Saigon, 23. Oktober 2006
Don Keimo und Salmonella, Westen ohne Charme und Miss Saigon
Don Keimo und Salmonella, Westen ohne Charme und Miss Saigon
Leider habe ich meine Berichterstattung die letzte Zeit ziemlich schleifen lassen. Daher moechte ich dies heute umso ausfuehrlicher nachholen, um von unserer Leserschaft weiterhin mit Fanpost ueberhaeuft zu werden (Schreibt uns hier!).
Alles begann mit Don Keimo und Salmonella, die uns nach unserer Rueckkehr aus Tibet in der suedchinesischen Touristenhochburg Lijiang ziemlich fies erwischt hatten. Wir hatten von der von Mr. Yang
(unserem Fahrer in Tibet) zwar sehr liebevoll ausgesuchten chinesischen Kost bestehend aus gegarten Gemuese und Fleisch zusammen mit Reis ziemlich die Nase voll. Da traf es sich gut, dass in Lijiang das vom Lonely Planet angepriesene “Praque Café” jede Menge westlicher Gerichte wir Hamburger, Pizza und Sandwiches auf der Speisekarte hatte. In unserer Euphorie ueber dieses tolle Essen gepaart mit einer gemuetlichen Umgebung haben wir unsere Vorsicht ausser acht gelassen und tatsaechlich die Majonaise auf dem Sandwich akzeptiert. Dies hatte sich dann auch prompt mit den hier nicht naeher auszufuehrenden extreme gewichtverringernden Erscheinungen inkl. Fieber geraecht. Sabine hatte es leider ebenso wie mich dahingerafft, so dass wir unsere Weiterreise verschieben mussten und in unseren naechsten Station Kunming zweit Tage das ziemlich angenehme 4 Sterne Hotelzimmer fuer 35 EUR inkl. Fruehstueck die Nacht so gut wie nicht verlassen haben. Stattdessen haben wir auf dem Zimmer erhaeltlichen HBO Kanal mit amerikanischen Spielfilmen (besonders erwaehnenswert: “Hellboy”) mehr oder weniger ganztaegig in Benutzung gehabt. Nicht weiter ausfuehren moechte ich meinen Versuch, den Betreiber des “Prague Café” mittels chinesischer Polizei zur Rechenschaft zu ziehen. Mehr als das mitleidige Laecheln verschiedenen Polizeibeamter, die allesamt kein Englisch sprachen, und schliesslich 100 Yuan (10 EUR) Schmerzensgeld hat mir die Aktion leider nicht eingebracht.
Nachdem wir das ansonsten sehr schoene, wenn auch ziemlich touristisierte Lijiang nur zu Haelfte geniessen konnten und auch die einzige Sehenswuerdigkeit in Kunming (den “Steinwald” von Shilin) aufgrund unseres geschwaechten Zustandes verpasst hatten haben wir dann aber noch einen Blick auf einer DER Sehenswuerdigkeiten Suechinas werfen koennen – die Karsthuegel von Guilin. Trotz des regen touristischen Treibens dieses auch bei Chinesen sehr beliebten Urlaubsziels empfanden wir die Stadt doch als ziemlich entspannt und konnten jetzt auch wieder mehr die aussergewoehnliche Natur dieser Region wenn auch nur fuer einen Tag geniessen. Danach ging es weiter per Flug nach Shenzen, der chinesischen Sonderwirtschaftszone, die an Hong Kong grenzt. Dort sind wir aber am Flughafen direct in den Bus nach Hong Kong gestiegen und waren mit einem Mal wieder im Westen. Besonders angenehm war, dass es hier freie Medien inkl. deutscher Zeitungen erhaeltlich waren. Die chinesische Staatspropaganda auf dem einzigen englischsprachigen Sender des Landes CCTV 9 und der Tageszeitung China Daily ging mir nach 1,5 Monaten dann doch ziemlich auf die Nerven.
Hong Kong hat mich als Stadt sehr enttaeuscht und ich wuerde es mal als Westen ohne Charme bezeichnen. Meine ehemalige Amazon Kollegin Veronique, die inzwischen hier wohnt und mit der wir uns getroffen haben, scheint sich zwar wohlzufuehlen und geniesst besonders, dass franzoesischer Kaese und Wein hier jederzeit erhaeltlich sind. Das sind sie aber auch bei uns in Hamburg. Dort gibt es auch ertraegliches Klima, ohne dass man staendig aus des Tropenhitze in einen klimatisierten Raum und von der dortigen Kaelte nach kurzer Zeit wieder in die Tropenhitzte fliehen muss. Neben den wenigen wirklichen Attraktionen, wie beispielsweise der Victoria Peak, von dem man abends einen wunderbaren Ausblick auf die beleuchtete 14 Millionen Stadt hat, haben wir vor alem die neuesten Filme in den lokalen Kinos geguckt und die Zeit fuer Shopping genutzt. Hier haben wir auch ein Laptop erstanden, welches uns die Sicherung unsere Fotos ereichter ud mit dem sich auch die Website leichter pflegen laesst.
Vor vier Tagen haben wir China verlassen, welches uns als Land doch ziemlich beeindruckt hat. Mit Abstand am meisten hat mich Tibet beeindruckt, was ja nicht wirklich China ist. Wir sind abends per United Airlines Flug in Saigon eingetroffen und haben gleich festgestellt, dass in diesem Land ein ganz andere Rythmus herrscht. Hier merkt man von dem offzielle herrschenden Kommunismus viel weniger als in China. Es gibt deutlich mehr auslaendische Touristen und die Tourismusindustrie ist erstaunlich gut und professionell entwickelt. In dem Backpackergebiet, in dem wir abgestiegen sind, herrscht Partystimmung und die Bars lassen sich kaum von denen auf dem Hamburger Kiez und sonstwo in Europa unterscheiden. Nur das Preisniveau ist deutlich niedriger. Neben einem Ausflug in das Mekong-Delta hat mich besonders die Geschichte des Vietnam Krieges, die man hier an vielen Stellen hautnah nachvollziehen kann, beeindruckt. Wenn die Bilder im Kriegsmuseum von Saigon sieht und einen vietnamesischen Kriegsveteranen, der fuer die falsche Seite, also die Amerikaner, gekaempft hat, reden hoert, bekommt man noch einen ganz anderen Blick auf die heutigen Ereignisse im Irak. Es ist schon verwunderlich, wie kurz das Gedaechtnis der Menschen in diesem Fall insbesondere das der Amerikaner ist. Wenn man gesehen hat, wie brutal Amerikaner und Vietcong gegeneinander gekaempft haben und dazu noch weiss, dass die eigentlichen Gruende fuer den Vietnamkrieg in der Kolonialgeschichte wurzeln, in der die Franzosen einen nicht gerade ruehmliche Rolle gespielt haben, ist es umso verwunderlicher, mit welcher Freundlichkeit und Natuerlichkeit westliche Touristen heute in diesem Land empfangen werden.

