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Alltag einer Weltreisenden

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Alltag einer Weltreisenden

Am anstrengendsten sind immer die "Reisetage". Das sind die Tage, an denen wir uns von einem Ort an den anderen bewegen. Als ich gestern im staubigen Bus nach Sipalay saβ, habe ich beschlossen, dass ich von dem 1. Dezember 2006, der ein solcher "Reisetag" war, einen Tagesablauf niederschreibe. Der gestrige Tag ist wie folgt abgelaufen:
6.00 Uhr: Der Wecker klingelt. Olaf ist schon seit einer Stunde dabei auf unserem Laptop die Fotos von Manila für die Webseite zu sortieren. Ich
dusche und fange an Sachen zu packen.

7.00 Uhr: Frühstück auf der Dachterrasse. Danach packen wir schnell Sachen zu Ende. Dabei sehen wir CNN und warten auf den Wetterbericht, um zu erfahren, in welche Richtung sich der Taifun über Manila bewegt. Wir haben Glück, er zieht nach Hong Kong ab. (Wir haben zufällig mal ein Hotel mit Fernseher.)

8.00 Uhr: Wir suchen ein Internetcafe, weil wir noch mal die Visavorschriften für Australien checken wollen. Das erste hat zu, denn heute ist Feiertag. Das zweite hat offen. Leider stellen wir fest, das die Internetverbindung nicht funktioniert. Wir suchen weiter nach einem Internetcafe. Die nächsten zwei haben zu - Feiertag. Wir haben noch ein geöffnetes Internetcafe gefunden, aber auch hier gibt es keine Internetverbindung. Es scheint ein Problem mit den Leitungen in der Stadt zu geben. Wir machen uns auf den Rückweg zum Hotel. Jetzt schaut uns schon der zweite Tricyclefahrer verständnislos an, als wir ihm unser Hotel nennen. Wir beschlieβen zurück zu laufen.

9.00 Uhr: Zurück im Hotel, wir checken aus und fragen nach einem Airportshuttle. Mit welcher Airline wir fliegen? Wieso - so viele Terminals kann der Airport hier doch nicht haben! Oh, Cebu Pacific Airline hat alle Flüge gestrichen, wegen des Taifuns. Wir fliegen Air Philippines, die akzeptieren zur Zeit noch Passagiere.

9.30 Uhr: Wir erreichen den Flughafen. Es ist total voll und es herrscht totales Chaos. Bei der ersten Gepäckdurchleuchtung fällt mein groβer Rucksack dreimal hinten wieder runter, irgendwas stimmt mit den Gepäckstück davor nicht. Dann stehen wir in der Schlange vor dem Check-in, zum Glück direkt vor einem von zwei Ventilatoren in der Halle. In der ziemlich kleinen Halle stehen mindestens 300 Leute.
Zwanzig Minuten später bin ich mir nicht mehr sicher, ob das so ein Glück war, vor dem Ventilator zu stehen. Es zieht ziemlich.

10.15 Uhr: Wir sind tatsächlich vorn angekommen. Wegen des Taifuns funktionieren die Buchungssysteme der Airline auch nicht. Daher wollen sie uns nicht nach Bacalod durchchecken, wir sollen in Cebu aussteigen. Wir protestieren, da wir mit dem selben Flieger weiterfliegen, werden wir das zeitlich nie schaffen. Ok, unser Gepäck wird durchgecheckt, wir müssen aber aussteigen. Wir insistieren erneut. Ok, sollen einfach im Flieger sitzen bleiben und warten, was uns vom Management gesagt wird. Aha, Hauptsache das wird und nicht als Sitzstreik ausgelegt.

10.25 Uhr: Wir stehen in der Schlange, um unsere Pässe in einem groβen Buch registrieren zu lassen. Warum? Keine Ahnung!

10.35 Uhr: Wir stehen in der Schlange um die Airporttax zu bezahlen. Für DEN Airport!

10.45 Uhr:  Das Durchleutungsgerät fürs Handgepäck ist kaputt. Es wird per Hand durchgesucht. Dann sitzen wir endlich in der Wartehalle.

11.30 Uhr: Eigentlich sollte jetzt unser Flugzeug fliegen, aber es steht noch nicht mal eine Maschine auf dem Rollfeld. Durchsage? Fehlanzeige, ist jawohl offensichtlich, das kein Flieger da ist. Unsere Vermutung: Der Taifun ist schuld!

11.50 Uhr: Ein Flieger landet.

12.20 Uhr: Wir werden gebordet. Endlich geht es los! Es gibt sogar etwas zu essen an Bord. Das ist mit Abstand das abgespaceste Essen, das ich je hatte, bestehend aus drei schwerzuöffnenden Tüten. Tüte Nummer eins enthält eine "Käserolle", die aber mehr nach aufgepumpten Maismehl schmeckt, mit einer süβen Ummantelung. Tüte Nummer zwei enthält einen Kuchen, der innen dunkelrot ist mit einer dünnen braunen Ummantelung. Geschmack ist wie die Farbe sehr chemisch. Tüte Nummer drei enthält kleine aus Reismehl hergestellte Würmer. Farbe grasgrün. Das braune Getränk, das ebenfalls abgepackt gereicht wurde, habe ich mal lieber nicht ausprobiert.

13.40 Uhr: Wir landen in Cebu und bleiben im Flieger sitzen. Groβe Überraschung, wir bekommen sogar neue Bordingpässe gereicht und ziehen sechs Reihen nach vorn. Nach Neubefüllung des Flugzeuges stelle ich fest, dass wir die einzigen Ausländer an Bord sind. Das läβt mal wieder auf "road less travelled" schlieβen.

14.30 Uhr: Wir landen ein Bacolod. Die Ankunftshalle ist ein offener Raum, aber es gibt tatsächlich ein Gepäckband. Nachdem wir den Flughafen verlassen haben werden wir von 10 Taxifahrern belagert. - Wir: Zum Südbusterminal? Die: 150 Peso! Wir: No. 60 Peso!
Die: No. 150 Peso. Wir einigen uns schließlich auf 100 Pesos. Ein Mann schnappt sich meinen Rucksack und läuft los. Ich hinterher. Neben mir laufen noch zwei Kinder mit ausgestreckter Hand: "Give me money!" - Ich: "NO!" (und denke - Sorry, aber das wäre Erziehung zur Bettelei). Der Mann mit meinem Rucksack läuft zum Glück zu dem richtigen Taxi und verlangt erstaunlicherweise auch fürs Tragen kein Geld!

14.57 Uhr: Wir erreichen den Busbahnhof. Der Taxifahrer zeigt auf einen Bus, der in unsere Richtung fährt. Wir verladen unser Gepäck und bekommen sogar noch eine Dreierbank. Olaf fragt im Terminal vorsichtshalber noch mal nach, ob das der richtige Bus ist und ob wir vorher Busfahrkarten kaufen müssen. Bus ist richtig, die 149 Peso pro Person müssen auf der Fahrt bezahlt werden. Ich warte solange und werde durchs offene Fenster von auβen ständig angestoβen, ob ich nicht Sonnenbrillen, Uhren, Obst etc. kaufen möchte? "No, no, noooo ...!"

15.10 Uhr: Wir brauchen noch Wasser für die Fahrt. Ich laufe los und kaufe zwei Flaschen und vorsichtshalber eine Tüte Chips. Dann sehe ich die frischen Donuts bei Mister Donut und kaufe noch für jeden einen. Die Donuts sind extrem lecker, ich laufe los und kaufe noch mal eine 6-er Box. Zwischenzeitlich haben wir rausgefunden, dass der Bus erst 15.45 Uhr losfährt.

15.45 Uhr: Der Bus fährt pünktlich los! Quasi ein Wunder!

16.00 Uhr: Wir halten alle Nase lang an, es steigen noch welche zu, oder aus! Fast alle Fenster sind auf und die Tür, neben der wir sitzen. Es zieht extrem, aber zumindest sind die Straβen asphaltiert.

18.00 Uhr: Die Sonne geht unter. Im Dunkeln irgendwo anzukommen ist immer suboptimal. Ich schaue noch mal im Reiseführer nach, die Fahrtzeit für die 171 km beträgt 4,5 Stunden. Jetzt rächt sich unsere Verspätung mit dem Flieger. Um vor Ort zu unserem Hauptziel zu kommen, müssen wir noch mal mit einem Boot fahren, oder mit einem Tricycle bis zu einem Fluss, wo einen ein Boot übersetzt und man dann zu Fuβ weiterläuft. Einen der beide Wege im Dunkeln noch zu bestreiten, ist eher unwahrscheinlich. Also lese nach welche Übernachtungsmöglichkeiten es in dem nächsten Ort gibt. Es stehen keine drin! (Kein gutes Zeichen!) Das haben wir jetzt von "road less travelled". Zur Beruhigung mache ich erst mal die Chips auf.

18.30 Uhr: Wir machen einen längeren Halt in einer gröβeren Stadt. (Ich denke, wir verlieren noch mehr Zeit!)

19.00 Uhr: Wir fahren weiter! Der Bus ist jetzt vollgestopft, es gibt auch keine Stehplätze mehr.

19.45 Uhr: Der Bus ist wieder leerer. Dafür sieht es drauβen auch nicht mehr sehr bewohnt aus. Wir fahren enge kurvige Straβen lang und langsam kann ich auch nicht mehr sitzen. Aber am meisten Sorgen mache ich mir wegen der Unterkunft heute nacht, zumal wir unser Zelt und sonstiges Zubehör in Singapur deponiert haben. Ich schau Olaf an und sage: "Ich will nach Mallorca! - An die einsamen Strände!" Übersetzt heiβt dass: "Können wir nicht mal was machen, was normale andere Menschen auch tun?" In diesem Moment greifen von hinten zwei Kinderhände in meine Haare! Schön, dass ist bestimmt das erste Mal, dass sie an blonden Haaren ziehen durften!

20.30 Uhr: Wir erreichen Sipalay. Laute Rocktöne sind zu hören. Aber es gibt eine gute Nachricht: Es gibt ein Pensionhouse!  Wir fahren mit einem Fahrradtricycle hin. Als wir dort ankommen die schlechte Nachricht: Sie ist ausgebucht, wegen des Rockkonzertes. Aber es gibt wohl noch ein neues Hotel. Dort fahren wir als nächstes hin. Es ist unbeleuchtet und es ist nur ein Mann als Security dort. Der läuft aber los, als er von unserem Anliegen hört.

20.50 Uhr: Plötzlich tauchen doch noch einige Menschen auf. Das Hotel entpuppt sich als halbe Baustelle. Aber es gibt ein Dreibettzimmer für den Erpresserpreis von 2200 Pesos (ca. 44 US-$). Aber wir haben keine Auswahl, also bleiben wir hier.

21.10 Uhr: Wir beschlieβen noch mal beim Rockkonzert vorbeizusehen, hören tun wir es ja sowieso.

21.20 Uhr: Das Konzert ist for free und findet am Strand statt. Der Strand sieht extrem gut aus - langer und schöner Sand. Ich bin schon fast versöhnt. Wir sind übrigens die einzigen Touristen hier! Olaf holt uns erst mal ein Bier! Wir setzten uns und stellen fest, dass beim Konzert durchaus bekannte Lieder gesungen werden, die aber so schlecht gesungen werden, dass wir Schwierigkeiten haben, sie zu raten. Dafür sind die Mädels aber extrem knapp bekleidet und sehr gut gebaut, besonders im oberen Bereich.

21.45 Uhr: Ich beschließe, uns noch etwas zum Abendessen zu besorgen. Schlieβlich hatten wir nach dem Frühstück nur das Spaceessen im Flugzeug, die Donuts und die Chips. Ich finde einen kleinen Grillstand, leider hatte ich nicht damit gerechnet, dass das Grillen von 6 Spieβen über eine halbe Stunde dauert. In der Zwischenzeit taucht Olaf zwei Mal auf und fragt, was ich solange mache. Es haben sich auβerdem mehrere Jungen im Alter von 10 Jahren angefunden, die meine Gröβe bestaunen. Ich fange an, mich wie ein Riese zu fühlen.

22.20 Uhr: Wir können essen. Die Spieβe schmecken lecker. Dazu gibt es mein zweites Bier!

22.40 Uhr: Wir machen uns auf den Rückweg zum Hotel.

23.00 Uhr: Ich liege im Bett und denke "Die Reisetage sind immer am anstrengendsten!"

Nachtrag: Heute früh sind wir um 6 Uhr aufgestanden. (Ich war auch ohne Wecker so früh wach!) Wir haben herausgefunden, dass es in Sipalay keinen guten Ort zum Frühstücken gibt und haben ein Boot zum Sugar Beach organisiert. Dann haben wir die Sachen aus dem Hotel geholt und sind ca. 20 Minuten mit dem Boot gefahren. Dort angekommen hat uns schon der Schweizer Peter empfangen. Es gab richtiges Frühstück! Danach konnten wir uns unseren Bungalow aussuchen und jetzt - JETZT liegen wir am einsamen Strand. Mallorca kann also doch noch etwas warten!

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