Am Polarkreis nichts los
Vorgestern sind wir am Salekhard angekommen, der Stadt, die genau auf dem Polarkreis liegt. Wir sind zusammen mit Iwan schon eine Station vor der Endstation ausgestiegen, und mit dem Auto weitergefahren. Aus dem Auto betrachtet sah die Natur wieder ganz anders aus, warscheinlich weil man irgendwie doch noch naeher dran ist. Dann haben wir mit der Faehre den Fluss Ob, auf dem wir ja noch einige Tage unterwegs sein werden ueberquert. Unglaublich, wie viele ebenfalls das Ansinnen hatten, den auf unserer Faehre waren allein 25 Autos und auf dem Fluss sind uns noch 3 weitere Faehren begegnet, als wir an der anderen Seite anlegten, hatte sich dort bereits wieder eine Schlange gebildet.
Wir haben dann in dem Hotel Jamal, das uns Iwan empfohlen hat, Quartier bezogen. Es ist sauber und auch ganz gemuetlich eingrichtet, allerdings auch ganz schoen teuer - 65 Euro pro Nacht, einen Discount fuer 3 Naechte wollten sie uns auch nicht geben oder haben uns einfach nicht verstanden. Daher haben wir hier zunaechst fuer eine Nacht uns eingebucht. Dank des Kuehlschrankes auf dem Zimmer und 24h Supermarkt gegenueber von dem Hotel war auch die Verpflegung sichergestellt. Abends sind wir dann noch durch die Stadt gelaufen, umschwaemt von Muecken, in der des bis nach Mitternacht tatsaechlich noch taghell war.
Seit gestern morgen regnet es ziemlich viel. Die Schlechtwetterfront, die uns schon auf der Bahnfahrt begleitet hat, hatte uns wieder eingeholt. Olaf hat beim erneuten Studium der Zimmerpreise festgestellt, das es auch eine Kategorie 2 gibt, die nur die Haelfte kostet. Der einzige Unterschied zur Kategorie 1 besteht darin, dass es kein heisses Wasser gibt. Unglaublich 32 Euro pro Nacht nur fuer heisses Wasser. Da wir morgens noch ausgiebig warm geduscht hatten, haben wir das Zimmer getauscht.Wir hatten sogar noch Glueck, eine Boilerfuellung heisses Wasser war noch vorhanden, so dass wir heute auch noch mal kurz warm duschen konnten, denn das kalte Wasser ist hier sehr, sehr kalt.
Ansonsten haben wir uns in den Regenpausen saemtliche zu Fuss erreichbare Sehenswürdigkeiten der Stadt angeschaut, aber leider sind diese doch ziemlich beschraenkt - fast 3 Tage ist auch viel zu lang fuer diese Stadt, aber leider waren die spaeteren Zuege alle schon ausgebucht. "Hier ist einfach nichts los" meinte Olaf gestern zu mir auf unserem Abendspaziergang, Haendewedelnd um die Muecken zu vertreiben, die einen trotz Mueckenspray hartnaeckig verfolgen. Auf unserem Rueckweg haben wir dann doch noch den Intreffpunkt der Stadt gefunden - den 24h Supermarkt gegenueber, in dem es Bier und Wodka gibt.
Olafs Blog - Salekhard, 24. Juli 2006
Alles für uns allein
Seit zwei Tagen sind wir nun schon in Salekhard am Polarkreis und damit in Asien. Äußerlich ist aber nach wie vor alles europäisch, also russisch, geblieben. In den Strassen fallen uns allerdings die sogenannten Nenzen auf, die vereinzelt zu sehen sind. Sie haben eine dunklere Hautfarbe und sehen ein wenig wie Eskimos aus. Auch haben sie Schlitzaugen, so dass sie zumindest ein wenig an Asiaten erinnern.
Im lokalen Heimatmuseum konnten wir uns den heute auch ausführlich soswohl über die polare Tierwelt (inklusive original Mammutknochen) als auch über das Leben der Nenzen informieren. Neben einer Familie, die offenbar aus einem der benachtbarten Dörfer kam, waren wir die einzigen Besucher und erhielten somit die volle Aufmerksamkeit des Museumspersonals.
Wir bekamen die beiden ausgestellten Zelte der als Nomaden lebenden Nenzen ausführlich erklärt. Zum einen gibt es ein Sommerzelt, welches aus pyramidenförmig zusammengestellten langen Birkenstangen besteht, die dann mit Birkenrinde umwickelt werden. Die Größe des Zeltes läßt sich durch die Anzahl der Stangen vairiieren. In solch einem aus bis zu 50 Stangen zusammengestellten Zelt wohnen bis zu zwei Familien. Das Winterzelt unterscheidet sich im wesentlichen dadurch, dass es statt mir Birkenrinde mit Tierfellen umwickelt wird, um einen größeren Schutz zu der hier im Winter bis zu minus 50 Grad herrschenden Kälte zu bieten. Die meisten Nenzen leben noch heute in der ursprünglichen nomadischen Lebensweise und geben den Winter über ihre Kinder in Internaten in den Städten ab. Iwan, einen Betreuer in einem solchen Internat, hatten wir ja bereits auf der Zugfahrt kennengelernt.
Die Austellung befand sich in einem sehr neuem und westlichen Industriedesign entsprechenden "Ausstellungszentrum", ohne dies allerdings auch nur annähernd zu füllen. Auf Nachfrage erklärte unsere ausschließlich russisch sprechende Museumsführerin aber, dass es geplant sei, auch die restliche Fläche noch mit Exponaten für vielen ausländischen Touristen zu füllen.
Von den vielen ausländischen Touristen aus Europa, Amerika und Asien hatte uns schon Iwan während der Zugfahrt erzählt. Sie würden alle mit dem Flugzeug nach Salikhard kommen. Bislang konnten wir allerdings ausser uns hier noch keinen weiteren Ausländer sichten. Das hatte den Vorteil, dass wir die umfangreichen touristischen Attraktionen von Salekhard ganz für uns allein haben. Neben dem erwähnten Heimatmuseum gehören hierzu die folgenden Objekte in dem geschätzt 70.000 Einwohner umfassenden Städtchen:
- eine riesige Mammutstatue am Fähranleger
- eine im Bau befindliche ähnlich große Rentierstatue
- eine Leninstatue vor dem Sitz der Provinzregierung des Jamalo-Nenzischen Autonomen Gebietes
- eine nachgebaute Holzfestung, die offensichtlich eine der ersten Niederlassungen in der 410jährigen Geschichte Salekhards war
- eines von weltweit nur zweimal existierenden Restaurants, die zwischen zwei Brückenpfeilern hängen (ich nehme an, dass unser Fahrer, der diese Aussage traf, die Autobahnraststätte Tecklenburger Land nicht kannte)
- eine ultramodernes Flughafenterminal
- eine ebenso moderne Bahnstation
Die letzte in der Reihe noch fehlende Attraktion wollten wir heute leider vergeblich besichtigen. Es handelt sich dabei um ein Monument, welches genau auf dem Polarkreis errichtet wurde und denselben symbolisiert. Dies ist besonders wichtig, da die Verantworlichen von Salekhard dieser besonderen Lage der Stadt offensichtlich auch besonderes touristisches Potential beimessen. Nach ca. 1,5 Stunden Fußmarsch von unserem Hotel sind wir dann auch an der bezeichneten Stelle angekommen. Allerdings fanden wir nur ein leeres Podest vor. Auf Nachfrage im gegenüber liegenden Hotel "Polarkreis" wurde uns mitgeteilt, dass das alte Monument abgerissen und an anderer noch weiter entfernterer Stelle wieder aufgebaut wurde. Darauf, uns bis dahin durchzufragen, haben wir dann verzichtet. Es muß ja noch ein ungelüftetes Geheimnis für unseren nächsten Salekhardbesuch übrig bleiben.

