dich!" - Aber ersteres war gar nicht möglich, da das Boot viel zu voll war und zweitens war mir viel zu schlecht um eine der beiden Sachen in Angriff zu nehmen. Alle anderen Passagieren, auβer Olaf, schien es aber ähnlich wie mir zu gehen. Leider hat auch der Wechsel auf das andere Boot nach Perth nicht allzu viel geholfen. Immerhin hat der Sitz drauβen, den wir ergattert hatten, dazu geführt, dass wir im Hafenbecken von Fremantle einen Seehund gesehen haben und in Perth saβen wir in der ersten Reihe, als zwei Delfine unseren Weg kreuzten.

Jetzt sind wir zurück in unserem Hostel und es geht mir schon viel besser - nur beim Sitzen habe ich noch ein paar Probleme. Morgen früh geht es los zum Surfen. Zum Glück muβ man dabei kaum sitzen!



Perth, 12. Dezember 2006 - 166. Tag

Australien - erster Eindruck

Nach einem Nachtflug haben wir gestern morgen um 7 Uhr einen neuen Kontinent erreicht. Die Immigration war problemlos. Wir hatten sicherheitshalber einige Tage vorher online ein Visum beantragt.

Beim Zoll ist das schon anders, hier hat man leicht das Gefühl, dass jeder als potenzieller Verbrecher eingestuft wird. Jeder muss eine Erklärung ausfüllen, dass er nichts Verbotenes einführt, dazu gehören auch Lebensmittel, Muscheln, Mutterboden usw.

Um sicherzustellen, dass jeder die richtigen Angaben macht, laufen mehrere niedliche Hunde rum, und schnüffeln, ob man nicht doch noch irgendwo etwas versteckt hält. Nach einer erneuten Befragung, wurde dann unser gesamtes Gepäck noch einmal durchleuchtet. Hierbei erregte unser Zelt Aufmerksamkeit. Wir sollten die Heringe vorzeigen, ob noch Bodenreste vorhanden sind. Zum Glück hatte ich im Mount Evererest Basecamp ein guten Job gemacht, die Zöllnerin lächelte zufrieden, als sie unsere sauberen Heringe sah.

Danach kamen zwei Herausforderungen auf uns zu. Die erste war eine australische Prepaidkarte fürs Handy in einem automatisierten Callcenter anzumelden. Nachdem Olaf dass erfolgreich bewältigt hatte, war ich dran, ein Zimmer zu besorgen. Als wir unseren Flug gebucht hatten, wuβten wir nicht, dass in Perth ein fünftägiges Cricketspiel gegen England ausgetragen wird und die Stadt schon Tage vorher ausgebucht ist. Eigentlich wollten wir ja einige Tage in der Stadt bleiben ... 

Nach 22 Telefonanrufen hatte ich drei Zimmer für eine Nacht, zwei Zimmer für zwei Nächte und ein Zimmer für drei Nächte. Wir entschieden uns für das letztere und wurden sogar kostenlos am Airport abgeholt. Die Leute waren sehr nett, als wir allerdings das Zimmer für 60 AUD sahen, wurde uns klar, dass wir hier auch wieder ein anderes Preisniveau haben. Bei Peter hätten wir hierfür drei Nächte in einem mit Bad ausgestatteten groβen Beachbungalow übernachten können, hier war das der Preis für eine Nacht in einem dunklem, kleinen Zimmer (Fenster=Tür) mit Gemeinschaftsbad. Nachdem wir uns solange auf den "Westen" gefreut hatten, waren wir ziemlich enttäuscht.

Heute morgen haben wir uns aufgemacht, Perth zu Fuβ zu erkunden. Dabei haben wir festgestellt, dass hier alles sehr sauber, ordentlich, gepflegt und modern ist, aber irgendwie auch ganz schön langweilig (zu sauber, zu ordentlich ...).

Das müssen wir ändern! Daher waren wir heute bei Simon, der zahlreiche Touren anbietet. Morgen früh geht es zur Insel Rottnest, Fahrrad fahren, und ab übermorgen wir gesurft - und damit meine ich nicht das Internet!




Cebu, 9. Dezember 2006 - 163. Tag

Katastrophentourismus?

Wir sitzen gerade im Days Inn in Cebu und schauen aus dem Fenster - es regnet. Aber noch viel miβtrauischer beobachten wir jede Windbewegung, denn es ist ein "Tropical Storm" angesagt, der vielleicht Cebu treffen könnte. Gestern ist deswegen schon der "Asian Summit" abgesagt worden, der eigentlich morgen beginnen sollte. Jetzt hoffen wir, dass wir noch rechtzeitig rauskommen, denn heute ist unser letzter Tag auf Philippinen - vorausgesetzt unsere Flüge werden nicht verschoben. Dass das durchaus möglich ist, hatten wir ja bereits vor gut einer Woche in Puerto Princesa erfahren, als ebenfalls ein Taifun die Philippinen getroffen hat.

Aber die Zeit, die wir hier mit Warten verbringen, kann ich gut nutzen um kurz über unsere letzen Stationen zu berichten:

Von El Nido sind wir 10 Stunden mit einem klapprigen Bus nach Puerto Princesa gefahren, dass bei unserem Platz ein faustgroβes Loch im Bodenblech war, hat die Staubzufuhr während der Fahrt zusätzlich erhöht, aber wir hatten dieses Mal keine Reifenpanne. In Puerto Princesa angekommen, haben wir uns zu Dritt + Gepäck in ein Tricycle geschwungen und sind ziemlich zerquetscht 7 km weiter in unserem Hotel angekommen. Für mehr Aktivitäten waren wir dann an dem Abend nicht mehr zu haben.

Am nächsten Morgen ging es schon früh los. Ein Tagesausflug nach Sabang zum unterirdischen Fluss stand auf dem Programm. Nach 2,5 Stunden "rough road" waren wir an einem kleinen Hafen angekommen. Von dem fährt man mit kleinen Booten einige Buchten weiter. Nach einem kleinen Fuβmarsch gelangt man zur Einfahrt in den unterirdischen Fluss. Hier bekamen wir jeder eine Schwimmweste und einen Helm aufgesetzt - selbstverständlich nur als Schutz gegen Fledermausausscheidungen - und durften uns in ein kleines Boot setzen. Olaf hat sich gleich freiwillig in die erste Reihe gesetzt und ich daneben. Zu diesem Zeitpunkt war mir allerdings nicht klar, dass das den Job des Beleuchters inkludiert. Aber die Grundzüge wurden mir kurz erklärt, einfach die Lampe an die vor mir stehende Autobatterie anklemmen und loslegen.

Am Anfang war das noch sehr angenehm, da ich entscheiden durfte, was wir in der dunklen Höhle gerade betrachten dürfen. Dann kamen allerdings Befehle von hinten. Das ist nicht gut wenn man die für Frauen typische Rechts-Linksschwäche hat und nach einer Weile das ganze Boot mitschreit: "Rechts, REchts, RECHTS!" Okay, nach paar Minuten hatte ich es dann raus, allerdings wurde dann die Lampe auch langsam warm und vor allen Dingen schwer.

Neben meinem Aushilfsjob habe ich doch noch einiges sehen können. Eigentlich handelte es sich nur um eine groβe Höhle, die man auf dem Wasser durchquert. Bei den Sachen die von oben herabtropften, möchte man eigentlich lieber nicht wissen, woher sie stammen.

Nach unserem Ausflug auf dem unterirdischen Fluβ, haben wir uns am Strand umgezogen. Dabei wären uns fast zwei Plastiktüten von Affen geklaut worden, die darin etwas zu Essen vermutet hatten. Ausgestattet in Dschungelbekleidung und mit Wasser, traten wir den Rückweg auf dem "Monkey-Trail" an. Ein Weg durch den Wald, der aber sehr steil und schlecht befestigt war. Die ohnehin schon hohe Auβentemperatur brachte uns zusätzlich zum Schwitzen. Ingrid sah während unseres Fuβmarsches gar nicht so happy aus, bestimmt hat sie die ganze Zeit gedacht, warum sie sich das freiwillig antut.

Am Abend haben wir uns dann mit einem Besuch im "KaLui" belohnt, DEM Restaurant in Puerto Princesa. Das Essen war aber auch wirklich sehr gut.

Am nächsten Morgen hieβ es wieder früh aufstehen, denn wir wollten die Delfine sehen, die seit kurzem in der Nähe von Puerto gesichtet wurden. Dafür hatten wir ein Fischerboot gemietet, dass aber viel kleiner war, als wir uns das vorgestellt hatten. Nach einer Stunde Fahrt sahen wir dann die Delfine, ein ganzer Schwarm von ungefähr 40-50 Stück und auβer ein paar Fischern, die mit den Delfinen Tunfisch fischten, waren wir völlig allein! Die Delfine kamen sehr dicht ans Boot ran, und wir konnten auch die typischen Laute hören. Sehr beeindruckend!

Wir beobachten die Tiere fast eine Stunde lang und kauften dann noch einen 2 kg gerade gefangenen Tunfisch für weniger als 2 Euro.

Danach wollten wir, wie vorher vereinbart, zur Honda Bay, aber die Fischer machten sich Sorgen, wegen der Wellen, die aufgrund des Taifuns höher waren als sonst. Im weiteren Gespräch kam raus, dass sie mit dem kleinen Boot auch noch nie da waren. Wir wollten das dann auch nicht zum ersten Mal testen. (Auβerdem wurden hier übrigens vor einigen Jahren die Familie Wallert entführt, wegen etwas unglücklichen Umständen - eigentlich war nur geplant den Besitzer ihres Hotels zu entführen, aber der war leider nicht da.) Also fuhren sie uns zu einem Strand. Dieser war allerdings schlecht gewählt, denn es war gerade Low Tide und wir muβten fast einen halben Kilometer durch das seichte Wasser laufen, was ja grundsätzlich nicht schlimm ist, aber der Untergrund war morastig, so dass ich beim Laufen tief versunken bin und manchmal auch das Gefühl hatte, nicht wieder los zu kommen. Aber letztendlich sind wir alle heil angekommen und haben in einem Restaurant am Strand unseren Tuna zubereiten lassen und verspeist. Ich habe noch nie soviel Fisch auf einmal gegessen.

Am nächsten Tag war der 2. Dezember, der Tag, über den ich einen eigenen Block geschrieben habe, über unsere Fahrt zum Sugar Beach. Unsere Tage am Sugar Beach waren sehr schön und vor allen Dingen sehr entspannt. Der Schweizer Peter, der das Driftwood Village Ressort betreibt, hatte alles sehr gut eingerichtet, so dass es uns nach einigen Tagen ziemlich schwer fiel, wieder wegzufahren. Ich will gar nicht zu viel Werbung machen und auch nicht das Wort Paradies verwenden, aber es war wirklich einer der besten Plätze für pure Erholung, den wir auf unserer Reise entdeckt haben.

Hier habe ich mein erstes Erdbeben erlebt. Ich saβ auf der Veranda unserer Bambushütte, als diese plötzlich richtig zu wackeln anfing. Zuerst dachte ich, dass die Arbeiter irgendwie an der Hütte rütteln. Erst als ich die Dachbalken sich komisch bewegen sah wurde mir langsam klar - ein Erdbeben. Dann hörte es wieder auf, und ich konnte gar nicht fassen, das ich einfach wie starr sitzen geblieben bin, anstatt ins Freie zu gehen. Testweise bin ich kurz einmal hochgesprungen, aber dieses Mal hat sich die Hütte kein biβchen bewegt.

Olaf, der am Strand lag, kam gleich danach angelaufen. Er hatte gedacht, ich hätte an seiner Liege gerüttelt, bis es sich umgedreht hat und feststellte, dass da niemand war. Auch Ingrid, die sich ebenfalls in ihrer Hütte aufhielt, war nichts passiert. Olaf dachte gleich noch weiter - Tsunami? - und fragt nach. Es gab erstmalig seit diesem Jahr Erdbeben, das war das vierte und stärkste, aber es war nie eine groβe Welle hinterhergekommen. Dieses Mal zum Glück auch nicht.

Vom Sugar Beach sind wir mit einer Zwischenübernachtung in Bacolod nach Cebu gereist. Dort haben wir uns gestern die Stadt angesehen (eine stark frequentierte Kirche, das Kreuz des Magellans, das er kurz vor seinem Tod dort aufstellen lassen hat und Fort San Pedro) und waren noch etwas shoppen.

Mittlerweile sitzen wir am Flughafen, es sieht gut aus, dass unser Flüge heute planmäβig starten. Von Olafs Mutter, die die drei Wochen mit uns gereist ist, haben wir uns gerade schon verabschiedet. Gleich geht es nach Singapur und dann übermorgen weiter nach Perth, Australien - nach fast 5 Monaten in Asien einem neuem Kontinent.




Sugar Beach, 2. Dezember 2006 - 156. Tag

Ich will nach Mallorca - oder ein realistischer Reisetag im Leben einer Weltreisenden 

Am anstrengendsten sind immer die "Reisetage". Das sind die Tage, an denen wir uns von einem Ort an den anderen bewegen. Als ich gestern im staubigen Bus nach Sipalay saβ, habe ich beschlossen, dass ich von dem 1. Dezember 2006, der ein solcher "Reisetag" war, einen Tagesablauf niederschreibe. Der gestrige Tag ist wie folgt abgelaufen:

6.00 Uhr: Der Wecker klingelt. Olaf ist schon seit einer Stunde dabei auf unserem Laptop die Fotos von Manila für die Webseite zu sortieren. Ich dusche und fange an Sachen zu packen.

7.00 Uhr: Frühstück auf der Dachterrasse. Danach packen wir schnell Sachen zu Ende. Dabei sehen wir CNN und warten auf den Wetterbericht, um zu erfahren, in welche Richtung sich der Taifun über Manila bewegt. Wir haben Glück, er zieht nach Hong Kong ab. (Wir haben zufällig mal ein Hotel mit Fernseher.)

8.00 Uhr: Wir suchen ein Internetcafe, weil wir noch mal die Visavorschriften für Australien checken wollen. Das erste hat zu, denn heute ist Feiertag. Das zweite hat offen. Leider stellen wir fest, das die Internetverbindung nicht funktioniert. Wir suchen weiter nach einem Internetcafe. Die nächsten zwei haben zu - Feiertag. Wir haben noch ein geöffnetes Internetcafe gefunden, aber auch hier gibt es keine Internetverbindung. Es scheint ein Problem mit den Leitungen in der Stadt zu geben. Wir machen uns auf den Rückweg zum Hotel. Jetzt schaut uns schon der zweite Tricyclefahrer verständnislos an, als wir ihm unser Hotel nennen. Wir beschlieβen zurück zu laufen.

9.00 Uhr: Zurück im Hotel, wir checken aus und fragen nach einem Airportshuttle. Mit welcher Airline wir fliegen? Wieso - so viele Terminals kann der Airport hier doch nicht haben! Oh, Cebu Pacific Airline hat alle Flüge gestrichen, wegen des Taifuns. Wir fliegen Air Philippines, die akzeptieren zur Zeit noch Passagiere.

9.30 Uhr: Wir erreichen den Flughafen. Es ist total voll und es herrscht totales Chaos. Bei der ersten Gepäckdurchleuchtung fällt mein groβer Rucksack dreimal hinten wieder runter, irgendwas stimmt mit den Gepäckstück davor nicht. Dann stehen wir in der Schlange vor dem Check-in, zum Glück direkt vor einem von zwei Ventilatoren in der Halle. In der ziemlich kleinen Halle stehen mindestens 300 Leute.
Zwanzig Minuten später bin ich mir nicht mehr sicher, ob das so ein Glück war, vor dem Ventilator zu stehen. Es zieht ziemlich.

10.15 Uhr: Wir sind tatsächlich vorn angekommen. Wegen des Taifuns funktionieren die Buchungssysteme der Airline auch nicht. Daher wollen sie uns nicht nach Bacalod durchchecken, wir sollen in Cebu aussteigen. Wir protestieren, da wir mit dem selben Flieger weiterfliegen, werden wir das zeitlich nie schaffen. Ok, unser Gepäck wird durchgecheckt, wir müssen aber aussteigen. Wir insistieren erneut. Ok, sollen einfach im Flieger sitzen bleiben und warten, was uns vom Management gesagt wird. Aha, Hauptsache das wird und nicht als Sitzstreik ausgelegt.

10.25 Uhr: Wir stehen in der Schlange, um unsere Pässe in einem groβen Buch registrieren zu lassen. Warum? Keine Ahnung!

10.35 Uhr: Wir stehen in der Schlange um die Airporttax zu bezahlen. Für DEN Airport!

10.45 Uhr:  Das Durchleutungsgerät fürs Handgepäck ist kaputt. Es wird per Hand durchgesucht. Dann sitzen wir endlich in der Wartehalle.

11.30 Uhr: Eigentlich sollte jetzt unser Flugzeug fliegen, aber es steht noch nicht mal eine Maschine auf dem Rollfeld. Durchsage? Fehlanzeige, ist jawohl offensichtlich, das kein Flieger da ist. Unsere Vermutung: Der Taifun ist schuld!

11.50 Uhr: Ein Flieger landet.

12.20 Uhr: Wir werden gebordet. Endlich geht es los! Es gibt sogar etwas zu essen an Bord. Das ist mit Abstand das abgespaceste Essen, das ich je hatte, bestehend aus drei schwerzuöffnenden Tüten. Tüte Nummer eins enthält eine "Käserolle", die aber mehr nach aufgepumpten Maismehl schmeckt, mit einer süβen Ummantelung. Tüte Nummer zwei enthält einen Kuchen, der innen dunkelrot ist mit einer dünnen braunen Ummantelung. Geschmack ist wie die Farbe sehr chemisch. Tüte Nummer drei enthält kleine aus Reismehl hergestellte Würmer. Farbe grasgrün. Das braune Getränk, das ebenfalls abgepackt gereicht wurde, habe ich mal lieber nicht ausprobiert.

13.40 Uhr: Wir landen in Cebu und bleiben im Flieger sitzen. Groβe Überraschung, wir bekommen sogar neue Bordingpässe gereicht und ziehen sechs Reihen nach vorn. Nach Neubefüllung des Flugzeuges stelle ich fest, dass wir die einzigen Ausländer an Bord sind. Das läβt mal wieder auf "road less travelled" schlieβen.

14.30 Uhr: Wir landen ein Bacolod. Die Ankunftshalle ist ein offener Raum, aber es gibt tatsächlich ein Gepäckband. Nachdem wir den Flughafen verlassen haben werden wir von 10 Taxifahrern belagert. - Wir: Zum Südbusterminal? Die: 150 Peso! Wir: No. 60 Peso!
Die: No. 150 Peso. Wir einigen uns schließlich auf 100 Pesos. Ein Mann schnappt sich meinen Rucksack und läuft los. Ich hinterher. Neben mir laufen noch zwei Kinder mit ausgestreckter Hand: "Give me money!" - Ich: "NO!" (und denke - Sorry, aber das wäre Erziehung zur Bettelei). Der Mann mit meinem Rucksack läuft zum Glück zu dem richtigen Taxi und verlangt erstaunlicherweise auch fürs Tragen kein Geld!

14.57 Uhr: Wir erreichen den Busbahnhof. Der Taxifahrer zeigt auf einen Bus, der in unsere Richtung fährt. Wir verladen unser Gepäck und bekommen sogar noch eine Dreierbank. Olaf fragt im Terminal vorsichtshalber noch mal nach, ob das der richtige Bus ist und ob wir vorher Busfahrkarten kaufen müssen. Bus ist richtig, die 149 Peso pro Person müssen auf der Fahrt bezahlt werden. Ich warte solange und werde durchs offene Fenster von auβen ständig angestoβen, ob ich nicht Sonnenbrillen, Uhren, Obst etc. kaufen möchte? "No, no, noooo ...!"

15.10 Uhr: Wir brauchen noch Wasser für die Fahrt. Ich laufe los und kaufe zwei Flaschen und vorsichtshalber eine Tüte Chips. Dann sehe ich die frischen Donuts bei Mister Donut und kaufe noch für jeden einen. Die Donuts sind extrem lecker, ich laufe los und kaufe noch mal eine 6-er Box. Zwischenzeitlich haben wir rausgefunden, dass der Bus erst 15.45 Uhr losfährt.

15.45 Uhr: Der Bus fährt pünktlich los! Quasi ein Wunder!

16.00 Uhr: Wir halten alle Nase lang an, es steigen noch welche zu, oder aus! Fast alle Fenster sind auf und die Tür, neben der wir sitzen. Es zieht extrem, aber zumindest sind die Straβen asphaltiert.

18.00 Uhr: Die Sonne geht unter. Im Dunkeln irgendwo anzukommen ist immer suboptimal. Ich schaue noch mal im Reiseführer nach, die Fahrtzeit für die 171 km beträgt 4,5 Stunden. Jetzt rächt sich unsere Verspätung mit dem Flieger. Um vor Ort zu unserem Hauptziel zu kommen, müssen wir noch mal mit einem Boot fahren, oder mit einem Tricycle bis zu einem Fluss, wo einen ein Boot übersetzt und man dann zu Fuβ weiterläuft. Einen der beide Wege im Dunkeln noch zu bestreiten, ist eher unwahrscheinlich. Also lese nach welche Übernachtungsmöglichkeiten es in dem nächsten Ort gibt. Es stehen keine drin! (Kein gutes Zeichen!) Das haben wir jetzt von "road less travelled". Zur Beruhigung mache ich erst mal die Chips auf.

18.30 Uhr: Wir machen einen längeren Halt in einer gröβeren Stadt. (Ich denke, wir verlieren noch mehr Zeit!)

19.00 Uhr: Wir fahren weiter! Der Bus ist jetzt vollgestopft, es gibt auch keine Stehplätze mehr.

19.45 Uhr: Der Bus ist wieder leerer. Dafür sieht es drauβen auch nicht mehr sehr bewohnt aus. Wir fahren enge kurvige Straβen lang und langsam kann ich auch nicht mehr sitzen. Aber am meisten Sorgen mache ich mir wegen der Unterkunft heute nacht, zumal wir unser Zelt und sonstiges Zubehör in Singapur deponiert haben. Ich schau Olaf an und sage: "Ich will nach Mallorca! - An die einsamen Strände!" Übersetzt heiβt dass: "Können wir nicht mal was machen, was normale andere Menschen auch tun?" In diesem Moment greifen von hinten zwei Kinderhände in meine Haare! Schön, dass ist bestimmt das erste Mal, dass sie an blonden Haaren ziehen durften!

20.30 Uhr: Wir erreichen Sipalay. Laute Rocktöne sind zu hören. Aber es gibt eine gute Nachricht: Es gibt ein Pensionhouse!  Wir fahren mit einem Fahrradtricycle hin. Als wir dort ankommen die schlechte Nachricht: Sie ist ausgebucht, wegen des Rockkonzertes. Aber es gibt wohl noch ein neues Hotel. Dort fahren wir als nächstes hin. Es ist unbeleuchtet und es ist nur ein Mann als Security dort. Der läuft aber los, als er von unserem Anliegen hört.

20.50 Uhr: Plötzlich tauchen doch noch einige Menschen auf. Das Hotel entpuppt sich als halbe Baustelle. Aber es gibt ein Dreibettzimmer für den Erpresserpreis von 2200 Pesos (ca. 44 US-$). Aber wir haben keine Auswahl, also bleiben wir hier.

21.10 Uhr: Wir beschlieβen noch mal beim Rockkonzert vorbeizusehen, hören tun wir es ja sowieso.

21.20 Uhr: Das Konzert ist for free und findet am Strand statt. Der Strand sieht extrem gut aus - langer und schöner Sand. Ich bin schon fast versöhnt. Wir sind übrigens die einzigen Touristen hier! Olaf holt uns erst mal ein Bier! Wir setzten uns und stellen fest, dass beim Konzert durchaus bekannte Lieder gesungen werden, die aber so schlecht gesungen werden, dass wir Schwierigkeiten haben, sie zu raten. Dafür sind die Mädels aber extrem knapp bekleidet und sehr gut gebaut, besonders im oberen Bereich.

21.45 Uhr: Ich beschließe, uns noch etwas zum Abendessen zu besorgen. Schlieβlich hatten wir nach dem Frühstück nur das Spaceessen im Flugzeug, die Donuts und die Chips. Ich finde einen kleinen Grillstand, leider hatte ich nicht damit gerechnet, dass das Grillen von 6 Spieβen über eine halbe Stunde dauert. In der Zwischenzeit taucht Olaf zwei Mal auf und fragt, was ich solange mache. Es haben sich auβerdem mehrere Jungen im Alter von 10 Jahren angefunden, die meine Gröβe bestaunen. Ich fange an, mich wie ein Riese zu fühlen.

22.20 Uhr: Wir können essen. Die Spieβe schmecken lecker. Dazu gibt es mein zweites Bier!

22.40 Uhr: Wir machen uns auf den Rückweg zum Hotel.

23.00 Uhr: Ich liege im Bett und denke "Die Reisetage sind immer am anstrengendsten!"

Nachtrag: Heute früh sind wir um 6 Uhr aufgestanden. (Ich war auch ohne Wecker so früh wach!) Wir haben herausgefunden, dass es in Sipalay keinen guten Ort zum Frühstücken gibt und haben ein Boot zum Sugar Beach organisiert. Dann haben wir die Sachen aus dem Hotel geholt und sind ca. 20 Minuten mit dem Boot gefahren. Dort angekommen hat uns schon der Schweizer Peter empfangen. Es gab richtiges Frühstück! Danach konnten wir uns unseren Bungalow aussuchen und jetzt - JETZT liegen wir am einsamen Strand. Mallorca kann also doch noch etwas warten!

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