Sabines Blog - Im Zug nach Salekhard, 20. Juli 2006
Zugreisend
Jetzt sitzen wir im Zug nach Norden, nach Salekhard, von dort aus werden wir ab dem 24. Juli mit einem Schiff ca. 6 Tage den Fluss Ob und den Irtytsch wieder hochfahren bis nach Omsk. Die Tickets fuer die Flussfahrt in Moskau zu bekommen, war unerwartet schwierig. In jedem Reisebuero, in dem wir nachgefragt haben, wurde einheitlich der Kopf geschuettelt, so dass wir noch nicht einmal wussten, an welchen Tagen eins von den wenigen Schiffen faehrt. Weitergeholfen hat uns hier ein deutschsprachiges Reisebuero, dass in Moskau seinen Sitz hat, das mir schon im Internet in Deutschland aufgefallen war, da es, soweit ich finden konnte, die einzigen waren, die eine aehnliche Tour auch als Paket anbieten, Troika Reisen. Mit ihnen haben wir per Internet Kontakt aufgenommen und sie konnten uns tatsaechlich weiterhelfen, einen Tag vor unserer Abreise hatten wir die Tickets in der Hand, die in Omsk gekauft werden mussten und dann nach Moskau geschickt werden mussten. Also fuer alle die jetzt zwar Lust auf Russland bekommen haben, aber keine Lust oder Zeit haben, dass selbst zu organisieren, einfach mal auf den Internet-Seiten von Troika Reisen stoebern.
Zugreisend
Jetzt sitzen wir im Zug nach Norden, nach Salekhard, von dort aus werden wir ab dem 24. Juli mit einem Schiff ca. 6 Tage den Fluss Ob und den Irtytsch wieder hochfahren bis nach Omsk. Die Tickets fuer die Flussfahrt in Moskau zu bekommen, war unerwartet schwierig. In jedem Reisebuero, in dem wir nachgefragt haben, wurde einheitlich der Kopf geschuettelt, so dass wir noch nicht einmal wussten, an welchen Tagen eins von den wenigen Schiffen faehrt. Weitergeholfen hat uns hier ein deutschsprachiges Reisebuero, dass in Moskau seinen Sitz hat, das mir schon im Internet in Deutschland aufgefallen war, da es, soweit ich finden konnte, die einzigen waren, die eine aehnliche Tour auch als Paket anbieten, Troika Reisen. Mit ihnen haben wir per Internet Kontakt aufgenommen und sie konnten uns tatsaechlich weiterhelfen, einen Tag vor unserer Abreise hatten wir die Tickets in der Hand, die in Omsk gekauft werden mussten und dann nach Moskau geschickt werden mussten. Also fuer alle die jetzt zwar Lust auf Russland bekommen haben, aber keine Lust oder Zeit haben, dass selbst zu organisieren, einfach mal auf den Internet-Seiten von Troika Reisen stoebern.
Jetzt sind wir seit gestern abend 19.20 Uhr unterwegs, im Coupè-Wagen 11, Abteil 5, Plaetze 18 und 20 (die beiden oberen, was leider eher unpraktisch ist, keine Ahnung warum der Typ im Reisebuero das so gebucht hat). Gestern haben wir Sachen gepackt und haben festgestellt, dass wir noch viel zu viel Gewicht haben, leider weiss ich nicht von welchen Sachen ich mich trennen sollte. Ausserdem haben wir zwei Tueten Lebensmittel und Wasser dabei, die wie wir festgestellt haben aber auch notwending sind, da dieser Zug, der uns insgeamt 46 Stunden befoerdet, ueber keinen Speisewagen verfuegt.
Wir teilen uns unser Abteil mit Iwan, der waehrend seiner Armeezeit in Deutschland bei Stendal stationiert war und einer Frau, deren Namen ich leider wieder sofort vergessen habe. Beide kommen jeweils aus dem Urlaub wieder, Iwan war mit seiner Familie bei seiner Mutter in der Ukraine, er muss jetzt wieder arbeiten und faehert daher als erster nach Hause zurueck. Die Frau war am Schwarzen Meer, hat sich dort aber leider leicht erklaeltet. Ich glaube, beide koennen nicht so ganz verstehen, wie man freiwillig, als Torist soweit in den Norden fahren kann, wo es doch kalt ist, und auch nicht viel zu sehen gibt. "Naja, vielleicht wegen der Romantik", meinte die Frau und schaute vetraeumt aus dem Fenster.
Ich sitze gerade auf einem Klappsitz im Zuggang, weil ich nicht die ganze Zeit auf dem Bett von der Frau sitzen moechte und man von den oberen Betten nicht gut aus dem Fenster sehen kann, dass heisst man sieht nur das Gleisbett. Allerdings gibt es draussen auch nicht besonders viel zu sehen, seit Stunden zieht Mischwald an unseren Fenstern vorbei, ab und zu sind auch ein paar Haeuser zu sehen. Wenn ich oben auf meinem Bett liege und lese, werde ich aber irdenwie ganz schell muede, kann dann daber trotzdem nicht richtig schlafen. Ich bin wirklich froh, dass wir nicht die ganze Strecke nach Peking in einer Tour durchfahren, dass ist bestimmt auf die Dauer auch ganz schoen anstrengend - Nichtstun und aus dem Fenster schauen.
Das "Gangleben" ist eher unspektakulaer, fast alle haben ihre Abteiltuer geschlossen, nur ab und zu kommen Leute vorbei, die auf Klo wollen, und wenn sie zurueckkommen weht ihnen auch ein gewisser Duft hinterher. Irgendwie bin ich ja auch schon auf unsere Fahrten in der 3. Klasse gespannt, in der es keine Tueren gibt, dafuer pro Wagen aber fast 50% mehr Leute (52 statt 36) untergebracht sind. Auch hier konnten unsere Mitfahrer sich nicht vorstellen, wie man das freiwillig machen kann, "Naja, vielleicht wegen der Romantik" meinte die Frau schließlich.
So, ich hoere jetzt weiter Claudius Weltreise-Musik ("Around the world"), die er uns zusammen mit einem I-Pod zum Abschied geschenkt hat, und wofuer ich mich an dieser Stelle noch einmal recht herzlich bedanke, und schaue noch etwas aus dem Fenster.
Nachtrag 21.7.: Heute sind wir genau 3 Wochen unterwegs, unglaublich wie schnell die Zeit vergangen ist. Wir sitzen immer noch im Zug. Gestern nachmittag hatte ich "Toilettenpech", d.h. als ich auf die Toilette wollte, hatte die Zugbegleiterin diese wegen mehrerer hintereinanderliegenden Bahnhoefen gerade abgeschlossen, und wie ich im Zeitablauf feststellen durfte wurden diese erst nach 2 Stunden wieder aufgeschlossen. Der grosse Vorteil war, dass diese dann frisch geputzt war.
Die Halte an den Bahnhoefen sind auch sehr interessant zu beobachten, den im Gegensatz zu Deutschland, dauern diese hier meist 15 bis 20 Minuten. In dieser Zeit springt fast der halbe Zug auf den Bahnsteig, um sich die Fuesse zu vertreten, am Kiosk einkaufen zu gehen, oder mit den dort beheimateten Bauern Handel zu treiben, die ihrerseits meist Produkte aus ihren Gaerten feilbieten und wild gestikulieren von Wagen zu Wagen laufen. So erhoeht sich die Zugfracht waehrend der Reise um einige Saecke Kartoffeln, die bei den Zugreisenden sehr hoch im Kurs standen. Die Zugbegleiterin steht dabei vor dem Wagen und passt auf, dass bis zur Abfahrt die richtigen Leute wieder im Zug sind (Nichtreisende werden nicht reingelassen).
Die Natur vor unserem Fenster hat sich auch veraendert, die Baeume stehen jetzt nur noch vereinzeilt und sind sehr klein, eigentlich ist es fast nur noch Gebuesch, was man sieht, daher hat man einen sehr weiten Blick ueber das Land. Seit heute morgen regnet abwechselnd mehr oder weniger stark. Die Landschaft ist daher in ein sehr melancholisches Licht getaucht. Haeuser sieht man kaum noch. Vorhin haben wir ein Schild passiert, dass gezeigt hat, dass wir jetzt in Asien sind. Und hier werden wir die naechsten Monate auch bleiben.
Olafs Blog - Kurz vorm Ural, 20. Juli 2006
Am Ende Europas
Heute habe ich das erste Video unserer bisherigen Reise gedreht. Es dauert genau 5 Minuten und zeigt, was auf unserer Zugfahrt aus dem Fenster zu sehen ist. Die 5 Minuten zeigen russischen Wald, der an uns vorüber fliegt. Birken, Tannen, Lärchen usw.. Ich hätte dieses Video auch ohne Probleme eine oder zwei Stunden lang drehen können, ohne dass sich an seinem Inhalt etwas geändert hätte.
Heute Nacht werden wir den Ural und damit das geographisch offizielle östliche Ende Europas erreichen. Für mich ist diese Endlosschleife russischen Waldes, welche nur alle 2 Stunden durch ein paar dahingeworfene Holzhäuschen unterbrochen wird, eine schier unfassbare Größe unbewohnten Landes. Im Gegensatz zu Westeuropa, kann man an diesem östlichen Ende Europas tagelang wandern, ohne einem Menschen zu begegnen. Sicher bräuchte man dafür eine richtige Wildnisausrüstung, denn in diesen weiten Wäldern wird es mit Sicherheit Bären geben.
Auf den wenigen Bahnhöfen unterwegs bieten russische Babuschkas uns Reisenden gekochte Kartoffeln, Eis und alle Arten von Verpflegung durch die ansonsten von der Wagenschaffnerin streng bewachten Eingangstür unseres Waggons an. Auf den Gleisen stehen endlos lang erscheinende Güterzüge mit "Neftprodukteu", was soviel heisst wie "Ölerzeugnisse", die offensichtlich nicht ihren Weg durch eine der Pipelines gefunden haben. Neben den Ölwaggons stehen ebenso lange Güterzüge, die mit den Stämmen des in meiner Videoschleife festgehaltenen sibirischen Waldes beladen sind. Bei diesen Anblicken stelle ich mir die sicher etwas unromantische Frage, warum so viele Politiker in Europa die EU lieber in Ostanatolien enden lassen wollen als in Sibirien.
Im Inneren unseres Zuges teilen wir unser 4er Abteil mit Iwan und Elena. Iwan kommt ursprünglinglich aus der Unkraine und lebt jetzt in einem 7.000 Seelendorf 200 km nördlich unseres Zielortes Salekhard und damit ebensoweit nördlich des Polarkreises. Auf unseren Karten ist dort zwar keine menschliche Ansiedlung mehr verzeichnet, aber wie wir merken, hat das nichts zu sagen. Die Eisenbahn fährt nicht bis zu Iwans Dorf, stattdessen im Sommer jeden zweiten Tag von Salekhard ein Schiff auf dem Obbusen entlang. Im Winter ist der zugefroren, so dass man dann mit dem Auto nach Salekhard fahren kann. Im Sommer ist das nicht möglich, denn es gibt keine Strasse. In seinem Dorf arbeitet Iwan als Erzieher in einem Internat, in dem währen der Sommerzeit die Kinder der Rentierzüchter untergebracht sind. Die Rentierzüchter ziehen dann mit ihren Herden durch das Land und könnten unterwegs den Kindern keine regelmäßige Schulausbildung bieten. Der eigentliche Grund für die Existenz dieses Dorfes nördlich des Polarkreises ist das Erdgas, welches dort gefördert wird. Iwan mag wie fast alle Russen sehr gern viel Bier. Momentan hat er Urlaub und kommt so auf ca. 15 Flaschen am Tag. Wenn er arbeitet sind es so 7 bis 8. Auf unserer Zugfahrt hält er sich aber zurück, was nicht zuletzt an Elena liegt.
Die Endvierzigerin Elena kommt ebenfalls aus dem Urlaub, den sie an der russischen Schwarzmeerküste in der Nähe des Badeortes Sotschi verbracht hat. Sie hält der neuen Mode, dass alle ständig und überall Bier trinken, überhaupt nichts. Schuld sei auch die ständige Bierwerbung im Fernsehen, die die Jugend zum Biertrinken verleitet. Das hätte es früher nicht gegeben. Soredet sie auch auf Iwan ein und schmälert so seine Freude am Bier.
Elena wohnt und arbeitet ebenfalls im Norden als Sozialarbeiterin in einem Heim für psychisch kranke Kinder. Sie hat jetzt noch ein paar Tage Urlaub übrig, die sie dazu nutzen wird, ihren Sohn in einer anderen Stadt des Nordens zu besuchen.
Elena und Iwan geben sich beide Mühe, unser Russisch noch etwas zu verbessern. Insgesamt scheint ihnen aber das Konzept des Abenteuerreisens eher fremd zu sein, weshalb sie unsere Art zu reisen als exotisch empfinden. Auf jeden Fall haben wir eine angenehme Reisebegleitung erwischt.

