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Fotomotive der Weltreise
Sabine's Blog August 06

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Sabine's Blog August 06

Mongolei 23.-31. August 2006 - 55.-63.Tag
 
Weites Land - 9 Tage durch die Mongolei
 
Vorab muß ich unbedingt los werden, dass wir von der Mongolei als Reiseland total positiv überrascht sind, es ist relativ einfach zu bereisen, verhältnismäβig günstig, tolle Landschaft und auch ein biβchen Abenteuer (vor allen Dingen das Auto fahren)! Daher von uns 5 Sterne!

Tag 1 - Introduction
Am nächsten Tag haben wir uns zu DER Sehenswürdigkeit
in der Nähe von Xian aufgemacht, die jeder Chinareisende gesehen haben muss - die Terrakotta  Armee. Das war zumindest mein Eindruck, als wir dort waren, unglaublich viele Touristen. Wir konnten der Versuchung im Hotel erfolgreich widerstehen, eine Tour dahin zu buchen, die noch zig andere Sachen beinhaltet hat, insbesondere aber den Besuch in zahlreichen Shopping-Centern. Wir haben uns also auf den Weg zum Bahnhof gemacht, von dort aus fährt der Bus 306 ca. eine Stunde für 0,70 Euro pro Person zum gewünschten Ziel, und macht, sofern man das ebenfalls besichtigen möchte, bei den auf der Strecke liegenden anderen Sehenswürdigkeit halt. Als wir am Bahnhof ankamen sahen wir gerade einen Bus wegfahren, wobei uns gedeutet wurde, dass dieser zur Haltestelle vorfährt. Wir sind also hinterher gerannt und als ich um die Ecke kam, konnte ich meinem Augen kaum trauen, da an der Haltestelle ca. 200 andere Personen in einer sich mehrfach biegenden Schlange anstanden. Spontan hatte ich mit einer Wartezeit von zwei Stunden gerechnet, wurde aber positiv vom Organisationstalent der Chinesen überrascht. Der erste Bus fuhr vor und wurde bis auf den letzten Platz gefüllt, direkt im Anschluβ kam der nächste Bus. Auβerdem sorgten Ordner (mit Unterstützung von Olaf) dafür, dass alle sich richtig in die Schlange einreihen, und so saβen wir 30 Minuten später im fünften Bus.


Überall in Ulan Bator werden die verschiedensten Touren durch das Land angeboten, wobei man meistens ein Auto plus Fahrer mietet, der einen dann für eine bestimmte Zeit eine vorbestimmte Strecke chauffiert. Die maximale Personenzahl ist 6 Personen und je nach dem wie viele andere Interessten sich für eine Tour finden, desto günstiger wird der Trip.
 
Wir haben uns nicht für eine Tour in die Wüste Gobi entschieden, sondern für einen Nordloop mit Zwischenstopps an zwei Seen. Mit uns fahren Yafeh aus Paris, Krysta aus Kanada, und Louise und Line aus Kopenhagen. Mehr als das wissen wir bis jetzt auch noch nicht, werden wir aber bestimmt in den nächsten 9 Tagen rausfinden. Auβerdem ist unser Fahrer Otto mit an Bord, der aber nichts mit dem Schulbusfahrer von den Simpsons gemein hat. Unser Fahrzeug ist ein "Russen-Jeep", diese kennen wir schon von unserem Ausflug auf der Insel Olchon.
 
Bis zur letzten Minute war nicht klar ob, oder in welcher Besetzung wir unsere Tour starten werden, da Louise, die einen Tag vorher von der Gobi-Tour wiedergekommen war, extreme Probleme mit ihrem Magen hatte. Letztendlich war sie aber wieder auf den Punkt fit und so konnten wir, wie geplant, unsere Tour starten.
 
Und hier ist unsere geplante Tour:
Tag 1: Ulan Bator - smal sand dune - Kharkhorin
Tag 2: Tsegserleg town - Chulunt Canyon - White Lake
Tag 3: freier Tag am White Lake
Tag 4: Moron town
Tag 5: Kovsgol Lake
Tag 6: freier Tag am Kovsgol Lake
Tag 7: Moron town - Khutag-Ondor
Tag 8: Amarbayasgalant temple
Tag 9: zurück nach Ulan Bator (und abends fährt unser Zug nach China)
 
Der erste Weg führte uns aber in den Supermarkt, wo wir uns für die nächsten Tage Vorräte kauften. Unsere erste Tagesstation war Karakorum, eine Stadt, die unter Chinggis Khaan Hauptstadt der Mongolei war. Der Weg dahin führte uns über sehr schlechte Straβen, wobei mir zum ersten mal klar wurde, warum die Russen ihre Straβen nicht asphaltieren. Denn asphaltierte Straβen mit groβen Löchern können viel schlimmer sein als nicht asphaltierte Straβen. Auβerdem hatten wir einen Zwischenstopp bei einer kleinen Sanddüne, die wie mitten in die Landschaft gekippt aussah. Die Fahrt war dennoch sehr abwechlsungsreich, was auch an den vielen Herden freilaufender Pferde, Ziegen, Schafe, Rinder oder Jaks lag, die sich meistens auch direkt auf der Strasse standen, aber ziemlich gut auf hupen trainiert zu sein schienen.
 
Bevor wir unsere erste Nacht in einem Ger verbringen konnten, hatten wir allerdings noch unsere erste Panne mit unserem Auto.
 
Das Ger, die mongolische Jurte, in der wir übernachtet haben, ist rund und innen erstaunlich geräumig, so dass 6 Betten im Kreis gestellt hineinpassen. In der Mitte befindet sich ein kleiner Ofen mit Abluftrohr nach auβen, der allerdings nicht befeuert wurde, ein Tisch und 6 Hocker, die von der Höhe her an Schneewittchen und die 7 Zwerge erinnern, komplettieren das Bild. Im Hof befindet sich ein Waschtisch und ein Plumpsklo.
 
Zum Abendbrot gab es gefüllte Nudeltaschen, die den groβen Pelmeni ähnelten. Nachdem die Sonne untergegangen war gab es einen Sternenhimmel, an dem sogar die Milchstraβe zu sehen war.
 
Tag 2 - Kalte Nacht und unendliche Weite
 
Die letzte Nacht war sehr kalt. Krysta und Yafeh, die keinen Schlafsack mit dabei haben, haben allerdings am allermeisten gefroren. Krysta meinte, es sei ihrere kälteste Nacht in ihrem Leben gewesen - und sie kommt aus Kanada.
 
Heute morgen haben wir als erstes den buddhistischen Tempel hier in der Stadt besucht. Der durch eine Mauer eingegrenzte Bereich war riesig, aber sehr klein im Vergleich zu dem Rest der groβen Ebene, auf der wir uns befanden. Gerade dadurch konnte man die Weite diese Landes richtig spüren und den Himmel an dem man hier irgendwie näher dran ist. Die Tempel selbst waren klein, aber schön mit Wandteppichen, Wandmalerein und Figuren ausgestattet.
 
Danach hatten wir einen ziemlich langen Fahrttag zu bewältigen. Zum Mittag haben wir in der kleinen Stadt Tsertserleg gehalten, wo ein englisches Ehepaar ein Guesthouse betreibt und ein Restaurant in dem es sehr leckeres Essen und echten Espresso gab (Empfehlung: Steak-Sandwich). Am Nachmittag hatten wir noch einen Stop an einen Canyon, der allerdings noch nicht allzu tief war. Genau zum Sonnenuntergang erreichten wir unser Camp am White Lake, einem See vulkanischen Ursprungs.
 
Das Ger, dass sich nur wenige Meter vom See entfernt befindet, ist ähnlich eingerichtet wie in der ersten Nacht, nur mit viel mehr Wandschmuck. Dieses Mal haben unserer Gastgeber es auch gleich beheizt, was extrem zur Gemütlichkeit beigetragen hat.
 
Tag 3 - Zelttest
 
Heute war unser "autofreier" Tag am White Lake. Den haben wir zuerst mal zur Entspannung genutzt. Wir waren im See baden + uns waschen. Auβerdem haben wir beschlossen in der geschützen Umgebung mal unser Zelt auszuprobieren, da wir es in Deutschland nicht mehr geschafft hatten, vorher einmal unser Zelt aufzubauen und darin zu schlafen. Hier können wir, im Falle eines Falles, jederzeit wieder ins Ger zurück. Das Zelt steht schonmal und sieht immer noch sehr gut aus. Leider hat es heute nachmittag etwas geregnet. Ich hoffe, dass die Nacht trocken bleibt.
 
Abends waren unsere vier MitGEReisten mit Pferden unterwegs. Wir haben die Zeit genutzt um einen nahen Berg zu erklimmen. Erst als mein Atem beim Aufstieg wegblieb, ist mir erstmal bewusst geworden, dass wir uns hier in einer ziemlichen Höhe befinden. Auch die Landschaft erinnert sehr an die Alpen und es gibt tausende von Edelweiss. Oben angekommen, wurden wir mit einem fantastischen Blick über den See belohnt und einer absoluten Ruhe und Friedlichkeit.
 
Tag 4 - Hard Driver
 
Wir und unser Zelt haben die letzte Nacht gut überstanden. Obwohl es durchgehend geregnet hat und sehr windig war, ist keine Feuchtigkeit zu uns vorgedrungen. Dafür mussten wir es heute morgen naβ einpacken.
 
Heute war laut Bobby der ungemütlichste Fahrttag - 10 Stunden "bumpy roads" ohne geplanten Stop dazwischen. Nach einer halben Stunde Fahrt fing es auch noch an zu schneien, was die ohnehin schon aufgeweichten Wege noch rutschiger machte. Auf einer etwas abfallenden Wiese war es dann soweit, unser Auto drehte sich im Kreis und war gefühlt auch kurz davor umzukippen, ist es aber zum Glück nicht. Leider hat sich die Aktion nicht gerade positiv auf die Stimmung in unserem Bus ausgewirkt und ich habe die nächsten zwei Stunden genaustens jede Bewegung unseres Fahrers verfolgt. Abends, als wir endlich in unserem Camp ankamen, konnte ich in der Tat nicht mehr sitzten. In diesem Ger gibt es erstmals auch kein elektisches Licht mehr, sondern nur noch Kerzen, was aber sehr stimmungsvoll ist. Der Sternenhimmel ist und bleibt einfach unglaublich. Nachts, wenn wir das Ger total verschlossen haben (Tür und Luftlucke) ist es so dunkel, dass man die Hand vor Augen nicht mehr sieht.
 
Tag 5 - Lagerfeuerromantik
 
Nach der ganzen Fahrerei gestern hatten wir heute nur eine kurze Entfernung zu überbrücken. Nach einem kurzen Zwischenstopp in einem Internetcafe, der hauptsächlich dazu diente, die Fotos zu sichern und einem auf dem "black market" waren wir dann startbereit. Krysta und Yafeh haben um eine Fuβmassage gewettet, ob weniger oder mehr als 3 Stunden brauchen. Krysta hat mit ihrem Tipp unter 3 Stunden (2h15) gewonnen. Allerdings waren wir uns aufgrund der Geräusche, die sie während der Massage gemacht hat, nicht überzeugt, dass sie sich wirklich als Gewinnerin gefühlt hat.
 
Angekommen sind wir hier in einem "more elegant camp", wie Krysta es bezeichnet hat. Diese Bezeichnung verdient dieses Camp deswegen, weil die üblichen Plumpsklos hier (fast) nicht riechen, warme Duschen grundsätzlich erhältlich sind, sofern vorher Wasser aus dem See geholt wurde und dieses per Holzfeuer aufgeheizt wurde, und wir echte Keramiktassen haben, aus denen wir Tee oder Kaffee trinken, es leckeres Essen gibt und Plätze für Lagerfeuer. Zusätzlich habe ich mit Olaf das Doppelbett in unserem Ger bezogen. Aber dieses Camp hat einen ganz entscheidenden Nachteil, der durch die vorher beschriebenen Plusse nicht ausgeglichen werden kann - wir sind am aller äuβersten Zipfel des Sees und sind vom Wasser selbst noch 2 km entfernt und hinter einem Zaun gesperrt. Was für ein Unterschied zum White Lake, wo alles offen war und der See nur wenige Schritte entfernt ...!
 
Daher haben wir heute Nachmittag eine Expedition zum See unternommen und festgestellt, dass wenn wir wirklich etwas vom See sehen wollen, wir noch weiter hoch fahren müssen.
 
Yafeh ist weiterhin dabei, seine Technik beim Feuermachen zu verbessern. Leider hat heute auch das Benzin nicht mehr weitergeholfen, um das Feuer in Gang zu bringen. Conclusion: "The wood is wet." Der herbeigerufene Helfer meinte nur: "... maybe the technique is bad!"
 
Nach einem tollen Sonnenuntergang, haben wir abends ein Lagerfeuer gemacht, bei dem wir das erste Mal näheren Kontakt mit Iren aufgenommen. Zusammen mit dem unglaublichen Sternenhimmel hier drauβen, ein wirklich schoener Abend.
 
Tag 6 - Jetzt fahren wir an den See
 
Heute nacht bin ich aufgewacht, als ich Krystas Stimme hörte: "Wait! - Who is this?". Hinterher hat sich rausgestellt, dass Yafeh auf dem Rückweg von der Toilette war und die Kerze, die er mitgenommen hat ihm ausgegangen war. In dem Ger ist es nachts so dunkel, das man nichts sieht und er versuchte sich jetzt mit seinen Händen zu orientieren, dabei war er mittlerweile bei Krystas Bett angekommen... .
 
Als ich heute morgen aus dem Ger kam, war das Gras gefroren und Raureif überall. Dabei war das die erste Nacht in den Gers, in der ich nicht gefroren habe.

Die anderen vier von unserer Gruppe haben sich entschieden, den Tag mit Pferden reiten zu gehen und liegen jetzt völlig erschossen auf ihren Betten.  Wir haben uns für die etwas entspanntere Variante entschieden und zusammen mit den Iren unseren Fahrer Otto überzeugt, uns zu einer Stelle am See zu fahren, wo man die Größe besser erahnen kann. Nach einer Fahrt die sehr an eine Tour durch Alpen erinnert hat, waren wir da. Von einem etwas höheren Punkt aus, zu dem wir hochgestiegen waren, hatten wir einen tollen Blick über den See, dessen Wasser ebenso klar ist, wie das vom Baikalsee. Tatsächlich fließt auch das Wasser des Sees über einen einzigen Abfluss in den Baikalsee. Nur dass hier viel weniger Touristen sind, aber die Infrastruktur dafür viel besser ausgebaut ist. Um sich unseren Blick, den wir hatten besser vorzustellen, "klaue" ich jetzt mal kurz aus unserem "lonely planet"-Reiseführer, denn viel besser kann ich es auch nicht beschreiben:
"Versuche Dir einen 2760 qkm alpinen See vorzustellen, mit kristallklarem Wasser. Addiere ein Duzend Berge mit 2000 m Höhe, oder mehr, dichte Nadelwälder und Wiesen mit grasenden Yaks und Pferden und Du hast eine vage Vorstellung vom Khövsgöl Nuur."
 
Nach unserer kleinen Wanderung haben wir uns an den Kieselstrand gelegt, neben ein kleines Lagerfeuer, das die Iren bereits entzüdet hatten. Es war zwar sehr sonnig, aber aufgrund des kalten Windes nicht wirklich warm. Olaf hat das nicht abgeschreckt, sich trotzdem in die kalten Fluten zu stürzen. Ich habe zum waschen dann doch die warme, wenn auch nur tröpfelnde, Dusche in unserem Camp bevorzugt - wer weiss wann sich hierzu die nächste Chance bietet.
 
Tag 7 - Fahrzeit
 
Mein Po tut mir sehr weh. Wir sind heute 10 Stunden über Buckelpisten gefahren, ohne einen besonderen Zwischenstopp. Als wir endlich bei unseren Ger camp ankamen war das zwar schön gelegen, aber die Gers selber nicht gereinigt, sogar der Müll von den Vornutzern lag noch rum und 50 Fliegen schwirrten durchs Ger - Brrr! Mangels Alternative haben wir uns aber fürs Bleiben entscheiden müssen. Zum Glück sind wir auch von der Idee abgekommen unser Zelt aufzubauen, denn es hat die ganze Nacht geregnet. Dafür haben wir den ganzen Abend Backpacker gespielt, wofür sich unsere Mitreisenden immer mehr begeistern, allerdings gestaltet es sich etwas schwierig bei Kerzenlicht, da es etwas schwierig ist, die englischen Instruktionen zu lesen.
 
Tag 8 - Way to heaven
 
Es kann auch noch schlimmer kommen. Ich dachte wir hatten bisher jede Art von (nicht vorhandener) Straβe, aber heute morgen war das absolut schlimmste Stück, da wir über aufgeweichte Waldwege gefahren sind, mit Steigungen, für die es in Deutschland keine Verkehrsschilder mehr gibt, sowie den verschiedensten seitlichen Laden. Zusätzlich musste Otto noch um Bäume und Steine herumzirkeln. Bei einem besonders schlimmen Stück durften wir dann aussteigen und von unten bewundern, wie die Fahrer den Abhang runter gefahren sind!
 
An dieser Stelle muβ ich auch noch mal meine Begeisterung für die Russen-Jeeps loswerden, die von auβen einem VW-Bus ähneln und mit zuschaltbaren Four-Wheel-Drive ausgestattet sind, und von der Technik her so gebaut sind, dass Otto jedes Problem vor Ort beheben konnte. Mit diesem Auto haben wir bis jetzt jede mögliche Situation gemeistert. Dabei war "Achterbahn" noch eine der entspannteren Übungen. Wir sind durch Flussbetten gefahren, mit und ohne Wasser, da 75% der Brücken sowieso kaputt sind, haben Steinfelder passiert, jedliche Steigungen bewältigt, egal ob hoch oder runter und, und, und. Auβerdem sollen die Motoren auch noch bei absoluten Minustemperaturen anspringen, also eigentlich das ideale Weltreiseauto.
 
Die Landschaft um uns herum war aber wunderschön. Teilweise hat mich das hohe Gras mit den flachen Bäumen und den Nebel in den Bergen, an Fotos von Afrika erinnert. Später wurde die Landschaft alpiner, mit blühenden saftigen Wiesen. Unverständlicherweise haben wir aber auch über einen langen Zeitraum keine Menschen mehr gesehen.
 
Gegen Mittag haben wir Erdenet erreicht, die zweitreichste Stadt der Mongolei, die vom Kupferabbau lebt. Ab dort hatten wir eine traumhaft Straβe - asphaltiert, ohne Löcher. In Deutschland wäre das zwar eher eine kleinere Landstraβe - hier ist es Luxus (insbesondere für unsere Pos). Nur die letzten Kilometer bis zum buddistischen Amarbayasgalant Kloster, der letzten Station unserer Reise, waren wieder die altbekannten Straβen.
 
Dafür wurden wir aber auch mit einem sehenswerten Kloster sowie Einblick in das Leben der Mönche belohnt. Am besten gefiel mir die Ruhe und Friedlichkeit in dem Kloster. Somit haben wir die drei grössten budisstisch Klöster der Mongolei gesehen einschlieβlich des Dalai Lamas.
 
Tag 9 - Back in Ulan Bator
 
Heute morgen sind wir früh aufgestanden um rechtzeitig in Ulan Bator zu sein, damit wir ohne Probleme unseren Zug schaffen. Zum Glück hatten wir an unserem letzten Tag schöne Straβen.
 
Jetzt sitzte ich frisch geduscht im UB Guesthouse und das fühlt sich sehr gut und sehr sauber an. Zur Feier des Tages haben wir uns noch mal ein Schnitzel mit Pommes in der Khan Brauerei gegönnt. In ca. 2 Stunden geht unser Zug zur chinesischen Grenzstadt Ereen. Von dort aus hoffen wir, mit dem Bus nach Peking zu kommen. Dort beginnt das Abenteuer China, wo wir nicht nur die Sprache nicht sprechen können, sondern auch noch zu Anaphabeten werden ... .





Ulan Bator 22. August 2006 - 54. Tag
 
Leaving Russia & Dalai Lama
 
Nachdem wir die Insel Olchon verlassen hatten ging alles ziemlich schnell. Unser Zugticket in Irkutsk zu tauschen, war viel einfacher, als wir angenommen hatten. Wir haben uns für den Zug entschieden, der bereits am nächsten Morgen um 6 Uhr fuhr. Da wir noch einige Sachen erledigen mussten, haben wir von Irkutsk nicht allzuviel gesehen, aber wir haben noch die Erfahrung des Straβenbahnfahrens machen dürfen, wobei die Bahn zunächst alle 200m gehalten hat, um dann 1 km am Stück durchzufahren. Ebenfalls war es ziemlich schwierig herauszufinden, wo die Haltestellen waren. Nach einer ungemütlichen Nacht auf dem Bahnhof, saβen wir im Zug nach Ulan Bator.
 
Die Grenzüberschreitung war ein langwieriger Prozess. Wir haben 4 h an der russischen Grenze gewartet und noch mal 2 h an der mongolischen, aber wir hatten dabei zum Glück keine Probleme bei der Ausreise und Einreise. Allerdings hatte ich keine so richtige Vorstellung davon, was uns in der Mongolei erwarten würde. Da wir das Land eher als Transitland mit Zwischenstopp in Ulan Bator angesehen hatten, haben wir uns vorher keinen Reiseführer besorgt. In Ulan Bator angekommen, war ich überrascht, wie viele Touristen dort waren und wie gut die Leute vor Ort auf diese eingestellt sind, im Gegensatz zu Russland.
 
Gleich am Bahnhof wurden wir umringt von Leuten, die uns von ihren Guesthouses überzeugen wollten. Wir haben uns entschieden einer Dame zu folgen, die sich mehr im Hintergrund gehalten hat, Bobby, der Besitzerin des UB Guesthouses, und sind so an einem sehr zentralen Platz gelandet, wo auch viele andere Backpacker wohnen. Kurze Zeit später wurden uns auch schon verschiedene Touren angeboten, wozu wir allerdings so kurz nach unserer Ankunft noch keine richtige Meinung hatten. Eigentlich wollten wir nur für ein paar Tage in die Mongolische Schweiz, die ca. 70 km von Ulan Bator entfernt ist, um dort in einem Ger, der typischen mongolischen Jurte zu schlafen und vielleicht auf Pferden zu reiten.
 
Die nächsten beide Tage haben wir uns Ulan Bator angesehen (was von der Zeit her völlig ausreichend war, da die Hauptstadt nicht so groβ ist). Als wir zum Buddistischen Tempel kamen, haben wir uns schon gewundert, wie viel Polizei dort war. Kurze Zeit später haben wir rausgefunden, dass minütlich der Dalai Lama erwartet wurde. So richtig glauben konnte ich es aber nicht, bis er tatsächlich auf der Bühne erschien und in Englisch eine Rede hielt, die inklusive mongolischer Übersetzung ungefähr 15 Minuten dauerte. Ich war wirklich beeindruckt von der spirituellen Ausstrahlung dieses Mannes.
 
Hinterher haben wir uns noch das Naturhistorische Museum angesehen, in dem es viele Dinosaurierknochen gibt, die hier in der Mongolei gefunden wurden. Danach waren wir in der Khan Brauerei essen, wo es richtiges deutsches Schnitzel mit Pommes gab, nach 7 Wochen Russland eine Delikatesse.
 
Auβerdem wollten wir Zugfahrkarten für unsere Weiterfahrt nach Peking kaufen. Leider ist das in Ulan Bator viel schwieriger, als wir gedacht hatten, da die Fahrkarten zwei Monate vorher von den Reiseagenturen aufgekauft werden und dann mindestens für den doppelten Preis weiterverkauft werden. Wir haben uns daher für den Zug am 31.8.2006 bis zur chinesischen Grenzstadt Ereen entschieden - es waren die einzigen Fahrkarten die am offiziellen internationalen Fahrkartenschalter erhältlich waren. Von dort aus sollen dann Busse weiter nach Peking fahren. Für verbleibende Zeit in der Mongolei werden wir eine 9 tägige Tour machen.
 

Irkutsk  19. August 2006 - 51. Tag
 
Sonja & Ralf -
HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZUR HOCHZEIT

 
Heute heiraten Sonja, die ich seit meinem ersten Tag als Studentin in Münster kenne, und Ralf, zwei sehr gute Freunde von uns. Leider können wir nicht bei der Hochzeit dabei sein und senden deshalb von hier aus unsere allerherzlichsten Glückwünsche.
 

Insel Olchon 18. August 2006 - 50. Tag
 
Omul satt
 
In jedem Reiseführer steht, dass man wenn man den Baikalsee besucht unbedingt den Fisch Omul essen sollte. Tatsächlich ist es aber so, dass man gar nicht darum herum kommt Omul zu essen, da er zu jeder Mahlzeit, in verschiedenster Zubereitungsform - gekocht, geräuchert, gegrillt - gereicht wird. Dieser Fisch ist mit 10 Jahren ungefähr so gross wie ein Hering und hat auch ziemlich viele Gräten und ist ziemlich fettig. Den besten Omul haben wir auf der Insel Olchon in der Bude neben dem Magasin Karat gegessen. Dort wird er jeden Abend frisch über einem Feuer geräuchert und man iβt ihn am besten noch warm. Allerdings habe ich mittlerweile soviel von diesem Fisch gegessen, dass ich ihn nicht mehr sehen kann.
 
Morgen werden wir die Insel verlassen und nach Irkutsk fahren und dort versuchen unser Zugticket nach Ulan Bator auf ein früheres Datum, als bisher Freitag den 25.8. zu tauschen. Nachdem wir heute vor genau 7 Wochen in Russland eingereist sind, haben wir das Gefühl, dass wir reif für ein neues Land sind. Gestern haben wir noch einen Ausflug über die Insel, diesmal auf die Südseite gemacht. Das beeindruckende ist, dass man fast von jeden Platz der Insel sowohl den See, als auch das andere Ufer sehen kann und die Landschaft einer Steppe ähnelt. Wir sind allerdings sehr sauer auf unseren Führer Gregory, der ebenfalls für uns unsere Fotokarte auf CD brennen wollte, jetzt ist die Karte kaputt und die Fotos erstmal weg, was sehr traurig ist, da wirklich einige sehr schöne Fotos dabei waren und die Fotos unsere "Souvenire" sind. Wir haben später festgestellt, dass die Karte am Aussengehäuse einen kleinen Bruch aufweisst, und fragen uns, was der Typ mit der Karte angestellt hat. Trotzdem hoffen wir, dass wir die Karte in Deutschland noch irgendwie retten können.
 
Heute waren wir den ganzen Tag am Strand. Dieses Mal hatte ich die Sonnencreme dabei. Ausserdem war der Strand gesäubert worden, was uns natürlich sofort positiv aufgefallen ist, weil ich beim ersten Mal von einer umherfliegenden Bierdose geweckt worden bin. Woran ich mich irgendwie nur schwer gewöhnen kann, ist dass die Kühe hier nicht nur durch den ganzen Ort frei rumlaufen, sondern auch am Strand. Denn wenn man so am Strand liegt, kommt einem eine vorbeilaufende Kuh ganz schön riesig vor.
 
Heute abend haben wir uns dann beim Abendbrot mit den Russen unterhalten, die hier ebenfalls Urlaub machen. Dabei wurde uns das bestätigt, was Olaf zu den "Outoor-Russen" geschrieben hat. Sie haben einen riesigen Rucksack und verschwinden für den Urlaub einfach einige Tage in den Wald. Ausserdem gab es noch 3 Runden Wodka, dass eigentlich mehr ein Wintergetränk sein soll, da die Russen im Sommer lieber Bier trinken (oder beides). Danach haben wir uns in der Banya noch einmal einer Tiefenreinigung unterzogen.

Insel Olchon 18. August 2006 - 50. TagIn jedem Reiseführer steht, dass man wenn man den Baikalsee besucht unbedingt den Fisch Omul essen sollte. Tatsächlich ist es aber so, dass man gar nicht darum herum kommt Omul zu essen, da er zu jeder Mahlzeit, in verschiedenster Zubereitungsform - gekocht, geräuchert, gegrillt - gereicht wird. Dieser Fisch ist mit 10 Jahren ungefähr so gross wie ein Hering und hat auch ziemlich viele Gräten und ist ziemlich fettig. Den besten Omul haben wir auf der Insel Olchon in der Bude neben dem Magasin Karat gegessen. Dort wird er jeden Abend frisch über einem Feuer geräuchert und man iβt ihn am besten noch warm. Allerdings habe ich mittlerweile soviel von diesem Fisch gegessen, dass ich ihn nicht mehr sehen kann. Morgen werden wir die Insel verlassen und nach Irkutsk fahren und dort versuchen unser Zugticket nach Ulan Bator auf ein früheres Datum, als bisher Freitag den 25.8. zu tauschen. Nachdem wir heute vor genau 7 Wochen in Russland eingereist sind, haben wir das Gefühl, dass wir reif für ein neues Land sind. Gestern haben wir noch einen Ausflug über die Insel, diesmal auf die Südseite gemacht. Das beeindruckende ist, dass man fast von jeden Platz der Insel sowohl den See, als auch das andere Ufer sehen kann und die Landschaft einer Steppe ähnelt. Wir sind allerdings sehr sauer auf unseren Führer Gregory, der ebenfalls für uns unsere Fotokarte auf CD brennen wollte, jetzt ist die Karte kaputt und die Fotos erstmal weg, was sehr traurig ist, da wirklich einige sehr schöne Fotos dabei waren und die Fotos unsere "Souvenire" sind. Wir haben später festgestellt, dass die Karte am Aussengehäuse einen kleinen Bruch aufweisst, und fragen uns, was der Typ mit der Karte angestellt hat. Trotzdem hoffen wir, dass wir die Karte in Deutschland noch irgendwie retten können.  Heute waren wir den ganzen Tag am Strand. Dieses Mal hatte ich die Sonnencreme dabei. Ausserdem war der Strand gesäubert worden, was uns natürlich sofort positiv aufgefallen ist, weil ich beim ersten Mal von einer umherfliegenden Bierdose geweckt worden bin. Woran ich mich irgendwie nur schwer gewöhnen kann, ist dass die Kühe hier nicht nur durch den ganzen Ort frei rumlaufen, sondern auch am Strand. Denn wenn man so am Strand liegt, kommt einem eine vorbeilaufende Kuh ganz schön riesig vor. Heute abend haben wir uns dann beim Abendbrot mit den Russen unterhalten, die hier ebenfalls Urlaub machen. Dabei wurde uns das bestätigt, was Olaf zu den "Outoor-Russen" geschrieben hat. Sie haben einen riesigen Rucksack und verschwinden für den Urlaub einfach einige Tage in den Wald. Ausserdem gab es noch 3 Runden Wodka, dass eigentlich mehr ein Wintergetränk sein soll, da die Russen im Sommer lieber Bier trinken (oder beides). Danach haben wir uns in der Banya noch einmal einer Tiefenreinigung unterzogen.

Insel Olchon 16. August 2006 - 48. Tag

Sibirischer Sonnenbrand

Es ist unglaublich, aber ich habe mir tatsächlich einen ziemlichen Sonnenbrand zugezogen, obwohl ich gestern fast die ganze Zeit am Strand gefroren habe. Gestern abend war ich sogar in meinen Wintersachen unterwegs und habe trotzdem noch gefroren, aber wieso hatte ich eigenlich in Sibirien einen heissen Sommer erwartet?

Somit ist der für heute geplante zweite Strandtag ausgefallen und wir haben uns überlegt, an einer Exkursion ans berühmte Nordkap der Insel teilzunehmen. Wir hatten Glück, dass es sogar ein deutschsprachiger Ausflug war, bei dem wir auf die Deutschen getroffen sind, die zufällig in dem Bus saβen, der uns von Fähranleger mitgenommen hat.

Gregory unser Führer konnte fast akzentfrei deutsch und hat uns die ganze Fahrt über mit Geschichten über den  Vater Baikal unterhalten, sowie uns gleichzeichtig die wichtigsten Daten über den See eingebläut  - er war übrigens früher Deutschlehrer.

Die "Straβe" zum Kap war so schlecht, dass selbst die Russen sie nur mit den alten Militärjeeps mit Fourwheeldrive befahren haben. Es gab sogar einen Teil, der Achterbahn hieβ, weil er von oben so aussah wie die erste steile Abfahrt, die die Achterbahnen meist haben. Es war wirklich ein Wunder, dass wir nur eine Reifenpanne hatten. Von diesen Militärjeeps zog einen Schlange von ca. 7 Autos über die Piste, was wirklich lustig aussah und uns klar machte, dass wir tatsächlich ein Tourismuszentrum erreicht haben.

Die Landschaft war unglaublich schön, sanft gewellte Wiesen und Klippen, von denen man immer das Ufer des Festlandes sieht. Und natürlich immer den See, der aber selbst von den Einheimischen Meer genannt wird, weil er so groβ und so tief ist. Die Badetemperatur beträgt übrigens kuschelige 12 Grad. Ausserdem haben wir gelernt, dass die Zäune hier auf der Insel nicht dazu da sind, um Kühe einzusprerren, sondern um die von den Flächen auszusperren, die dem Heumachen dienen. Ich hatte mich nämlich schon am ersten Abend gewundert, warum hier Kuhherden durch den Ort ziehen.

Nach dem Ausflug habe ich Wäsche gewaschen, genauso wie es die Einheimischen tun, ich habe im Hof gesessen mit einer Waschschüssel und einem Eimer warmen und einem Eimer kalten Wasser. In einem Ort in dem es erst seit einem Jahr wieder Elektizität gibt und kein fliessend Wasser, sind noch keine Waschmaschienen angekommen. Aber ich wasche ja sowieso schon seit Moskau alles per Hand.

Heute abend haben wir uns die Banya gemietet. Sie hat drei Räume, einen ziemlich warmen zum umziehen, einen sehr warmen, in dem man sich wäscht, denn sie deckt ebenfalls das Bad ab, und den extrem heiβen Saunaraum. Auβerdem gibt es einige Schüsseln sowie heiβes und kaltes Wasser. Auβerdem haben wir noch das obligatorische Bund getrockneter Birkenzweige gekauft, dass man in Wasser taucht und sich dann beim Saunagang auf den Rücken schlägt um zusätzlich die Durchblutung anzuregen. Nach dem ersten Saunagang habe ich mir noch lauwarmes Wasser angemixt, um mich zu waschen, nach den weiteren Saunagängen habe ich mir mit der Schöpfkelle nur noch kaltes Wasser über den Körper gekippt, weil es so heiss darin war. Der Vorraum würde in Deutschland schon locker als Biosauna durchgehen, der Baderaum, als 70 Grad Sauna, die eigentliche Sauna ist jenseits von Gut und Böse. Nach einer Stunde waren wir mit der Prozedur fertig - tiefenrein sauber und endlich mal wieder richtig durchgewärmt - und konnten es kaum erwarten, wieder an die frische Luft zu kommen. Allerdings hat es uns auch so gut gefallen, dass wir beschlossen haben, dies auf jeden Fall zu wiederholen.



Insel Olchon 15. August 2006 - 47. Tag

Inselleben

Beim zweiten Versuch haben wir es gestern geschafft. Der "Kometa", ein Schnellboot, dass besser fuhr, als ich von aussen vermutet hatte, ist tatsächlich gefahren. Das haben wir aber auch erst nach 1,5 Stunden Warten am Pier bei ziemlicher Kälte vor dem Schiff festgestellt und 45 Minuten nach eigentlicher Abfahrtzeit. Vorher war keine Information zu bekommen ob bzw. wann dass Schiff fährt. Auch anhand der Bewegungen auf dem Schiff liess nichts ableiten, dabei sind wir extra mit einem Taxi in den Abfahrtsort des Schiffes gefahren, damit wir auf jeden Fall mit dabei sind, wenn es fährt, denn wir hatten gehört, dass manchmal das Schiff auch voll ist, und man dann nicht mehr mitkommt. Ansonsten hätten wir versucht mit dem Flugzeug zu fliegen, das ebenfalls vom dem Ort an diesem Tag nach Irrkusk gehen sollte.

Ungefähr 6,5 Stunden später wurden wir auf der Insel Olchon abgesetzt, zusammen mit 3 anderen Travellern, die wir bereits einen Tag voher am Pier kennengelernt hatten. Der Rest war einen Abend vorher mit dem Zug nach Irkutsk gefahren. Der Anleger, der von weitem nicht als solcher zu erkennen war, war "in the middle of nowhere" und nur ein kleiner Trampelpfad führte zur höhergelegenen Strasse. Die Landschaft erinnerte ein biβchen an "Herr der Ringe" und es war erstaunlich, dass dort doch einige Autos langfuhren, die es aber nicht für nötig hielten, anzuhalten. Nach einiger Zeit kam ein Bus vorbei, der uns für den Erpresserpreis von 100 Rubel pro Person mitgenommen hat, aber wir hatten wenig anderere Alternativen. Im Bus sind wir auf eine Reisegruppe aus Deutschland getroffen, die uns sehr interessiert angeschaut hat - wir sind also nach vier Wochen tatsächlich auf einen Tourismuspfad gestoβen.

Hier im Hauptort der Insel haben wir ein Zimmer in einem zweistöckigem Haus am höchsten Punkt, gleich neben der Kirche, bezogen mit einem tollen Blick über die Bucht und den Ort. Die Ausstattung ist allerdings sehr basic: zwei Betten, eine Glühlampe, eine Steckdose, zwei Haken an der Wand.  Russisches Plumpsklo (Loch im Boden) und Waschbecken auf dem Hinterhof. Banya (russische Sauna) kostet extra.

Gestern abend ist hier ebendfalls noch eine Reisegruppe eingestroffen, drei Frauen und ein Mann aus Deutschland sowie 3 Russinnen. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass die eine Frau aus Chemnitz angesichts der Unterkunft etwas geknickt war. Ihre Begrüssungsworte an mich waren: "Und wie kommen Sie hier her?" - nach 36 Stunden Anreise hatte sie wohl etwas anderes erwartet.

Die Landschaft ist aber wunderschön und das Wetter ist besser geworden, so dass wir heute den Tag am Strand verbracht haben. Von den Temperaturen her hat mich dass zwar an einen Standtag im April an der Ostsee erinnert. Das Wasser im Baikalsee ist nicht nur unglaublich klar sondern auch unglaublich kalt, ein Bad darin soll aber für lange Gesundheit garantieren - wenn man es überlebt hat.



Severobaikalsk 13. August 2006 - 45. Tag

Ferry-Tales

Seit dem ich den letzten Blog vorgestern vormittag geschrieben habe, haben wir soviel erlebt, dass ich alles nur kurz anreiβen kann. Da war zunächst unser miβglückter Ausflug zum Gulag, bei dem uns unsere Kamera gestohlen wurde und die uns erst 20 Minuten nach Dauerschreiens meinerseits (ich wusste gar nicht, dass ich dass kann) uns zum Rückkauf angeboten wurde. Durch unseren schnellen Sprung ins Taxi konnte der Dieb aber nur 100 Rubel ergaunern. Trotzdem hat diese Aktion unser Miβtrauen in die Menschen gestärkt und kein gutes Gefühl hinterlassen.

Am nächsten Tag waren wir bei den heiβen Quellen, wohin uns ein marschrutka für 40 Rubel pro Person ca. 45 Minuten über Schotterpisten in die Berge hinbefördert hatte. Das "Spa" war eher enttäuschend, zwei kleine gekachtelte Löcher hinter einem Holzzaun, einmal gefüllt mit heiβem Wasser, das andere mit brühendem Wasser. Sobald man aus dem Wasser rauskam, um sich abzukühlen, fielen die Mücken über einen her, so dass ich jetzt über zahlreiche Stiche verfüge. Als Ablagestätte für die Kleidung gab es in der Blockhütte davor nur einige Hacken in der Wand, und dass wo hier jeder kleine Supermarkt über Schlieβfächer für mitgebrachte Taschen verfügt. Länger als eine Stunde konnten wir dem Vergnügen nichts abgewinnen, so dass wir noch zwei Stunden Wartezeit zu überbrücken hatten, bis das marschrutka wieder zurückgefahren ist. Dabei konnten wir die Art den russischen Torismus, eine Tourbasa mitten im Wald, besichtigen, und das daszugehörige Restaurant ausprobieren. Anschlieβend waren wir uns beide sicher - DAS ist das Ende der Welt.

Heute morgen sind wir um 5 Uhr aufgestanden, haben unsere Rucksäcke gepackt und waren kurz nach 7 Uhr die ersten am Fähranleger. Da das Schnellschiff nach Irkutsk einen Tag vorher ausgefallen war, gab es das Gerücht, dass es bereits Sonntag, statt fahrplanmäβig am Montag, dass Schiff fahren sollte. Wir waren nicht die einzigen, die das gehört hatten, denn minütlich füllte sich das Pier mit anderen ausländischen Reisenden, denen wir bisher nie begegnet waren, aus Polen, Deutschland, England, Belgien und Australien und natürlich Russen. Ich war sehr überrascht, hier soviele Ausländer zu treffen, nachdem wir in den letzten Wochen uns als einzige ausländische Touristen hier gefühlt hatten. Ihre Geschichten waren spannend und so verging die Zeit schnell. Leider kam das Boot nicht und Punkt 9.00 Uhr saβen wir in unserer Unterkunft am Frühstückstisch.

Nach dem Frühstück gings auf Exkusion - Catamaran fahren auf einem Fluss. Das hörte sich nach einem entspannten Ausflug an. Allerdings hätte ich vielleicht schon miβtrauisch werden sollen, als der Führer meinte, dass er zwei Catermarane dabei hat und ich auf dem Anhänger nur zwei merkwürdige Holzkonstruktionen sehen konnte. Wir sind dann ca. 20 km die Straβe von gestern wieder hochgefahren und haben hinter einer Brücke angehalten.

Zum Thema Brücke muss ich noch eine kurze Ergänzung machen, denn die Brücken hier sind meistens aus Holz, mit Verstärkungen der Fahrerspur und laut Schild davor für 10 (!) Tonnen zugelassen. Ich habe in Deutschland schon Brücken gesehen, die wesentlich stabiler aussahen, aber für wesentlich weniger Gewicht zugelassen waren. Zum Glück haben unsere Brücken bisher immer gehalten.

Also hinter der Brücke wurden die Catamarane zusammengebaut. Sie bestanden jeweils aus einer Holzkonstruktion, die mich stark an eine ungedrehte Europalette z.B. für Getränkekisten erinnert hat, und zwei Schwimmkörper, die mit einer deutschen Doppelhubpumpe vor Ort aufgepustet wurden. Dies wurde dann durch Stricke miteinander verbunden und fertig war unser Catamaran. Wir waren zwischenzeitlich mit Schwimmweste und Paddeln ausgestattet worden und nach einer kleinen Probrunde ging es los - 20 km flussabwärts inklusive Stromschnellen 3 Stunden lang.

Ich hatte ja urspünglich befürchtet, dass einem zwischzeitlich die Arme wehtun. Da man allerdings in einer sehr komischen Hockposition darauf gesessen hat mit einem Holzbrett zwischen den Beinen, war der Schmerz in den Knien, Beinen und Hintern viel schneller da. Unser Führer meinte wärend der Fahrt nur "Wenn man losfährt ist es unbequem und später wird es nicht besser." Trotzdem war es eine einmalige Erfahrung und hat extrem viel Spaβ gemacht, insbesondere durch die Stromschnellen zu fahren oder in den langsameren Teilen die Natur zu genieβen und durch das kristallklare Wasser auf dem Grund 3 bis 5 Meter unter uns jeden Stein zu sehen. Am Ende der Tour erwartete uns bereits ein ordentliches Picknick mit frisch über dem Lagerfeuer gekochter Suppe und Tee. Insgesamt die bisher bestorganisierteste Sache hier in Russland, wofür unser unser Führer auch seine gesamte Familie inklusive zwei Söhnen, Tochter und Frau eingespannt hatte.



Severobaikalsk 11. August 2006 - 43. Tag

Am Ende der Welt angekommen

Zumindest war das gestern morgen unser Gefühl als wir nach zwei Nächten Platzkartnoy in Severobaikalsk bei Nieselregen ankamen. Zur einen Seite von den Gleisen steht ein Plattenbauwohngebiet, die Innenstadt Severobaikalsk, die erst 30 Jahren alt ist und die man sich locker in 30 Minuten anschauen kann plus weitere 30 Minuten, wenn man sich zusätzlich alle Läden anschaut. Auf der anderen Seite empfing uns ein leicht vernebelter, sehr kühl wirkender Baikalsee.

Tatsächlich ist Severobaikalsk nur ein Zwischenstopp der BAM, die erst 1991 fertiggestellt wurde und, schenkt man den Einheimischen Glauben, ein groβes Touristengebiet, sowohl für Russen, als auch für ausländischen Touristen, letztere sind allerdings alle gerade gestern morgen abgereist.

Unser Quartier haben wir auf der Baikalseeseite bezogen im "Baikal Ressort" ein etwas hochtrabender Name für eine Art Pension, die zusätzlich noch 8 Zimmer in der Art Blockhütte vermietet, die sich aneinanderreihen und von denen wir das letzte Zimmer in der Reihe bezogen haben, die Nummer 8. Aber wir fühlen uns hier wohl, denn es ist sauber, wir haben eine eigene Toilette und eine Gemeinschaftsdusche mit heissem Wasser inklusive, quasi Luxus, und richtige Bettdecken, statt Laken mit Wolldecke, die wir seit Deutschland nicht mehr hatten.   Mangels Alternative essen wir hier ebenfalls Frühstück und Abendbrot, für insgesamt 180 Rubel (ca. 6 Euro) pro Person. Die Portionen sind zwar sehr überschaubar und werden auf der Grösse eines Salattellers angerichtet, aber ganz lecker.

Gestern nachmittag haben wir uns dann auch mit dem Baikalsee versöhnt. Wir haben einen Ausflug nach Baikalskoe, einem Ort ca. 40 km entfernt von Severobaikalsk gemacht. Die Sonne schien und wir sind die Klippen hinaufgelaufen, von denen man aus einen traumhaften Blick über den See und die Berge entlang des Ufers hatte. Dieser See ist so gross, dass er einem eher wie ein Meer vorkommt. Je nach dem, wir klar das Wasser ist, sieht man auch die andere Uferseite.

Auf den Klippen war eine Wiese, die schon als wir aus dem Auto ausgestiegen sind, nach Kräutern gerochen hat. Später habe ich dann u.a. Thymian und Beifuss gefunden, alles max. 2 cm hoch, aber dafür total intensiv im Aroma. Auβerdem wuchs überall Edelweiss, was ich hier überhaupt nicht erwartet hätte. Die Stelle hat uns so gut gefallen, dass wir sogar überlegen, dort zu Zelten, da wir ja noch einige Zeit am Baikalsee bleiben wollen.


Krasnojarsk 8. August 2006 - 40. Tag

Groβer Bahnhof

Wir sitzen mal wieder am Bahnhof und warten auf unseren Zug nach Severobaikalsk. Die Bahnhöfe hier sind alle frisch renoviert und werden von Stadt zur Stadt gröβer und prächtiger, mit Marmor an den Wänden und auf dem Fuβboden und Kronleuchtern ausgestattet. Hier in Krasnojarsk gehört der Bahnhof zu den schönsten Gebäuden. Die russische Eisenbahn scheint gutes Geld zu verdienen. 

Eine Besonderheit der russischen Bahnhöfe ist, dass alle Uhren auf Moskauer Zeit laufen, genauso wie alle Fahrpläne, Fahrkarten ausgestellt sind. Das bedeutet, wenn man um 19.00 Uhr lokaler Zeit den Bahnhof betritt, kommt man hier in Krasnojarsk im Bahnhof um 15.00 an. Für uns ist das heute etwas unpraktisch, da unser Zug um 19.10 Uhr fahren soll, also um 23.10 Uhr lokaler Zeit. Die Zeit bis dahin verbringen wir in dem Wartesaal. Übrigens dem ersten, in dem die Abfahrtsgleise direkt ausgewiesen werden. Das ist praktisch, weil es hier keine festen Gleise für die Züge gibt, sondern diese erst bei Einfahrt des Zuges oder wenige Minuten vorher bekannt gegeben werden, und man sonst kurz vor Abfahrt ständig am hin und her laufen ist. Kennt man das Gleis, braucht man auch fast die 20 Minuten Haltezeit des Zuges um dorthin zu kommen, den richtigen Wagon zu finden und die Gesichtskontrolle der Zugbegleiterin zu bestehen. Auf seinem Platz angekommen, versucht man zuerst sein Gepäck zu verstauen, beliebt sind hierbei die Kisten unter den unteren Liegen, hier gilt "first come, first serve", ansonsten darf man sein Gepäck mit etwas Muskeln auf der oberen Ablage verstauen. Dabei lernt man schon gut seine Mitreisenden kennen.

Nach Abfahrt des Zuges und erneuter Kontrolle der Fahrkarten kann/sollte man Bettwäsche kaufen, die aus zwei Laken, einem Kopfkissenbezug und einem kleinen Handtuch besteht. Die Preise sind komischerweise nicht einheitlich, liegen aber meist bei 45 Rubel (ca. 1,40 €) pro Stück. Danach bezieht der Reihe nach jeder sein Bett, die die Mitreisenden unterstützen den jeweils Aktiven dadurch, dass sie etsprechend Platz machen, Kinder auf den Schoβ nehmen etc. Danach beginnt der wichtigste Teil der Zugfahrt - gemütliche Klamotten anziehen und essen. Kuschatje (Iβ!) heiβt das Schlagwort, wobei jeder seine mitgebrachten Sachen auf den Tisch stellt und sie anbietet. Groβer Renner sind hier die assiatischen Nudelgerichte, die ähnlich wie 5-Minuten-Terrine, nur mit heiβem Wasser aus dem Samovar, der in jedem Wagon vorhanden ist, zubereitet werden und überall in groβer Vielfalt erhältlich sind. Danach kann man sich dann entpannen und die Fahrt "in vollen Zügen" genieβen.



Krasnojarsk 06. August 2006 - 38. Tag

Wanderlust

Gestern haben wir in Krasnojarsk Quartier bezogen, leider hat uns das kalte Wasser aus Moskau verfolgt, in der gesamten Innenstadt und somit in den entsprechenden Hotels gibt es nur kaltes Wasser. Unser Hotel liegt relativ zentral, die Einrichtung ist später Sowjetchic, d.h. eine schiefe Anbauwand, ein Tisch mit einer löchrigen Tischdecke und drei Stühlen, zwei Liegen in undedinierbarer Farbe, die sichallerdings bequemer liegen, als sie aussehen. Da jeweils nur ein Laaken vorhanden war, haben wir aber doch vorsichtshalber unsere Schlafsäcke rausgeholt. Und wir haben ein eigenes Bad, dass ich schon fleissig zum Wäsche waschen benutzt habe. An technischen Einrichtungen hat dieses Zimmer einen Kühlschrank, einen Fernseher und einen Wasserkocher, der sich aber nach intensiver Benutzung leider verabschiedet hat, aufzubieten.

Gestern haben wir also zunächst die Stadt besichtigt, wie bei den anderen sibirischen Städten war hierfür ein halber Tag voll ausreichend. Abends haben wir etwas das Nightlife angetestet und waren in einer hippen Sushi- und Cocktailbar, dem Bellini, in der es hauptsächlich um sehen und gesehen werden ging und das meistverkaufteste Getränk Tee war, das mit 50 Rubel (ca. 1,50 €) güstigste von der Karte war. Allerdings gab es von den ungefähr 40 Cocktail auf der Karte tatsächlich nur fünf, so dass ich mich auch für Tee entschieden habe.

Heute morgen sind wir dann früh aufgestanden, haben unsere Tagesrucksäcke mit Wasser und ein paar Keksen, sowie anderen Wanderutensilien befüllt und haben uns als den Weg in die "Stolbys" gemacht, einem Naherholungsgebiet von Krasnojarsk mit Felsformationen, die denen im Elbsandsteingebirge ähnlich sind, allerdings vulkanischen Urspung haben.

Zum Glück hat Olaf im Hotel noch mal nachgefragt, wie man dort am besten hinkommt, und uns wurde ein Bus empfohlen, der einen direkt zur Einstiegpunkt gebracht hat. Von dort aus sind wir dann losgelaufen, bis zum Visitor Center, dessen Austellung zur Zeit noch im Aufbau ist, haben wir eine knappe Stunde gebraucht. Der richtige Anstieg kam erst danach und je weiter wir liefen, desto steiler wurde es, und ich bin ganz schön in Schwitzen gekommen und habe gemerkt, dass mir irgendwie das Frühstück gefehlt hat - aber zum Glück hatten wir ja die Kekse dabei, da auf dem ganzen Weg, obwohl es sich um ein sehr viel besuchtes Ausflugsziel handelt, keinerlei gastromomische Einrichtungen zu finden waren.

Nach ca. zwei Stunden hatten wir es dann bis zum Rastplatz bei der Einstiegsstelle geschafft, bis dorthin war es ein netter Weg durch den Wald, aber ohne erwähnenswerte Aussicht. Die Felsnadeln stehen im Wald verstreut herum, und man sieht sie erst, wenn man direkt davor steht. Sie sind ca. 50 bis 80 m hoch. Die kleineren Steine lassen sich unterschiedlich gut erklettern. Insgesamt ist das ganze Ausflugsgebiet sehr natürlich belassen worden, d.h. keine Wegausschilderungen mit Kilometerangaben, keine befestigten Aussichtspunkte auf den "Stolbys", d.h. wer was sehen will muss etwas sportlich sein, viele verschiedene Wege im Wald, von denen man leider nicht wusste, wohin sie führen. Nach einiger Zeit sind wir aber auf einen Weg gestossen, auf dem die Bäume mit roter Farbe markiert waren, wie ich hinterher an meiner Hand feststellen konnte, heute erst frisch aufgetragen. Dieser hat uns dann zu einem "Stolby" mit einem tollen Blick über das Land geführt, wo wir dann länger verweilt haben, bevor wir uns zurück auf Heimweg, geschätzte 12 km, gemacht haben. Dem roten Weg weiterzufolgen haben wir uns nicht getraut, weil wir nicht wussten, wohin er führt.

Der Ausflug war nach den vielen Städtetouren eine wirklich gute Abwechslung und hat Lust auf mehr Outdooraktivitäten gemacht, die wir dann hoffentlich bald am Baikalsee erleben können.

Die Stolbys selbst haben uns gut gefallen, zumal wir wirklich Glück mit dem Wetter hatten, angnehme Temperatur, Sonne. Ausserdem konnten mal wieder etwas klettern.


Krasnojarsk 05. August 2006 - 37. Tag

Auf dem Abstellgleis

Heute nacht hatten wir wieder eine Übernachtung im Platzkartnoy, das spart zum einen Übernachrungskosten, verkürzt die gefühlte Fahrzeit und man erlebt immer was. Dieses Mal hatten wir wieder die beiden oberen Betten, d.h. Sportprogramm inklusive. Leider waren unsere Mitfahrer nicht so gesprächig, wie bei unserer ersten Fahrt. Das lag aber warscheinlich daran, dass unser Zug erst in Tomsk eingesetzt wurde, sich also alle erstmal neu einrichten mussten, während bei unserer ersten Fahrt, die meisten schon drei Tage unterwegs waren und wir eine willkommene Abwechslung dargestellt haben.

Nach ungefähr zwei von 13 Stunden Fahrtzeit hielt unser Zug an einem Bahnhof an, der Taiga heisst. Grundsätzlich sind hier auf den Bahnsteigen Haltzeiten bis zu 30 Minuten ziemlich normal, was für uns etwas gewöhnungsbedürftig ist, da ja das Hauptziel das schnelle Ankommen ist. Als ich mir intressehalber den Fahrplan angesehen habe, stellte ich fest, dass die eingeplante Haltezeit ganze 5 Stunden und 13 Minuten dauern sollte. Olaf Bemerkung daraufhin: "So beknackt sind noch nicht mal die Russen." - Doch.
Wie wir später rausgefunden haben, handelt es sich bei diesem Bahnhof um eine Art Kreuzung, wo die Züge aus allen Richtungen ankommen, auseinandergepflückt werden und in unterschiedlicher Reihenfolge wieder zusammengesetzt werden, bevor sie den Bahnhof in die unterschiedlichsten Richtungen wieder verlassen. Nach einigem Rangieren hatten wir das richtige Abstellgleis erreicht und durften den Zug auch verlassen. Die Zugbegleiterin hatte wohl vorher Angst, dass wir sonst unseren Wagon nicht wiederfinden. Mehr als einen normalen Bahnhof gab es aber nicht zu sehen. Als unser Zug den Bahnhof dann wieder verlassen hat, haben wir schon mehre Stunden friedlich in unseren Betten geschlafen.



Tomsk 04. August 2006 - 36. Tag

Männerland

Nach einer Nacht im Zug sind wir gestern morgen gut in Tomsk angekommen, auch wenn der Schlaf im Platzkartnoy-Wagon nicht der erholsamste ist, war für mich die Erklimmung des Bettes der schwierigste Part. Da sich über dem oberen Bett noch ein Ablagebrett für das Gepäck befindet, bleiben einem oben nur ca. 50 cm Bewegungsfreiheit, die ein das Hinsetzen unmöglich machen. Als ich es schon zur Hälfte geschafft hatte, bin ich abgerutscht, bis ich irgendetwas zu fassen bekommen habe und mich dann klimzugartig wieder hochgezogen habe. Als ich dann endlich im Bett lag, war mir klar, dass ich darauf kein zweites Mal Lust habe und erst den nächsten Morgen das Bett wieder verlassen werde.

In Tomsk haben wir uns direkt im Bahnhof einquartiert, wo es eine Art Hostel mit sauberen Zimmern gibt, unseres direkt mit Blick auf den Bahnsteig. Das war sehr praktisch, da wir ja heute bereits mit dem Zug weiterreisen.

Danach haben wir uns direkt auf den Weg zur Stadtbesichtigung gemacht und spätestens eine Stunde später war mir klar, warum uns unsere Mitreisenden so verwundert angeschaut hatten, als wir unser Reiseziel bekannt gegeben haben, es gibt hier irgendwie gar nichts zu sehen. Die Leute, die in den windschiefen Holzhäusern wohnen, die Hauptattraktion der Stadt, die fast alle sehr renovierungsbedüftig aussahen, tun mir eher leid. Ich frage mich immer noch, was sich Frau Merkel hier angesehen hat.

Somit haben wir beschlossen, es den Russen gleich zu tun. Auf eine Bank setzen und Sonne genieβen, als diese dann weg war, haben wir diese durch Bier ersetzt. Dabei habe ich zum wiederholten Male festgestellt, dass Russland ein Männerland ist. Während es bei den Männern nichts zu sehen gibt, stolzieren die Russinnen ab einem Alter von 14 Jahren mit mindestens 9 cm Absatz und Röcken, die eigentlich als Gürtel konzipiert sind, einem entsprechenden Oberteil sowie Voll-make-up, auf den öffentlichen Plätzen auf und ab und sind auf Männersuche. Olaf hat diese Gattung "Luderovka" getauft. Am nächsten Tag konnten wir dann sehen, wohin das führt - am Freitag, Standesamttag, war die ganze Stadt voller Brautpaare, meistens hat man drei Paare gleichzeitig gesehen. Ab der Hochzeit allerdings, spätestens nach dem ersten Kind, lässt die Zeit des Aufhübschens dann aber nach und die Russinnen werden wieder normale Frauen. 



Omsk 2. August 2006 - 34. Tag

28 Stunden Omsk

Gestern gegen 14.30 Uhr Ortszeit, und somit eine halbe Stunde vor offizeller Ankunftszeit, hatten wir wieder festen Boden unter den Füßen. Allerdings hätten wir auch schon um 12 Uhr hier sein können, wenn wir nicht noch vorher getankt hätten und auf dem letzten Stück normale Geschwindigkeit gefahren wären. Jedenfalls weiß ich jetzt
woher der Begriff "eindieseln" herkommt, nach ca. 1,5 h in diesem Geruch ist man nicht mehr ganz Herr seiner Sinne.
Omsk ist eine Industriestadt mit über einer Million Einwohner. Dadurch wird auch das Bild der Stadt geprägt, wenn man mit dem Schiff einfährt - Schornsteine und Neubauten - wenn man einfährt.
In Omsk angekommen, haben wir als erstes die Zugtickets für den nächsten Tag nach Tomsk besorgt, die man für einen Aufpreis von 200 Rubel pro Platz direkt am Fähranleger kaufen kann. Trotz des Aufpreises hat die Prozedur eine Stunde gedauert, obwohl nur ein Paar vor uns war. Ursprüglich hatten wir vorgehabt im Coupè zu fahren, allerdings haben wir uns aufgrund des hohen Preises (pro Person fast soviel, wie 8 Tage schifffahren in der 1. Klasse) und der Tatsache, dass wir nur eine Nacht unterweges sind, für die nur halb so teure Platzkartny entschieden.

Dass gesparte Geld haben wir direkt in ein schönes Hotelzimmer investiert, dass sich ebenfalls direkt am Fähranleger befindet, und von aussen zwar sozialistischen Charme versprüht, von innen aber erstaunlich gut ausgestattet ist. In dem Hotel "Tourist", der Kette "BEST EASTERN HOTELS" (wir haben uns schon gefragt, ob die sich das hier selbst ausgedacht haben), haben wir dass angeblich letzte Zimmer im 9. Stock bezogen, mit einer wunderschönen Weitsicht, neues Badezimmer mit Badewanne und Frühstück inklusive.

Danach haben wir die Stadt Omsk erkundet. Die Stadt hat einen kleinen, schönen Stadtkern mit kleinen zweistöckigen Häusern, die fast alle grüne Dächer haben, was eine Besonderheit von Omsk sein muss. Das es den ganzen Tag nicht geregnet hat und zusätzlich die Sonne geschienen hat, hat sich zusätzlich sehr positiv auf das Stadtbild und unsere Laune ausgewirkt. Darüber hinaus feiert die Stadt dieses Jahr ihren 290 Geburtstag, was zu Anlass genommen wird, die ganze Stadt zu renovieren = Häuser weiss streichen, Gehwege neu pflastern, viele Blumen pflanzen. Allerdings sind die Sehenswürdigkeiten begrenzt, so dass ein halber Tag locker ausreicht, um sich alles anzusehen.

Abends waren wir dann nach zwei Wochen Selbstversorgung richtig nett essen in dem Restaurant "Journalist", dass nach unserem Guidebook zu den Top 10 Restaurants in Russland gehören soll. Das Restaurant hatte eher Kneipenflair und hätte von der Ausstattung her in jeder anderen Groβstadt sein können, dafür war aber das Essen sehr lecker und die Preise ebenfalls o.k. Nach einem kurzen Ausflug in ein Internetcafe, um wenigstens unsere Schiffsreiseblog online zu stellen, hatten wir auf unserem Heimweg entlang des Irtytsch-Ufers einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Heute morgen beim Frühstücken haben wir festgestellt, dass im Hotel viele Business-Leute verkehren und wir haben seit Moskau den ersten ausländischen Tourist gesehen, den wir anhand seines Lonley Planet Transsibirien Railway identifiziert haben. Heute waren wir noch in einem Museum in dem es teilweise erstaunlich gute Bilder gab, u.a. ein Kandinski. Auβerdem gab es eine Sonderausstellung aus dem Moskauer Kreml. Danach sind wir noch etwas durch die Stadt geschlendert und haben festgestellt, dass 28 Stunden für Omsk wirklich ausreichend sind.

Jetzt sitzen wir im Zug nach Tomsk, nach einer sportlichen Höchstleistung haben wir auch Bahnsteig 3, Wagen 11 erreicht. Unsere Betten sind "Wand an Wand", d.h. durch eine Zwischenwand getrennt und somit in quasi zwei verschiedenen Abteilen, die es ja im Platzkartny gar nicht gibt. Die Russen haben uns freundlich aufgenommen und ca. 2 Stunden unser radebrechendes Russisch über sich ergehen lassen, auch wenn sich keiner so richtig vorstellen kann was wir im Tomsk wollen. Naja schlieβlich war ja Angela Merkel auch schon da.

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